Digital Audio Broadcasting


Digital Audio Broadcasting

Digital Audio Broadcasting (DAB) ist ein digitaler Übertragungsstandard für terrestrischen Empfang von Digitalradio. Es ist für den Frequenzbereich von 30 MHz bis 3 GHz geeignet und schließt daher auch die Verbreitung von Hörfunkprogrammen über Kabel und Satellit ein. Entwickelt wurde DAB im Eureka-147-Projekt der EU in den Jahren 1987–2000. Der DAB-Standard ist unter dem Code EN 300 401 online von der europäischen Standardisierungsorganisation ETSI erhältlich.[1]

Für DAB (oder den inzwischen weiterentwickelten, abwärtskompatiblen Sendestandard DAB+) wurde 2001 in Deutschland der allgemeinverständlichere Begriff Digital Radio (in zwei Wörtern) und ein entsprechendes orangefarbenes Logo eingeführt. Digitalradio ist im Gegensatz dazu jedoch ein Oberbegriff für die digitale Übertragung von Hörfunk, der beispielsweise auch Internetradio und DRM (Digital Radio Mondiale) umfasst.

Logo Digital Audio Broadcasting
Logo Digital Radio für DAB+
Logo Digital Radio für Radioübertragung nach DAB-Standard
DAB-III-Empfangsgerät ONN ODABR01 (Original Albrecht DR 600)

Inhaltsverzeichnis

Frequenzen

Als Frequenzbereich sind das VHF-Band I (47–68 MHz, aber keine Nutzung für Radio und Fernsehen mehr vorgesehen), Band III (174–230 MHz), in einigen Ländern der „Kanal 13“ (230–240 MHz) sowie Teile des L-Bandes (um 1,46 GHz) für DAB eingeteilt. Der Frequenzbereich Band III wird in Deutschland für digitales Radio freigehalten, vereinzelte Fernsehsender im VHF-Band sollen in den UHF-Bereich verlagert werden. Die Frequenzen im L-Band eignen sich auf Grund der geringen Reichweite nur zur lokalen DAB-Versorgung.

Verfügbarkeit

DAB ist in Deutschland, der Schweiz, Südtirol, Belgien, Dänemark und dem Vereinigten Königreich fast flächendeckend verfügbar. In Frankreich sind bisher nur einzelne Empfangsinseln um Paris und Lyon verfügbar, ebenso in den Niederlanden. In Italien treiben vor allem die Privatsender den DAB-Ausbau in den norditalienischen Großräumen voran, und in Kanada werden einige Ballungsräume in Ontario, Québec und British Columbia versorgt. In Österreich wurde der seit 2000 laufende Versuchsbetrieb 2008 eingestellt. Insgesamt wird DAB in mehr als 40 Ländern eingesetzt, womit etwa 500 Millionen Menschen von DAB-Sendern erreicht werden (Stand November 2011).

Deutschland

Die DAB-Sendeabdeckung in Deutschland beträgt ca. 70 % der Bevölkerung (Stand November 2011).[2] Die Abdeckung und die Versorgung in den einzelnen Gebieten ist sehr unterschiedlich. Das Bundesland Bayern hat bereits seit ca. 1999 ein flächendeckendes DAB-Sendernetz. Anfang 2010 wurde in Bayern sogar mit dem Aufbau eines zweiten landesweiten Netzes begonnen. Seit dem August 2011 ist ein bundesweites Sendernetz im Aufbau, das zunächst die Ballungsräume versorgt und in den nächsten Jahren nahezu flächendeckend ausgebaut werden soll.

Für DAB würde eine Sendeleistung von 10 kW ausreichen, um eine ausreichende Versorgung innerhalb von Gebäuden ohne die Notwendigkeit einer Außenantenne zu gewährleisten. Vergleichsweise werden für die Übertragung eines einzigen Programmes auf UKW bis zu 100 kW eingesetzt. Aufgrund der Frequenznachbarschaft des bisher überwiegend verwendeten Fernsehkanals 12 (Frequenzblöcke 12A bis 12D) mit dem militärisch genutzten Frequenzbereich oberhalb 230 MHz bestehen in Deutschland einige Leistungsbeschränkungen. Nur in den skandinavischen Ländern und in Italien gibt es eine Nutzung der Frequenzen von 230 bis 240 MHz (im sogenannten „Kanal 13“) durch DAB.

Auf Verlangen des Bundesministeriums der Verteidigung, das eine Störung seiner oberhalb von 230 MHz angesiedelten Dienste befürchtet, wurde daher die Sendeleistung im VHF-Band III auf Kanal 12 auf maximal 1 kW (ERP) begrenzt, so dass eine hausinterne Versorgung auf diesen Kanälen nicht flächendeckend gewährleistet ist. Ziel ist es jedoch, eine Aufhebung dieser Beschränkung zu erreichen, zumal andere NATO-Länder diese Befürchtungen nicht teilen und DAB mit Sendeleistungen von bis zu 10 kW (ERP) problemlos ausgestrahlt wird. In Bayern konnte inzwischen die Sendeleistung von bisher 1 kW (ERP) bei 23 Sendern auf 4 kW und bei 19 Sendern auf 10 kW erhöht werden, da die Bundeswehr auf die Benutzung der benachbarten Kanäle verzichtet.[3][4]

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) richtete die „DAB-Plattform im VDA“ ein, deren Mitglieder sich aus Automobilherstellern, Sendernetzbetreibern, Programmanbietern, Industrie, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem ZVEI zusammensetzen.

Derzeit gibt es in Deutschland etwa 60 überregionale und 20 lokale DAB-Programme (Stand: April 2010). Eine bundesländerspezifische Übersicht der regional verfügbaren Programme ist unter www.digitalradio.de verfügbar.[5]

DAB wird nicht, obwohl technisch möglich, über das Kabelfernsehen verbreitet, da die großen Kabelnetzbetreiber DVB-C bevorzugen.

