Uniqa Hotel- und Geschäftsgebäude


Uniqa Hotel- und Geschäftsgebäude
Das Gebäude Praterstraße 1

Das Uniqa-Hotel- und Geschäftsgebäude in der Praterstraße 1 im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt ist ein Bau der UNIQA Versicherungen AG, der nach Plänen des französischen Architekten Jean Nouvel errichtet wurde. Hier wurden am 4. Dezember 2010 die Ausstellungsräume der Firma Stilwerk und am 14. Dezember das Hotel Sofitel Vienna Stephansdom[1] eröffnet.[2]. Das Gebäude entstand auf einem prominenten Bauplatz im Zentrum der Stadt: bei der Schwedenbrücke über den Donaukanal, von der Praterstraße und Taborstraße ausgehen.

Inhaltsverzeichnis

Bauplatz

das Gebäude in Bau (Juni 2009)

Der Bauplatz Ecke Praterstraße / Taborstraße in der Wiener Leopoldstadt liegt dem historischen Stadtzentrum genau gegenüber. Der Schwedenplatz am anderen Ufer des Donaukanals ist Station der U-Bahn-Linien U1 und U4 und der Straßenbahnlinien 1 und 2, in unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Abfahrtsstellen des Twin City Liners nach Bratislava / Pressburg und der ÖBB-Busse zum Flughafen Wien sowie das Badeschiff im Donaukanal.

Da die Taborstraße die älteste Straße des heutigen 2. Bezirks ist und hier schon 1464 die Schlagbrücke über die Donau (den heutigen Donaukanal) zur ummauerten Stadt genannt wurde, wurde die engere Umgebung des Bauplatzes schon jahrhundertelang für touristische Funktionen genützt. Auf einer Teilfläche des heutigen Bauplatzes (Praterstraße 7) befand sich 1591 der Einkehrgasthof „Zum goldenen Lamm“[3], auf einer anderen Teilfläche (Taborstraße 4) das einstige Hotel „Zum weißen Schwan“[4]; die beiden Beherbergungsbetriebe wurden anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 zum späteren „Hotel Continental“ (200 Zimmer, Saal für 600 Personen, Kaffeehaus) vereinigt bzw. ausgebaut[5], in dem u.a. Otto von Bismarck abstieg. 1945 wurde das Hotel bei der Schlacht um Wien schwer beschädigt und nicht wieder aufgebaut. Bei diesen Kampfhandlungen wurden fast alle Gebäude beiderseits des zentralen Abschnitts des Donaukanals durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt oder zerstört, weshalb die Gegenwartsarchitektur hier seit 1945 besonders stadtbildprägend ist.

1959−1962 entstand auf dem Bauplatz das Gebäude der Bundesländer-Versicherung, eine Stahl-Glas-Konstruktion; im Erdgeschoß befanden sich Geschäftslokale. Die Versicherung ging später in der heutigen Uniqa-Versicherung auf, die 1999−2004 hier ihren Hauptsitz hatte. Nach Fertigstellung des in der Nähe neu gebauten Uniqa Towers, des neuen Hauptsitzes des Konzerns, wurde das 1962 fertiggestellte Gebäude funktionslos. Uniqa ließ daher Pläne für eine ökonomische Neunutzung des Grundstücks entwerfen und entschloss sich zum Bau dieses Hotel- und Geschäftsgebäudes.

Entwurf

Jean Nouvels Entwurf für das Gebäude war Resultat eines von Uniqa ausgelobten zweistufigen Architektenwettbewerbs[6]. Auf ein mehrgeschoßiges Sockelbauwerk setzte Nouvel einen Turm auf; die Verbindung zwischen Basis und Turm stellt ein sich nach oben verjüngender Wintergarten her, der sich über drei Geschoße erstreckt. Der Turm scheint sich leicht nach links, zur Taborstraße, zu neigen, so dass er nach Meinung des Bauherrn mit dem Gegenstück auf der anderen Straßenseite, dem ebenfalls zur Taborstraße geneigten „Media-Tower“ nach den Plänen von Hans Hollein, ein optisches Portal zur Leopoldstadt bildet.

Struktur

Das 75 m hohe Gebäude weist eine Bruttonutzfläche von 53.000 m² mit folgender Struktur (von oben nach unten) auf[7].

