Cornwall


Cornwall
50.297261-4.899737
Cornwall
EnglandCornwall.svg
Geographie
Status Unitary Authority
Zeremonielle Grafschaft
Region: South West England
Fläche: 3.563 km²
Verwaltungssitz: Truro
ISO 3166-2: GB-CON
Demographie
Bevölkerung:
- Gesamt (2004 (Schätzung))
- Dichte:


517.500
145/km²
Distrikte
Cornwall Council (unitary) Scilly-Inseln (sui generis unitary)
Satellitenaufnahme von Cornwall

Cornwall [ˈkɔːnwəl] (kornisch: Kernow [ˈkɛrnɔʊ̯], dt. auch Kornwall oder veraltet Kornwales oder Cornwallis) ist eine Grafschaft und der südwestlichste Landesteil im Vereinigten Königreich im Landesteil England.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Truro, der Verwaltungssitz von Cornwall

Cornwall ist eine Halbinsel, die im Osten an Devon grenzt. Grenzfluss ist der Tamar. In Cornwall befinden sich der westlichste und südlichste Punkt Englands, nämlich Land's End und Lizard Point (auf der Halbinsel The Lizard).

Cornwall ist durch den Atlantischen Ozean, den Ärmelkanal und die Keltische See von drei Seiten mit Wasser umgeben. Raue, steile Felsen, die sich mit langen Stränden und malerischen Buchten (engl. Cove) abwechseln, prägen die Küstenlandschaft.

Der höchste Punkt Cornwalls mit 416 Metern über NN ist Brown Willy.

Hauptverbindungsstraßen nach Osten sind die A30 und die A38. Eine Autofähre verbindet Plymouth mit Torpoint. Die Eisenbahnhauptlinie von London verläuft an der Südküste. Die Strecke endet in Penzance.

Das Klima ist maritim gemäßigt mit viel Niederschlag, die Winter besonders mild (Einfluss des Nordatlantikstroms). Dadurch können an windgeschützten Stellen auch mediterrane Pflanzen wachsen. Aufgrund der klimatischen Besonderheiten gibt es zahlreiche bekannte Gärten mit subtropischen Pflanzen.

Vorgeschichte und Geschichte

Cornwall ist seit der Altsteinzeit besiedelt. In der Jungsteinzeit wanderten Bauern und Fischer der Megalithkultur ein, die Hünengräber bei Bodmin und Penwith hinterließen. Am Ende der Jungsteinzeit kamen neue Einwanderer, die die Herstellung von Bechern beherrschten und die Bronzeherstellung entwickelten.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. kamen die Kelten von Osten her in das Land und brachten die Kunst der Eisenherstellung und -bearbeitung mit. Im Jahr 43 n. Chr. eroberten die Römer Britannien und regierten das Land bis zum Ende des 4. Jahrhunderts. Der Komplex von Chysauster ist ein Relikt aus dieser Zeit.

In der folgenden Zeit bekriegten sich die Kelten untereinander, bis sie der Sage nach von König Artus befriedet wurden. Der Artussage nach wurde König Artus in der in Cornwall liegenden Burg Tintagel Castle gezeugt, was aber vom historischen Standpunkt unhaltbar ist: Die Burganlage stammt nachweislich aus dem 12. Jahrhundert; der historische Kern der Artussage wird von der heutigen Forschung aber einhellig um das Jahr 500 n. Chr. im Kontext der Völkerwanderung verortet.

Im 5. Jahrhundert begann die Christianisierung Cornwalls durch irische, walisische und bretonische Missionare.

Auch während der angelsächsischen Periode Englands blieb Cornwall keltisch. Die Eroberung Englands 1066 durch die Normannen unter ihrem Anführer Wilhelm dem Eroberer brachte 1072 auch Cornwall unter normannische Herrschaft. Die Cornishmen erhielten sich aber ihre Sprache und Identität. Der englische König Edward III. machte Cornwall zur Grafschaft mit einem gewissen Sonderstatus.

Während des Mittelalters war Cornwall als einziger Teil des heutigen Englands nicht von Angelsachsen besiedelt, sondern blieb keltisch. 1858 hatte der Attorney General to the Duchy of Cornwall Sir George Harrison, in einem Disput über die Küstengewässer zwischen Cornwall und der englischen Krone ausgeführt, Cornwall sei ein Pfalzstaat, der extraterritorial gegenüber der Englischen Krone sei. Heute wird Cornwall verwaltungstechnisch als County von England behandelt.

Wirtschaft

Die kornische Wirtschaft fußte auf traditionellen Berufsfeldern wie dem Fischfang und dem Bergbau. Der Niedergang dieser Bereiche führte auch zu großen wirtschaftlichen Problemen.