DAB musste über die gesamte Betriebsdauer mit großen Widerständen und mangelndem Erfolg kämpfen. Der Mitteldeutsche Rundfunk stieg nach dem Ende des Testbetriebs 1998 wegen „schlechter Erfahrungen“ zunächst komplett aus dem System aus[6] und schaltete erst im Jahr 2002 wieder als einziger Sender ein großteils unmoderiertes Klassikprogramm auf (MDR Klassik). Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg sah im Jahr 2004 den DAB-Standard im damaligen und heutigen Format als gescheitert an und empfahl ebenfalls die Suche nach Alternativen.[7] Nach dem Start von DVB-T mit derzeit 14 DVB-T-Radiosendern ist dort nur noch ein DAB-Ensemble übrig geblieben,[8] im Umland senden nur noch Deutschlandfunk und D-Radio Kultur. Zum gleichen Zeitpunkt meinte der Leiter der Bremer Landesmedienanstalt BREMA, Wolfgang Schneider: „Wir hören jetzt so etwas wie eine verdeckte Abschiedssymphonie. Einer nach dem anderen packt seine Subventionen ein, und ohne diese wäre DAB ja sowieso nie ins Laufen gekommen.“[9] Insgesamt sollen allein bis 2001 etwa 350 Millionen Euro in die DAB-Technologie investiert worden sein.[6]

In Berlin sind Anfang 2010 erstmals neue DAB-Programme aufgeschaltet worden (DRadio Wissen, Oldiestar und Bayern plus). Auch im Verbreitungsgebiet des MDR zeigt sich das Bekenntnis zu DAB. Dort hat man als erste ARD-Rundfunkanstalt zwei Programme in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgeschaltet, und zwar im neuen Sendestandard DAB+. Dort sind jetzt auch MDR Sputnik (Jugendkanal) und MDR Info zu hören. Mit 90elf ist in Sachsen auch ein Privatsender über DAB+ vertreten.

In sieben Bundesländern senden zurzeit ausschließlich öffentlich-rechtliche Hörfunk-Programme (ausgenommen der bundesweiten Programme). Teilweise senden dort analoge Mittelwellenprogramme im Parallelbetrieb auf DAB.[10] In einigen Fällen beendeten private Programmanbieter die DAB-Ausstrahlung, nachdem entsprechende staatliche Subventionen wegfielen.[11][12][13][14] In Hamburg stellte der Veranstalter des landesweiten UKW-Programms Alsterradio die DAB-Verbreitung des Zusatzprogramms AllRock bereits im Jahr 2005 ersatzlos ein, da „eine Konzentration auf den derzeitigen Digital Radio-Übertragungsstandard“, also DAB, „zunehmend schwieriger und am Ende aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht mehr vertretbar“ gewesen sei.[15]

Jedoch zeigt sich seit Ende 2009 eine Wende in den Verbreitungswegen der privaten Veranstalter. So haben sich einige neue Anbieter auf neuen DAB Senderplätzen beworben. 90elf in Sachsen, Oldiestar in Berlin und neue Anbieter für lokale Senderbouquets in Bayern.[16] In Bayern wurden im Oktober 2011 vier neue landesweite Privatprogramme genehmigt: Antenne Bayern digital, Antenne Bayern Info digital, MEGA RADIO, RT1 in the mix. Mega-Radio hat den Sendebetrieb bereits aufgenommen, die anderen starten spätestens im Januar 2012. [17]

Im öffentlich-rechtlichen Bereich sendet der Hessische Rundfunk (hr) bis heute nicht über DAB[18], stattdessen werden neue UKW-Frequenzen in Betrieb genommen.[19] Auch in anderen Bundesländern werden weiterhin neue UKW-Frequenzen ausgeschrieben und aufgeschaltet.[20]

So stellte eine Studie für das Bundeswirtschaftsministerium im Jahr 2006 fest: "Über DAB sind weniger Programme in zudem teils schlechterer Qualität als über UKW zu empfangen."[21] Jedoch will man vorerst nur bis 2015 die gesamte UKW-Frequenzpalette ausschreiben, um Planungssicherheit bei der kommenden Digitalisierung des Hörfunks zu geben.[22]

Von Bedeutung bei der Verzögerung der Durchsetzung von DAB ist das stetig schwindende Interesse junger Menschen am Medium Radio zugunsten der Nutzung des Internets und von Endgeräten wie dem iPod. Bereits im November 2006 war nach einem Bericht von Spiegel-Online von Seiten der privaten Programmanbieter ein „Big Bang“, also ein Radikalumstieg, ähnlich wie bei DVB-T, im Gespräch. Seitdem sind von Politik und Wirtschaft keine nennenswerten Entscheidungen getroffen worden, die dem Digitalradio zum Durchbruch verhelfen konnten.[23] Jedoch hat man die Mediennutzung des „Radios der Zukunft“ untersucht und belegt, dass eine große Programmanzahl mit vielen Zusatzdiensten einen großen Mehrwert hervorrufen kann und dass im Anschluss die Akzeptanz steigt.[24]

Am 15. Juli 2009 beschloss die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), die beantragten Mittel für die DAB-Programme der ARD und des Deutschlandradio nicht freizugeben, da die vorliegenden Projektanträge der ARD und des Deutschlandradios zum Digitalen Hörfunk wesentliche Teile der von ihr mit den Rundfunkanstalten abgestimmten Kriterien nicht erfüllten und damit die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht nachgewiesen werden konnte. Die vorgesehenen Projektmittel für die digitale Zukunft des Hörfunks wurden nicht gestrichen, sondern für neue Initiativen eingefroren.[25] Der KEF wurde vorgeworfen, dass sie damit ihre Kompetenzen überschritten hat und Rundfunkpolitik gemacht hat, was ihr nicht zusteht. Insbesondere wurde wurde ihr vorgeworfen, dass sie in ihrer negativen Beschreibung die damals bereits genehmigten drastischen Verstärkungen der Sendeleistung verschwiegen hat. Eine spezielle Rolle spielte dabei der einzige Techniker im Gremium: Prof. Ulrich Reimers. Die KEF empfahl damals als eine Alternive zu DAB, DVB-T für Radioverbreitung zu verwenden. Sie verschwieg dabei, dass auf DVB-T-Patentschriften der Name Ulrich Reimers steht, dieser somit befangen war. [26]

