Friedrich Grimm (Jurist)


Friedrich Grimm (Jurist)
Friedrich Grimm

Friedrich Wilhelm Johannes Grimm (* 17. Juni 1888 in Düsseldorf; † 16. Mai 1959 in Freiburg im Breisgau) war ein antisemitischer und nationalsozialistischer Politiker, Jurist und Publizist. Er bekämpfte den Friedensvertrag von Versailles, verteidigte Fememörder, unterstützte den Aufstieg und die Verbrechen des Nationalsozialismus, bekämpfte Widerstandskämpfer und war ein bedeutender Exponent der nationalsozialistischen Frankreichpolitik. Nach 1945 war er mit der Verharmlosung von NS-Verbrechen und der Generalamnestie für die NS-Täter beschäftigt.

Inhaltsverzeichnis

Im Kaiserreich

Grimm, der Sohn eines Eisenbahnlandmessers, absolvierte 1907 am Burggymnasium in Essen das Abitur und studierte Rechtswissenschaften an der französischsprachigen[1] Universität in Genf, ein Semester an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und ein Semester an der Philipps-Universität in Marburg. Er beendete sein Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo er 1910 mit einer Arbeit über die Schuldausschließung bei Minderjährigen promovierte.

Grimm war 1912 als Gerichtsreferendar einem Sonderdezernat für Streiksachen bei der Staatsanwaltschaft Essen zugeteilt. 1914 wurde er Sozius der Kanzlei von Adolf Kempkes in Essen, der nach 1918 Generalsekretär der Deutschen Volkspartei wurde.[2] Nach seinen Angaben verhinderte ein Augenleiden im Ersten Weltkrieg den Einsatz an der Front.[3] Er fungierte zunächst als Dolmetscher und Briefzensor bei Kriegsgefangenen, danach wurde er – wieder nach eigenen Angaben – zufällig mit der Verteidigung von Franzosen und Belgiern vor deutschen Militärgerichten betraut.[4]

In der Weimarer Republik

1921 habilitierte er bei Rudolf His und Paul Krückmann in Münster mit einer Arbeit über den seit Anfang 1920 in Kraft getretenen Versailler Friedensvertrag.[5] Beide Professoren waren für ihre Kriegsbegeisterung und ihre antifranzösische Haltung bekannt.[6]

Nach seiner Habilitation wirkte Grimm ab 1922 als Privatdozent an der Universität in Münster und wurde dort 1927 außerordentlicher Professor für Internationales Recht. Und von 1923 bis 1933 war Grimm Mitherausgeber der Deutschen Juristen-Zeitung (DJZ).[7] Grimm gab als Beruf selbstständiger Rechtsanwalt an.

Grimm tat sich während der Weimarer Republik vor allem als erfolgreicher Rechtsanwalt in zahlreichen politischen Prozessen hervor, in denen Täter aus nationalistischen oder republikfeindlichen Kreise angeklagt waren.[8] Seine Tätigkeit als Anwalt war von einer großen Zahl propagandistischer Publikationen begleitet.[9]

Gegen den Versailler Vertrag und seine Folgen

Direkt nach der Niederlage Deutschlands verteidigte Grimm den saarländischen Industriellen Robert Röchling (Völklinger Hütte), der noch 1918 verhaftet und wegen Kriegsverbrechens vor ein französisches Militärtribunal gestellt worden war.[10] Röchling wurde vorgeworfen, als Beauftragter des Kriegsministeriums im besetzten Frankreich Rohstoffe und Maschinen beschlagnahmt und für seine Werke eingesetzt zu haben. Grimm war erfolgreich, denn die Haftstrafe von zehn Jahren für Röchling wurde ausgesetzt und Röchling nach 22 Monaten Untersuchungshaft freigesprochen.

Später ergaben sich auch mit der Anwendung des Versailler Vertrags zahlreiche internationale Verfahren, in denen es um die Regelung von privatrechtlichen Schuldverhältnissen zwischen Firmen in Deutschland und Firmen in den Gegner-Ländern ging. Dazu waren im Versailler Vertrag Schiedsgerichtshöfe zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern in den jeweiligen Hauptstädten eingerichtet worden. Grimm spezialisierte sich auf dieses Auslandsrecht und auf die Vertretung von Firmen vor allem auch der Großindustrie vor diesen Schiedsgerichtshöfen. Vor dem deutsch-rumänischen Schiedsgericht vertrat Grimm den Industriellen und Politiker der Deutschen Volkspartei Hugo Stinnes bei Patentstreitigkeiten.[11] Stinnes galt seit Anfang der 1920er Jahre allgemein als das Sprachrohr der deutschen Wirtschaft und vertrat diese u. a. bei Reparationsverhandlungen. Grimm war deswegen ständig auf Reisen in die Hauptstädte Europas.

Weitere Gerichtsverfahren waren die Folge der Ruhrbesetzung durch Frankreich 1923 aufgrund der unzureichenden Erfüllung von Reparationsverpflichtungen durch Deutschland. Grimm verteidigte in französischen Kriegsgerichtsverfahren Prominente wie Fritz Thyssen, Gustav Krupp und den Duisburger Oberbürgermeister Karl Jarres.

Bekannt wurde Grimm durch seine Verteidigertätigkeit in Prozessen gegen nationalistische Gruppierungen. Er verteidigte Freikorpskämpfer wie Paul Goerges und den in Deutschland als „Märtyrer“ berühmten Albert Leo Schlageter. Beide hatten unabhängig voneinander in ähnlicher Weise versucht, Bahnlinien zu sprengen, um Handlungen der französischen Besatzer zu stören. Trotz Grimms Einsatz wurden sie zum Tode verurteilt. Erfolgreicher verteidigte er vor einem belgischen Kriegsgericht in Aachen den 18-jährigen Grafen Keller und seine Freunde, die in der Gegend von Neuß, mit aus einer Reichswehrkaserne stammendem Sprengstoff[12] beladen, gefasst wurden.[13] Deren Todesstrafe wurde in Gefängnisstrafen umgewandelt. Besonders aus den Prozessen mit und in Frankreich ergaben sich für Grimm später sehr nützliche Kontakte zu hohen französischen Politikern und Beamten.

Die Revision des Versailler Vertrages bildete einen ersten publizistischen Schwerpunkt seiner Arbeit, den er sein Leben lang weiterverfolgte.[14] Den Titel eines Ehrensenators der Universität Marburg erhielt er 1927, weil er sich "tapfer und unentwegt für die Interessen seines Vaterlandes in schwerster Bedrängnis eingesetzt hat."[15]

Hilfe für Fememörder und rechtsextreme Attentäter

Edmund Heines in SA-Uniform (1922)

Grimm war auch bei der Bekämpfung des linksrheinischen Separatismus engagiert. Mordtaten gegen zum Teil von Frankreich unterstützte Separatisten hieß er gut, so die Ermordung von Mitgliedern der separatistischen Pfälzer Regierung in Speyer am 9. Januar 1924 im Auftrag der bayerischen Staatsregierung. Die Pfalz gehörte damals zu Bayern. Grimm lieferte den Attentätern nachträglich einen Rechtfertigungsgrund, der ihre Tat als Staatsnothilfe legitimierte.[16] Seinen Ruf in republikfeindlichen und nationalsozialistischen Kreisen baute er mit der Verteidigung von „Fememördern“ wie dem nationalsozialistischen Politiker, SA-Führer und Mörder Edmund Heines oder dem nationalsozialistischen Politiker, Führer der Schwarzen Reichswehr und Mörder Paul Schulz, genannt „Feme-Schulz“, aus, mit dem er befreundet war.[17] Grimm verteidigte auch den Fememörder Eckermann, dessen Freispruch ein politischer Skandal war.[18] Über seine Verteidigung von Republikgegnern und Nationalsozialisten hielt Grimm auch öffentliche Vorträge, die sehr guten Anklang fanden und in Buchform erschienen. Verleger des Buches „Oberleutnant Schulz. Femeprozesse und Schwarze Reichswehr“ von 1929 war der völkisch-nationalsozialistische Verlagsbesitzer Julius Friedrich Lehmann. Die Vorträge, Broschüren und Denkschriften waren Teil einer Kampagne zur Amnestierung der Fememörder, die im Oktober 1930 zur Niederschlagung der noch laufenden Verfahren und zur Freilassung der noch inhaftierten Täter führte.[19] Eine Amnestie war erst nach dem Wahlerfolg der NSDAP 1930 möglich geworden. Die 107 Reichstagsabgeordneten der NSDAP sicherten die hierzu notwendige Zweidrittelmehrheit.[20] Nach der Machtergreifung wandte sich Grimm am 16. Mai 1933 an den damaligen Staatssekretär Roland Freisler und regte eine Entschädigung der Fememörder an. Freisler hatte diese zuvor zu „Helden der Nation“ erklärt.

Die Verteidigung von Fememördern hatte Grimm schon vor 1933 in Kontakt mit ranghohen NSDAP-Funktionären wie Walter Buch, Wilhelm Frick, Franz Xaver Ritter von Epp gebracht. Diese drei nannte er nach 1945 Männer mit „gemäßigten, vernünftigen Anschauungen“.[21] Bereits während der französischen Besetzung der Pfalz hatte Grimm mit der NSDAP Absprachen über deren Propaganda getroffen, um in einem Prozess eine bessere Position zu haben.[22]

In der Zeit des Nationalsozialismus

Adolf Hitler und NS-Führung beim Hitler-Gruß, Reichstagssitzung am 19. Juli 1940 zum Ende des Frankreichfeldzuges (NS-Pressefoto)

Der Antisemitismus von Grimm

Der Antisemitismus war ein herausragendes Element in Grimms politischer Haltung, die er auf Grund seiner politikberatenden Funktion nicht nur propagandistisch kundtat, sondern auch durch Beteiligung an Repressionen und Verfolgung praktizierte. Sein Antisemitismus setzt dabei nicht erst 1933 ein.

