Richard A. Muller

Richard A. Muller

Richard A. Muller (* 6. Januar 1944 in New York City) ist ein US-amerikanischer Physiker (experimentelle Teilchenphysik, Geophysik, Astrophysik), der durch populärwissenschaftliche Bücher bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Muller studierte Physik an der Columbia University (Bachelor Abschluss) und wurde an der University of California, Berkeley, promoviert. Dort arbeitete er anfangs bei Luis Alvarez, unternahm Teilchenphysikexperimente mit Blasenkammern, war an der Entwicklung von Massenspektrometrie mit Beschleunigern (Accelerator Mass Spectroscopy, AMS) beteiligt (und benutzte diese für Datierungsfragen[1]) und vermass früh Anisotropien in der Kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung (wobei er mit George Smoot zusammenarbeitete)[2]. Er ist Professor in Berkeley und am Lawrence Berkeley National Laboratory.

Er ist für verschiedene populärwissenschaftliche Bücher und Artikel bekannt. Mehrere Jahre war er Kolumnist des MIT Technology Review, was unter anderem zu Kontroversen mit Michael E. Mann führte, als Muller 2004[3] dessen Hockeyschläger-Graph-Rekonstruktion[4] des mittleren Temperaturverlaufs auf der Nordhalbkugel der Erde der letzten 1000 Jahre kritisierte.

Insbesondere befasste er sich mit Fragen der Geowissenschaften, wie Aussterbe-Zyklen[5], Eiszeiten, Wechselwirkungsdynamik zwischen Erdkern und Erdmantel und Mechanismus der Umkehrungen des Erdmagnetfeldes[6], Einschlagkrater, Red Sprites. 1988 veröffentlichte er das Buch Nemesis, in dem er Zyklen von 26 Millionen Jahren in den Aussterberaten auf der Erde durch Einschläge von Kometen erklärt, entsprechend einer periodischen Störung der Oortschen Wolke durch einen bisher unentdeckten Doppelstern-Begleiter der Sonne (Nemesis)[7]. Er setzte die Suche nach diesem hypothetischen Zwergstern-Begleiter der Sonne auch später fort und konstruierte dafür mit seiner Gruppe ein automatisiertes Teleskop.[8]

Muller war auch an der automatisierten Supernova Suche von Saul Perlmutter und anderen beteiligt, die zur Entdeckung einer beschleunigten Expansion führte.

Mit Gordon MacDonald veröffentlichte er einen Aufsatz in Science und ein Buch, in dem er periodische Variationen in der Neigung der Erdbahn zur Ekliptik (mit einer Periode von 100.000 Jahren) für die Eiszeiten verantwortlich macht, im Gegensatz zur Theorie von Milankovich, die diese auf Variationen in der Neigung der Erdachse und andere Parameter zurückführt. Unmittelbare Ursache sind nach Muller und MacDonald dann damit verbundene Variationen in interstellarem Staub je nach Lage der Erdbahn. Sie untermauern das durch Analyse des Gehalts an Sauerstoffisotopen in Ozeansedimenten und von Iridium Häufigkeit in Ozeansedimenten und Eiskernen aus Grönland.[9]

Der Einschlag von Kometen und Asteroiden führt nach Muller und Morris auch zu Umkehrungen des Erdmagnetfeldes nach folgender Argumentation: die durch den Einschlag eingebrachten Staubteilchen führen zu einer Absenkung der Temperatur auf der Erde, Vereisung der Polkappen senkt den Meeresspiegel ab und führt zu einer Reduzierung des Trägheitsmoments von Kruste und Mantel gegenüber dem Erdkern (im ppm Bereich), worauf sich der Mantel schneller gegenüber dem Kern dreht was die Konvektionszyklen, die das Erdmagnetfeld erzeugen, stört.[10]

Muller meint auch Hinweise (aus Datierungen mit Argon Isotopen von Mikrotektiten in Mondgesteinproben) für einen Anstieg in der Einschlagsrate auf dem Mond in den letzten 400 Millionen Jahren gefunden zu haben (bei vorherigem Abfall in den letzten 3 Milliarden Jahren).[11]

Er schrieb auch einen historischen Roman.

Er ist Mitglied der JASON Defense Advisory Group. Muller hat eine eigene Beratungsfirma in Energiefragen, Muller & Associates. 1982 war er MacArthur Fellow und er erhielt den Alan T. Waterman Award der National Science Foundation. 1999 erhielt er einen Preis für Lehre der Universität Berkeley und seine an der Universität beliebten Physikvorlesungen für allgemeines Publikum Physics for Future Presidents erschienen als Buch und von der Universität autorisiert als frei zugängliche Mitschnitte bei Youtube.[12]

Schriften

  • Nemesis: The Death Star, Weidenfeld & Nicolson, 1988, ISBN 0-7493-0465-0
  • mit Phil Dauber: The Three Big Bangs: Comet Crashes, Exploding Stars, and the Creation of the Universe, Addison/Wesley 1996, ISBN 0-201-15495-1
  • mit Gordon MacDonald Ice Ages and Astronomical Causes: data, spectral analysis, and mechanisms, Springer Verlag, 2002, ISBN 3-540-43779-7
  • The Sins of Jesus, Auravision Publishing 1999, ISBN 0-9672765-1-9 (historischer Roman)
  • Physics for Future Presidents, Custom Publishing, 2006, ISBN 1-4266-2459-X
  • The Instant Physicist: An Illustrated Guide, W.W. Norton, 2010

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Muller Radioisotope dating with accelerators, Physics Today, Band 32, 1979, S.23, Radioisotope dating with a cyclotron, Science, Band 196, 1977, S. 489
  2. Muller Cosmic background radiation and the new ether drift, Scientific American 1978. Smoot, Muller, M. Gorenstein Detection of anisotropy in the cosmic blackbody radiation, Phys. Rev. Lett., Band 39, 1977, S. 898
  3. Muller Global warming bombshell
  4. Raymond Bradley, Mann, Malcolm Hughes, Nature 1998
  5. M. Davis, Muller, P. Hut Extinction of species by periodic comet showers, Nature, Band 308, 1984, S. 715
  6. Muller, D. Morris Geomagnetic reversals from impacts on the earth, Geophysical Research Letters, Band 13, 1986, S. 1177, dazu Bertram Schwarzschild, Do asteroid impacts trigger geomagnetic reversals?, Physics Today, Februar 1987, S. 17
  7. Walter Alvarez, Muller Evidence in crater ages for periodic impact on the earth, Nature, Band 308, 1984, S. 718
  8. Seite von Muller zu seinen Forschungen
  9. Zum Science Artikel von Muller, MacDonald. Muller, MacDonald Glacial cycles and orbit inclination, Nature, Band 377, 1995, S. 107, dieselben, Glacial cycles and astronomical forcing, Science, Band 277, 1997, S. 215
  10. Review der Thesen von Muller, Morris in Science Frontiers
  11. T. S. Culler, Muller u.a. Lunar impact history from 40 Ar/39 Ar dating of glass spherules, Science, Band 287, 2000, S. 1785
  12. Webseite zu seinem Buch Physics for Future Presidents

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