Rütten & Loening


Rütten & Loening
Rütten & Loening GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1. Juli 1844
Sitz Berlin, Deutschland
Branche Buchverlag
Produkte Bücher

Rütten & Loening war ein bedeutender deutscher Publikumsverlag, der 1844 in Frankfurt gegründet wurde. Heute ist die Rütten & Loening GmbH im Besitz der Aufbau-Verlagsgruppe. Die Wortmarke Rütten & Loening wird als Imprint der Aufbau-Gruppe fortgeführt.[1] Innerhalb der Verlagsgruppe werden dem Imprint vorwiegend die Werke der gehobenen Unterhaltungsliteratur zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

19. Jahrhundert

1844 gründete der Frankfurter Kaufmann Joseph Rütten die Literarische Anstalt (J. Rütten) unter Mitwirkung des Verlegers Zacharias Löwenthal (später konvertiert: Karl Friedrich Loening).[2] Ein erster großer Erfolg des neuen Verlages war Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter (1845), der in einer Anfangsauflage von 1.500 Stück erschien. Im gleichen Jahr verlegte er auch das erste gemeinsame Buch von Karl Marx und Friedrich Engels, Die heilige Familie.[1] Zu seinem Verlagsprogramm zählten auch Gesamtausgaben Georg Büchners, Ludwig Börnes und Karl Gutzkows.[3]

Rütten und Löwenthal wurden 1848 Abgeordnete der ersten deutschen Nationalversammlung. Die Literarische Anstalt verlegte später die Bücher vieler linker Vertreter der Nationalversammlung.

1857 wird der nun Loening heissende Löwenthal Prokurist und 1859 Teilhaber; der Verlag firmierte nun als Literarische Anstalt Rütten & Loening.[2] Ab 1879 wurde er durch Gottfried Loening und Heinrich Oswalt, einen Neffen Rüttens, weitergeführt. Schwerpunkte der Verlagstätigkeit wurden nun Geschichte, Kunst- und Literaturgeschichte sowie Jurisprudenz. So erschien über lange Jahre die 1880 von Ludwig Geiger begründeten Goethe-Jahrbücher bei Rütten & Loening. Der Struwwelpeter jedoch blieb ein wichtiger Titel des Verlagsprogramms: 1876 die erschien die hundertste und 1895 die zweihundertste Auflage.[2]

1900 bis 1936

1901 übernahm Wilhelm Oswalt, ein Sohn Heinrich Oswalts, die Leitung des Verlages. 1905 wurde Martin Buber für zehn Jahre Cheflektor des Verlages. Adolf Neumann wurde 1913 Geschäftsführer und später Teilhaber. In den 1920er Jahren prägte die Belletristik das Verlagsprogramm. Zum Autorenstamm gehörten u.a. Romain Rolland, Sigrid Undset, Rudolf Binding und Waldemar Bonsels. Adolf Neumann[4] wird Teilhaber.[1]

1936 sahen Oswalt und Neumann sich unter dem Druck der Nürnberger Gesetze gezwungen, Rütten & Loening an den Potsdamer Verleger Albert Hachfeld (Athenaion Verlag) zu verkaufen.

1946 bis 1990

Potsdam und Berlin

1946 wurde Hachfeld enteignet und der Verlag treuhänderisch der dem Land Brandenburg gehörenden Potsdamer Verlagsgruppe zugeordnet. Dort wurde Rütten & Loening als Produktionsgruppe geführt.[5] Ab 1950 nahm die SED-Holding Zentrag den Verlag als Eigentum in Anspruch.

