Celesta


Celesta
Celesta
engl.: celesta, ital.: celesta
Celesta.jpg
Klassifikation
Idiophon
Tasteninstrument
Verwandte Instrumente
Vibraphon, Glockenspiel, Klavier

Die Celesta (pl. Celesten) ist ein Idiophon mit Tastatur in der Form eines Harmoniums. Der Klang einer Celesta ähnelt dem eines Glockenspiels, jedoch mit einem viel weicheren Timbre. Der Name kommt vom französischen céleste, was so viel wie „die Himmlische“ bedeutet. Wie so oft bei Instrumenten, ist dies zugleich eine Anspielung auf den Klang des Instrumentes und dessen Symbolik.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorformen der Celesta

1768 erfand der Ire Charles Glaggett ein Instrument namens Aiuton, dessen Klang an „Süße“ und Weichheit angeblich weder von einer Glasharmonika noch von einem Streichinstrument übertroffen wurde. Um diesen Klang zu erreichen, brachte Glaggett an einem hohlen Kasten eine Reihe von Stimmgabeln bzw. Metallzinken an, die von Hämmerchen angeschlagen wurden, welche ihrerseits von Tasten bewegt wurden. Dieses Instrument mit einem Umfang von drei bis sechs Oktaven ist nie über das Experimentierstadium hinausgekommen.

80 Jahre später, um 1880, erfand Victor Mustel, der Vater des späteren Erfinders der Celesta, das Typophon oder Dulcitone. Hierbei handelte es sich wieder um ein Instrument mit Klaviatur, mit einer Reihe von Stimmgabeln als Klangerreger . Sein Klang soll dem der Celesta sehr ähnlich gewesen sein, das Klangvolumen war aber deutlich schwächer. Deswegen konnte sich das Typophon nicht durchsetzen. Es wurde selten eingesetzt.

Die moderne Celesta

Die alte Idee aus dem 18. Jahrhundert, einerseits einen möglichst weichen Ton, einen dolce-Klang zu erzeugen, der andererseits ein gewisses Klangvolumen erreicht, führte 100 Jahre später schließlich zur Erfindung der Celesta. Die Idee, ein Metallophon mit einer Klaviatur auszustatten, war bereits vom Klaviaturglockenspiel her bekannt. Der Harmoniumbauer Auguste Mustel entwickelte 1886 in Paris ein Instrument namens „Celesta“, das alle Anforderungen erfüllte und sich sehr schnell im Orchester durchsetzte. Mustels Celesta entsprach bautechnisch bereits der modernen Celesta mit Tastatur, Stahlplatten, Resonatoren, Pedal und hatte den gewünschten „süßen“ Klang. Der Umfang reichte über fünf Oktaven, von c bis c5 (klingend). Da die tiefste Oktave unbefriedigend klang, wurden in der zweiten Generation von Celesten Instrumente mit vier Oktaven Tonumfang gebaut, beginnend beim klingenden c1. Erst in neuester Zeit werden wieder Instrumente mit tieferreichendem Tonumfang gebaut.

Bauweise

Die Celesta sieht aus wie ein Harmonium, besteht also aus einem Gehäuse mit Tastatur und Pedal. Im Inneren befinden sich die Stahlplatten, die Resonatoren und die komplizierte Anschlagsmechanik. Primäre Tonerzeuger sind Klangplatten aus Stahl, die auf Filzleisten über hohlen Resonatoren aus Holz liegen. Die Stahlplatten werden mit filzbezogenen Hämmerchen von oben angeschlagen. Die Hämmerchen sind über eine komplizierte Mechanik mit einer Klaviatur verbunden. Gespielt wird auf der Klaviatur – wie beim Klavier. Anders als beim Klavier sind bei der Celesta nicht alle Hämmerchen von gleicher Größe und gleicher Gewichtung: Bei den tiefen Tönen erzeugen größere Hämmerchen, die mit einer dickeren Filzschicht bezogen sind, einen besonders weichen Klang. Dieser weiche Klang in der tiefen Lage gehört zu den Vorzügen der Celesta.

