Jens Odewald

Jens Odewald

Jens Odewald (* 21. September 1940 in Hannover) ist ein deutscher Wirtschaftsmanager. Er war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Tchibo Holding AG, Vorstandsvorsitzender der Kaufhof AG und ist heute Vorsitzender des Verwaltungsrates des von ihm gegründeten Beteiligungsunternehmens Odewald & Cie.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jens Odewald als Redner beim Staatsakt für den 1991 von Terroristen ermordeten Präsidenten der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder

Jens Odewald, der aus einer Beamtenfamilie stammt, studierte nach dem 1960 bestandenen Abitur in Freiburg, Genf, Göttingen und Heidelberg Jura und Betriebswirtschaft. In Freiburg wurde er Mitglied der Landsmannschaft im CC Cimbria Freiburg. Das juristische Staatsexamen machte er 1967. Während seines Referendariats setzte er das Betriebswirtschaftsstudium fort. Ende 1967 promovierte er in Jura an der Universität Göttingen mit dem Thema „Der parlamentarische Hilfsdienst in den Vereinigten Staaten von Amerika und in der Bundesrepublik Deutschland“. Berufsbegleitend absolvierte er später eine weitere Ausbildung zum Steuerberater.

1968 begann er bei der Esso Deutschland AG in Hamburg eine Tätigkeit in den Bereichen Finanzen, Rechnungswesen und Steuern und stieg rasch zum Leiter der Hauptabteilung Steuern auf, damals der jüngste leitende Angestellte des Unternehmens.

1974 verließ er Esso und wurde Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizer Logistikkonzerns Kühne + Nagel International AG (verantwortlich für den Bereich Finanzen) sowie Generalbevollmächtigter des Unternehmens für Deutschland. 1978/1979 trat er als Sozius in die mittelständische Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Susat & Partner ein.

Am 1. Mai 1979 wurde Odewald als für Finanzen zuständiges Vorstandsmitglied der Kaufhof Holding AG berufen, Anfang Januar 1984 zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, im Juni 1985 als Nachfolger von Friedrich Roesch zum Vorstandsvorsitzenden. Unter Odewalds Leitung stieg der Umsatz der Gruppe vor allem durch auf Odewalds Initiative hin[2] erfolgte Übernahmen und Beteiligungen zum Zweck der Diversifikation der Konzernaktivitäten (unter anderem Reno, Mac Fash, Gemini, Hawesko, Media-Markt, Saturn-Hansa, Maxdata, Voelkner, Bilka) und Restrukturierungen (Kaufhalle AG) um das dreifache auf 25 Milliarden D-Mark; einige der Fachmarktketten entwickelten sich zu europäischen Marktführern. 1995 verließ Odewald, vier Jahre vor Ablauf seines Vertrages, im Streit mit Erwin Conradi[3][4][5] das Unternehmen.

Parallel zu seiner Tätigkeit bei Kaufhof war Odewald vom 29. August 1990 bis 20. April 1993[6] Vorsitzender des Verwaltungsrats der bundeseigenen Treuhandanstalt in Berlin und von 1995 bis 1996 Aufsichtsratsvorsitzender der Nachfolgerin BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (Nachfolger von Odewald hier: Walter Priesnitz). In seine Treuhand- und Kaufhof-Zeit fiel unter anderem die Übernahme des ostdeutschen Reiseveranstalters Jugendtourist durch die ITS Länderreisedienste GmbH (damals die Touristiksparte der Kaufhof AG) für rund 1,3 Millionen DM[7] sowie der ostdeutschen Reisebürokette Europäisches Reisebüro ERB Reisedienst GmbH von der Treuhand, wobei Odewald nach eigenen Angaben nicht an den Verhandlungen beteiligt war.[8]

Ebenfalls 1995 wurde er vom mit ihm eng befreundeten damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl für die Position des Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Telekom AG ins Gespräch gebracht, die schlussendlich jedoch Ron Sommer übernahm.