Einen neuen Anlauf hat der Netzbetreiber Media Broadcast mit dem öffentlich-rechtlichen Deutschlandradio und sechs privaten Veranstaltern am 15. Dezember 2010 vereinbart. Über das verbesserte DAB+ (der Einsatz von effizienteren Kanalcodierungs- und Kompressionsverfahren ermöglicht geringere Sendeleistung bei gleicher Empfangsqualität) werden seit 1. August 2011 Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen digital verbreitet. Außerdem haben sich die Veranstalter Lounge FM, Absolut Radio, Regiocast, ENERGY, ERF Medien, Klassik Radio, RADIO BOB! und Radio Horeb dem angeschlossen.[27] Damit ist das erste DAB+-Multiplex zu mehr als 85 % ausgelastet; das war die Bedingung der KEF für die Freigabe der eingefrorenen Projektmittel in achtstelliger Höhe. Die verbleibenden Kapazitäten sind von der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten erneut ausgeschrieben worden; mit der niedersächsischen NWZ Funk und Fernseh GmbH und der Hamburger Frank Otto Medienbeteiligungsgesellschaft mbH (KISS FM) sind bis zum 19. Januar 2011 zwei weitere private Programmanbieter eingestiegen.[28]

DAB+ ist mit bisherigen DAB-Geräten nur zu empfangen, sofern sie mit neuer Firmware aktualisiert werden können. Neue DAB+-fähige Geräte sind zumeist abwärtskompatibel. Praktisch alle Geräte, die seit Ende 2010 in den Handel kommen, unterstützen DAB+. Es sind jedoch auch noch Geräte nach dem alten DAB-Standard im Handel.

Schweiz

Der Bundesrat erteilte am 17. Februar 1999 der SRG SSR idée suisse die Konzession zum Aufbau eines DAB-Netzes in der Schweiz. Noch im gleichen Jahr gingen im Großraum Bern-Solothurn die ersten Sender in Betrieb. Weiter folgten in den Jahren 1999 und 2000 die Regionen Interlaken-Bern-Biel, Baden-Zürich-Winterthur, sowie die Genferseeregion und die Agglomeration Basel. Seit 2001 ist DAB auf den Hauptverkehrsachsen Ost-West (inklusive der großen Tunnels) und Teilen der Nord-Südachse empfangbar. Seit Ende 2009 ist DAB in der ganzen Schweiz zu empfangen.

Die SRG SSR idée suisse strahlt in den vier Sprachregionen je ein eigenes Programmensemble mit neun bis elf Sendern aus - im Kanton Graubünden ist es mit Ausnahme zweier Sender ausschließlich in DAB+. Im Juli 2007 wurden acht private Programme für das 2. DAB-Ensemble in der Deutschschweiz konzessioniert. 18 Anbieter haben dafür ein Konzessionsgesuch eingereicht. Die SRG SSR idée suisse erhält zwei zusätzliche Konzessionen. Insgesamt sind 17 Programme der SRG SSR idée suisse aufgeschaltet: DRS 1, DRS 2, DRS 3, DRS 4 News, DRS Musikwelle, DRS Virus, Rete Uno, Rete Tre, Radio Rumantsch, La Première, Option Musique, Swiss Classic, Radio Swiss Jazz, Radio Swiss Pop, World Radio Switzerland, Backstageradio (Mx3 (Musikplattform)), Open Broadcast.

Seit 2009 betreibt die Swiss Media Cast AG, eine von der SRG und Privatradios getragene Unternehmung, ein eigenes DAB+-Netz, über welches alle Privatradios und einige Sender der SRG verbreitet werden (Layer D02, Kanal 7D, Band III).[29]

Mittelfristig ist eine vollständige Migration aller bisheriger DAB-Programme auf den Standard DAB+ vorgesehen. Dieser Migrationsprozess soll Ende 2012 beginnen. Danach sind keine „alten“ DAB-Programme mehr verfügbar. Ein Abschaltszenario für UKW-Sender ist zwar „längerfristig“ geplant, aber derzeit nicht konkret terminiert.[30] Die Entwicklung zeigt, dass inzwischen jeder zehnte Haushalt ein DAB+-Gerät besitzt.

Folgende Privatsender in der Schweiz haben eine DAB+-Konzession erhalten:

Diese Sender werden über das DAB+-Netz der SMC AG auf Kanal 7D (Band III) in der ganzen Deutschweiz verbreitet.[31] Ab 1. Dezember 2011 soll ausserdem der Zürcher Radiosender Radio 105 in das DAB+-Netz aufgenommen werden.[32]

Österreich

Der ORF betrieb in der Vergangenheit gemeinsam mit der ORS ein Pilotprojekt in Wien und Tirol. In Wien wurden im Block 12B die Programme Ö1, Radio Wien, Ö3 und FM4 abgestrahlt. In Tirol im Block 12C die Programme Ö1, Radio Tirol, Ö3 und FM4. Über die Einstellung des Projekts gibt es unterschiedliche Angaben, der ORF bietet keine Informationen mehr dazu auf seiner Homepage an. Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) schrieb dazu noch im Dezember 2009 auf ihrer Website: „Lediglich in Wien und im Großraum Innsbruck strahlt der ORF testweise seine vier Hörfunkprogramme digital aus, praktisch aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“[33]

Seit Dezember 2009 sind vereinzelt digitale Radiosender in Österreich empfangbar, allerdings wird derzeit ausschließlich im DVB-T-Multiplex B (nur Wien) und C (Steiermark) gesendet. Die Ausstrahlung einiger Stationen über DVB-H wurde 2010 eingestellt. Die Wiedereinführung von DAB in der Variante DAB+ ist derzeit wegen des Fehlens überzeugender Erfolgsmeldungen aus dem Ausland nicht geplant.[34]

Südtirol

Zurzeit werden von der Rundfunk-Anstalt Südtirol (RAS) 17 Hörfunkprogramme fast landesweit und weitere 10 Hörfunkprogramme im Großraum Bozen, Überetsch und Unterland ausgestrahlt.

Block 12 A: Bayern 3 (Hitradio), Bayern 4 (Klassische Musik), Bayern 5 Aktuell (24 Stunden Nachrichten), RadioJojo (Kinderradio), RADIO UNO, RADIO DUE, RADIO TRE, S-BZ RAI (Sender Bozen) und seit Oktober 2008 Deutschlandradio Kultur in der neuen Technik DAB+.

