Die Bartholomäusnacht


Die Bartholomäusnacht
Filmdaten
Deutscher Titel Die Bartholomäusnacht
Originaltitel La Reine Margot
Produktionsland Frankreich, Italien und Deutschland
Originalsprache französisch
Erscheinungsjahr 1994
Länge 162 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Patrice Chéreau
Drehbuch Patrice Chéreau, Danièle Thompson und Alexandre Dumas (Roman)
Produktion Claude Berri
Musik Goran Bregović
Kamera Philippe Rousselot
Schnitt François Gédigier und Hélène Viard
Besetzung

Die Bartholomäusnacht ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Patrice Chéreau aus dem Jahr 1994. Das Drama basiert auf Alexandre Dumas’ Roman La Reine Margot und wurde unter anderem von den Filmstudios NEF Filmproduktion, Canal Plus und France 2 Cinéma produziert.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Frankreich, im Jahre 1572: im 16. Jahrhundert herrschen unter der Amtszeit König Karls IX. Unruhen zwischen Katholiken und Protestanten, den sogenannten Hugenotten. Die Situation eskaliert, als diverse Fürsten die gefährliche innenpolitische Lage im Land ausnutzen und intrigieren. Um der Probleme Herr zu werden, beschließt man, die katholische Margot, Tochter von Katharina von Medici und Schwester des Königs, mit dem protestantischen Heinrich von Navarra zu verheiraten, um Frieden zwischen den beiden religiösen Parteien zu stiften. Mit Gewalt wird die impulsive Margot zur Heirat mit dem König von Navarra gezwungen, dem sie schon bald darauf zu verstehen gibt, dass er von ihr keine körperliche Zuneigung zu erwarten hat.

Die Feierlichkeiten ziehen Tausende von Protestanten nach Paris, wo ein Mordanschlag auf den Anführer der Hugenotten Gaspard de Coligny fehlschlägt. Erneut beginnt man am Hofe, wo Inzest, Betrug, Promiskuität und Ehebruch an der Tagesordnung sind, Intrigen zu spinnen. Um einem möglichen Aufstand zuvorzukommen, veranlasst Katharina von Medici, persönliche Beraterin ihres Sohnes und heimliche Herrscherin in Frankreich, eine kaltblütige Aktion. Ein Pogrom soll dem willensschwachen Karl IX. die Regierungsmacht bewahren. Sie überzeugt den König am Abend des Bartholomäustages, dass die Protestantenführer sterben müssen.

In den frühen Morgenstunden des 24. August 1572, dem Namenstag von Sankt Bartholomäus, beginnt sechs Tage nach der Hochzeit das Massaker an den französischen Hugenotten in der Stadt. Tausende von Menschen fallen der sogenannten Bartholomäusnacht zum Opfer, darunter auch der Protestantenführer Coligny. Margot wird Zeugin der Greueltaten, die vom politischen Mord in den nächsten Tagen zum zügellosen Blutbad avancieren. Sie bewahrt den protestantischen Adligen Joseph Boniface de la Môle, der sich in ihre Gemächer flüchtet, vor dem Tod. Der attraktive junge Mann wird zum Objekt von Margots Begierde, sehr zum Missfallen zweier ihrer Brüder: Henri, dem Herzog von Anjou, und François, dem Herzog von Alençon. Margot findet sich bald in einer verletzlichen Position am Hofe wieder, muss sie sich doch dem Verdacht aussetzen, mit den Protestanten zu sympathisieren. Tatsächlich vereitelt sie einen von mehreren Mordanschlägen auf ihren Ehemann Heinrich III. von Navarra, der vom schwächlichen Zauderer zum mutigen Mann wird und der bedrohlichen Situation am Königshof zu trotzen versucht. Katharina von Medici versucht, sich Margots Ehemann mithilfe eines vergifteten Buches zu entledigen, das ehemals La Môle gehörte. Ihre Pläne werden aber von ihrem Sohn, dem König, durchkreuzt, der Heinrich von Navarra zur Flucht in seine gascognische Heimat verhilft. Das vergiftete Buch fällt dem unwissenden Karl IX. in die Hände und führt zu seinem qualvollen Tod. Auch La Môles Schicksal ist besiegelt, als er von Heinrich von Navarra ausgeschickt wird, Margot nachzuholen. Katharina macht ihn für die Ermordung ihres Sohnes verantwortlich; er bezahlt seinen Rettungsversuch mit dem Leben. Margot selbst gelingt es, mit La Môles Kopf nach Navarra zu fliehen, während ihr Bruder Henri, der Herzog von Anjou, zum neuen König von Frankreich gekrönt wird.

