Hermann von Neuenahr der Jüngere


Hermann von Neuenahr der Jüngere
Graf Hermann von Neuenahr und Moers, Standbild in Krefeld neben dem Hauptportal der Alten Kirche

Hermann Graf von Neuenahr (Nuenar, a Nvenar, de Nova Aquila1, van Nieuwenar) und Moers (Mörß), Herr von Bedburg (Bedbur) (* 28. Oktober 15202; † 12. Dezember 1578 in Bedburg oder Moers) war ein deutscher humanistisch gebildeter Staatsmann und Förderer der Reformation am Niederrhein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hermann von Neuenahr war der Sohn von Graf Wilhelm II. von Neuenahr (um 1497–1552) und der Erbtochter der Grafschaft Moers, Gräfin Anna von Wied (um 1500–1528), einer Nichte des späteren Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Hermann V. von Wied (1477–1552). Der Kölner Dompropst und Universitätskanzler Graf Hermann von Neuenahr der Ältere (1482–1530) war sein Onkel.

Hermann von Neuenahr genoss eine humanistische Bildung bei Johannes Caesarius (1468–1550) und seinem Onkel Hermann von Neuenahr. Er sprach gut Französisch und hat möglicherweise in Frankreich studiert.

1538 heiratete er Gräfin Magdalena von Nassau-Dillenburg (1522–1567), Tochter von Wilhelm dem Reichen von Nassau (1487–1559) und Halbschwester von Wilhelm I. von Oranien (1533–1584). 1542 wurde er mit Krefeld und Cracau belehnt.

Hermann von Neuenahr diente 1542 bis 1544 Karl V. (1500–1558) im Dritten Feldzug gegen Frankreich. Seit 1552 regierender Graf, führte er 1560 die Reformation in seinen Gebieten ein und erließ 1561 eine lutherisch-melanchthonische Kirchenordnung3 für die Grafschaft Moers und die Herrschaft Bedburg4.

1562 nahm Hermann von Neuenahr und Moers in Frankfurt am Main an der Kaiserwahl Maximilians II. (1527–1576) und 1570 am Speyerer Reichstag teil. 1577 hatte er entscheidenden Anteil an der Wahl von Gebhard Truchseß zu Waldburg (1547–1601) zum Kölner Erzbischof.

Der Kritiker der Hexenprozesse, Johann Weyer (1515–1588) lobte 1577 die Klugheit „Comes à Niuwenar D. Hermannus“, weil er eine geständige als Hexe angeklagte Frau - zu ihrem eigenen Schutz - lediglich des Landes verwiesen habe[1], und widmete ihm im gleichen Jahr seine Schrift „De ira morbo“ (= „Über die Krankheit des Zorns“)[2].

Graf Hermann von Neuenahr und Moers starb 1578 ohne Nachkommen. Sein Grab befand sich in der im 17. Jh. zerstörten Bonifatiuskirche (jetzt steht an dem Ort die Kapelle des Friedhofs an der Rheinberger Straße) in Moers. Nach seinem Tod kam es zu einem Erbfolgestreit zwischen Graf Wernher von Salm, Herr zu Reifferscheid, Bedburg, Dyck und Alfter (1545–1629) und Graf Adolf von Neuenahr und Limburg (um 1554–1589). Mit dem Regierungsantritt von Hermanns Neffen Adolf wurde 1578 das reformierte Bekenntnis in der Grafschaft eingeführt.

Werke

  • (Hrsg.): Octavii Horatiani Rerum medicarum lib. quatuor, ... per Heremannum Comitem a Neuenar, integro candori nuper restitutus autor, Albucasis chirurgicorum omnium Primarii libri tres. Johannes Schott, Straßburg 1532.
  • Psalmi Septem, Qui Poenitentiae Titulo Celebrantur Translati in Latinos versus Iambicos dimetros, autore non nominato, Quibus Et Threnorum Hieremiae Prophetae, & Psalmorum quoque aliquot Carmina adiuncta sunt, composita A Ioachimo Camerario, Leipzig: Andreas Schneider / Ernst Vögelin 1573.
    • Heiner Faulenbach (Hrsg.): Die Bußpsalmen des Grafen Hermann von Neuenahr. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1972. (lat./dt.)

Darstellung in der Kunst

Ein Gemälde Hermanns von Neuenahr von einem unbekannten Meister (Öl auf Holz, 27,5 x 17,9 cm) befindet sich im Landschaftsmuseum des Niederrhein, Krefeld - Burg Linn.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

1 Lateinisch „aquila“ ist der „Aar“ (Adler).
2 Verschiedentlich wird, wohl unrichtig, 1519 als Geburtsjahr angeben.
3 Erhalten nur in der Fassung von 1603.
4 Seit 1570 traten in Hückelhoven, später in Bedburg Synoden zusammen, an denen auch Vertreter aus den Herzogtümer Kleve-Jülich-Berg teilnahmen.

Einzelnachweise

  1. Johann Weyer: De praestigiis daemonum et incantationibus ac veneficiis, Basel: Johann Oporinus Nachfolger 2. Aufl. 1577, S. 715; vgl. Christoph Meiners: Historische Vergleichung der Sitten und Verfassungen, der Gesetze und Gewerbe des Handels und der Religion, der Wissenschaften und Lehranstalten des Mittelalters mit denen unsers Jahrhunderts, Bd. III, Hannover: Helwing 1794, S. 369.
  2. Ioannes Vuier: De ira morbo, eiusdem curatione Philosophica, Media & Theologica, Liber. Irascimini sine peccato. Basel: Johann Oporinus Nachf. 1577.

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