Dark Side of the Moon


Dark Side of the Moon
Dieser Artikel behandelt das Pink Floyd Album Dark Side of the Moon. Für den gleichnamigen Film siehe The Dark Side of the Moon.
Pink Floyd – Dark Side Of The Moon
Veröffentlichung

24. März 1973

Label

ursprünglich:

Neuauflagen:

Format(e)

CD, LP

Genre(s)

Progressive Rock
Artrock

Anzahl der Titel

10

Laufzeit

43 min.

Besetzung

David Gilmour – Gitarre, Gesang
Nick Mason – Schlagzeug, Percussion
Roger Waters – Bass, Gesang
Richard Wright – Keyboard, Gesang

Produktion

Pink Floyd

Studio(s)

Abbey Road Studios

Chronik
Obscured By Clouds
(1972)
Dark Side Of The Moon Wish You Were Here
(1975)

Dark Side Of The Moon ist das erfolgreichste Album der Rockgruppe Pink Floyd. Nach dem Erscheinen des Albums am 24. März 1973 wurde es jahrelang in den internationalen Hitparaden aufgelistet. Mit bis zum Jahr 2003 über 35 Millionen verkauften Tonträgern wird es heute häufig als das zweitmeistverkaufte Album (nach Thriller) ausgewiesen. Noch heute werden jedes Jahr mehrere hunderttausend Exemplare verkauft.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Idee kam dem Bassisten Roger Waters bereits im Herbst 1971. Seine Erfahrungen mit dem Niedergang des einstigen Pink-Floyd-Mitglieds Syd Barrett schuf den thematischen Rahmen: Was kann sensible Menschen in den Wahnsinn treiben? Waters wollte organisierte, anonyme Machtstrukturen wie das Geld, die Zeit, Kriegswahnsinn aufzeigen. Auch ernüchternde Erfahrungen mit dem Musikbusiness und der Verlust einer Utopie, an die etwa noch die Hippie-Generation glaubte, färbten auf die Texte ab.

Da die Band Medicine Head fast zeitgleich ebenfalls ein Album mit dem Titel Dark Side of the Moon herausgebracht hatte, gab es zwischenzeitliche Überlegungen, dem Pink-Floyd-Album den Titel „Eclipse“ zu geben. Erst als die Medicine-Head-Veröffentlichung kommerziell nicht erfolgreich wurde, wurde der ursprüngliche Albumtitel beibehalten.

Teile des Materials zu Dark Side Of The Moon wurden erstmals am 20. Januar 1972 im „The Dome“ in Brighton vorgestellt, wegen technischen Problemen musste die Band jedoch nach „Money“ ihren Auftritt beenden. Ein Mitschnitt eines vollständigen Konzertes vom 17. Februar 1972 kam unter dem Titel Tour 72 als Raubpressung in den Handel. Perfektioniert zum geschlossenen Album-Zyklus sollte es bis zum Juli 1975 in kompletter LP-Länge auf jedem Pink-Floyd-Konzert gespielt werden.

Es wurde in den Londoner Abbey Road Studios von Juni 1972 bis Januar 1973 aufgenommen. Neben den Gruppenmitgliedern wirkten als Musiker mit: Dick Parry (Saxophon auf Money und Us And Them), Clare Torry (Gesang auf The Great Gig In The Sky), Doris Troy, Leslie Duncan (Backing Vocals). Außerdem sind kurze Fragmente aus Interviews enthalten, die Roger Waters mit zufällig im Studio anwesenden Personen geführt hat, insbesondere Studiomitarbeiter und Mitglieder der Gruppe Wings. Auch Paul McCartney wurde interviewt, seine Beiträge wurden allerdings nicht verwendet. Das Werk schließt mit einem Satz des damaligen Pförtners der Abbey-Road Studios, Jerry Driscoll, der zum Thema gefragt sagte: There is no dark side in the moon, really; (as a) matter of fact it’s all dark. (Sein darauffolgender Satz „The only thing that makes it look light is the sun“ wurde auf dem Album nicht verwendet.)

