Kastell Vindolanda

Kastell Vindolanda
Ruinen im Kastell Vindolanda
Kastellbad von Vindolanda
Schreibtafel Nr. 343, Brief des Octavius an Candidus über Getreidenachschub.[1]
Ausstellung der Schreibtäfelchen im British Museum.

Kastell Vindolanda war ein römisches Auxiliar-Kastell südlich des Hadrianswalls, nahe dem heutigen Dorf Bardon Mill in Northumberland, England. Seine Aufgabe war die Bewachung einer Straße, die vom Fluss Tyne zum Solway Firth führte und heute als Stanegate bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Garnison von Vindolanda wurde nicht von Legionären, sondern von Hilfstruppen (Infanterie oder Kavallerie) gestellt. Das Kastell wurde ungefähr in den Jahren 85 - 92 n. Chr. in Holz-Erde-Technik errichtet, [2] mehrfach wieder instandgesetzt oder wieder völlig neu aufgebaut. Nachdem es später offensichtlich eine Zeit lang verlassen lag, da die Garnison in ein Kastell am neu errichteten Hadrianswall (vermutlich Kastell Housestead) verlegt worden war, wurde 163 n. Chr. (durch eine Bauinschrift belegt) ein neues Kastell an fast derselben Stelle in Steinbauweise errichtet. Kastell und Zivilsiedlung (vicus) existierten bis zum Ende der Römerherrschaft in Britannien im Jahr 410. Einzelne Fundstücke deuten auch auf eine frühchristliche Kirche und eine Siedlungskontinuität bis weit ins 5. Jahrhundert hinein.

Ausgrabungen finden in Vindolanda jeden Sommer statt, einige der archäologischen Funde fand man in einer Tiefe von 6 Metern. Die anaeroben Bedingungen in dieser Tiefe haben Tausende von Artefakten erhalten, die sich normalerweise im Boden zersetzen würden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, ein besseres Verständnis des militärischen und zivilen Lebens in der Römerzeit an der Nordgrenze Englands zu gewinnen.

Die Schreibtafeln von Vindolanda

Vindolanda ist bekannt für die dort gefundenen Fragmente halb verbrannter hölzerner Schreibtafeln, die mit Tinte beschrieben sind und Nachrichten von und an Mitglieder der Garnison, ihrer Familien und Sklaven enthalten. Zum Beispiel gibt es einen berühmten Brief aus der Zeit um 100 n. Chr. von einer Claudia Severa, der Ehefrau des Kommandanten eines nahegelegenen Kastells, an Sulpicia Lepidina, die Ehefrau des Kommandanten von Vindolanda, in dem letztere zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wird.

Das für die Archäologie bedeutendste Schriftstück ist der Stärkebericht der ersten Tungrer-Kohorte.[3] Er gibt einen Einblick in den Alltag einer römischen Auxiliareinheit. So wird berichtet, dass 46 Soldaten dem Legaten Ferox als singulares überstellt wurden. Das Cognomen Ferox ist nicht sehr häufig. Es müsste sich entweder um einen legatus augusti pro praetore (Provinzstatthalter) oder einen legatus legionis (Legionskommandant) handeln, dem ein Teil der singulares (Elitetruppe oder Leibwache) überstellt wurde. Zwei Konsuln der fraglichen Zeit tragen den Beinamen: Cn. Pompeius Ferox Licianus (suff. 98) und Ti. Iulius Ferox (suff. 99?), der in einem der Plinius - Briefe an Kaiser Trajan vor 110 erwähnt wird. Interessanter an dem Dokument ist jedoch die Schilderung der Aufenthaltsorte und der damit zusammenhängenden Aktivitäten der Soldaten in einer wahrscheinlichen Friedenszeit, wie auch die geringe Zahl der Verwundeten nahelegt. Es zeigt sich, dass nicht einmal die Hälfte der Soldaten im Lager anwesend ist, vor allem befindet sich unter den 265 zum Dienst bereiten Soldaten nur ein einziger Centurio. Die Gesamtstärke der Einheit wird mit 752 angegeben, darunter ebenfalls nur 6 Centurionen. Es wird vermutet, dass man gerade dabei war, die Einheit von einer cohors quingennaria (500 Mann starke Kohorte) zu einer cohors milliaria (1000 Mann) zu erweitern. Eine andere Auslegung stellt das klassische Geschichtsbild der ein Kastell- eine Einheit - Theorie in Frage[4].

Literatur

  • Alan K. Bowman: Life and letters on the Roman frontier: Vindolanda and its people. British Museum Press, London 1998, ISBN 0415920248.
  • Robin Birley: Vindolanda: A Roman frontier post on Hadrian's Wall. Thames and Hudson, London 1977, ISBN 0500390142.
  • Anthony R. Birley: Garrison life at vindolanda. A band of brothers (2002) ISBN 0-7524-1950-1

Einzelnachweise

  1. Vindolanda tablets online, Nr. 343.
  2. nach R. Birley 1977 S. 12 zur Zeit der Statthalterschaft des Gnaeus Iulius Agricola
  3. Vindolanda tablets online, Nr. 154.
  4. A. K. Bowman/ J. D. Thomas: The Vindolanda Writing Tablets. (Tabulae Vindolandenses II) London 1994. S. 93; A. K. Bowman, Life and Letters on the Roman Frontier. Vindolanda and its People (London 1994). S. 23.

Weblinks

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