Block 12 D: ORF-OE1 (Kultur), ORF-OE2 (Radio Tirol), ORF-OE3 (Hitradio), ORF-FM4 (Alternativ), SRG-Swiss Jazz (24h Jazz), SRG-Radio Rumantsch (rätoromanisch), Bayern2 (Information) und Bayern1.

Des Weiteren wird im Großraum Bozen auf dem Kanal 13A das Ensemble „DABMEDIA“ ausgestrahlt (Versorgung von ca. 39% der Bevölkerung). Dieses beinhaltet die Programme von Radio 2000, Radio Gherdeina, Radio Grüne Welle, Radio Holiday, Radio Tirol und Südtirol 1. Das Programm Tele Radio Vinschgau ist seit November 2008 hörbar.

Außerdem betreibt die RAS einen Sender im L-Band um die Ausbreitungseigenschaften dieses Frequenzbandes zu untersuchen. Der Sender befindet sich am Hauptstandort Penegal und versorgt den Großraum Bozen (ca. 26% der Bevölkerung). Die Programmbelegung ist provisorisch.[35]

Übrige EU

Länder mit regelmäßigem Dienst (tiefblau), Länder mit Tests (blau), interessierte Länder (hellblau)

In Frankreich wurde die Digitalisierung des Hörfunks verordnet. Dabei setzt Frankreich nicht auf DAB, sondern auf DAB+, DRM und DMB.[36] Mitte 2010 sollten die ersten Startinseln in Paris und Marseille gestartet werden und sukzessive bis 2015 das gesamte Land über DMB-Empfang verfügen.

Schweden und Finnland haben sich von DAB abgewandt.

In Großbritannien ist DAB aufgrund einer guten Inhouse-Versorgung, der Programmvielfalt in Verbindung mit starker Promotion des Sendernetzbetreibers Digital One, der BBC und dem DRDB sehr erfolgreich. Bislang wurden 3,5 Millionen DAB-Empfänger verkauft. Die Handelskette Dixons hat FM-Radios aus dem Verkauf genommen, da sie sich zukünftig ganz auf den Verkauf digitaler Empfänger konzentrieren möchte.[37] Dort hat sich gezeigt, dass ein Zugpferd (in diesem Fall die BBC) immer den Erfolg von DAB beeinflussen kann. Inzwischen hat die Regierung den UKW-Ausschalttermin und das Umstiegsszenario bis 2015 gesetzlich festgelegt.[38]

Ausbauziele

Offiziell erklärtes Ziel der Europäischen Kommission ist es, analoges Fernsehen und Hörfunk bis zum Jahr 2012 (siehe Analogabschaltung) abzulösen. Aufgrund der derzeitigen Fortschritte ist allerdings nicht anzunehmen, dass dieses Ziel erreicht wird. Im Zuge auslaufender Förderprogramme haben in der Vergangenheit einige Sender die Ausstrahlung ihrer Programme über DAB eingestellt, während auf der anderen Seite jedoch wieder neue hinzukamen.

Im Mai/Juni 2006 tagte in Genf die Internationale Wellenkonferenz RRC 06, in deren Rahmen die Frequenzen für den digitalen Rundfunk (Hörfunk und TV) im VHF-Band III und im UHF-Bereich (Band IV und V) neugeordnet wurden. Im Ergebnis wurde dem Wunsch der Bundesrepublik Deutschland vollständig entsprochen, so dass zukünftig zwei weitere nationale Bedeckungen mit rund 12–18 DAB- oder entsprechend vielen DMB-Programmen möglich sind. Insgesamt stehen somit dann drei Bedeckungen mit rund 18–24 Programmen im VHF-Band III und weitere drei Bedeckungen mit ebenfalls 18–24 Programmen im L-Band (1,4 GHz) zur Verfügung.

Darüber hinaus wird die ARD DVB-T aus dem VHF-Band III in den für DVB-T günstigeren UHF-Bereich verlegen. Damit stehen für DAB/DMB im VHF-Band III weitere vier nationale Bedeckungen für ca. 24 - 36 DAB- oder entsprechend viele DMB-Programme zur Verfügung. Insgesamt bietet sich somit die Möglichkeit im Band III über 7 Bedeckungen rund 42 - 63 DAB-Programme und im L-Band über 3 Bedeckungen zusätzlich rund 18 - 24 DAB-Programme, also insgesamt über 10 Bedeckungen rund 60 - 87 DAB- oder entsprechend viel DMB-Programme zu verbreiten.

Die entsprechenden Abstimmungen mit den Landesmedienanstalten mit dem Ziel einer zügigen Umsetzung der RRC 06 dazu laufen bereits. Endgültige Ergebnisse wurden seitens der Bundesnetzagentur bereits bekanntgegeben. Die MediaBroadcast hat den Zuschlag als Bundesweiter Netzbetreiber bekommen und es haben sich bis Mitte März 2010 auch schon neun Veranstalter beworben, darunter auch die Regiocast, Süddeutsche Medienverlag und die Energy Gruppe.[39] Somit dürfte nach den aktuellen Planungen das neue Netz in vielen Regionen Ende 2010 aufgeschaltet werden.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) erläutert allerdings in ihrer Zusatzinformation zum Digitalen Hörfunk[40], sie habe „wiederholt festgestellt, dass DAB in Deutschland von den Zuhörerinnen und Zuhörern nicht in ausreichendem Maße akzeptiert worden ist.“ Da zudem „eine erfolgreiche Digitalisierung des Hörfunks … nach Einschätzung der KEF mit diesem Ansatz nicht mehr zu leisten“ sei, wird mit dem 16. Bericht kein Mittelbedarf für DAB mehr bei den öffentlich-rechtlichen Sendern anerkannt. Die KEF zieht aus dem „Misserfolg der Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks mittels DAB“ den Schluss, dass ein erfolgreicher Neustart mit einem anderen Projekt möglich werden könne, welches dann nach erneuter Beantragung förderungsfähig sei.