Auf den meisten CD-Pressungen lässt sich während der ausklingenden Herzschläge am Ende von Eclipse eine kaum hörbare Orchesterfassung des Beatles-Songs Ticket To Ride ausmachen. Genaue Ursache und Zweck dieses Zitats sind bislang unbekannt. Obwohl dieser Effekt auch auf hochwertigen Vinylpressungen aus der Zeit vor der CD-Ära (z.B. EMI Pro-Use-Series EMLF-97002, erstmals 1978 in Japan veröffentlicht) nachgewiesen werden kann, hält sich nach wie vor die Meinung, es handle sich um einen Fehler, der erst beim Mastering für die Compact Disc entstanden sei (reguläre Vinylpressungen vermögen die Episode aufgrund ihres Grundrauschens kaum wiederzugeben). Sowohl Pink Floyd als auch die Beatles gehörten zur Stammkundschaft der Abbey Road Studios.

Stil

Das Album markiert in musikalischer Hinsicht die Entwicklung der Band zu einer immer professioneller werdenden Produktionsweise. Die Musik ist gemessen an früheren Pink-Floyd-Alben recht kommerziell. Für damalige Verhältnisse modische Pop-Elemente wurden in den Sound des Albums mit einbezogen, insbesondere Synthesizer, die bei der Band erstmals auf breiter Front zum Einsatz kamen. Daneben ist David Gilmours melodisches, Blues-beeinflusstes Gitarrenspiel charakteristisch für das Album.

Die US-Band Steely Dan hatte bereits 1972 mit ihrem Debüt-Album Can’t Buy A Thrill ein ähnliches Beispiel für einen perfekt produzierten modernen Pop-Sound vorgelegt, wie er für Dark Side Of The Moon charakteristisch ist: Das Album wurde etwa mit einer 24-Spurmaschine aufgenommen.

Zugleich prägen aber immer noch einige surreale und bizarre Momente das Album. Besonders auffallend sind die gesprochenen Passagen des Albums, die sogleich das Intro Speak To Me bestimmen. Diese Soundcollage beginnt mit dem Pochen eines Herzschlags, über dem mehrere Personen sich zu den zentralen Themen des Konzeptalbums auslassen: Tod, Wahnsinn und Gewalt. Nach einer Idee des Toningenieurs Alan Parsons erhielten die beiden Single-Auskopplungen Time und Money mit geloopten Sequenzen von mehreren synchron schellenden Weckern und dem Klingeln einer Registrierkasse jeweils ein ungewöhnliches Intro. Money ist bis auf den schnelleren Mittelteil mit Gitarren- und Saxophonsoli, der im 4/4-Takt gespielt wird, im Rockmusik-untypischen 7/4-Takt gehalten. Das Stück On The Run beschreibt die Angst vorm Reisen. Da die Band bereits mehr als eine Amerikatournee absolviert, jedoch panische Angst vorm Fliegen hatte, schrieben sie dieses Stück, das sich von Auftritt zu Auftritt weiter entwickelte. Die Geräusche eines explodierenden Flugzeuges, mit denen der Song ausklingt, bringen das Thema auf den Punkt. Es basiert auf einem Synthesizer-Loop, der um soundcollagenhafte Elemente ergänzt wurde, und stellt damit eine Frühform des Techno dar.

Cover

Brechung von weißem Licht an einem Prisma

Das Plattencover wurde von George Hardie vom Hipgnosis-Designstudio entwickelt. Das Coverdesign stammt von Storm Thorgerson. Es zeigt vor schwarzem Hintergrund die Brechung eines weißen Lichtstrahls an einem Prisma, der sich dadurch in Regenbogenfarben auffächert. Für die Neuauflagen zum 20. und zum 30. Jubiläum der Albenveröffentlichung wurde in den Jahren 1993 und 2003 das Cover optisch erneuert, das Motiv jedoch beibehalten.