Entstehungsgeschichte

Der Film basiert auf dem 1845 erschienen gleichnamigen Abenteuerroman des französischen Schriftstellers Alexandre Dumas (1802–1870), zu dessen Werk auch Die drei Musketiere und Der Graf von Monte Christo gehören. Der Stoff, der sich nicht ausschließlich an historische Fakten hält (Karl IX stirbt nicht an Vergiftung, sondern an Schwindsucht), wurde von Regisseur Patrice Chéreau und Drehbuchautorin Danièle Thompson für die Leinwand adaptiert. Die Großproduktion, die mit Isabelle Adjani, Daniel Auteuil, Jean-Hugues Anglade, Vincent Perez, Dominique Blanc u.a. die damals führende Schauspielerriege Frankreichs zusammenbrachte, verschlang eine Summe von 53 Mio. DM (ca. 27 Mio.Euro). Andere Quellen nennen 42 Mio. DM (ca. 21,5 Mio. Euro) als angebliche Produktionskosten.

Rezeption

Patrice Chéreaus opulentes Kostümdrama feierte seine Premiere am 13. Mai 1994 auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Die Bartholomäusnacht avancierte in Frankreich schnell zum nationalen Ereignis und stand in der Gunst von Kritikern und Publikum. Vor allem die Inszenierung vom Ränkespiel am Königshof hin zu den düsteren, apokalyptischen Bildern des Massakers wurde gelobt, das mancher Kritiker mit dem Holocaust im 20. Jahrhundert in Verbindung brachte. Ebenfalls wurden die Schauspielleistungen von Isabelle Adjani, Jean-Hugues Anglade, Virna Lisi und Dominique Blanc gerühmt. Kritische Stimmen reklamierten jedoch, dass sich der Film eher an ein Publikum wende, das mit der französischen Geschichte vertraut ist. Die im Film spielenden Charaktere und ihre Beziehungen zueinander werden kaum erklärt. In Deutschland startete der Film am 29. September 1994.

In den USA kam der 162 Minuten lange Film unter dem dortigen Distributor Miramax in einer 18 Minuten kürzeren Fassung unter dem Titel Queen Margot in die Kinos. Die Bartholomäusnacht spielte dort nur eine Summe von ca. zwei Mio. US-Dollar an den Kinokassen ein und galt als finanzieller Flop, obwohl Kritiker der gekürzten Fassung mehr Klarheit und Übersichtlichkeit attestierten. Heute bemängelt man an der gekürzten Fassung, dass sie eine Reihe von Fakten falsch darstellt und der Schnitt unbeholfen vollzogen wurde.

Kritiken

  • „Das auf einem Roman von Alexandre Dumas basierende Monumentalwerk stellt den Höhepunkt und größten Erfolg des französischen Kinojahres dar. Stars wie Isabelle Adjani, Daniel Auteil und Jean-Hugues Anglade machen ‚Die Bartholomäusnacht‘ zu einem atmosphärisch dichten und authentischen Ereignis.“ (Blickpunkt:Film)
  • „Brillant!“ (Chicago Tribune)
  • „Einer der besten Filme des Jahres!“ (USA Today)
  • „Aufrüttelnd!“ (Entertainment Weekly)
  • „Ein mitreißendes historisches Epos (…) Adjani ist eine Offenbarung.“ (Premiere)
  • „Das cineastische Monumentalereignis war der Höhepunkt und größte Erfolg des französischen Kinojahres 94.“ (DVD & Video Report)
  • „Das Massaker der französischen Katholiken an den Protestanten in der Bartholomäusnacht des Jahres 1572 als Hintergrund für eine Familiengeschichte voller Intrigen, sexueller Exzesse, Mord, aber auch aufopferungsvoller Liebe. Hinter den opulenten, die Historie hautnah beschwörenden Bildern stellt der Film auch Bezüge zur Gegenwart her und formuliert einen eindringlichen Appell an Toleranz und Mitgefühl. Formal in allen Bereichen von außergewöhnlicher Qualität.“ (Lexikon des internationalen Films)[1]