Die ARD geht jedoch nach wie vor vom Erfolg eines Neustarts von Digital Radio[41] aus. In ähnlicher Weise äußerte sich auch der[42] VPRT. Mitte/Ende 2009 wird ein gut vorbereiteter Neustart des Digitalradios in Deutschland nach einer Pressemeldung der ARD gesetzt. Dabei werden nach Möglichkeit fast alle ARD-Wellen bundesweit zu empfangen sein. Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur wollen sich beim Start einer flächendeckenden deutschlandweiten Versorgung Ende 2009 in Band III beteiligen.[43]

Am 15. Juli 2009 hat die KEF bekanntgegeben, keine Mittel für einen Neustart von DAB/DAB+ zur Verfügung zu stellen. Das Geld sei aber nicht gekürzt worden, sondern könne in andere sinnvolle Projekte fließen.[44] Es wurden jedoch noch Mittel für die Abwicklung der aktuell geförderten DAB-Programme bewilligt, weil die Verträge mit den Programmanbietern nicht sofort kündbar seien. Jedoch hat Deutschlandradio wegen der Vorteile von DAB die weitere Verbreitung fast bundesweit auch ohne designierte Fördermittel fortgesetzt und dieses Geld aus den Programmmitteln verwendet. Damit möchte auch Deutschlandradio ein Signal zu DAB geben.

Marktsituation und konkurrierende Systeme

DAB wird in Deutschland als Digital Radio beworben. Seit 2004 steht für interessierte Verbraucher eine größere Auswahl an Empfangsgeräten zur Verfügung als vorher, womit ein Hemmnis aus den Anfangsjahren aus dem Weg geräumt wurde. Im Vergleich zu UKW-Empfängern ist die Auswahl jedoch weiterhin stark eingeschränkt. Weltweit wurden etwa 12 Millionen DAB-Empfänger verkauft. Die Uni Bonn geht von 546.000 DAB-Empfängern in deutschen Haushalten aus (Stand 4/07).[45][46]

DAB-Radiogeräte werden derzeit auch unter der 80 €-Marke angeboten[47], USB-Stick-basierte Kombiempfänger (die beispielsweise auch DVB-T empfangen) sind ab ca. 40 € verfügbar. In der Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass viele Geräte nicht DAB+-fähig waren. Inzwischen hat sich das stark verändert und es sind fast nur noch DAB+-Empfänger zu kaufen. Viele Hersteller haben ihre Modelle mit neuen mehrnormfähigen Chips ausgerüstet. Die Schweiz geht davon aus, dass mit der Migration der Sender von DAB auf DAB+ auch die Autogeräteindustrie nachziehen wird und ein ausreichendes Angebot von Autoradioempfängern auch für DAB+ ab 2012 anbieten wird.[30] Auch hier ist es aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus kaum möglich, mit DAB allein den UKW-Hörfunk vollständig abzulösen.

In Deutschland rät der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) beim Neukauf eines Radios zur Anschaffung eines Kombigerätes (für UKW- und DAB-Empfang).[48] Der ADAC fordert, dass zukünftig kein Autoradio mehr ohne DAB eingebaut werden sollte, und rät seinen 16 Mio. Mitgliedern ebenfalls zur Anschaffung eines Kombigerätes.[49]

Die Gründe für die zögerliche Marktdurchdringung in Deutschland sind vielfältig. So ist der größere Energieverbrauch der DAB-Empfänger im Vergleich zu UKW-Empfängern besonders für den Empfang mit portablen Geräten sehr problematisch. Zudem sind die Empfangsgeräte deutlich teurer. Weitere Gründe liegen im nicht ausreichenden Programmangebot und der nicht immer ausreichenden Inhouse-Versorgung. Auch diese Probleme haben sich aber in letzter Zeit immens verbessert.

Seit der Entscheidung der KEF, DAB-Ausstrahlung nicht weiter zu fördern, hatte sich insbesondere in Deutschland mit Radio über DVB-T eine ernstzunehmende Konkurrenz für DAB entwickelt. Gab es bisher lediglich in Berlin eine versuchsweise Ausstrahlung von 14 Radiosendern über DVB-T, sind inzwischen auch zwei Radiosender in Leipzig hinzugekommen. In Hamburg und Schleswig-Holstein lief ebenfalls eine Ausschreibung für ein geteiltes DVB-T-Bouquet mit bis zu 16 Radioprogrammen, die jedoch aufgrund einer zu geringen Bewerberzahl zurückgezogen wurde. In Berlin kam es zu einer Kürzung der Angebote. Auch sind, ebenso wie für das weiterentwickelte DAB+, noch keine mobilen Empfänger für den Empfang im Auto auf dem Markt. Beide Systeme, DAB/DAB+ und DVB-T, haben Vor- und Nachteile. Der Hauptkritikpunkt bei DVB-T-Radio ist die Inkompatibilität zur europäischen Entwicklung und die derzeit noch mangelhafte Mobilität. Ab ca. 120 km/h wird DVB-T nach der aktuellen Spezifikation unbrauchbar.

Das System Digital Multimedia Broadcasting gilt auch in Deutschland derzeit nicht mehr als ernstzunehmende Konkurrenz, da es vom Markt nicht angenommen wurde (siehe: DMB in Deutschland). In Österreich und in der Schweiz wurde es nie eingeführt. Jedoch verwendet Frankreich diesen Standard und die Geräteindustrie hat durch Mehrnormkompatibilität reagiert.