1996 gründete Odewald in Berlin die auf Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen spezialisierte Investmentgesellschaft Odewald & Compagnie, deren Gesellschafter und Verwaltungsratsvorsitzender er bis heute ist. In mehreren der Unternehmen, an denen sich Odewald & Compagnie beteiligte, sowie in weiteren Unternehmen (u. a. Bankgesellschaft Berlin[9][10]) war oder ist Odewald Aufsichtsratsmitglied oder -vorsitzender, darunter Euro Disneyland, Tchibo Holding AG,[11] TUJA Zeitarbeit und trans-o-flex (Logistikdienstleister).[12]

Sonstige Funktionen und Engagements

Seit 1995 ist Odewald Mitglied im Kuratorium der FAZIT-STIFTUNG Gemeinnützige Verlagsgesellschaft mbH, dem Mehrheitseigner der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH und der Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. Seit 2001 ist er Mitglied und derzeit Vorstandsmitglied in der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft (ein 1996 gegründeter Verein von Freunden, Ehemaligen und Förderern der Humboldt-Universität zu Berlin).[13] Anfang 2008 war er einer der vier Gründungsstifter sowie Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Humboldt-Universität.[14]

Vom Land Nordrhein-Westfalen wurde er 2007, gemeinsam mit Roland Oetker und Stephan Holthoff-Pförtner, ins Kuratorium der neugegründeten RAG-Steinkohlestiftung entsandt. Außerdem engagiert sich Odewald in der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (Vorsitzender der Jury für den „Preis Soziale Marktwirtschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung“[15]) sowie im Wirtschaftsrat der CDU (dort war er zeitweise Mitglied des Bundesvorstandes). Odewald ist Vorsitzender des von ihm und weiteren Personen des Wirtschaftslebens gegründeten Vereins „w.i.r. für Deutschland“, der unter anderem 1994 das Berliner „Deutschlandfest“ zum Jahrestag der deutschen Einheit veranstaltete[16] und Kuratoriumsmitglied für die Verleihung des Preises „Die Quadriga“ des Vereins „werkstatt deutschland“.[17]

Als nach der Aufdeckung der CDU-Spendenaffäre Altbundeskanzler Helmut Kohl im Jahr 2001 Gelder zum Ausgleich von Rückforderungen an die Partei sammelte, spendete Jens Odewald, der CDU-Mitglied ist, gemeinsam mit seiner Frau Jutta je 325.000 D-Mark.[18] 2009 war Odewald für die CDU Mitglied der 13. Bundesversammlung.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ODEWALD & COMPAGNIE – Homepage
  2. Gunhild Freese: Ein Konzern wird umgekrempelt. In: Die Zeit, Nr. 7/1987
  3. Sören Jensen und Dietmar Student: Metro Cash & Carry. In: Manager Magazin, Nr. 7, 1. Juli 1998, S. 60
  4. Jens Odewald: Entlassung beim Kaufhof. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1995, S. 264c (online).
  5. Sören Jensen: Der Abkanzler. In: Manager Magazin, Ausgabe 10/1994, 1. Oktober 1994, S. 45–51.
  6. Wolfgang Seibel: Verwaltete Illusionen: Die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt und ihre Nachfolger 1990–2000. Campus Verlag, 2005, S. 129.
  7. Die Übernahme basierte auf einem Vertrag vom 24. September 1991. Heike Bähre: Privatisation during Market Economy Transformation. In: Peter M. Burns, Marina Novelli (Hrsg.): Tourism and politics. Global Frameworks and Local Realities. Elsevier Science & Technology, 2006, ISBN 978-0-08-045075-9, S. 33–58 (hier: S. 42).
  8. Sören Jensen: Der Griff des Kraken, Manager Magazin, Ausgabe 3/1992, 1. März 1992, S. 54–55
  9. khd-research.net – Berlin
  10. Bis 26. Mai 1999 Mitglied im Aufsichtsrat laut Spiegel Online, 31. Mai 2001
  11. Bis August 2003 Aufsichtsratsvorsitzender, auf eigenen Wunsch abgelöst durch Reinhard Pöllath, danach weiter einfaches Mitglied.Tchibo: Familie Herz geht getrennte Wege, Manager Magazin, 18. August 2003
  12. Jens Kohrs: Margeriten-Freund mit steiler Karriere. In: Die Welt, 4. Juni 2005
  13. hu-berlin.de
  14. tagesspiegel.de
  15. KAS
  16. Otto Köhler: Einen Stuhl, bitte! In: Die Zeit, Nr. 37/1994
  17. loomarea.com
  18. focus.de

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