Anfang 1929 unterzeichnete er einen Aufruf des von Alfred Rosenberg gegründeten antisemitischen Kampfbundes für deutsche Kultur, der das Ziel vertrat „das deutsche Volk über die Zusammenhänge zwischen Rasse, Kunst und Wissenschaft, sittlichen und willenhaften Werten aufzuklären.“ Unter den Mitunterzeichnern finden sich mehrere antisemitische Propagandisten etwa Eva Chamberlain, Franz von Epp, Gustaf Kossinna, Julius Friedrich Lehmann, Alfred Rosenberg, Paul Schultze-Naumburg oder Winifred Wagner.[23]

Schon im April 1933 unterstützte Grimm in seinem Aufsatz „Bekenntnis zur Legalität“ in der DJZ 1933[24] die Ausgrenzung "jüdischer" und demokratischer Beamter und Anwälte durch Berufsverbot durch die am 7. April 1933 verabschiedeten Rechtsvorschriften Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Hinter den Kulissen war er bei diesen Gesetzen schon im Vorfeld aktiv und hatte mehrfach bei Reichsjustizminister Franz Gürtner und seinem damaligen Staatssekretär Franz Schlegelberger vorgesprochen, um eine seinen Angaben nach „vernünftige“ Lösung zu erreichen, was nach Grimms Meinung letztlich gelungen sei. Dabei war Grimm von der Notwendigkeit von Maßnahmen zur Eliminierung des jüdischen Einflusses in Deutschland überzeugt.[25] Diese „vernünftige“ Regelung sah u. a. als eine Ausnahme vor, dass Anwälte, die im Ersten Weltkrieg als Soldaten gekämpft hatten, kein Berufsverbot erhielten. Abgesehen davon, dass diese Regelung nur für wenige Anwälte zutraf, konnten die Behörden über eine Ausnahmeklausel diese Klausel außer Kraft setzen. Damit war Grimm an der Verharmlosung und Rechtfertigung dieses nahezu vollständigen Berufsverbotes beteiligt. Im übrigen wurde das „Frontkämpferprivileg“ 1935 mit dem Reichsbürgergesetz außer Kraft gesetzt.

Grimms nationalsozialistische und antisemitische Haltung galt als vorbildhaft und entsprechende Publikationen wurden aus dem Reichspropagandaministerium gefördert, in Anweisung Nr. 62 vom 12. Januar 1938 wird das Erscheinen eines Artikels von Grimm in der Zeitschrift „Deutsche Justiz“ über die „Judenfrage in Rumänien“ protegiert: „Die deutsche Presse wird auf die Wichtigkeit dieses Artikels hingewiesen.“[26] Überhaupt wurden viele seiner Bücher und Broschüren mit Mitteln des Propagandaministeriums, der Auswärtigen Amtes oder der NSDAP herausgegeben.

Grimms tiefgehender Antisemitismus wurde auch an Nebensächlichkeiten deutlich: In einer Abhandlung über den Mord an Wilhelm Gustloff, der den emigrierten Schriftsteller Emil Ludwig 1936 zu einem in vielen Sprachen nachgedruckten Buch veranlasst hatte,[27]belegte Grimm 1938 den Schriftsteller mit dem Namen Emil Ludwig Cohn.[28] In einem von Grimm 1953 in der Bundesrepublik veröffentlichten Buch hieß der Schriftsteller dagegen wieder Emil Ludwig, diesmal mit dem Zusatz der bekannte jüdische Schriftsteller. Dabei war Ludwig ein Deutscher genau wie Grimm.[29]

Auf einer Tagung des Rechtsamtes der Auslandsorganisation der NSDAP aus Anlass der sechsten Reichstagung der Auslandsdeutschen tititulierte er 1938 den republikanisch gesinnten ehemaligen Berliner stellvertretenden Polizeipräsidenten Bernhard Weiß als Isidor Weiß, wie dies zuvor Goebbels mehrmals getan hatte.[30]

1941 räsonierte Grimm bei einem Vortrag vor der Arbeitsgemeinschaft Strafrechtspflege des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbundes über den schlechten Ruf der Strafverteidiger. Daran seine die Juden schuld: Der jüdische Verteidiger, der der Meister der Rabulistik und der Kunst des Verdrehens war, der sich bemühte, aus schwarz weiß zu machen, hat dem Anwaltsstande sehr geschadet.[31]

Grimm machte für alle Reaktionen aus dem Ausland auf die Verfolgung der Juden die Jüdische Weltverschwörung, manchmal von ihm auch Alljuda oder Weltjudentum genannt, verantwortlich. Ein Beweis für die Existenz von Alljuda war für ihn die Aktivität der Ligue Internationale Contre l'Antisémitisme (LICA) mit Sitz in Paris. Die LICA trat den Nazis, wo es ging, publizistisch entgegen. Da Grimm international antisemitisch tätig war, hatte er demzufolge häufig mit der LICA zu tun und fühlte sich in seinem Vorurteil gegenüber dem Weltjudentum immer wieder bestätigt.

Auch nach 1945 bezeichnete er in einem postum erschienen autobiographischen Werk in typisch antisemitischer Diktion den Zweiten Weltkrieg als einen außenpolitischen deutsch-jüdischen Krieg.[32]

Weitere Karriere im Nationalsozialismus

Bis 1933 gehörte Grimm der DVP an. Dann trat er in die NSDAP ein. Schon im Mai 1932 hatte Grimm die erste persönliche Begegnung mit Adolf Hitler, der ihn zusammen mit den NSDAP-Funktionären Paul Schulz und Walter Funk in seiner Privatwohnung in Essen aufsuchte. Bei dieser Gelegenheit hielt Grimm einen mehrstündigen Vortrag über eine politische Strategie, den Versailler Vertrag zu revidieren. Kurz danach lud Hitler ihn mit seiner Frau auf den Berghof ein. Dort traf er am 11. August 1932 auch das Ehepaar Goebbels an.[33] Es gab eine angeregte Unterhaltung über die Revision des Versailler Vertrages, wobei Grimm und Hitler sich einig waren, dass es viele Revisionsmöglichkeiten gebe, bei denen Deutschland mit friedlichen Reaktionen der ehemaligen Kriegsgegner zu rechnen habe. Sie waren sich aber auch einig, dass die Rückforderung des Korridors den Erzfeind Frankreich ermutigen würde, Krieg gegen Deutschland zu führen, zumal sich Frankreich da auf die offensive Haltung Englands verlassen könne.[34] Grimm betonte später in seiner Autobiografie stolz, dass Hitler ihn trotz der Anwesenheit der anderen Gäste allein in sein privates Wohnzimmer bat, wo sie das Gespräch zu zweit fortsetzten. Später wurde Grimm außenpolitischer Berater Hitlers und des kommenden Dritten Reiches.

Im November 1933 ernannte Hitler ihn außerdem als Mitglied des Berufsstandes der Rechtsanwälte zum Mitglied des nationalsozialistischen Reichstags in der NSDAP-Fraktion. Diese Funktion bekleidete Grimm für zwei weitere „Wahlperioden“ bis Kriegsende 1945. Hitler und Grimm trafen sich bei zahlreichen Gelegenheiten. Meistens suchte Grimm Hitler in der Reichskanzlei auf.

Grimm schätzte Hitler seinerseits nicht nur, sondern er verehrte ihn nahezu abgöttisch: „Wer Adolf Hitler aus der Nähe geschaut hat, wer unter dem Bann seiner hinreißenden Rede stand, kann sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß dieser Mann eine Mission hat, eine Sendung, die ihn erfüllt, an die er glaubt, an die alle seine Anhänger glauben mit der Kraft, die da Berge versetzt. Das aber ist das Wesentliche an dieser Erkenntnis, daß die Mission, die Adolf Hitler zuteil wurde, die historische Mission, die ihn über alle anderen Volksgenossen heraushebt, eine deutsche Mission ist, eine Mission, die uns alle angeht, der wir uns nicht entziehen können, wie immer wir uns auch im einzelnen zu der Bewegung und ihren Zielen stellen mögen, eine Mission, die von einer ganz großen, letzten Idee beherrscht wird, vor der alles Kleine und Unwesentliche zurücktreten muß. Diese Idee heißt: Ein Volk, ein Reich, ein Führer; Überwindung des deutschen Partikularismus in jeder Form; ein deutsches Volk, das Reich der Deutschen; die Verwirklichung der jahrhundertealten Sehnsucht; das ist Hitlers deutsche Sendung.“[35]

Grimm bekleidete auch ein hohes Amt in der NSDAP. Er war im Reichsrechtsamt – Amt für Rechtsbetreuung des deutschen Volkes (gleichzeitig Abteilung III der Rechtsabteilung der Reichsleitung der NSDAP) Stellvertreter des Amtsleiters Walter Raeke.[36]