Anmerkungen

  • Während der Dreharbeiten forderte Hauptdarstellerin Isabelle Adjani ihren Filmpartner Jean-Hugues Anglade auf, sie während der Gewaltszenen nicht zu schonen. Anglade, der König Karl IX. spielt, zierte sich bei Adjani körperliche Gewalt anzuwenden und musste erst von ihr überzeugt werden, sie mit mehr Kraft zu schlagen.
  • Um als Katharine von Medici authentisch zu wirken, ließ sich die italienische Schauspielerin Virna Lisi einen Teil ihres Kopfhaares entfernen.
  • In Deutschland erschien der Film 1995 auf VHS, vier Jahre später auf DVD. Während der VHS eine ungeschnittene Version zu Grunde lag, enthielt die erste DVD-Version nur die gekürzte Kinofassung. Im November 2007 erschien eine 3-Disc-Edition mit der Langfassung, der gekürzten Kinofassung und einer Bonus-Disc, inzwischen gibt es auch die Langfassung auf DVD.
  • Alexandre Dumas’ Roman war schon einmal Gegenstand einer Verfilmung. Unter der Regie von Jean Dréville agierte Jeanne Moreau 1954 in Bartholomäusnacht (Originaltitel: La Reine Margot) in der Hauptrolle der Margot.
  • In einer Episode seines berühmten Epos Intoleranz von 1916 geht der US-Amerikaner David Griffith ebenfalls auf das Massaker in der Bartholomäusnacht ein, schildert die Ereignisse aber aus der Sicht der Opfer.

Auszeichnungen

Die Bartholomäusnacht wurde 1994 auf den Filmfestspielen in Cannes, wo der Film seine Premiere feierte, mit dem Großen Preis der Jury und den Preis für die beste Darstellerin ausgezeichnet, unterlag jedoch im Wettbewerb um die Goldene Palme Quentin Tarantinos Pulp Fiction. Entgegen allen Erwartungen von Kritikern ging die Trophäe für die beste Darstellerin nicht an Isabelle Adjani, sondern an Virna Lisi, die für ihre Rolle als tyrannische Katharina von Medici honoriert wurde. Bei der Verleihung des französischen Filmpreises César im Jahr 1995 galt Patrice Chéreaus Kostümdrama als Favorit und konkurrierte mit u. a. Krzysztof Kieślowskis Drama Drei Farben: Rot und Luc Bessons Thriller Léon – Der Profi. Der Film wurde mit fünf gewonnenen Césars erfolgreichster Film des Abends, unterlag jedoch in den wichtigen Kategorien Bester Film und Beste Regie André Téchinés Drama Wilde Herzen. Unter den Honorierten waren unter anderem die Schauspieler Jean-Hugues Anglade (Bester Nebendarsteller), Virna Lisi (Beste Nebendarstellerin) und Isabelle Adjani, die mit dem Gewinn ihres vierten Césars als beste Hauptdarstellerin eine Rekordmarke setzte. Keine andere Schauspielerin wurde häufiger als sie in dieser Kategorie ausgezeichnet.

Ferner wurde der Film bei den Golden Globes 1995 als beste fremdsprachige Filmproduktion nominiert, unterlag aber dem belgischen Filmbeitrag Farinelli von Gérard Corbiau. Bei der Oscar-Verleihung wenige Wochen später wurden die Kostüme von Moidele Bickel für einen Academy Award nominiert. Ein Jahr später gab es eine weitere Nominierung bei den British Academy Film Awards in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film. Dort musste sich Die Bartholomäusnacht dem italienischen Beitrag Der Postmann von Michael Radford geschlagen geben.

Oscar 1995

  • nominiert in der Kategorie Beste Kostüme

British Academy Film Awards 1996

  • nominiert als bester nicht-englischsprachiger Film

Golden Globe 1995

  • nominiert als bester fremdsprachiger Film

Weitere

Internationale Filmfestspiele von Cannes 1994

César 1995

  • Beste Hauptdarstellerin (Isabelle Adjani)
  • Bester Nebendarsteller (Jean-Hugues Anglade)
  • Beste Nebendarstellerin (Virna Lisi)
  • Beste Kamera
  • Beste Kostüme

Nominiert in den Kategorien

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Beste Nebendarstellerin (Dominique Blanc)
  • Bestes Drehbuch
  • Beste Ausstattung
  • Beste Filmmusik
  • Bester Schnitt

Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani 1995

  • Beste Nebendarstellerin (Virna Lisi)

Literatur

  • Alexandre Dumas: Die Bartholomäusnacht. Aufbau-Taschenbuch-Verl., Berlin 1994, ISBN 3746610508
  • Alexandre Dumas: La Reine Margot. Flammarion, Paris 1998, ISBN 2080707981 (frz. Ausgabe)
  • Danièle Thompson, Patrice Chéreau, Alexandre Dumas: La reine Margot : un film de Patrice Chéreau, d’après le roman d’Alexandre Dumas. Grasset, Paris 1994, ISBN 2246494818 (frz. Ausgabe)

Weblinks

Fußnoten

  1. vgl. Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)

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