Coluccio Salutati


Coluccio Salutati
Coluccio Salutati
(Abb. aus einem Codex der Biblioteca Laurenziana, Florenz)

Coluccio Salutati (* 16. Februar 1331 in Stignano bei Buggiano im Valdinievole, zwischen Lucca und Pistoia; † 4. Mai 1406; auch Lino Coluccio di Pierio di Salutati) war ein italienischer Humanist und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Salutati wurde nach dem Studium der Rechte in Bologna Notar. Nachdem seine Familie Bologna verlassen musste, wurde er wahrscheinlich 1367 Kanzler der Stadt Todi und schließlich in der gleichen Funktion 1371 von Lucca. Zwischenzeitlich wurde er Assistent Francesco Brunis, des Sekretärs des Papstes Papst Urbans V.. In diese Zeit fällt die kurze Bekanntschaft mit Francesco Petrarca, den Salutati zu einem Besuch am päpstlichen Hof zu überreden suchte. 1375 wurde Salutati zum Kanzler von Florenz gewählt, der einflussreichsten Position in der Republik Florenz; er bekleidete dieses Amt mehr als 30 Jahre bis zu seinem Tode im Jahr 1406.

Politiker und Philosoph

Salutati war Politiker, in seiner Gesinnung verkörperte er den Freisinn des Bürgertums. Sein größter politischer Erfolg als Kanzler der Republik Florenz war die Rettung der Stadt vor der Eroberung durch Giangaleazzo Visconti von Mailand.

Er war in den artes liberales und in der Philosophie des Mittelalters gebildet, durch die Beschäftigung mit den antiken Autoren wurde er jedoch zu einem überzeugten Humanisten. Aus seinen Werken lässt sich seine Kenntnis der antiken Literatur und Philosophie – seine Bibliothek umfasste 800 Buchrollen – erschließen: Im Lateinischen sind es vor allem Vergils Aeneis und Cicero, griechische Autoren dagegen hat er eher aus Übersetzungen beigezogen als selbst gelesen. Wie die geringe Anzahl der Bezüge auf Homer und Platon zeigt, hat er Griechisch kaum beherrscht. Sein Philhellenismus brachte ihn jedoch dazu, in Florenz einen Lehrstuhl für griechische Sprache einzurichten, auf den er 1397 den Griechen Manuel Chrysoloras berief. Chrysoloras berühmtester Schüler sollte Leonardo Bruni werden, später selbst Kanzler von Florenz und Übersetzer Platons, Aristoteles‘, Demokrits und Plutarchs.

Bedeutsam war Salutatis Wiederentdeckung von Ciceros Briefen Ad familiares, die das zeitgenössische Bild Ciceros erheblich veränderte. Als Bewunderer Petrarcas machte er sich um die Erhaltung und Veröffentlichung von dessen Werk Africa verdient.

In seinen philosophischen Bemühungen war Salutati noch weniger systematisch als Petrarca; in der Betonung ethischer Gesichtspunkte stimmt er mit den Humanisten des 14. Jahrhunderts überein. Bedeutsam für ihn ist die Erörterung des Verhältnisses von vita contemplativa und vita activa. Salutati lehnt die vita contemplativa nicht ab, aber er sieht ihre Grenzen im innerweltlichen Bereich: Volle Kontemplation Gottes ist für den Menschen erst im Jenseits möglich, im diesseitigen Leben muss gerade die vita activa im täglichen Umgang miteinander die ethische Lebensführung des Menschen befördern.

Salutati war ein an praktischer Politik orientierter Denker. Die Sorge um Familie und Freunde und um den Staat galt ihm als besonders gottgefällig. Ganz anders dagegen 60 Jahre später Marsilio Ficino, für den feststeht, dass Gott nur im Denken zu erreichen ist und dass der Mensch nur über diesen Weg zu Glück und Vollkommenheit gelangen kann.

Werke

Die Schriften Salutatis sind weit gespannt. Sie umfassen politisch orientierte Werke sowie philosophische und literarisch allegorisierende Schriften. Von fundamentaler Bedeutung, um Einsicht in Meinungen und Handlungen Salutatis zu gewinnen, ist sein umfangreiches Briefcorpus (Epistolario), mit dem er sich in die Tradition berühmter antiker Epistolographen wie Cicero und Seneca, aber auch in die Nachfolge Petrarcas stellt.

  • Epistolario
  • Invectiva, 1403
  • De saeculo et religione, 1381
  • De fato, fortuna et casu, 1396-1399
  • De nobilitate legum et medicinae, 1399
  • De tyranno, 1400
  • De laboribus Herculis, unvollendet

Literatur

  • Jakob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Leipzig 1860, ²1869.
  • Alfred von Martin: Salutati und das humanistische Lebensideal. Leipzig 1916.
  • Eugenio Garin: Der italienische Humanismus. Nach dem Manuskript ins Deutsche übertragen von Giuseppe Zamboni. Bern 1947.
  • B. L. Ullman: The Humanism of Coluccio Salutati. Padua 1953.
  • Hans Baron: The Crisis of the Early Renaissance. Civic Humanism and Republican Liberty in Age of Classicism and Tyranny. Revised one-volume edition. Princeton Univ. Pr., Princeton New Jer 1955, 1967.
  • Eckhard Keßler: Das Problem des frühen Humanismus. Seine philosophische Bedeutung bei Coluccio Salutati. Humanistische Bibliothek. Bd I,1. Fink, München 1968.
  • Eckhard Keßler: Salutati. Der Humanist und die Wissenschaften. Einleitung zu Coluccio Salutati: Über den Vorrang der Medizin oder der Jurisprudenz. De nobilitate legum et medicinae. Hrsg. und komm. von P. M. Schenkel. München 1990. ISBN 3-7705-2601-5
  • Paul Oskar Kristeller: Humanismus und Renaissance. 2 Bde. Fink, München 1976–1980.
  • Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien. Beck, München 1998, 2005. ISBN 3-406-52796-5
  • Coluccio Salutati e l'invenzione dell'Umanesimo. A cura di Teresa de Robertis, Giuliano Tanturli, Stefano Zamponi. Firenze: Mandagora 2008 (Firenze, Biblioteca Medicea Laurenziana, 2 novembre 2008-30 gennaio 2009) ISBN 978-88-7461-124-9

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