Grimms Übereinstimmung mit der Politik der NSDAP bezog sich auch auf das Ermorden politischer Gegner. Grimm entwickelte eine Theorie, nach der das Begehen von politischem Mord als „Tötung in außergewöhnlicher Zeit“[37] entschuldbar sei. Das Urteil darüber treffe der Führer als oberste Instanz des Staates. Dagegen dürfe niemals „der Einzelne zum Richter darüber werden, ob ein anderer Mensch ein politischer Schädling ist, der beseitigt werden muß. Politische Schädlinge auszumerzen ist Sache des Staates“.[38]

Zwischen Grimm und Hitler bestand auch eine weitgehende politische Übereinstimmung über den Zusammenhang zwischen Außenpolitik und der Politik des Antisemitismus:

  • Deutschland sei durch den Versailler Vertrag geknechtet. Schuld daran sei das internationale Judentum, das in Frankreich, England und den USA sehr einflussreich sei und sich zum Ziel gesetzt habe, Deutschland zu zerstören. Frankreich sei der Erbfeind, der Polen im Bund mit England zur Schmach Deutschlands zur Annexion des Korridors verholfen habe. Nahezu alle Ergebnisse des Versailler Vertrages müssten revidiert werden.
  • Das internationale Judentum habe es sich zum Ziel gesetzt, Deutschland in seinem eigenen Land zu majorisieren und mit Hilfe des internationalen Judentums zu vernichten. Deshalb sei es ein Akt der Notwehr, gegen die Juden im Inland und Ausland hart vorzugehen.
  • Das demokratische System sei eine Einrichtung der Juden und habe Unglück über Deutschland gebracht.
  • Auch der Sowjetstaat sei ein Gebilde der Juden. Schon daher gelte es, ihn zu zerstören.
  • Deutschland sei gezwungen, im Osten Krieg zu führen. Erst gegen Polen und die Tschechoslowakei wegen der deutschen Gebiete und dann gegen die Sowjetunion. Dort gelte es, den deutschen Lebensraum zu erweitern.
  • Der Krieg im Osten werde auf den Widerstand Frankreichs und Großbritanniens treffen. Daher müsse zuerst Frankreich, das durch die Herrschaft der Juden ein gefährlicher Faktor sei, und das dann vermutlich mit ihm verbündete Großbritannien niedergerungen werden.
  • Deutschland habe Anspruch auf die führende Rolle in Europa und in der Welt, denn es sei die kulturell und materiell überlegene Nation.

Grimm wurde der Anwalt des Dritten Reiches in aussenpolitischen Dingen. Dazu war er auch ein wichtiger Propagandist der nationalsozialistischen Außenpolitik. Für Hitlers Rede vor dem Reichstag vom 21. Mai 1935 – von Grimm die Friedensrede von 1935 genannt –, in der Hitler die Wiederaufrüstung des deutschen Reiches entgegen allen bisher gültigen Verträgen ankündigte, steuerte Grimm nach einem persönlichen Gespräch mit Hitler einen mehrseitigen Textentwurf bei, den Hitler angeblich inhaltlich übernahm.[39]

Grimm spezialisierte sich auch auf das Abhalten von Vorträgen als Propagandaredner der NSDAP. 1934 und 1935 war er mit vielen Vorträgen im Saargebiet unterwegs, bis er von dem dortigen Polizeipräsidenten Einreiseverbot erhielt.[40] Allein für 1935 sind 127 Vorträge in Deutschland und 12 im Ausland dokumentiert, wobei die Zuhörerzahl 1.000 oder 10.000 Personen erreichen konnte.[41] In der Planung der NSDAP-Auslandsorganisation für die Reden zum Ersten Mai 1935 im Ausland war Grimm als einer von 52 Rednern der NSDAP-Auslandsorganisation vorgesehen – sein Einsatzort war Kairo.[42]

1937 wurde Grimm als Rechtsanwalt am Kammergericht Berlin, dem damals höchsten Gericht im Land Preußen, zugelassen. Nach 1936 hielt Grimm an der Uni Münster keine regulären Vorlesungen für seine Studenten ab, sondern Vorträge für die NS-Studentenschaften über den Vertrag von Versailles und die Politik der Revision desselben - also die Außenpolitik, die die Nazis im Schilde führten.[43]

Grimm als Anwalt der NS-Regierung

Reichsgesetzblatt vom 31. März 1933: „Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstrafe“ dem sogenannten „Lex van der Lubbe“

Reichstagsbrandprozess 1933

Der Reichstagsbrandprozess, der am 21. September 1933 begann, war der erste Prozess, bei dem Grimm im Auftrag der NS-Regierung agierte. Der Reichstag war am 17.Februar 1933 in Brand gesteckt worden. Die meisten politischen Beobachter im In- und Ausland vermuteten, dass die Nationalsozialisten selber den Brand gelegt hatten. Denn sie lehnten einerseits den Parlamentarismus ab, zum anderen hatte ihnen der Brand gute Vorwände zur Verfolgung der linken Parteien geliefert und zur Übernahme der diktatorischen Macht im Lande. Die regierenden Nationalsozialisten wollten sich also einerseits selbst verteidigen und demonstrieren, wie korrekt und gerecht der deutsche Staat funktioniere. Zum Anderen wollte die Regierung aus dem Reichstagsbrandprozess einen Schauprozess gegen die KPD machen. Grimm war als Beauftragter des Reichspropagandaministeriums für die Beeinflussung der ausländischen Journalisten zuständig und nahm am Prozess teil. Er saß am Regierungstisch neben dem Vertreter von Ministerpräsident Göring.[44] Der Prozessverlauf entsprach nicht ganz den Wünschen der Nationalsozialisten; eine Verschwörung der KPD war nicht nachweisbar. Die KP-Funktionäre wurden freigesprochen. Marinus van der Lubbe wurde nur als Einzeltäter verurteilt – er erhielt die Todesstrafe. Für Brandstiftung war eigentlich keine Todesstrafe vorgesehen. Diese Verhängung der Todesstrafe basierte auf einem nach dem Reichstagsbrand erlassenen Gesetz, der sogenannten Lex Lubbe, womit der Grundsatz Nulla poena sine lege verletzt war, der einer der grundlegenden Bestandteile jeden Rechtsstaates ist. Grimms Aufgabe war es unter anderem, die ausländischen Korrespondenten davon zu überzeugen, dass das Gesetz über die Todesstrafe für Brandstiftung und dass der ganze Prozess rechtsstaatskonform sei. Grimm war davon überzeugt, dass Lubbe nicht allein gehandelt haben könne und vermutete die Anwesenheit von weiteren unbekannten Personen, die weder Kommunisten noch Nationalsozialisten waren. Er sprach von Hintermännern und hielt bis zu seinem Tod an dieser Verschwörungstheorie fest. Dahinter steckte die Überzeugung, dass hinter jeder Kritik und Aktion gegen Deutschland das Internationale Judentum stecke.[45] Kurze Zeit nach dem Prozess wurde ein Buch über den Prozess von dem Verteidiger Alfons Sack veröffentlicht, der den deutschen KPD-Funktionär Ernst Torgler verteidigt hatte. Zu dem Buch hatte Grimm das Vorwort geschrieben.

Der Prozess Jabès gegen van Meeteren und Safarowsky (Kairo 1933/1934)

Grimm wurde zusammen mit dem antisemitischen Öffentlichkeitsarbeiter des Propagandaministeriums Wolfgang Diewerge vom Auswärtigen Amt und dem Propagandaministerium als Vertreter von Nazi-Interessen zum von der NS-Propaganda als „Kairoer Judenprozess“ titulierten Verfahren nach Kairo geschickt. Wilhelm van Meeteren, der ägyptische Vertreter der Firma Siemens[46] und Präsident des Deutschen Vereins in Kairo, hatte 1933 nach Vorlagen der NSDAP eine Broschüre „Die Judenfrage in Deutschland“ hergestellt und vertrieben. Diese Broschüre war ein antisemitisches Pamphlet, das mit wüsten Beschimpfungen die Verfolgung der Juden in Deutschland rechtfertigen sollte und zum Hass auf die Juden in der ganzen Welt anstacheln wollte.[47] Daraufhin hatte der ägyptische Geschäftsmann jüdischen Glaubens Umberto Jabès mit Unterstützung der französischen LICA Anzeige gegen van Meeteren vor einem internationalen „Gemischten Gericht“ in Kairo wegen Beleidigung und Aufhetzung zum Rassenhass erstattet.[48] Grimm war so vorsichtig, eine sachliche Prüfung des Inhaltes dieses Pamphlets zu verhindern:[49] „In der Hauptverhandlung erhob ich nur den Einwand mangelnder Klageberechtigung, Hier klagten drei einzelne Personen wegen Beleidigung des gesamten Judentums. Das war unzulässig“.[50] Grimm hatte mit diesem „Advokatenkniff“ Erfolg, so dass die Klage ohne Erörterung des Sachverhaltes abgewiesen wurde.[51] Noch 1953 vertrat Grimm die Meinung, dass es sich bei der Broschüre um eine sachliche, durch objektive Statistiken belegte Darstellung des Vormachtstrebens der „jüdischen Rasse“ in Deutschland gehandelt habe, das die Bekämpfung des Judentums durch die Nationalsozialisten notwendig gemacht habe.[50]

Dieser Prozess erregte weltweit Aufsehen und verbesserte die internationale Aufklärung über die Verfolgung der Juden in Deutschland.[52] Aber da Jabès' Klage abgewiesen worden war, lieferte der Prozess auch den Nationalsozialisten Munition für neue antisemische Propaganda. Sowohl Diewerge als auch Grimm verfassten bereits 1934 antisemitische Propagandaschriften über diesen Prozess.[53]

„Heim ins Reich“ – Grimms Rolle bei der Abstimmung über das Saargebiet

Nach dem Ersten Weltkrieg war das Saargebiet auf Grund des Versailler Vertrag (dort als „Saarbeckengebiet“ bezeichnet) vom Deutschen Reich getrennt. 1920 wurde es mit einem Mandat des Völkerbundes für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Danach sollte eine Volksabstimmung über das Schicksal des Saargebietes entscheiden. Grimm unterstützte als Redner der NSDAP die Rückkehr des Saargebietes ins Reich propagandistisch. 1934 wurde sein 135-seitiges Buch: Frankreich an der Saar: Der Kampf um die Saar im Lichte der historischen französischen Rheinpolitik, in der Hanseatischen Verlagsanstalt, einem Verlag der NSDAP publiziert.