DAB ist länderbezogen unterschiedlich erfolgreich. Eine gute Übersicht bezüglich des länderspezifischen Ausbaus befindet sich unter Worlddab.org[50]. Eine Übersicht über konkurrierende Standards, terrestrisch und über Satellit, findet sich unter Digitalradio, Abschnitt Tabellarische Übersicht. Die derzeitige Situation in Deutschland lässt den Schluss zu, dass künftig DAB+ als Standard ausgesucht wird und sich als alleinige Radioplattform etablieren wird. Damit wäre zu den europäischen Nachbarn ein gleicher Standard ausgewählt. DVB-T hat sich durch diverse fehlgeschlagene Ausschreibungen nicht als Ersatz für DAB+ gezeigt.[51] Dadurch dürfte wohl DAB+ als „Sieger“ der Systeme hervorgegangen sein.[52] Die Neuausschreibung der bundesweiten Verbreitung ergab 14 Programme und Dienste, dazu kommen die drei Programme des Deutschlandradios. Das sind mehr Programme, als Sendeplätze zur Verfügung stehen. Unter anderem will auch der Evangeliums-Rundfunk in die bundesweite Programmversorgung einsteigen.[53] Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), gibt sich in einem Interview mit Infosat überzeugt, „dass der Start des nationalen Multiplexes eine starke Signalwirkung für den Ausbau regionaler Angebote des digitalen Radios haben“ werde.[52] Die Beteiligung an der Ausschreibung sei zwar nach Meinung der Medienillustrierten überraschend hoch, dagegen sei die Bewertung von Seiten der privaten Bewerber abwartend. Vor einer Entscheidung über ein Auswahlverfahren seien noch die Rahmenbedingungen zu klären.[54] Auch über Satellit gab es eine Radioübertragungsnorm; die nach Jahren wegen zu geringer Verbreitung nicht mehr genutzt wurde.

Technik

DAB

Die Audiodaten der Programme werden bei DAB zunächst mittels MUSICAM (MP2) mit Datenraten von 32 bis 256 kbit/s codiert. Die Bitrate liegt zwar um den Faktor 7 unter der einer Audio-CD, durch spezielle Codec-Verfahren wird aber eine der Audio-CD vergleichbare Qualität erreicht, solange die Bitrate nicht zu gering gewählt wird (vgl. MP3). Aus Kostengründen wird von vielen Sendern die maximal mögliche Datenübertragungsrate nicht realisiert.

Für die DAB-Übertragung werden mehrere Audiodatenströme zusammen mit ebenfalls möglichen reinen Datendiensten zu einem sogenannten Ensemble mit hoher Datenrate zusammengeführt. Der so entstandene Multiplex wird mittels Coded Orthogonal Frequency Division Multiplex (COFDM) moduliert. Dieses Verfahren ist im Vergleich zur analogen Ausstrahlung deutlich robuster gegenüber Störungen. Zudem ist es möglich, weite Flächen mit nur einer Frequenz abzudecken (Gleichwellennetz). Dadurch ist die Frequenzökonomie, also der Verbrauch von Spektrum je Programm, bei DAB meist deutlich besser.

Für DAB werden in Deutschland derzeit die folgenden Frequenzbereiche zur Übertragung verwendet:

  • im VHF-Band III (174–230 MHz) die ehemaligen Fernsehkanäle 5, 8, 11 und 12
  • im L-Band den Bereich von 1452–1492 MHz. (direkte Sichtverbindung zum Sender nötig, geringe Reichweite)

Die für DAB verwendeten Frequenzenbereiche sind in Blöcke unterteilt. Das Rundfunkband III enthält beispielsweise die Blöcke 5A bis 12D.

Das Band III findet überwiegend Verwendung für die regional ausgestrahlten Ensembles, während das L-Band, aufgrund höherer Kosten, bei DAB zur Ausstrahlung lokaler Ensembles genutzt wird. Inzwischen werden aber laufend L-Band-Netze in Band III-Netze "umgewandelt".

Da die Frequenzen im L-Band aufgrund der hohen Frequenz eine höhere Sendeleistung erfordern, wird DAB im L-Band mit Sendeleistungen von bis zu 4 kW ausgestrahlt.

Ab dem 30. Mai 2006 wurde im Band III und im L-Band in einigen Ballungsräumen versuchsweise DMB ausgestrahlt, die Tests wurden aber spätestens Mitte 2011 eingestellt. Informationen dazu unter Digital Multimedia Broadcasting.

DAB+

Um den Qualitätsanspruch auch mit niedrigen Bitraten erfüllen zu können, reichte WorldDMB das Verfahren HE AAC v2 als ergänzendes Kodierungsverfahren für DAB zur Standardisierung ein. Dabei wird ein zusätzlicher Fehlerschutz (Reed Solomon Code) hinzugefügt. DAB+ benutzt damit zwar denselben Audiocodec und einen ähnlichen Fehlerschutz wie DMB, unterscheidet sich ansonsten jedoch technisch davon.[55]

Ein Vergleich der notwendigen Datenraten zwischen MUSICAM (DAB) und HE AAC v2 (DAB+) ist weniger eine Frage der technischen Festlegung, sondern hängt vor allem vom Anspruch an die Audioqualität und den zu übertragenden Audioinhalten ab. Vor der Einführung von DAB+ hat sich bei der Nutzung von MUSICAM in Deutschland eine Netto-Datenrate von 160 kbit/s etabliert, wobei oft auch noch 128 kbit/s akzeptiert werden. Um ähnliche Qualität mit HE AAC v2 zu erreichen, wird von etwa 80 kbit/s bzw. 72 kbit/s ausgegangen, wobei die Einschätzungen in der Praxis oft sehr variieren. HE AAC v2 ist sicherlich dazu geeignet, auch bei relativ niedrigen Bitraten noch akzeptable (aber nicht mehr unbedingt artefaktfreie) Audioübertragung zu ermöglichen. Mit DAB+ wäre es bei etablierter Qualität damit möglich, etwa doppelt soviele Audioprogramme in einem DAB-Ensemble unterzubringen. Praktisch bedeutet das für DAB+ etwa 12 bis 18 Audioprogramme pro DAB-Ensemble. Umfangreiche praktische Erfahrungen sind in Testensembles ausgiebig getestet worden. Dabei erreichte DAB+ eine höhere Akzeptanz. Positiv war bei den Tests zu vermerken, dass auch bei sehr niedrigem Empfangspegel die Sendungen nicht gestört wurden. Ab ca. 10-15% Empfang war aber nichts mehr zu hören, denn bei DAB+ rauscht (UKW) oder „blubbert“ (DAB) es nicht mehr, sondern der Empfang bricht abrupt ab.