Turm:

  • 18. Stock: Panoramarestaurant („Le Loft Restaurant“ mit „Lichtdecke“ von Pipilotti Rist, „Le Loft Bar & Lounge“[8])
  • 6.−17. Stock: Sofitel (fünf Sterne) des Hotelkonzerns Accor, 182 Zimmer (inkl. 26 Suiten)

Sockelbauwerk:

  • 5. Stock: Spa und Wellnesseinrichtungen („Spa & Fitness“), Wintergarten
  • 4. Stock: neun Konferenzräume des Hotels, Wintergarten
  • 3. Stock: Designzentrum „Stilwerk“ (wie in Hamburg, Berlin und Düsseldorf)[9], Wintergarten
  • 1. und 2. Stock: „Stilwerk“
  • Erdgeschoß: „Stilwerk“, Restaurant „Neni“,[10] Hotellobby
  • Tiefgeschoße: Garage mit 239 Stellplätzen

Architekturkritik

Die Wiener Architekturkritik kommentierte den Bau nach der Eröffnung uneinheitlich. Jan Tabor sieht vom Schwedenplatz und von der Taborstraße aus einen riesigen Designer-Schischuh oder ein riesiges Grabmal aus einem tröstend dunklen Material. Die Gestalt des Gebäudes beschreibt er als plump und doch schick wirkend. Die der Leopoldstadt zugewandte Seite sei sehr schön, besonders in der Nacht. Den Wechsel von widersprüchlichen Wahrnehmungen fasst Tabor im Satz Sie sind seltsam, die Bauten von Jean Nouvel zusammen. Der wohlgesetzte Nouvel-Kombibau, obwohl er weit nicht die Qualitäten des ausgelassenen Hollein-Collagebaus erreicht, macht sich hier breit, drängt sich vor … Das durch die Neigung der beiden Hochhäuser zueinander am Beginn der Taborstraße nach Meinung mancher entstandene Stadttor hält Tabor für das Produkt einer anachronistisch-pittoresken Städtebauideologie aus der Camillo-Sitte-Zeit, eine urbanistische Plattheit, einen Stadtbild-Kitsch. Holleins Bau ist eine verspielte Collage, Nouvels Bau ein espritfreier Cocktail. Vor zwanzig Jahren wäre Nouvel mit diesem Entwurf noch im internationalen Zeitgeist gewesen, heute handle es sich um ein Stück der Retromoderne, das hoffentlich kein Trendsetter werde.[11]

Maik Novotny geht mit dem ambitionierten Vexierspiel von Volumen und Flächen deutlich milder um. Er erinnert eingangs daran, dass Jean Nouvel 1995 den Wettbewerb um den benachbarten Media Tower gegen Hollein verloren hat, der hier eine stimmige Collage realisiert habe. Beim nun fertig gestellten Bau habe Nouvel den Wettbewerb gegen Hollein gewonnen. Der Hoteltrakt balanciere wie ein erratischer Block auf dem fünfgeschoßigen, schräg angeschnittenen Sockel. Nouvels Bau zeige wie ein doppelter Januskopf in jede Richtung ein komplett anderes Gesicht. Am spektakulärsten zeige sich das Gebäude bei Dämmerung und bei Nacht: hier wandelt sich das „Fast-Nichts“ zu einem leuchtend-farbigen Etwas. Die Restaurantdecke im 18. Stock schwebe dank der Lichtinstallation von Pipilotti Rist wie ein fliegender Teppich im Wiener Himmel.[12]

Einzelnachweise

  1. Website des Hotels
  2. Bericht auf der Website der Tageszeitung Der Standard, Wien, vom 28. November 2010
  3. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 3, Kremayr & Scheriau, Wien 1994, ISBN 3-218-00545-0, S. 665
  4. Czeike: Band 3, S. 273
  5. Czeike: Band 1, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4, S. 591
  6. Website über das Bauvorhaben
  7. Presseaussendung Februar 2009
  8. Aussendung des Hotelmanagements vom April 2010
  9. Website der Wiener Tageszeitung Die Presse, abgerufen 18. September 2009
  10. Wochenmagazin profil, Wien, Nr. 45, 8. November 2010, S. 62 f.
  11. Jan Tabor: Das Kaleidoskop. Bescherung am Donaukanal, in: Wochenzeitung Falter, Wien, Nr. 50 / 15. Dezember 2010, S. 44 f.
  12. Maik Novotny: Wie schwer ist das Nichts?, in: Tageszeitung Der Standard, Wien, 18. Dezember 2010, Beilage Album, Seite A4
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