6000 Exemplare dieses Buchs überließ die NSDAP kostenlos der katholischen Kirche zur Verteilung. Grimm hatte dazu den Erzbischof von Trier Franz Rudolf Bornewasser überredet, zu dessen Diözese die saarländischen Gemeinden gehörten.[54] Zeitweilig hatte Grimm ein Einreiseverbot ins Saargebiet, da seine dortige Agitation nicht geduldet wurde. Nach der gewonnen Abstimmung gehörte das Saargebiet seit dem 1. März 1935 wieder uneingeschränkt zum Deutschen Reich.

Entführung von Berthold Jacob aus der Schweiz durch die Gestapo (1935)

Titelblatt mit Verbot 1933

Der schon 1932 ins französische Exil nach Straßburg geflüchtete Journalist Berthold Jacob war bei der deutschen Rechten und vor allem bei den Nationalsozialisten besonders verhasst. Jacob hatte seit den frühen 1920er Jahren gegen das Erstarken der Republikfeinde gekämpft. Seine Zeitungsartikel unter anderem in Die Weltbühne oder Das Andere Deutschland richteten sich besonders gegen Aktivitäten der Freikorps, Fememörder, die illegale Aufrüstung von Reichswehr und Schwarzen Reichswehr vor und nach 1933 sowie die NSDAP, Themenkomplexe denen er auch im Exil treu blieb. Für seine Berichterstattung in der Weltbühne über den Prozess gegen Paul Schulz war Jacob verurteilt worden.[55] Jacob war in diesen Prozessen häufig der publizistische Gegner von Grimm gewesen und hatte gelegentlich auch Grimm angegriffen.

Jacob wurde 1935 von dem sich als Exilliteraten und NS-Gegner ausgebenden Gestapoagenten Hans Wesemann aus Frankreich nach Basel gelockt und von dort am 9. März 1935 nach Deutschland entführt. Der Fall erregte großes internationales Aufsehen. Da die Tat nicht unbeobachtet geblieben war, verlangten die Schweizer Behörden die Rücküberstellung Jacobs in die Schweiz sowie eine Entschädigung. Ein Schiedsgericht wurde angerufen. Grimm sollte als Vertreter der Reichsregierung im Auftrage Hitlers den Fall vor dem Schiedsgericht vertreten. Da die Schweiz nach intensiven Ermittlungen genau beweisen konnte, dass die deutschen Behörden hinter dem Entführungsfall standen und das internationale Recht verletzt hatten, blieb Grimm nicht viel anderes übrig, als Heinrich Himmler, dem die Gestapo unterstand, und Hitler klarzumachen, dass dieser Fall aufgrund der eindeutigen Beweise und Rechtslage nicht zu gewinnen war. Daher musste Jacobs noch 1935 in die Schweiz freigelassen werden.[56]

1941 wurde Jacob von der Gestapo ein zweites Mal im Ausland entführt. Die Gestapo konnte ihn aus Lissabon entführen, kurz bevor er sich auf ein rettendes Schiff in die Vereinigte Staaten einschiffen konnte. Er wurde nach Deutschland gebracht. Jacob starb nach Misshandlungen in seiner Haft durch die Gestapo im Februar 1944 im Berliner Jüdischen Krankenhaus.

Der Spiegel berichtete 1954 in völliger Unkenntnis der Zusammenhänge in einem Grimm als seriösen Juristen wertenden Artikel, dass Grimm 1935 habe Berthold Jacob verteidigen wollen statt wie geplant die Entführer von der Gestapo.[57]

Der Prozess gegen David Frankfurter wegen des Mordes an Wilhelm Gustloff (1936)

Der Landesgruppenleiter der NSDAP in der Schweiz war Wilhelm Gustloff. Durch systematische Propagandaarbeit wie die Verbreitung antisemitischer Hetzschriften warb er bis 1936 mehr als 5.000 Auslandsdeutsche als NSDAP-Mitglieder an. Darauf regte sich in der Schweiz Widerstand gegen diese Aktivitäten. Aber die Regierung zögerte, gegen die Nationalsozialisten aktiv zu werden.

Daher griff ein Betroffener zur Selbsthilfe. Gustloff wurde am 4. Februar 1936 von dem jungen jugoslawischen Juden David Frankfurter in Davos in seinem Haus aus Protest gegen die Judenverfolgung in Deutschland erschossen. Frankfurter stellte sich danach der Polizei.

In der Propaganda der NSDAP wurde die Tat als Teil einer jüdischen Weltverschwörung und Krieg gegen Deutschland gedeutet. Wolfgang Diewerge vom Propagandaministerium wurde mit Grimm zur Betreuung dieses Propagandaauftrages herangezogen, der weitere Schritte der Judenverfolgung legitimieren sollte. Grimm trat formal als Nebenklägervertreter von Frau Gustloff beim Prozess in Chur auf.[58] In Wirklichkeit war er ein Vertreter der NS-Regierung, der bei einem persönlichen Treffen mit Hitler sein Plädoyer besprochen hatte.[59] Die NS-Propaganda warf den Schweizer Behörden vor, durch eine liberale Pressepolitik, zum Entstehen des Attentats beigetragen zu haben und schüchterten sie so ein. Grimm hatte sich eigens eine telefonische Standleitung in einen Raum im Gerichtsgebäude legen lassen, um mit Hitler den Fortgang des Prozesses zu besprechen.

Die Richter erkannten Frankfurters Motive als Notwehr gegen das deutsche Unrechtssystem nicht an, und verurteilten ihn zur Höchststrafe von 18 Jahren Gefängnis. Nach Auffassung der Richter hatte David Frankfurter als Alleintäter ohne Hintermänner gehandelt. Grimm kam zu anderen Schlüssen und lamentierte noch lange nach dem Krieg: „Frankfurter mußte Hintermänner gehabt haben. Das ergab sich klar aus den Umständen der Tat, wie sie durch die Hauptverhandlung erwiesen waren. Aber über diese Frage schwieg sich Frankfurter aus. Da waren auch alle Bemühungen der Schweizer Behörden vergeblich. Die Hintermännerfrage war nicht aufzuklären. Das war bei diesen großen politischen Prozessen immer so: im Reichstagsbrandprozeß, bei Frankfurter, und im Grünspanprozeß nicht anders.“[60]

Verfahren über NS-Recht in der Freien Stadt Danzig in Den Haag (1935/1936)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Vertrag von Versailles die Stadt Danzig vom Reich abgetrennt. Sie wurde nicht wie andere Teile Westpreußens der neu entstandenen Republik Polen zugesprochen, sondern es entstand ein eigenes Gebiet unter der Oberhoheit des Völkerbundes – die Freie Stadt Danzig. Danzig war mehrheitlich deutschsprachig und besaß eine demokratische Verfassung, die der Weimarer Verfassung glich. Für die Existenz Danzigs und das Bestehen der Verfassung garantierte der Völkerbund. Auch in Danzig errangen die Nationalsozialisten 1933 die Mehrheit im Parlament, dem Volkstag. Als die Regierung am 29. August 1935 unter dem NSDAP-Politiker und Senatspräsidenten Arthur Karl Greiser mit Hilfe des NSDAP-Gauleiters Albert Forster durch Beseitung wesentlicher Grundrechte den Rechtsstaat abschaffen wollte, riefen die Danziger SPD und das Zentrum den Völkerbund an. Der Völkerbund wandte sich zu der Beurteilung des Konfliktes an den Ständigen Internationaler Gerichtshof mit der Bitte um eine rechtliche Beurteilung der Angelegenheit. Danziger Vertreter in diesem Verfahren war der in Berlin tätige österreichische Strafrechtsprofessor Wenzeslaus Graf Gleispach, juristischer Berater von Danzig war auf Geheiß Hitlers Friedrich Grimm.[61] Das Gericht akzeptierte die Argumente der nationalsozialistischen Juristen nicht und erklärte, dass die neuen Gesetze nicht mit der Danziger Verfassung vereinbar seien und leitete sein entsprechendes Gutachten an den Völkerbund weiter.[62]

Grimm verfolgt Herschel Grynszpan (ab 1938)

Grynszpan nach seiner Verhaftung (Pressebild)
Karikatur „Mordjude“ auf dem Titelblatt des „Stürmer“ zur „Reichskristallnacht“