DAB Surround

DAB Surround ermöglicht 5.1-Raumklang durch die Kombination von MPEG-1 Audio Layer 2 (DAB) oder HE-AACv2 (DAB+) mit MPEG Surround.[56]

Marktübersicht und Kompatibilität zwischen DAB und DAB+

Der Empfang von Sendern, die eine Codierung nach HE AAC+ V2 verwenden, ist nur mit DAB-Empfängern möglich, die zusätzlich mit einem Decoder für HE AAC+ V2 ausgestattet sind. Mit dem Ziel, die Empfänger, die zusätzlich zum MPEG1 Layer 2 auch HE AAC+ V2 decodieren können, voneinander zu unterscheiden, wurde von WorldDMB die Bezeichnung „DAB+“ geschaffen. Dabei handelt es sich jedoch um einen reinen Marketingnamen, der nicht Bestandteil des Standards ist.

Derzeit gibt es wenige Programme, die diese Erweiterung nutzen. In der Schweiz mit einem großen Angebot an DAB+-Sendern bieten die großen Warenhäuser und Elektronikmärkte fast ausschließlich DAB+-Geräte an. Einfache Empfänger für DAB+ werden dort ab etwa umgerechnet 55 Euro verkauft, eine größere Auswahl steht ab ungefähr 100 Euro zur Verfügung. Autoradios in DIN-Größen mit DAB+-Kompatibilität sind noch recht rar und ab etwa 150 Euro erhältlich (Bluestate RA 558, je zwei Modelle von Kenwood und JVC).[57][58][59][60]. Für Hifi-Komponenten gelten ähnliche Preise. Je nach Ausstattung sind die Preisspannen deutlich höher als bei UKW-Radioempfängern. Aufgrund der geringen Nachfrage gibt es noch nicht überall in Europa einen gut funktionierenden Wettbewerb.

Alle derzeit (Stand: November 2011) erhältlichen Geräte, die DAB+ empfangen können, sind abwärtskompatibel und können auch DAB-Sendungen nach dem jetzigen Verfahren (MPEG 1, Layer II) empfangen.

Datendienste

Neben der reinen Audioübertragung sind folgende Datendienste und Typen in DAB bereits spezifiziert:

  • MOT (Multimedia Object Transfer Protocol, ETSI-Standard EN 301 234): MOT ist ein Protokoll, um in einem Broadcast-Verfahren beliebige Dateien an alle Empfänger zu übertragen. Im Gegensatz zu FTP und anderen IP-bezogenen Protokollen berücksichtigt MOT die Schwierigkeiten bei einer unidirektionalen Verbindung. Dateien werden als Segmente übertragen, die wiederholt werden können, so dass der Empfänger die vollständige Datei über die Zeit hinweg zusammensammeln kann. Spezielle Zusatzinformation (im MOT-Header) beschreiben das übertragene Objekt sowie weitere Attribute (Kompression, Anwendungstyp etc.). MOT ist die Basis für das Broadcast-Website-Verfahren (BWS), mit dem dem Empfänger ein ganzer HTML-Baum mit Startseiten und interaktiven Elementen übertragen werden kann.
    MOT kann entweder im MP2-Datenstrom eines Audiokanals übertragen werden (PAD, Programm Associated Data) oder als reiner Datendienst in einem Paketdatenkanal, manchmal N-PAD (nicht Programm begleitende Daten) genannt. Eine interaktive Online-Demo befindet sich unter »www.digitalerrundfunk.de«.[61]
  • DLS (Dynamic Label Segment): Übertragung von Radiotext-ähnlichen Informationen (Interpret etc.) in einem Audioprogramm als Programm begleitende Daten (PAD). Maximal können 128 Zeichen pro Nachricht übertragen werden.
  • IP over DAB (ETSI-Standard EN 101 735): Übertragung von IP-Paketen über DAB; damit können IP-basierte Dienste (zum Beispiel Videostreams) auf den Empfänger übertragen werden. Ohne Rückkanal sind allerdings nur Broadcast/Multicast-Daten sinnvoll.
  • TMC (Traffic Message Channel): Aus RDS übernommene Übertragung kodierter und stark komprimierter Verkehrsinformationen, die über ein Codebuch wieder in lesbaren Text bzw. Hilfestellungen für Navigationssysteme umgewandelt werden können.
  • TPEG (Transport Protocol Experts Group): Multimodale Verkehrs- und Reiseinformationen.

Weitere Dienste sind problemlos in DAB zu übertragen, da sie über spezielle Verwaltungsinformationen im Multiplex signalisiert werden können.

DAB/DMB eröffnet somit die Möglichkeit eines schnellen Datenkanals, auf dem neben TMC-Daten (Traffic Message Channel) wesentlich größere Datenmengen mit einer um Faktor 100 höheren Geschwindigkeit übertragen werden können. Das ermöglicht nicht nur die Übertragung wesentlich detaillierter Meldungen, sondern zusätzlich auch innerstädtische Meldungen, welche aufgrund des hohen Datenvolumens und einer nach oben begrenzten Location-Liste über TMC nicht mehr übertragen werden können. TPEG befindet sich derzeit in der TISA (Traveller Information Services Association) in Spezifikation. Die TISA ist ein Zusammenschluss des TMC-Forums unter ERTICO in Brüssel und der TPEG-Group bei der EBU in Genf. Darüber hinaus gibt es noch in Deutschland die Arbeitsgruppe »mobile.info« unter Beteiligung von BMW, Daimler, VW-Audi, Bosch-Blaupunkt, FhG, GEWI, Navteq, Tele Atlas, T-Systems und VDO-Siemens.[62] Diese Gruppe spezifiziert in Abstimmung mit der TISA ein besonders schlankes, auf die automobilen Belange zugeschnittenes TPEG Automotive, welches sich durch sehr geringe Verbreitungskosten bei hoher Effizienz auszeichnet.