Landwirtschaft hat auch heute noch einen hohen Stellenwert in Cornwall. Der Anteil an der regionalen Bruttowertschöpfung lag 2003 bei 4 %. Der Anteil der Industrie lag bei 22 %; den größten Anteil hatten Dienstleistungen mit 74 %. Der Dienstleistungssektor soll in der Zukunft noch weiter ausgebaut werden und für weitere Arbeitsplätze sorgen.

Die Abhängigkeit der Wirtschaft in Cornwall vom Tourismus ist beträchtlich und liegt bereits bei einem Anteil von etwa 25 %.

Cornwall ist die ärmste Region im Vereinigten Königreich. Daher wird sie auch durch Mittel des Wirtschaftsförderungsprogramms der Europäischen Union unterstützt.

Die Arbeitslosigkeit, die in der Region traditionell recht hoch, ist in den letzten 15 Jahren drastisch zurückgegangen.

Tourismus

St. Ives – Hafen und Porthminster Beach

Cornwall ist aufgrund der unberührten Landschaft, der rauen Steilküsten, der kilometerlangen feinen Sandstrände, des milden Klimas und der zahlreichen Sehenswürdigkeiten eine für den Tourismus sehr interessante Region.

Das elisabethanische Herrenhaus Trerice in Kestle Mill bei Newquay

Erst in den letzten Jahren wurde Cornwall touristisch erschlossen. So wurden beispielsweise stillgelegte Minen zu Besucherbergwerken umgewandelt. Die Anzahl der Besucher nahm daher von 1993 bis 2003 stetig zu. 2003 besuchten fünf Millionen Touristen das Land, die meisten davon kamen aus dem Vereinigten Königreich, nur vier Prozent aus dem Ausland. Zu den Zentren des Tourismus zählen das für seine Strände und das klare Wasser bereits mehrfach ausgezeichnete St. Ives, das als Künstlerkolonie auch einen Ableger der Londoner Tate Gallery aufweist, der bekannte Badeort Penzance und das bei Surfern sehr beliebte Newquay. Neben zahlreichen Bed-and-Breakfast-Accommodations bietet Cornwall auch eine große Auswahl an Campingplätzen.

Ruinen der Poldice Mine (um 1510 bis 1930) in Gwennap

Bergbau

Cornwall war die Hauptquelle für Zinn in der Bronzezeit und Antike. Das Zinn wurde zur Bronzeherstellung in den gesamten Mittelmeerraum verschifft. Kornisches Zinn führte zu den Forschungsreisen des Pytheas und zu Handelsreisen der Karthager. Der Haupthandelsweg führte jedoch nach Überquerung des Kanals auf dem Landweg durch Gallien. Die Bergleute von Cornwall zählten zu den erfahrensten der Welt.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts deckte Cornwall mehr als die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn. Auch Kupfer wurde in großem Maßstab hier abgebaut. Im 20. Jahrhundert waren die Minen weitgehend erschöpft, Bergwerke in anderen Ländern konnten billiger produzieren. Bergleute aus Cornwall wanderten nach Amerika aus. Einige der erschöpften Zinnminen wurden aufgrund des steigenden industriellen Bedarfs an Arsen – häufig ein Begleitmineral des Zinns – im frühen 20. Jahrhundert auf Arsengewinnung umgestellt. Besonders die Abraumhalden der Zinngewinnung wurden aufgearbeitet. Durch die Arsenstäube wurden weite Teile des Landes um die Bergwerke vergiftet und zur Wüste. Erst Ende des 20. Jahrhunderts begann man mit einer Rekultivierung des Landes und einige Bergwerke wie z.B. die Levant Mine oder die Geevor Mine im Bergbaurevier St Just wurden zu Besucherattraktionen ausgebaut.

Kommunikationstechnik

Im späten 19. Jahrhundert erreichten die ersten Seekabel die Küsten von Cornwall. Noch heute gelten die Strände von Porthcurno, Sennen und auf der Halbinsel Lizard als bedeutende Anlandepunkte moderner Seekabel. Neben den Seekabeln spielt die Satellitenkommunikation in Cornwall eine große Rolle. Die Goonhilly Satellite Earth Station, die größte Satellitenanlage der Welt, befindet sich im südlichen Teil der Halbinsel.

Die für Transatlantikverbindungen günstige Lage Cornwalls machte sich auch der Radiopionier Guglielmo Marconi zunutze: Am 12. Dezember 1901 gelang ihm von seiner Funkstation in Poldhu auf der Halbinsel Lizard die erste transatlantische Funkübertragung. Die von hier ausgesendeten Signale wurden auf dem Signal Hill bei St. John's auf Neufundland wieder empfangen.