Am 7. November 1938 gab Herschel Grynszpan in Paris mehrere Revolverschüsse auf den deutschen Botschaftsattaché Ernst Eduard vom Rath ab. Vom Raths Tod lieferte den unmittelbaren Vorwand für die Novemberpogrome. Für die NS-Propaganda war vom Rath ein neuer Blutzeuge des Nationalsozialismus, ein Held der Freiheit und ein neuer Wilhelm Gustloff-Fall.[63]

Goebbels plante die Verwandlung des Prozess in Paris in einen Schauprozess und versuchte, Grimm für dieses Projekt zu gewinnen.[64] Grimm trat formal als Nebenklägervertreter der Familie Raths, real als Vertreter der NS-Regierung auf. Er beabsichtigte, den Einfluss einer jüdischen Verschwörung nachzuweisen, die einen Krieg gegen Deutschland führen und Deutschland und Frankreich zu Feinden machen wollte. Als sich während der Beweisaufnahme durch den Untersuchungsrichter herausstellte, dass Grynszpan höchstwahrscheinlich ein Alleintäter war, der in einer Situation der Verzweiflung mit dem Attentat ein Zeichen gegen die massive Verfolgung seiner Familie und ihn selbst durch die deutschen Behörden setzen wollte, bemühte sich Grimm, den Ablauf des Prozesses zu verzögern. Denn auch er hatte bei seinen Nachforschungen in Polen und Deutschland nichts herausgefunden, was die These von den Helfershelfern im Hintergrund stützte. Die Möglichkeit einer homoerotischen Beziehung zwischen Grynszpan und Rath führte zu weiteren Komplikationen für die NS-Propaganda. Der Prozess wurde nach dem Beginn des Kriegs gegen Frankreich 1940 nicht fortgesetzt.

Grimm, der als Mitarbeiter von Otto Abetz direkt bei der Einnahme von Paris mit deutschen Truppen nach Paris gekommen war, begann sofort mit einer Gestapoeinheit an dem Auftrag zu arbeiten, Grynszpan in die Gewalt deutscher Behörden zu bekommen und auch Grynszpans vermeintlicher Hintermänner habhaft zu werden.[65] Grynszpan wurde auf Druck Deutschlands aus dem unbesetzten Teil Frankreichs unter Bruch von Völkerrecht ausgeliefert. Die Prozessakten waren mittlerweile von der Deutschen Geheimen Feldpolizei beschlagnahmt, wie Grimm in einer „Denkschrift“ 1940 vermerkte.[66] Die Beschlagnahme und Durchsuchungsaktionen betrafen nicht nur französische Behördenakten, sondern alle jüdischen Organisationen und alle Anwaltskanzleien, die mit Grynszpan zu tun gehabt hatten. Grimm eignete sich sogar die Handakten von Grynszpans Verteidiger Vincent de Moro-Giafferi an.[67] Anfangs war unter Einsatz von Grimm ein deutscher Prozess vor dem Volksgerichtshof geplant gewesen, der trotz bereits festgelegtem Termin nicht zu Stande kam.[68] Nach heutigem Kenntnisstand wurde Grynszpan in deutscher Haft ermordet.[69]

Eine von Grimm unter Pseudonym und in Absprache mit Außenminister Joachim von Ribbentrop veröffentlichte französische Broschüre über die Affäre Grynszpan sollte dem französischen Volk den „Beginn des jüdischen Krieges“ (Grimm) erklären und erschien sehr verspätet erst 1942.[70]

Grimms Rolle in der Frankreichpolitik

Frankreich unter deutscher Besatzung am 14. Juni 1940. In Paris bestimmen deutsche Soldaten das Straßenbild
Otto Abetz, Grimms Chef in Frankreich
Deutsche Soldaten hängen Propagandaplakate auf. Das rechte Plakat informiert über Kriegsgefangene. Propaganda über die gute Behandlung von Kriegsgefangenen gehörte zu Grimms Interessen

Grimm war ideologisch und durch seine organisatorischen Aufgaben ein wichtiger Vertreter der nationalsozialistischen Frankreichpolitik, deren Ziel bis zum Westfeldzug die diplomatische, ideologische, politische und völkerrechtliche Totalrevision des Versailler Vertrages war. Nach der französischen Kapitulation nahm er Einfluss auf die Politik der Kollaboration und die deutsche Besatzungspolitik.

Die Verschärfung der Frankreichpolitik und Infiltration Frankreichs wurde hauptsächlich von der Dienststelle Ribbentrop betrieben, einer von Hitler gebilligten Konkurrenzorganisation zum Auswärtigen Amt (AA). Leiter des Frankreichreferates war Otto Abetz. Diesem Nebenaußenministerium arbeitete Grimm schon ab 1934 zu, denn er hatte auf Anforderung Ribbentrops begonnen, regelmäßig geheime Lageberichte über die französische Politik zu verfassen, soweit sie die deutschen Bestrebungen zur Beeinflussung der französischen Politik betrafen.


Für die neuen Propaganda- und Infiltrationsaufgaben ließ Hitler 1935 eine „Deutsch-Französische Gesellschaft“ (DFG) gründen. Die in der Weimarer Zeit gegründete Vorläufergesellschaft gleichen Namens war schon 1934 verboten worden. Grimm fungierte unter Achim von Arnim bis 1945 als ihr geschäftsführender Vizepräsident, während Abetz der Geschäftsführer war.[71]Die DFG wurde unter Anwesenheit des französischen Botschafters André François-Poncet, Ribbentrops und des Außenministers Konstantin Freiherr von Neurath und Grimms bei einem Festakt in Schloss Mon Bijou in Ludwigsburg gegründet. Die DFG sollte ein Instrument der nationalsozialistischen Außenpolitik sein und wurde vom Deutschen Staat finanziert.

Unter der Ägide von Abetz gab die DFG die „Deutsch-Französischen Monatshefte“ (DFM) heraus. Die zweisprachige Zeitschrift wurde vor allem in Frankreich verbreitet. Grimm war einer ihrer Hauptautoren. Im DFM-Märzheft 1936 rechtfertigte Grimm den Franzosen gegenüber den Einmarsch ins Rheinland und damit die Verletzung der Verträge von Versailles und Locarno als logische Konsequenz des kurz vorher ratifizierten Paktes zwischen Frankreich und Sowjetunion.

Parallel zur DFG ließen die Nationalsozialisten in Paris im November 1935 auf Betreiben von Abetz und Mittelsmännern einen Monat später das Comité-France-Allemagne (CFA) gründen. Dieser Hintergrund war dem französischen Außenministerium offensichtlich nicht bekannt, denn es unterstützte das CFA mit Geldzuwendungen in den ersten Jahren. Die ersten Unterstützer des CFA waren Kriegsveteranen, die für die deutschen Friedensbeteuerungen besonders empfänglich waren. Der erste Präsident war Commandant René Michel L’Hopital, ein Ordonnanzoffizier Marschall Fochs, dann nach der Rheinlandbesetzung 1936 Georges Scapini. Generalsekretäre waren die Veteranenvertreter und Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs Jean Goy und Henri Pichot Vorsitzender des größten Frontkämpfer- und Kriegsopferverbandes UF. Vizepräsidenten waren Ernest Fourneau vom Pasteur-Institut, Gustave Bonvoisin und Fernand de Brinon. Beisitzer waren Jacques Benoist-Méchin, Bertrand de Jouvenel und Regis de Vibraye. Im Ehrenpräsidium saßen angesehene Literaten, Wissenschaftler,Politiker und Schriftsteller wie Jules Romains, der Germanist Henri Lichtenberger, die Acadèmie-Française Mitglieder Pierre Benoit und Louis Bertrand und der Komponist Florent Schmitt. Dem Verwaltungsrat gehörten Eugene Frot,[72] Pierre Drieu La Rochelle an.[73]

Auf der ersten öffentlichen Versammlung am 29. November 1935 übergab der per Flugzeug mit Grimm, Abetz und anderen angereiste Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten die deutsche Einladung zu den Olympischen Spielen an Frankreich. 1937 veranstaltete das CFA eine bilaterale Aussprache die deutschfranzösische Studientagung, bei der auch Grimm redete. Er stellte den Nationalsozialismus als internationalen Friedensfaktor dar, der jeglichem Angriffsdenken abhold und dem Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder verpflichtet sei.[74]

Grimm hatte schon 1934 auf Anforderung Ribbentrops begonnen, regelmäßig Reisen nach Frankreich zu unternehmen und geheime Lageberichte – seine sogenannten Frankreichberichte – über die französische Politik zu verfassen, die für das Büro Ribbentrop bestimmt waren. Dabei ging es immer um Themen, die Ansatzpunkte für die infiltrierende Politik Deutschlands liefern konnten. Denn Grimm hielt sich häufig im Auftrag des CFA in Frankreich auf, nahm an Kongressen teil und hielt Vorträge.[75] Kontaktpflege zur französischen Rechten war Teil seines Auftrages, er traf sich aber auch mit anderen Politikern wie 1938 mit dem Ministerpräsidenten Camille Chautemps und vielen Journalisten. Ribbentrop leitete Grimms Berichte auch an andere Behörden weiter.[76] Grimm galt so sehr als Frankreichspezialist, dass er während des „Sitzkrieges“ im Dezember 1939 Hitler persönlich über die Lage in Frankreich berichtete. Hier konnte er als ein besonders interessantes Detail von der geringen Kriegsbegeisterung der Franzosen berichten.