1951/52 wurde der Verlag wieder verselbständigt. Die Zentrag übertrug die Rechte an den ebenfalls parteieigenen Verlag Volk und Welt. Der Verlagssitz wurde nach Berlin verlegt. Das Jahr 1964 stellte erneut eine Zäsur dar: während das belletristische Programm dem Aufbau-Verlag organisatorisch zugeordnet wurde, übertrug Volk und Welt das wissenschaftliche Programm an den Berliner Verlag der Wissenschaften. Die formale Rechtsform der GmbH blieb jedoch bestehen. Die Angliederung an den Aufbau-Verlag blieb bis zum Ende der DDR bestehen.[1]

Frankfurt a.M., Hamburg und München

1950 gründete ein Sohn Neumanns einen zweiten Rütten & Loening Verlag in Frankfurt a.M. 1951 wurde ein Rückgabeantrag der Verlegerfamilien in Westberlin mit der Begründung abgelehnt, dass der Verlag in der DDR ansässig sei. Der westdeutsche Verlag siedelte später nach Hamburg über und wurde 1960 durch Bertelsmann übernommen. 1969 wurde der zwischenzeitlich in München angesiedelte Verlag erneut verkauft. Der neue Eigentümer, der Berner Scherz-Verlag, stellte den Betrieb bei Rütten & Loening München jedoch 1974 ein und löschte die Firma 1992 aus dem Handelsregister.[1]

Der westdeutsche Verlag wurde in der breiteren Öffentlichkeit insbesondere durch die Herausgabe der Globke-Dokumentation[6] 1961 und das Verbot der Bertelsmann-Gruppe, Rolf Hochhuths Stellvertreter zu drucken,[7] bekannt. 1963 erwirkte die Bertelsmann-Gruppe ein Vertriebsverbot der Bücher und Zeitschriften des Ost-Berliner Verlags für das Gebiet der damaligen Bundesrepublik.

Nach 1990

1995 wird das Verlagsarchiv an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übertragen.

Gegenwart

Rütten & Loening ist heute ein Imprint. Die Aufbau-Gruppe konzentriert hier die Werke der gehobenen Unterhaltsliteratur von deutschen und internationalen Autoren. Nach Einstellung des ebenfalls zur Aufbau-Gruppe gehörenden Gustav Kiepenheuer Verlags im Jahre 2010 beabsichtigt die Aufbau-Gruppe, Rütten & Loening die vormaligen Geschäftsfelder von Kiepenheuer zuzuordnen.[8]

Festschriften

  • Alfred Frommhold: Hundertundzehn Jahre Verlag Rütten & Loening Berlin. 1844 bis 1954. Rütten & Loening, Berlin 1954
  • Hundertfünfundzwanzig Jahre Rütten & Loening 1844 – 1969. Ein Almanach. Gesamtredaktion Jürgen Jahn. Rütten & Loening, Berlin 1969
  • Wurm, Carsten: 150 Jahre Rütten & Loening. … Mehr als eine Verlagsgeschichte. Rütten & Loening Berlin GmbH, Berlin 1994

Literatur

  • Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. 5. Band, Verlag von Rudolf Schmidt, Eberswalde 1908, S. 838-839. (online)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e Christoph Links: Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen. Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-523-2, S. 204f (Digitalisat).
  2. a b c Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Schmidt, Eberswald 1908, S. 838-839.
  3. Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Mohr Siebeck, Tübingen 1968, ISBN 3-168-29292-3, S. 213-214.
  4. Adolf Neumann, siehe Joseph Walk (Hrsg.), Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. München : Saur, 1988 S. 280
  5. Alfred Frommhold: Verlag Rütten und Loening. 1844 bis 1954. Rütten & Loening, Berlin 1954, S. 85.
  6. Reinhard-Maria Strecker (Hrsg.): Dr. Hans Globke. Aktenauszüge, Dokumente. Rütten & Loening, Hamburg 1961.
  7. Heiner Teroerde: Politische Dramaturgien im geteilten Berlin: Soziale Imaginationen bei Erwin Piscator und Heiner Müller um 1960. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89971-696-2.
  8. Aufbau begradigt und erweitert sein Programm. Verlag als Qualitätsversprechen. auf: Buchreport.de 27. April 2010. Zugegriffen am 26. September 2010.

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