Kornische Sprache

St.Piran's Flag und Wappen von Cornwall
Hauptartikel: Kornisch

Das Kornische, eine keltische Sprache, starb angeblich 1777 mit dem Tod der letzten Primärsprecherin Dolly Pentreath aus Mousehole als Muttersprache aus. Kornisch gehört zum südwestbritannischen Zweig des Inselkeltischen und ist nahe mit dem Walisischen und dem Bretonischen verwandt, gegenüber der irischen Sprache und dem schottischen Gälisch sind die Unterschiede größer. Inzwischen gibt es Anstrengungen, die Sprache wiederzubeleben, und sie wurde von der britischen Regierung als Minderheitensprache anerkannt.

Der heutige englische Name Cornwall ist vom angelsächsischen Namen kern-weahlas, die „kornischen Waliser (Welschen)“ abgeleitet. Der Name Kernow (und damit auch das englische Namenselement Corn-) leitet sich vom britannischen Stamm der Cornovii ab.

Religiös und politisch gelten die Kornen als Nonkonformisten.[1] So gibt es einen Disput, wer Nationalheiliger sein solle, der heilige Piran, Erzengel Michael oder der heilige Petroc. Sankt Piran gilt als populärer, sein Zeichen (ein weißes Kreuz auf schwarzem Grund) ziert die Flagge von Cornwall. Sein Namenstag, der 5. März, wird von den Kornen auf der ganzen Welt gefeiert. Obwohl seine Flagge von kornischen Sezessionisten als Symbol gewählt wurde, ziert sie auch in apolitischer Bedeutung die Verpackung mancher kornischer Pasteten.

Verwaltungsgliederung

Zennor

Der Verwaltungssitz von Cornwall ist in Truro. Durch die Verwaltungsreform am 1. April 2009 wurden alle districts in Cornwall abgeschafft und die Kompetenzen der Bezirke und der Grafschaft in einer einzigen Unitary Authority vereinigt.[2][3] Die Scilly-Inseln durften ihren Status als Unitary Authority behalten. Vor dem April 2009 war Cornwall in die sechs Bezirke (districts) Caradon, Carrick, Kerrier, North Cornwall, Penwith und Restormel aufgeteilt.

Städte und Dörfer

Küste von West Penwith

Sehenswürdigkeiten

Geologie und Landschaft

Land's End

Vorgeschichtliches Relikt

Megalithformation Lanyon Quoit
Megalithformation Mên-an-Tol

Gärten

The Lost Gardens of Heligan

Orte und Architektur

Minack Theatre

Siehe auch

Liste der Grade-I-Baudenkmäler in Cornwall

Sonstiges

  • Cornwall Wildlife Trust

Cornwall in der englischen Literatur

Sowohl in der Hoch- wie auch in der Kinder- und Trivialliteratur ist Cornwall in der britischen Literatur immer wieder ein von den Schriftstellern gewählter Handlungsort. Virginia Woolf widmete Cornwall zwei ihrer Romane. Die wichtigsten Romane von Daphne du Maurier, die die meiste Zeit ihres Lebens in Cornwall verbrachte, spielen alle in Cornwall. Gleiches gilt für die Romane von Howard Spring. Auch die Internatsgeschichten von Enid Blyton sollen in Schulen an der cornischen Küste angesiedelt sein. In der Trivialliteratur ist es vor allem Rosamunde Pilcher zu verdanken, dass Cornwall – besonders durch die unter deutscher Produktion für das ZDF verfilmten Romane – seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland immer bekannter geworden ist.

Weitere Bilder von Cornwall

Literatur über Cornwall

Geschichte

  • Orme, Nicholas: The Saints of Cornwall. Oxford University Press. Oxford u. a. 2000, ISBN 0-19-820765-4
  • Göbelsmann, Laura: Jenseits des Grüns. Cornwall und seine industrielle Vergangenheit. Promedia Verlag 2011, ISBN 978-3-8537-1324-2

Kultur

  • Malte Tschirschky: „Die Erfindung der keltischen Nation Cornwall: Kultur, Identität und ethnischer Nationalismus in der britischen Peripherie“. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-8253-5278-3

Reiseführer

  • Ralf Nestmeyer: „Cornwall & Devon“. Ein Reisehandbuch. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2011, ISBN 978-3-89953-604-1

Sprache

  • Daniel Prohaska: "Kornisch Wort für Wort." Kauderwelsch. Reise Know-How Verlag Rump, August 2006, ISBN 978-3-89416-375-4

Weblinks

 Commons: Cornwall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Cornwall: the Economic and Socio-Demographic Context (Engl.)
  2. Cornwall County Council: One Cornwall - A unified council for Cornwall
  3. Green light for five flagship Unitary Councils

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