Grimm wurde am 14. Juni 1940 noch vor der Kapitulation Frankreichs mit dem Stab des künftigen Botschafters Otto Abetz von Berlin aus mit dem Flugzeug zum Feldquartier des Außenministers in Belgien in Marsch gesetzt. Neben Abetz und Grimm gehörten der Botschafterstellvertreter Generalkonsul Rudolf Schleier, vorher NSDAP Landesleiter Frankreich der NSDAP-Auslandsorganisation und auch ebenfalls im Vorstand der DFG, Friedrich Sieburg Journalist, Dr. Karl Epting (Leiter der DAAD Außenstelle Paris bis 1939) und Ernst Achenbach zu der Mannschaft, die in Fahrzeugen der Wehrmacht am 15. Juni 1940 Paris erreichte. Achenbach bekleidete den Rang eines Legationssekretärs und war der einzige gelernte Diplomat in der Runde.[77]

Am 22. Juni fand die Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags im Wald von Compiegne statt. Auf französischer Seite nahm der General Charles Huntziger begleitet von mehreren Offizieren teil, auf deutscher Seite war fast die gesamte Führung angetreten. Anwesend waren Hitler, Göring, Ribbentrop, Heß, Keitel, Brauchitsch und Raeder[78] sowie der neue Botschafter Abetz und Friedrich Grimm.[79] Auch Grimm, der nach eigener Aussage weiter ein privater Rechtsanwalt war und nur freier Mitarbeiter an der Pariser Botschaft, hatte den Rang eines Generalkonsuls in Frankreich. Laut Grimm hatte er jedenfalls einen Pass, in den diese Dienstbezeichnung eingetragen war.[80]

Grimm ließ das Buch des Mitbegründers der Action Francaise, Jacques Bainville, Conséquences politiques de la paix, Paris 1920, übersetzen, versah es mit einem Vorwort und veröffentlichte es unter dem Titel Frankreichs Kriegsziel 1939. Bainville vertrat darin sehr deutschfeindliche Positionen. Diese Positionen wurden von der deutschen Propaganda als Vorwand für die Revision des Versailler Vertrages verwendet. Daraus – und aus der Unterstützung Polens – wurde Frankreichs Schuld am Zweiten Weltkrieg konstruiert. Dieses Buch erreichte eine Auflage von 120.000 Stück. Die propagandistische Absicht Grimms wird auch in folgendem Werk deutlich.[81]

Grimms „Das Testament Richelieus“, das auch auf Französisch erschien, erreichte 1943 150.000 gedruckte Exemplare. Die hohen Auflagen auch der französischen Übersetzungen waren auch der Tatsache geschuldet, dass die Besatzungsbehörden den französischen Verlegern 175 Tonnen Papier bevorzugt für die Produktion von Werken deutscher Schriftsteller zuteilten, die ins Französische übersetzt waren. Dagegen wurde für französische Autoren weniger Papier bereitgestellt.[82] Anlässlich der Eröffnung des Deutschen Institutes in Dijon forderte Grimm 1941 die Franzosen unter anderem auf, Richelieu, Raymond Poincaré nicht mehr als große Franzosen zu sehen, da sie stets eine deutschfeindliche Politik betrieben hätten, sie sollten sich eher Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. als Vorbild nehmen.[83] Am 28. Juli 1944 hielt Grimm in Nizza seinen letzten Vortrag in Frankreich.[84]

Nach der deutschen Niederlage stilisierte sich Grimm zum Vertreter einer Verständigungspolitik mit Frankreich.[85]

Vorträge und Propaganda außerhalb Frankreichs

Für verschiedene NS-Organisationen folgte eine rege Vortragstätigkeit bis zum Ende des Dritten Reiches. 1935 nahm er als Vortragender der zweiten Tagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Nationalisten in London teil und referierte über „Hitler und Europa“.[86] Grimm war Fördermitglied im Kampfbund für deutsche Kultur von Alfred Rosenberg. 1938/1939 war er Dozent an dem von Kurt Wagner geleiteten Schulungshaus des Außenpolitischen Amtes der NSDAP.[87]

Nach dem „Zusammenbruch“ 1945

Im Mai 1945 geriet Grimm im Schwarzwald in französische Gefangenschaft, durchlief mehrere Lager und Gefängnisse. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er entlassen und am 8. August 1947 für 16 Monate erneut u. a. im Zeugengefängnis der Nürnberger Prozesse inhaftiert.[88]

Die einzige Entnazifizierung Grimms bestand in der Indizierung zweier Bücher als faschistisch bzw. militaristisch durch die Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone.[89] Persilscheine für Grimm stellten unter anderem der französische Minister Louis-Germain Martin, Heinrich Brüning und Konrad Adenauer aus.[90] Bei Vernehmungen zog sich Grimm auf den Standpunkt zurück, niemals dem Dritten Reich gedient zu haben, sondern auch beim „Judenprozess“ von Kairo, dem Prozess wegen des Mords an Gustloff und auch gegen Grynszpan nur als Rechtsvertreter von Privatpersonen gehandelt zu haben.[91]

1949 arbeitete er wieder als Rechtsanwalt und setzte sich seitdem verstärkt für eine Generalamnestie der NS-Täter ein.[92] Er erarbeitete eine Denkschrift, worin er unter anderem forderte, die Generalamnestie „müsse so total und radikal sein wie der Krieg total war“. Auszüge aus dieser Denkschrift mitsamt kritischen Anmerkungen wurden am 16. Dezember 1950 im Mannheimer Morgen publiziert.[93]

Sowohl in seiner schriftstellerischen als auch in seiner juristischen Tätigkeit bedeutete das Ende des Krieges einen deutlichen Abstieg. Statt dem Parkett internationaler Prozesse folgten nur noch kleinere, deren politisch bedeutendsten in der Verteidigung bzw. Vertretung ehemaliger NS-Funktionäre bestanden.

Fritz Kiehn

Er verteidigte den ehemaligen Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich Alexander von Falkenhausen in Belgien, der u. a. wegen Judendeportationen und Arbeitseinsatz der Zivilbevölkerung angeklagt war.[94] 1954 verteidigte Grimm den ehemaligen NS-Funktionär, Fraktionskollegen und Unternehmer Fritz Kiehn in einem Prozess wegen einer gerichtlichen Falschaussage. Grimm versuchte Kiehn als Opfer einer politischen Justiz zu stilisieren.[95] Auch der vormalige Goebbels-Staatssekretär und FDP-Politiker Werner Naumann wurde 1953 nach dem Versuch einer Unterwanderung der FDP und der anschließenden Verhaftung von ihm vertreten.[96]

Grimms Schriften erscheinen nun in kleineren rechtsextremistischen Verlagen und nicht mehr wie etwa beim Testament Richelieus (1943) im größten deutschen Verlagshaus, dem Verlag F. Eher Nachf., dem Zentralverlag der NSDAP. Für Elke Mayer ist Grimm neben Hans Grimm und Peter Kleist einer der bedeutenden Autoren der Holocaustleugnung der frühen Bundesrepublik.[97]

Den Aufbau der rechtsextremistischen Zeitschrift Nation und Europa unterstützte Grimm.[98]

Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Ernst Achenbach – den er von der Deutschen Botschaft Paris kannte – war er ein einflussreicher Verfechter einer Generalamnestie für NS-Verbrecher.

1952 hatte Achenbach in Essen einen „vorbereitenden Ausschuss zur Herbeiführung der Generalamnestie“ gegründet, dem auch Grimm angehörte.[99] Er erhielt den Titel „Ehrenpräsident des Bundesverbands ehemaliger Internierter und Entnazifizierungsgeschädigter“, einer 1959 verbotenen rechtsextremistischen Organisation.[100] In seinem Buch „Politische Justiz“ (1953) bezweifelt er die Höhe und Richtigkeit der Angaben von Opfern in Konzentrationslagern.[101]

Am 2. Juni 1954 schloss sich Grimm einem Gnadengesuch für Alfred Schniering an.[102] Der 1911 in Essen geborene Schniering war seit 1929 NSDAP-Mitglied und hatte im Dritten Reich Karriere gemacht. Unter seinem Befehl wurden am 21. März 1945 zu Schanzarbeiten zwangsverpflichtete NS-Gegner und ein mutmaßlicher Deserteur aus Oppenheim und Nierstein im letzten Moment des Krieges erschossen.[103] Diese Morde werden als Kornsandverbrechen zu den Endphaseverbrechen gerechnet. Am selben Tag kapitulierte Nierstein, und amerikanische Soldaten erreichten Oppenheim.

Grimm wechselte noch einmal das Parteibuch und trat der 1950 gegründeten Deutschen Reichspartei bei, die 1964 in der NPD aufging.

Zu Lebzeiten erschien von Grimm die Autobiografie Politische Justiz, die Krankheit unserer Zeit (publiziert 1953) sowie, allerdings erst nach seinem Tod, Mit offenem Visier (1961). Grimm publizierte auch unter dem Pseudonym Accursius[104] oder Pierre Dumoulin.

Grimm starb am 16. Mai 1959 in Freiburg im Breisgau.

Das Werk Grimms: Holocaustleugnung, Antisemitismus, Geschichtsfälschung und rechtsextreme Rezeption

Die vielen von Grimm geschaffenen meist offen propagandistischen oder apologetischen[105] Artikeln, Broschüren und Bücher sind vor allem gut geeignet, seinen ideologischen Standpunkt zu untersuchen, als Quelle über tatsächliche historische Abläufe sind sie aufgrund ihrer zahlreichen Verdrehungen, Auslassungen und Fehlangaben kaum, bzw. nur unter Hinzuziehung seriöser Sekundärliteratur nutzbar. Eine umfassende seriöse Biographie Grimms fehlt bis auf kleinere Einträge in Lexika und Sammelbänden bisher (siehe Literatur). Zustimmend rezipiert wird Grimm heute nur von Rechtsextremisten und Holocaustleugnern. Sein Antisemitismus gibt nur die erwartbaren, im NS vertretenen Topoi wieder.