Anhang

Weblinks

Siehe auch

Belege

  1. ETSI.org. Von hier kann das DAB-Spezifikationsdokument der ETSI nach einer Registrierung kostenlos bezogen werden; der Suchstring lautet „300401“.
  2. [1]
  3. Noch ein Bewerber für den digitalen Hörfunk Meldung vom 23. November 2007 auf heise-online
  4. Bundesnetzagentur verbessert "Im-Haus-Versorgung" für Digitalradio in Bayern Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 23. November 2007
  5. digitalradio.de zeigt eine Übersicht der regional verfügbaren DAB-Programme in den deutschen Bundesländern
  6. a b Der Spiegel 15/2001, Seite 94 ff.
  7. [2] Pressemitteilung vom November 2004
  8. Übersicht Region Berlin-Brandenburg
  9. [3] Heise.de: Medienanstalt Berlin-Brandenburg gibt DAB keine Chance mehr vom 25. November 2004
  10. Quelle für Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen: Sendertabellen bei UKWTV.de, Abruf 13. April 2010.; sowie für Hessen: HessenDigitalRadio.de, Abruf 24. März 2010
  11. [4] Seite der Thüringer Landesmedienanstalt
  12. [5]
  13. [6] Pressemitteilung der NLM: „Bisher wurden diese DAB-Übertragungskapazitäten von den privaten Veranstaltern des Gemeinschaftsprogramms 'Klassik digital Nord' genutzt, die nach Einstellung der Förderung durch die NLM mit Ablauf des Jahres 2004 auf Ihre Zulassung verzichten.“
  14. Mail des Sendernetzbetreibers Digitalradio Südwest, zitiert bei
  15. [7] Website des Senders
  16. Digitalradio.de: Oldiestar in Berlin — DAB statt DVB-T vom 14. Januar 2010
  17. Bayerndigitalradio: http://www.bayerndigitalradio.de/index.php?id=307&tx_ttnews[tt_news]=3476&tx_ttnews[backPid]=481&cHash=15f0a2c5b3
  18. [8] UKWTV.de: Programmbelegung, Stand 20. Januar 2009
  19. [9] Pressemitteilung des HR zur Aufschaltung einer neuen UKW-Frequenz im Januar 2007
  20. Ausschreibungen oder direkte Zuweisungen neuer UKW-Frequenzen in: Niedersachsen, März 2006, Baden-Württemberg, 2007, Mecklenburg-Vorpommern, August 2006, Sachsen, November 2006, Bremen, Januar 2006, Brandenburg, Mai 2004 Neu-Inbetriebnahmen von UKW-Frequenzen in: Baden-Württemberg, Januar 2007, Rheinland-Pfalz, November 2006, Bayern, November 2006, Nordrhein-Westfalen, Juni 2006, Niedersachsen, Januar 2006, Thüringen, Juli 2005, Sachsen-Anhalt, Juni 2004
  21. Studie: Effektivität und Effizienz der Nutzung von Rundfunkfrequenzen in Deutschland (BMWi-Projekt Nr.24/05), veröffentlicht am 1. September 2006, S. 84. Abruf unter http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Studien/studie-effektivitaet-und-effizienz-der-nutzung-von,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf
  22. http://www.digitalradio.de/news-details/ukw-frequenz-in-baden-wuerttemberg-bis-2015/2/
  23. Helmut Merschmann: UKW-Radio in der Krise — Erlösung durch Massenverschrottung (Spiegel Online, abgerufen am 14. November 2009).
  24. Ergebnis von "Radio Plus", digitalradio.de.
  25. Pressemitteilung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vom 15. Juli 2009
  26. http://www.prodigitalradio.de/?action=initiative#Rechtsaufsichtsbeschwerde
  27. »www.netzwelt.de«, eingesehen am 31. Juli 2011
  28. »www.satundkabel.de«, eingesehen am 31. Juli 2011
  29. Über SwissMediaCast, www.swissmediacast.ch
  30. a b Webseite digitalradio.ch: Häufig gestellte Fragen
  31. SRG Broadcast: Programmdaten DAB+ Ensemble SMC AG, www.broadcast.ch
  32. Persoenlich.com: Radio 105 bald auch über DAB+ empfangbar, www.persoenlich.com
  33. Seite der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbHEinführung zu digitalem Radio, abgerufen am 28. Dezember 2009; vgl. auch letzte Version im Webarchiv (April 2008)
  34. http://www.rtr.at/de/pr/PI15022011Medien
  35. Übersichtsseite: DAB Programme (auf der Webpräsenz von ras.bz.it) (Abgerufen am 11. November 2009)
  36. rein-hoeren.de: Frankreichs Radio wird digital
  37. wikinews: Britischer Discounter nimmt UKW-Radios aus dem Angebot
  38. http://www.worlddab.org/news/document/1106/Digital_Economy_Act_becomes_Law_in_the_UK.pdf
  39. http://www.digitalradio.de/news-details/br-erweitert-dab-programmangebot-in-muenchen-und-nuernberg/
  40. KEF-Pressemeldung Meldung zur Kürzung der Fördermittel
  41. Digitalradio Pressemeldung der ARD zum KEF-Entscheid.
  42. Pressemeldung des VPRT zu Digital Radio
  43. Absichtserklärung auf der Webseite der beiden Sender: DEUTSCHLANDRADIO - DAB
  44. Presseerklärung vom 15. Juli 2009
  45. teltarif.de: Uni Bonn geht von 546.000 Geräten in deutschen Haushalten aus
  46. xdial.de: Studie: Mehr Interesse an DAB/Digital Radio als angenommen
  47. [10] Einige verfügbare DAB-Radios
  48. Wikinews: vzbv: Trendsetter sollten sich für DAB-fähiges Radiogerät entscheiden
  49. Forderung des ADAC: „Zukünftig sollte kein Autoradio mehr ohne DAB verbaut werden.“
  50. WorldDMB bietet Übersicht des länderspezifischen Ausbaus von DAB-Netzen
  51. http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=57688
  52. a b http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=57775
  53. http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=57708
  54. http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=57745
  55. PDF auf WorldDMB zum zusätzlichen Kodierungsverfahren HE AAC+
  56. PDF vom Fraunhofer IIS über DAB Surround
  57. http://www.kenwood.de/products/car/receivers/cdreiver/KDC-DAB41U/details/
  58. http://www.kenwood.de/products/car/receivers/cdreiver/KDC-DAB4551U/
  59. http://jdl.jvc-europe.com/product.php?id=KD-DB42E&catid=100031
  60. http://jdl.jvc-europe.com/product.php?id=KD-DB52E&catid=100031
  61. www.digitalerrundfunk.de
  62. www.mobile-info.org

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