Pankratiuskirche (Leingarten)

Pankratiuskirche (Leingarten)
Pankratiuskirche in Leingarten
Gedenktafel zum Wiedereinzug der Katholiken 1823

Die katholische Pankratiuskirche in Leingarten im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg ist die ursprüngliche Kirche des Leingartener Ortsteils Schluchtern. Nach einer wechselvollen Geschichte kam die Kirche im Jahr 1823 wieder in den Besitz der katholischen Gemeinde des Ortes. Ihr heutiges Äußeres erhielt sie im Wesentlichen durch Umbauten im Jahr 1913.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Pankratiuskirche, die auf einer Anhöhe nördlich des Schluchterner Ortskerns steht, wurde 1496 erstmals namentlich erwähnt. Ältere Hinweise auf eine Kirche in Schluchtern stammen bereits aus dem frühen 14. Jahrhundert. Der Ort zählte zur Kurpfalz und trat 1556 durch die Reformation des Kurfürsten Ottheinrich zum protestantischen Glauben über. Mit der Kurpfalz wechselte der Ort 1559 zum reformiert-calvinistischen Glauben, der danach auch in der Kirche praktiziert wurde.

Nach der Einführung des Simultaneums in der Kurpfalz im späten 17. Jahrhundert entwickelte sich die lutherische Gemeinde des Ortes zur größten Konfessionsgruppe. Die im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden Notzeiten in Mitleidenschaft gezogene Kirche blieb jedoch im Besitz der reformierten Glaubensgemeinschaft, die ab 1650 vor allem durch den Zuzug von Schweizer Emigranten angewachsen war (1693: 45 Erwachsene), in den nachfolgenden Jahren durch den Wegzug der Schweizer jedoch wieder merklich kleiner wurde. Lutheraner (1693: 62 Erwachsene) und Katholiken (1693: 12 Erwachsene) hatten damals keine Kirche in Schluchtern und wurden von Schwaigern bzw. Massenbachhausen aus betreut.

1698 bestellte die katholische Gemeinde einen eigenen Schulmeister,[1] 1699 erhielt die katholische Gemeinde in Schluchtern einen eigenen Geistlichen. Die Pankratiuskirche scheint demnach für einige Jahre als Simultankirche von reformierter und katholischer Gemeinde genutzt worden zu sein, bevor diese Nutzung 1707 untersagt und der katholischen Gemeinde das Untergeschoss des Rathauses zugewiesen wurde. 1710 gab es 16 katholische Familien in Schluchtern.[1] Von 1718 bis 1721 fanden auch wieder katholische Gottesdienste in der Kirche statt; ein erneutes Verbot drängte die Katholiken in das Rathaus-Untergeschoss.

Im Jahr 1723 wurde ein Pfarrhaus an die weiterhin von der reformierten Gemeinde genutzte Kirche angebaut. Die lutherische Gemeinde errichtete 1744 eine erste eigene Kirche. 1752 begann auch die katholische Gemeinde mit dem Bau einer eigenen Kirche, stellte das Vorhaben jedoch alsbald wieder ein.

Nach dem Zusammenschluss der beiden evangelischen Gemeinden 1821 besaß die evangelische Kirchengemeinde mit der Pankratiuskirche und der 1744 von den Lutheranern errichteten nun zwei Kirchen. Mit Kaufvertrag vom 18. Februar 1823 erwarb die katholische Gemeinde davon die Pankratiuskirche, die am 20. Juli 1823 neu geweiht wurde.

Im Jahr 1913 fand ein grundlegender Umbau der Kirche statt. Das Langhaus wurde nach Westen und Süden hin erweitert, und die Sakristei wurde hinter den Altar verlegt. Der zuvor von einem Zeltdach bekrönte Turm erhielt sein heutiges charakteristisches Zwiebeldach. Weitere Renovierungen fanden 1923 und 1956/57 statt.

Nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Schluchtern und Großgartach zur neuen Gemeinde Leingarten im Jahr 1970 schlossen sich auch die katholischen Kirchengemeinden der Teilorte, St. Pankratius in Schluchtern und St. Lioba in Großgartach, am 1. Januar 1977 zur Gesamtgemeinde St. Pankratius-St. Lioba zusammen.

Ausstattung

Durch die Besitzerwechsel und die zahlreichen Umbauten hat die Pankratiuskirche nur mehr wenig historische Ausstattung. Ältester Teil des Kirchenbaus ist der Turmsockel. Ein altes Kruzifix und eine historische Glocke, die sich ursprünglich in der Kirche befanden, verblieben beim Verkauf 1823 im Besitz der evangelischen Gemeinde.

Erwähnenswert in der Pankratiuskirche sind spätgotische Fenster und Türrahmen aus der Zeit um 1490 sowie eine ebenfalls spätgotische, geschnitzte und farbig gefasste Madonnenfigur. Der Umbau von 1913 legte in einem Türgewand ein ebenfalls spätgotisches Fresko mit der Darstellung der Hl. Odilia frei. Das Taufbecken stammt aus dem Jahr 1700. In einer Fensternische erinnert eine Gedächtnistafel von 1823 an den Wiedereinzug der Katholiken in die Kirche. Bei der Kirche ist außerdem ein altes steinernes Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert aufgestellt. Die Mauer des an die Kirche angrenzenden Friedhofs stammt teilweise noch aus dem 16. Jahrhundert.

Einzelnachweise

  1. a b Heinrich Heyd: Geschichte der Entwicklung des Volksschulwesens im Großherzogtum Baden. Band II: Die weltlichen Herrschaften. Konkordia, Bühl (Baden) 1900, S. 766

Literatur

  • Heimatbuch Leingarten. Heimatverein Leingarten, Leingarten 1982, S. 372–379

Weblinks

 Commons: Pankratiuskirche (Leingarten) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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