Verdrehungen und Auslassungen

Grimms Darstellung ist dabei nicht nur, wie für Propagandawerke zu erwarten, selektiv in der Darstellung und verzerrend in deren Wertung, geprägt durch Phantasmen der NS-Ideologie wie der jüdischen Weltverschwörung oder des jüdischen Krieges gegen Deutschland, sondern häufig bei Fakten selbst da unzuverlässig, wo es sich nicht um nationalsozialistische Auftragsarbeiten handelt.

So widmete er etwa „Politische Justiz die Krankheit unserer Zeit“ (1953) „Dem Andenken an meinen hochverehrten Lehrer, Prof. Dr. Franz von Liszt, Berlin“. Franz von Liszt, der zwischen 1851 und 1919 lebte, war einer der bekanntesten Professoren für Strafrecht und Völkerrecht Deutschlands. Grimm studierte während seiner Wanderjahre nur ein Semester in Berlin, wo Liszt lehrte. Von Liszt war ein liberaler Demokrat und Anhänger des Rechtsstaats. Grimm war dagegen ein Gegner des Rechtsstaates und ein Befürworter von Gewalt gegen andersdenkende oder für geringwertig erachtete Menschen. Grimm rechtfertigte beispielsweise politischen Mord – wie die Morde am 30. Juni 1934 – von nationalsozialistischer Seite mit dem Satz: Politische Schädlinge auszumerzen ist Sache des Staates.[106] Außenpolitisch forderte Grimm unter anderem einen Krieg gegen Frankreich und die Rückeroberung der an Polen abgetretenen Landesteile. Dazu gehörte, dass Grimm den Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund am 14. Oktober 1933 begrüßte. Von Liszt war dagegen für eine friedliche Regelung von Zwistigkeiten zwischen den Völkern eingetreten. Er hatte die Gründung dieses nach seinem Tode entstandenen Völkerbundes gefordert, um ein Mittel zur Hand zu haben, Differenzen zwischen Völkern friedlich zu regeln.

Rezeption bei Rechtsextremisten und Holocaustleugnern

Die ehemalige Post von Oradour
Der amerikanische Senator Alben W. Barkley besichtigt das KZ Buchenwald (24. April 1945)

Bis auf ein Zitat spielen Grimms Publikationen heute für Rechtsextremisten praktisch keine Rolle. Das Zitat stammt aus „Politische Justiz. Die Krankheit unserer Zeit“ (1953) und ist gedruckt und in deutschen und fremdsprachlichen, besonders englischen Internetquellen bei Rechtsextremisten beliebt, da es NS-Verbrechen als Gräuelpropaganda der Besatzungsmächte darstellt. Es gibt ein angebliches Gespräch wieder, das Grimm in Gefangenschaft geführt haben will:

„Ich sehe, ich bin an einen Sachkundigen geraten. Nun will ich auch sagen, wer ich bin. Ich bin kein Universitätsprofessor. Ich bin von der Zentrale, von der Sie gesprochen haben. Seit Monaten betreibe ich das, was Sie richtig geschildert haben: Greuelpropaganda – und damit haben wir den totalen Sieg gewonnen.“ Ich erwiderte: „Ich weiß, und nun müssen Sie aufhören!“ Er entgegnete: „Nein, nun fangen wir erst richtig an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern, bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was Sie in anderen Ländern an Sympathien gehabt haben, und bis die Deutschen selbst so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun!“[107]

Für das Gespräch gibt es keine objektive Quelle, so dass Grimms Darstellung ohne verifizierbare Grundlage und damit historisch wertlos bleibt. In rechtsextremen Texten wird oft Denis Sefton Delmer als Gesprächspartner Grimms genannt. Grimm selbst identifiziert auch in seiner postum erschienen Autobiographie „Mit offenem Visier“ (1961) seinen Gesprächspartner nicht. Dort ist sein Gesprächspartner kein Vertreter britischer Behörden wie Delmer es war, sondern ein Franzose: „Ich bin gar kein Professor aus Montpellier. Ich bin vom Contre-espionnage-Bureau.“[108] Damit ist dieses bei Rechtsextremisten beliebte Zitat nicht nur historisch wertlos, sondern wird vielfach in einem verfälschenden oder gefälschten Kontext verwendet.

Die heutige Zitatnutzung und falsche Kontextualisierung besitzt ihren Ursprung vermutlich in einer Textmontage, die der Holocaustleugner Udo Walendy 1976 in: Methoden der Umerziehung leistete.[109] Mit der Quellenangabe Udo Walendy’s: The Methods of Reeducation, findet sich das Zitat in Übersetzung auf mehreren einschlägigen englischsprachigen Internetseiten.[110]

Beispiele für die Verwendung des Zitates mit Delmer als Grimms Gesprächspartner sind etwa Hellmut Diwalds Buch „Deutschland einig Vaterland“. (1990)[111] oder Emil Schlees: „Eine Kriegsschuldfrage-Dokumentation zum II. Weltkrieg“ von 2004.[112] Ohne den Zusatz Delmer gebraucht es Steffen Werner 1995 in den rechtsextremen Staatsbriefen.[113] Die Junge Freiheit widmete Grimm am 20. Oktober 2006 einen längeren Artikel, der das Zitat bringt.[114] Auch der Rechtsextremist[115] Wolfgang Juchem paraphrasiert Grimms Behauptung der Greuelpropaganda in seiner Broschüre: „Wahrheit und Recht gegen Lüge und Hetze. Deutschlands Schicksal aus deutscher Sicht“ (5. Auflage 2001). Auch in zahlreichen Materialien der Partei Die Republikaner fanden sich das Zitat mit Nennung Delmers, b.z.w. Bezüge darauf.[116]

In weiterer in der Bundesrepublik als volksverhetzend verbotener Literatur findet sich Grimms Vorwurf der Greuelpropaganda so etwa in Thies Christophersens Buch „Die Auschwitzlüge“ (1974)[117] oder Joachim Nolywaikas Buch „Die Sieger im Schatten ihrer Schuld – Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit für Deutschland“ (1994).[118] In Ingrid Weckerts ebenfalls als volksverhetzend verbotenen Buch „Feuerzeichen – Die ‚Reichskristallnacht‘. Anstifter und Brandstifter – Opfer und Nutzniesser“ (1981) lässt sie Grimm als seriösen Zeitzeugen für die Vorgeschichte der Novemberpogrome von 1938 auftreten.[119]

Diese Verwendungen des Zitates zur Greuelpropaganda schneidet allerdings – auch unabhängig von der Quellenproblematik und der Manipulation am Kontext – Grimms Text für Revisionisten mundgerecht zu. Kurz vor der Textstelle, die vor allem Bilder von Leichenbergen als Propagandatechnik beschrieb, bestätigte Grimm, dass er das Massaker von Oradour und die Verbrechen im KZ Buchenwald für echt und strafwürdig halte obwohl er generelle Zweifel habe.[120]

Grimms „Politische Justiz die Krankheit unserer Zeit“ selbst wurde nach Angaben auf rechtsextremistischen Webseiten 1998 als volksverhetzend indiziert und ist dort als Volltext verfügbar.[121] Im Verzeichnis der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die indizierte Literatur auflistet, findet sich das Werk dagegen nicht.