Unter jeder Stahlplatte ist ein hohler Kasten aus Holz als Resonator angebracht und präzise auf die jeweilige Grundtonhöhe abgestimmt. Seine Aufgabe ist es, den Grundton und den Nachklang der jeweiligen Stahlplatte zu verstärken. Dies ist aus akustischen Gründen besonders wichtig, da die Stahlplatten einen hohen Anteil an unharmonischen Teiltönen aufweisen. Der Resonator fördert den Grundton und unterdrückt die unharmonischen Teiltöne. Damit ist ein klarer Tonhöheneindruck gesichert. Da die Resonatoren – besonders die der tieferen Töne – viel Platz beanspruchen, sind sie mit den dazugehörigen Stahlplatten in zwei Ebenen übereinander angeordnet. Um einen einheitlichen Klangeindruck zu gewährleisten, sind die Tonhöhen über den gesamten Tonumfang in die obere und untere Ebene verteilt, einer oben, der nächsthöhere unten und so weiter, nicht die tiefe Lage unten und die hohe Lage oben.

Das Pedal funktioniert wie beim Klavier: ein Pedaldruck hebt die Dämpfung auf, die Töne klingen nach.

Unterschied zum Klaviaturglockenspiel

Der wesentlichste Unterschied zum Klaviaturglockenspiel besteht darin, dass der Tonumfang der Celesta in der Tiefe größer ist und die tiefen Töne mehr Klangvolumen haben. Die Erweiterung des Tonumfanges in der tiefen Lage wird erst durch die Resonanzkörper ermöglicht. Daraus folgt weiter, dass das Klangvolumen erhöht wird, weshalb man sich beim Anschlagmechanismus auf weiche Filzhämmerchen beschränken konnte. Dadurch wird der klangliche Effekt weicher und grundtöniger als beim Glockenspiel mit harten Schlägeln.

Notation

Die Notation der Celesta erfolgt in zwei Systemen jeweils im Violinschlüssel. Manche Komponisten notieren aber auch wie beim Klavier in Violin- und Bassschlüssel. Gerade bei Werken mit großem Tonumfang für die Celesta ist dies sinnvoll.

Die Celesta ist transponierend. Die Notation ist eine Oktave tiefer als der Klang.

Tonumfang

Es gibt verschieden große Instrumente mit einem Umfang von 3 bis 5 ½ Oktaven.

Celesta mit 3 Oktaven Umfang (transportables Instrument): c2–c5 (klingend)

Celesta mit 4 Oktaven Umfang: c1–c5 (klingend)

Celesta mit 5 Oktaven Umfang: c–c5 (klingend)

Celesta mit 5 1/2 Oktaven Umfang: c–f5 (klingend)

Verwendung

Die Celesta hatte ihren Platz von Anfang an im Orchester. Interessant ist ihre Doppelnatur: Aufgrund der Tonerzeugung gehört die Celesta zu den Schlaginstrumenten, aufgrund ihrer Spielweise jedoch zu den Tasteninstrumenten. Sie wird meist von einem Pianisten gespielt. Die für Celesta geschriebenen Parts sind meist sehr bewegt und erfordern oft ein hohes Maß an Virtuosität.

Pjotr Tschaikowski war einer der ersten Komponisten, der dieses Instrument im Orchester einsetzte. In seiner 1892 komponierten Ballettmusik Der Nussknacker ist die Celesta besonders schön zu hören, durch deren Klang der „Tanz der Zuckerfee“ eine märchenhafte Ausstrahlung erhält.

Die Celesta ist in vielen Stücken des 1987 verstorbenen, amerikanischen Komponisten Morton Feldman anzutreffen – wie etwa auch in einem seiner wohl besser bekannten Stücke Rothko Chapel von 1971. Oft dient es als Doppelung des Klaviers.

Filmmusik-Liebhabern ist das Instrument vor allem durch das Hauptthema „Hedwig's Theme“ aus John Williams' „Harry Potter“-Soundtracks ein Begriff. Besonders eindrücklich ist das Spiel auf der Celesta auch durch John Cale im Stück Northern Sky von Nick Drake auf dessen Album Bryter Layter von 1970.

Heute werden auf der Celesta auch schwierige Glockenspielparts ausgeführt, die ursprünglich für ein Klaviaturglockenspiel geschrieben wurden (z. B. W. A. MozartsDie Zauberflöte“)

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