Kritik

Trotz des großen kommerziellen Erfolgs waren viele Kritiker unzufrieden mit der perfekt produzierten, aber im Vergleich zu den Vorgängeralbum wenig avantgardistischen und allzu eingängigen Musik des Albums. Dark Side Of The Moon sei Musik für „Hifi-Snobs“, hieß es etwa. In der Zeitschrift Sounds wurde das Album als Ausverkauf früherer künstlerischer Erfolge verrissen: „Die Pink Floyd leben mittlerweile davon, sich selbst zu zitieren und zu kopieren, was heißen soll: Sie glänzen durch Einfallslosigkeit.“ Die Musik sei nurmehr „billiger Gebrauchsrock vom Fließband mit ergreifenden ‚Aaahs‘ und ‚Ooohs‘“, interessant sei eigentlich nur die letzte Textzeile des Albums: „Sie lautet ‚See you on the dark side of the moon‘, und das sagt aus, wo man die Pink Floyd heute findet: hinterm Mond.“[1]

Albumversionen

Es ist eines der wenigen Alben, das auch in einer Quadrofonie-LP-Version, in etwa vergleichbar mit 4.0-Surround, existiert. Es erschien als so genannte „Quadrophonic 8-Track-Cassette“, die wie die Quadrophonie-LP in den frühen 1970ern ein wenig, vor allem aber in den USA, verbreitet war. Die 4-Track- und 8-Track-Cassetten sind jedoch nicht zu verwechseln mit der Compact Cassette, die ein völlig anderes Format hat.

2003 erschien Dark Side Of The Moon neu abgemischt von James Guthrie als SACD in einer 5.1 -Surround-Version. Viele Fans bemängelten, dass nicht Alan Parsons, der Toningenieur der Abmischung von 1973, für diese Aufgabe herangezogen wurde.

Titelliste

# (LP)*1 # (CD)*2 Titel Dauer Musik Text
A.1/1 1 Speak to Me 3:57 Nick Mason
A.2/2 Breathe Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright Roger Waters
A.3/3 2 On the Run 3:31 David Gilmour, Roger Waters, Richard Wright (Synthsequenz auf EMS VCS3)
A.4/4 3 Time 7:05 Nick Mason, Roger Waters, Richard Wright, David Gilmour Roger Waters
Breathe Reprise Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright Roger Waters
A.5/5 4 The Great Gig in the Sky 4:47 Richard Wright3
B.1/6 5 Money 6:23 Roger Waters Roger Waters
B.2/7 6 Us and Them 7:48 Roger Waters, Richard Wright Roger Waters
B.3/8 7 Any Colour You Like 3:25 David Gilmour, Nick Mason, Richard Wright
B.4/9 8 Brain Damage 3:50 Roger Waters Roger Waters
B.5/10 9 Eclipse 2:06 Roger Waters Roger Waters

*1 zeigt die Titelfolge, wie sie auf der LP/CD ausgedruckt ist.
*2 zeigt die tatsächlichen CD-Tracks.
*3 2004 erhob die Sängerin Clare Torry, die im Studio den Gesangsteil zu The Great Gig In The Sky improvisiert und dafür eine übliche Studiomusiker-Gage erhalten hatte, gerichtlich den Anspruch auf Tantiemen. Auf der 2006 erschienenen P.U.L.S.E-DVD wird die Urheberrschaft erstmals wie folgt akkreditiert: Wright/Vocal composition by Clare Torry.

Es existieren auch Ausgaben der CD (z.B.: Mobile Fidelity Gold-CD), die zehn Tracks aufweisen, da Speak To Me und Breathe auf zwei Tracks (1 und 2) aufgeteilt wurden.

Veröffentlichungen mit Bezug auf Dark Side of the Moon

Auf dem Pink-Floyd-Livealbum Pulse (1994) ist eine vollständige Darbietung des Albums enthalten. Der Mitschnitt stammt aus der bislang letzten Tournee der Band in der Formation ohne Roger Waters. 2006 erschien die gleichnamige DVD, die dem Zuschauer eine aufwändige visuelle Inszenierung des Albums mit runder Großleinwand und eigens dafür angefertigten Clips zugänglich macht.

