Die Ermordung einer Butterblume

Die Ermordung einer Butterblume

Die Ermordung einer Butterblume ist ein zwischen 1904 und 1911 entstandener Erzählband von Alfred Döblin. Die Geschichten zeigen meist die Beziehungen zwischen Mann und Frau als einen gnadenlosen Kampf, der meist erst im gemeinsamen Tod endet – wobei die Elemente Wasser und Feuer eine wichtige Rolle spielen.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Döblin hat sich hier vermeintlich von der Seele geschrieben, was ihm im eigenen Alter, in der Auseinandersetzung mit den Erlebnissen seiner Kindheit und Jugend und mit der gesellschaftlichen Umwelt bedrängte. So entstanden diese höchst ungewöhnlichen und grotesken Geschichten, deren gesellschaftliche Bezogenheit jedoch nicht leicht zu finden ist. In diesen Erzählungen werden nicht nur die Scheinordnung bürgerlichen Lebens, sondern die Realität und die moralische Existenz als fragwürdig empfunden. Die Realität wird im Phantastischen, Märchenhaften und Irrationalen aufgelöst. Dieser Hang zum Metaphysischen ist keine Charaktereigenschaft, sondern die Begleiterscheinung der gesellschaftlich bedingten geistigen und seelischen Situation Döblins. Dieser Hang zum Metaphysischen ist Ausdruck seiner Unsicherheit und Bedrohtheit in einer für ihn undurchschaubaren Welt. Ausdruck seiner Sehnsucht nach gültigen humanistischen Werten und das starke Fluchtverhältnis vor der Realität.

Manche Erzählungen ähneln klinischen Berichten, ausführlichen, gut ausgewählten Protokollen über psychiatrische Beobachtungen. Sie enthalten kaum psychologische Deutungen, sondern nur Vorgänge, Geste und Reaktionen. Es wird versucht der Wahrheit über den Menschen näher zu kommen.

Die einzelnen Erzählungen

Die Tänzerin und der Leib

1910 im Sturm veröffentlicht. Eine Tänzerin, die eine schwere Krankheit ignoriert, dann ihren Körper wegen seiner Schwäche verachtet, mit ihm ringt und sich schließlich aus Hass gegen dieses ihrer Meinung nach plumpe, träge Tier tötet.

Die Ermordung einer Butterblume

Der Spaziergänger Michael Fischer verliert seine Selbstbeherrschung, als sein Spazierstöckchen an Unkraut am Wegesrand hängen bleibt, und schlägt mit dem Stöckchen auf dieses Unkraut ein. Dieses Metzeln ist Auslöser des Wahnsinns Fischers. In der folgenden Doppelgängervision wird dieses Unkraut zu einer einzelnen Butterblume. Den Wanderer überkommt daraufhin die Bewusstheit um diese Tat in grotesk verstärkter Form. Der Protagonist steigert sich in ein Schuldgefühl hinein, welches schließlich in einem Kult um die getötete Pflanze gipfelt. Er legt ihr ein Konto an und bringt ihr Essen als Opfer dar. Er wird zum Gefangenen eines „Dialogs“ mit ihr, der von widersprüchlichen Gefühlen bestimmt ist, die keine Möglichkeit zur distanzierten Reflexion zuzulassen scheinen. Er hat das Gefühl, einen Guerilla-Krieg gegen die Butterblume zu führen, die sein Handeln überwacht. Später wird eine andere, in einen Topf gepflanzte Butterblume, die als Tochter der Butterblume bezeichnet wird, zur Stellvertreterin, an der er seine Schuld abbüßen will. Erst mit der profanen Tat des Wegwerfens des Blumentopfs durch die Wirtschafterin fühlt sich der Herr von seiner Schuld befreit und zu neuen Morden berechtigt.

Interpretationsansatz

Döblin stellt die Natur als einen dem Menschen ebenbürtigen Faktor dar; auch der Mann sieht dann die Natur zu menschlich und projiziert die Werte und Normen der menschlichen Gesellschaft in sie hinein. So wird die Natur zur handelnden Person: „Entsetzen packt ihn aber, als er sieht, wie aus einem Stamm, den er berührt, ein runder blassheller Harztropfen tritt; der Baum weint. Im Dunkeln auf einen Pfad flüchtend, merkt er bald, dass sich der Weg sonderbar verengt, als ob der Wald ihn in eine Falle locken wolle. Die Bäume treten zum Gericht zusammen.“

An dieser Novelle ist deutlich sichtbar, dass Döblin eine ganz besondere Auffassung der Natur in seinen Schriften vermittelt. Döblins Naturtheologie lautet, dass der Mensch völlig isoliert und entwurzelt von seinen natürlichen Ursprüngen ist. Er zeigt in diesem Werk die Entfremdung des Stadtmenschen von seinen natürlichen Wurzeln. Das Unterbewusstsein des Mannes verbündet sich mit den Stufen der Evolution gegen die traditionelle Meinung, der Mensch könne als Krone der Schöpfung die Natur dominieren, sie als ein Werkzeug benutzen.

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