Großsteingräber bei Diesdorf


Großsteingräber bei Diesdorf
Großsteingrab Diesdorf 1
Grundriss des Grabes Diesdorf 1 nach Krause/Schoetensack
Großsteingrab Diesdorf 2
Grundriss des Grabes Diesdorf 2 nach Krause/Schoetensack
Großsteingrab Diesdorf 3
Grundriss des Grabes Diesdorf 3 nach Krause/Schoetensack

Die Großsteingräber bei Diesdorf sind eine Gruppe von drei noch erhaltenen jungsteinzeitlichen Grabanlagen nahe der Gemeinde Diesdorf im Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt. Südöstlich davon schließt sich das Großsteingrab Molmke an.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts befanden sich in Diesdorf fünf Großsteingräber, von denen zwei aber mittlerweile vollständig zerstört sind.[1]

Grab 1

Grab 1 befindet sich 900 m südwestlich der Ortsmitte von Diesdorf (Lage52.74638888888910.860833333333Koordinaten: 52° 44′ 47″ N, 10° 51′ 39″ O) und gehört zum Typ der Großdolmen. Der Grabhügel ist oval und erreicht eine Höhe von 1,5 m. Die Grabeinfassung ist nordwest-südöstlich orientiert und besteht heute nur noch aus sieben Steinen. Sie misst 7,8 m und war wohl ursprünglich oval. Die Grabkammer ist nordwest-südöstlich orientiert. Sie besteht heute noch aus neun Wandsteinen und vier Decksteinen. Möglicherweise gab es ursprünglich einen weiteren Deckstein, der mittlerweile fehlt. Der größte Deckstein misst 3,1 m × 1,4 m und weist eine Reihe von drei Schälchen auf. Die Wandsteine sind größtenteils umgefallen, einer ist zerbrochen. Die Decksteine sind eingesunken. Die Kammer ist rechteckig und besitzt die Innenmaße 6,4 m × 1,4 m.

Eduard Krause und Otto Schoetensack fanden bei Untersuchungen um 1890 in der Nähe des Grabes einen Feuersteinmeißel. In späterer Zeit wurden noch zwei Äxte, eine steinerne Hacke und zwei Feuersteinbeile entdeckt.[2]

Grab 2

Grab 2 befindet sich 1,3 km südsüdwestlich der Ortsmitte von Diesdorf (Lage52.73938888888910.867) und gehört vermutlich zum Typ der Ganggräber. Der Grabhügel ist länglich. Die Grabeinfassung ist nord-südlich orientiert und besteht heute noch aus acht Steinen. Sie war ursprünglich vermutlich rechteckig oder trapezförmig. Zur Zeit der Untersuchungen von Johann Friedrich Danneil im Jahr 1843 war sie noch wesentlich besser erhalten. Dieser konnte ihre Ausmaße auf 24,5 m × 10,0 m bestimmen. Der mittlere Stein auf der Ostseite der Umfassung wurde mittels Holzkeilen in acht Teile gesprengt. Ein weiterer Stein weist mehrere Keillöcher auf. Ein weiterer gesprengter Stein liegt nordöstlich der Grabkammer. Er besteht aus mindestens 15 Fragmenten und bildete ursprünglich vielleicht einen Wächterstein.

Die Grabkammer ist nord-südlich orientiert. Sie besteht heute noch aus 13 von ehemals 16 Wandsteinen. Danneil zählte noch vier Decksteine, mittlerweile ist keiner mehr vorhanden. Die Kammer ist rechteckig, sie hat eine Länge von 9,3 m und eine Breite von 1,8–2,0 m. Auf der Westseite markieren zwei parallel stehende Wandsteine möglicherweise den einstigen Zugang zur Grabkammer.[3]

Grab 3

Grab 3 befindet sich 1,6 km südsüdwestlich der Ortsmitte von Diesdorf (Lage52.7367510.867361111111) und gehört zum Typ der Großdolmen. Der Grabhügel ist länglich und mittlerweile deutlich über die Umfassung hinausgeflossen. Er erreicht noch eine Höhe von 1,5 m. Die Grabeinfassung ist nordnordwest-südsüdöstlich orientiert und besteht nur noch aus drei Steinen. Sie war wohl ursprünglich rechteckig oder trapezförmig.

Die Grabkammer ist nordnordwest-südsüdöstlich orientiert. Sie besteht noch aus zehn Wandsteinen und drei von vermutlich einst sechs Decksteinen. Die Wandsteine haben eine sehr flache Innenseite. Der größte Deckstein misst 2,6 m × 1,8 m × 1,2 m. Zwei Decksteine weisen Schälchen auf, der nordwestliche Giebelwandstein besitzt auf der Innenseite eine Rinne von 60 cm Länge, 2 cm Breite und 2 cm Tiefe. Die Kammer ist trapezförmig, sie hat eine Länge von mindestens 8,7 m und eine Breite von 1,5–1,7 m. Ihre Höhe beträgt 1,0 m. Eine Lücke zwischen zwei Wandsteinen in der Nordwestecke markiert möglicherweise den Zugang zur Grabkammer.[4]

Bei Säuberungsarbeiten wurde in den 1980er Jahren im Grab ein Feuersteinbeil gefunden, das aber gegenwärtig nicht mehr auffindbar ist.[4]

Die Großsteingräber bei Diesdorf in regionalen Sagen

Eine regionale Sage berichtet davon, dass in einem der Großsteingräber bei Diesdorf ein Riesenkönig bestattet sei. Diesem seien unermessliche Schätze ins Grab gelegt worden. Häufig soll danach gegraben worden sein, aber stets ohne Erfolg. Eine andere Sage behandelt eine umwallte Grube, die „Rüverkule“ (Räuberkuhle), in der sich Räuber versteckten und vorbeikommende Reisende überfielen. Möglicherweise ist mit der Räuberkuhle ein Großsteingrab gemeint und die Sage stammt aus einer Zeit, als dieses noch mit Erde bedeckt war.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen Anhalt und Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle (Saale) 2006, ISBN 3-939414-03-4, S. 66–76
  • Eduard Krause, Otto Schoetensack: Die megalithischen Gräber (Steinkammergräber) Deutschlands. I.: Altmark. In: Zeitschrift für Ethnologie. Bd. 25, 1893, S. 144–146/Nr. 66–67 u. 70, Taf. VI/66–67 u. 70, VII/67 u. 70, IX/70 (PDF; 39,0 MB)

Weblinks

 Commons: Großsteingräber bei Diesdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bock/Fritsch/Mittag, S. 74
  2. Bock/Fritsch/Mittag, S. 66–67
  3. Bock/Fritsch/Mittag, S. 69
  4. a b Bock/Fritsch/Mittag, S. 72
  5. Bock/Fritsch/Mittag, S. 67

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