Der Regisseur Matthew Longfellow drehte im Jahr 1997 eine Making-of-Dokumentation ab, die 2003 unter dem Titel Classic Albums – The Making of the Dark Side of the Moon auf DVD erschienen ist. Musiker und Mitwirkende kommen in einer 93-minütigen Sendung zu Wort.

Das Album diente in den letzten Jahren gehäuft als Vorlage für mehr und weniger ungewöhnliche Neuinterpretationen. Die Formation Easy Star All-Stars veröffentlichte 2003 eine Dub/Reggae-Version namens Dub Side of the Moon, die das Albumkonzept ironisch auf die eigene Subkultur ummünzt: Das Kassenklingeln zu Beginn des Stücks Money wurde durch eine rhythmische Collage um Raucherhusten, Feuerzeuggeräusche und das Blubbern einer Wasserpfeife ersetzt. Das A-Cappella-Projekt Vocomotion spielte 2005 eine Neuinterpretation unter dem Titel Dark Side of the Moon a capella ein. Darin werden sämtliche Instrumente durch Gesang oder Beatboxing imitert. Die Progressive-Metal-Band Dream Theater spielte das komplette Album während ihrer Welttournee 2005 als Zugabe live und veröffentlichte einen Livemitschnitt auf DVD und CD über ihr eigenes Plattenlabel YtseJam Records.

Die Industrial-Metal-Band Ministry benannte eines ihrer Alben Dark Side Of The Spoon, anspielend auf die verrußte Unterseite eines Löffels (engl. „spoon“), der zum Aufkochen von anschließend intravenös injiziertem Heroin genutzt wird, und die Drogenvergangenheit ihres Sängers Alain Jourgensen.

Klaus Schulze nahm zusammen mit Pete Namlook Ende der 1990er-Jahre eine Serie von 10 CDs unter dem Titel The Dark Side Of The Moog auf; auch die Titel der einzelnen Stücke tragen verballhornte Titel von Pink Floyd-Alben oder -Stücken.

Die dunkle Seite des Mondes ist der Titel eines Romans von Martin Suter aus dem Jahr 2000. Der Titel (deutsch für „The dark side of the moon“) spielt auf eine Aussage einer Romanfigur an, wonach dieses Album von Pink Floyd die beste Musik für einen Drogentrip sei.

Ebenfalls brachte die englische Coverband Pink Fraud als Hommage ein Album mit dem Titel Darker than the moon heraus, das das originale Album bis auf die letzte Note genau wiedergibt, ohne jedoch dabei seine Eigenständigkeit zu verlieren.

Chartinformationen

Die US-Zeitschrift Billboard führte das Album 741 Wochen lang ununterbrochen in den Top 200.

In der "Billboard Top-Pop-Catalog-Liste" wird das Album im März 2009 in der 1645. Woche geführt.

Gerüchte

Bereits kurz nach dem Erscheinen des Albums kam das Gerücht auf, dass das Album eine Synchronizität zu dem Film Der Zauberer von Oz aufweise. Dazu müsse man das Album nur zu einer bestimmten Stelle des Filmes starten, und die Handlung des Filmes und bestimmte Passagen des Albums, wie Wechsel in der Musik und einzelne Textstellen, würden ein harmonisches Ganzes ergeben.

Als der korrekte Moment für den Start des Albums werden, je nach Quelle, unterschiedliche Angaben gemacht, meist aber wird die Stelle, bei der der MGM-Löwe sein Gebrüll beendet, genannt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den auftretenden Gemeinsamkeiten jedoch nur um Koinzidenzen. Von den angeblichen Gemeinsamkeiten ist keine derart eindeutig, dass man sie als wirklichen Beweis für eine absichtliche Synchronisation des Albums mit dem Film sehen könnte, und auch die Gruppe hat sich zu diesem Gerücht nie bestätigend geäußert. Das beschriebene Phänomen ist auch als Apophänie bekannt.

Literatur

  • John Harris: Pink Floyd und The Dark Side of the Moon. Die Entstehung eines Meisterwerks. Hannibal, Höfen 2006, ISBN 3-85445-272-1

Weblinks

Fußnote

  1. Sounds. Platten 66–77, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1979, S. 519f

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