Ausgewählte Werke

  • Der Mainzer Kriegsgerichtsprozeß gegen die rheinisch-westfälischen Bergwerksvertreter Fritz Thyssen, Gen. Dir. Kesten, Gen. Dir. Wüstenhöfer, Gen. Dir. Tengelmann, Bergassessor Olfe, Gen. Dir. Spindler, Berlin 1923
  • Der Krupp-Prozess, von A. Finger; Friedrich Grimm; Johannes Nagler; F. Oetker, Stuttgart 1923
  • Der Prozeß Rouzier. – Landau. – Kaußler. 1927. Ersch. auch in Berlin bei Deutsche Verl.-Ges. 1927, bearb. v. Friedrich Grimm.
  • Le procès Rouzier devant le conseil de guerre de Landau: éxposé de la défense allemande. – Landau. – Kaussler. 1927
  • Oberleutnant Schulz. Femeprozesse und Schwarze Reichswehr. – München: J. F. Lehmanns 1929
  • Vom Ruhrkrieg zur Rheinlandräumung: Erinnerungen eines deutschen Verteidigers vor französischen und belgischen Kriegsgerichten. Hanseatische Verlagsanstalt, 1930
  • Frankreich am Rhein: Rheinlandbesetzung und Separatismus im Lichte der historischen französischen Rheinpolitik. Hanseatische Verlagsanstalt, 1931
  • Das deutsche Nein: Schluss mit der Reparation! Ein letzter Appell. Hanseat. Verl. Anst., 1932
  • Reichsreform und Außenpolitik, Hamburg 1933
  • Das deutsch-französische Verhältnis von Versailles bis zum heutigen Tage. Lohse, Wilhelmshaven 1933.
  • Vorwort zu Der Reichstagsbrand-Prozess, Ullstein, Berlin 1934. Das Buch ist eine quasi-staatliche Veröffentlichung.
  • Hitlers deutsche Sendung. E.S. Mittler & Sohn, 1934
  • La Mission allemande d’Hitler. Mittler, Berlin 1934
  • Frankreich an der Saar: Der Kampf um die Saar im Lichte der historischen französischen Rheinpolitik. 135 S., Hanseatische Verlagsanstalt, 1934
  • Sack, Alfons: Der Reichstagsbrandprozess, Vorw. von Friedrich Grimm. Ullstein, Berlin 1934.
  • Wir sind im Recht!: Deutschlands Kampf um Wehrfreiheit und Gleichberechtigung. Junker und Dünnhaupt, 1935
  • Der Fall Gustloff vor dem Kantonsgericht zu Chur. Schlusswort der deutschen Prozessvertretung, gesprochen am 12. Dezember 1936 im Namen der Zivilklägerin, Frau Wilhelm Gustloff / Essen, 1936
  • Hitlers deutsche Sendung: Österreich kehrt heim, Mittler, Berlin 1938
  • Die historischen Grundlagen unserer Beziehungen zu Frankreich. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1938
  • Versailles in Liquidation. Terramare Office Berlin, 1938.
  • Politischer Mord und Heldenverehrung, Deutscher Rechtsverlag, Berlin 1938
  • Frankreich und der Korridor. Hanseatische Verlagsanstalt, 1939
  • Bainville, Jacques, Geschichte zweier Völker: Frankreichs Kampf gegen d. dt. Einheit, Mit e. Einl. v. Friedrich Grimm. Hanseat. Verl. Anst., Hamburg 1939.
  • Poincaré am Rhein. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1940
  • Die neue Kriegsschuldlüge. Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1940
  • Das französische Gelbbuch: Eine Selbstanklage Dt. Verlag, Berlin 1940 – Über die Schuld Frankreichs am Zweiten Weltkrieg
  • Le Livre jaune français accuse ses auteurs. Dt. Informationsstelle, Berlin 1940
  • Le Testament politique de Richelieu, Frederic Grimm, Vorwort Fernand de Brinon, Flammario, Paris 1941
  • Du Testament de Richelieu a Jacques Bainville, Frederic Grimm, Montreux 1941
  • Rippel, Otto: Das Werden des britischen Weltreiches: Eine Anklage gegen England. Vorw. v. Friedrich Grimm, Westdt. Verlagsges., Leipzig, 1941
  • Das Testament Richelieus. Berlin, Eher Verlag 1942
  • Politische Justiz die Krankheit unserer Zeit. Bonn 1953
  • Der Fall Kiehn. Ein politischer Prozeß[122]
  • Nun aber Schluß mit Rache und Vergeltung! Göttingen 1957
  • Unrecht im Rechtsstaat: Tatsachen und Dokumente zur politischen Justiz, dargestellt am Fall Naumann. Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung, 1957
  • Zwei nach Grimms Tod unter seinem Namen erschienene Bücher, Mit offenem Visier und die Frankreichberichte werden nicht hier sondern unter Literatur aufgeführt, da sie ohne weitere Belege und Nachweise von Dritten bearbeitet und möglicherweise verändert wurden.

Literatur

  • Richard Bracht: Essener Köpfe. Wer war was?, Essen 1985 ISBN 3-87034-037-1
  • Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, Deutscher Taschenbuchverlag München 1999 (2. Auflage 2002), ISBN 3-423-30720-X
  • Friedrich Karl Kaul, Der Fall des Herschel Grynszpan, Akademieverlag Berlin (Ost) 1965
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt a.M. 2003 (2. durchgesehene Aufl.), S. 200–201 ISBN 3-10-039309-0
  • Angelika Königseder, Recht und nationalsozialistische Herrschaft: Berliner Anwälte 1933 -1945. Bonn 2001, ISBN 3-8240-0528-X
  • Wolfgang Kowalsky, Kulturrevolution? die Neue Rechte im neuen Frankreich und ihre Vorläufer, Opladen 1991, ISBN 3-8100-0914-8
  • Elke Mayer: Verfälschte Vergangenheit: Zur Entstehung der Holocaust-Leugnung in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung rechtsextremer Publizistik von 1945 bis 1970. Peter Lang Frankfurt; Auflage: 1 (August 2003), ISBN 978-3-631-39732-9
  • Armin Mohler, Karlheinz Weissmann: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch, 6., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Graz 2005
  • Roland Ray, Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers?- Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik, 1930–1942, München 2000, ISBN 3-486-56495-1
  • Heinrich Senfft: Richter und andere Bürger. 150 Jahre politische Justiz und neudeutsche Herrschaftspolitik, Greno Verlag, Nördlingen 1988, ISBN 3-89190-957-8
  • Lieselotte Steveling: Juristen in Münster: Ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der westfälischen Wilhelms-Universität Münster/ Westf. LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 1999
  • Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, Frankfurt a.M. 2002, ISBN 3-596-13086-7.

Unter dem Autor Friedrich Grimm post mortem von Sympathisanten herausgegebene und bearbeitete Texte, bei denen fraglich ist, inwieweit sie von Grimm stammen oder nicht.

  • Friedrich Grimm: Mit offenem Visier: Aus d. Lebenserinnerungen e. dt. Rechtsanwalts. Als Biographie bearb. von Hermann Schild (d.i. Helmut Sündermann), Leoni am Starnberger See, 1961.
  • Friedrich Grimm, Frankreichberichte-1934 bis 1944, hrsg. vom Kreis seiner Freunde, Bodman 1972

Nachlass

Bundesarchiv Koblenz, NL 120 Friedrich Grimm.nachlassdatenbank.de

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 10
  2. Völlig kritikloser Artikel: Geldstrafe genügt. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1954, S. 11 (online).
    Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 10 und 37.
  3. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 14.
  4. Grimm: Politische Justiz. 1953, S. 24
  5. Lieselotte Steveling: Juristen in Münster – ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf. LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster 1999, S. 182, books.google.de
  6. Lieselotte Steveling: Juristen in Münster – ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf. LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster 1999 books.google.de
  7. anwaltsgeschichte.de
  8. Otto Kirchheimer, Politische Justiz, Frankfurt/Main,1985, S. 162
  9. (siehe Rubrik Werke in diesem Artikel)
  10. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 31–36
  11. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 42
  12. bundesarchiv.de
  13. Anwalts Kriminalmagazin 1931 Heft 3 abgedruckt in Verein Anwaltsgeschichte E.V in www.anwaltsgeschichte.de anwaltsgeschichte.de
  14. Deutsche Reichstag, Wahlperiode nach d. 30. Jan. 1933, Bd.: 1938, Berlin 1938 / Verhandlungen des Reichstags, Stenographische Berichte (1919–1939), Digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek
  15. Archivalie Uni Marburg Best. 305a Nr. 48 und uni-marburg.de
  16. graeberspindler.de
  17. Senfft 1988, S.139f.
  18. Senfft 1988, S.140, zu Eckermann und der Tat siehe auch Sozialdemokratischer Pressedienst vom 28. September 1929
  19. Bernhard Sauer: Schwarze Reichswehr und Fememorde. Eine Milieustudie zum Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik. Metropol-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-936411-06-9, S. 281–287
  20. Senfft 1988, S.141
  21. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 116f.
  22. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 103
  23. Thomas Neumann (Hrsg.): Quellen zur Geschichte Thüringens. Kultur in Thüringen 1919–1949. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen 1998 ISBN 3-931426-23-8 S. 132 thueringen.de
  24. zitiert in seiner Biographie in dem o.a. Kriminalmagazin des Forums Anwaltsgeschichte ausführlicher dazu auch Tillmann Krach: Jüdische Rechtsanwälte in Preußen. 1991, S. 154.
  25. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 127f.
  26. Nach: Josef Wulf: Kultur im Dritten Reich Presse und Funk. Frankfurt/M., Berlin 1989, S. 102
  27. Emil Ludwig: Der Mord in Davos. Amsterdam 1936, Querido Verlag
  28. Grimm: Politischer Mord und Heldenverehrung. 1938, S. 41
  29. Politische Justiz die Krankheit unserer Zeit. Bonn 1953, S. 107
  30. Grimm: Politischer Mord und Heldenverehrung. 1938, S. 18f
  31. laut Angelika Königseder: Recht und nationalsozialistische Herrschaft: Berliner Anwälte 1933–1945. Bonn 2001, ISBN 3-8240-0528-X, Seite 153f
  32. Beispiel: Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 273
  33. „Er berichtet aus Paris“ notierte Goebbels in sein Tagebuch. Reuth (Hrsg.): Goebbels Tagebücher. Band 2. S. 681f. Piper 1992
  34. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 118ff
  35. Grimm: Hitlers deutsche Sendung. 1934, S. 5–6, zit. nach: Léon Poliakov, Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Denker. Berlin 1959, S. 53
  36. Tilman Krach: Jüdische Anwälte in Preussen. München 1991, S. 156
  37. Grimm: Politischer Mord und Heldenverehrung. 1938, S. 32
  38. Grimm: Politischer Mord und Heldenverehrung. 1938, S. 37
  39. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 170
  40. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 116
  41. Lieselotte Steveling: Juristen in Münster – ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf. LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster 1999, S. 462books.google.de
  42. Hans-Adolf Jacobsen, Nationalsozialistische Außenpolitik: 1933–1938, Frankfurt a.M 1968, S. 668 f
  43. Lieselotte Steveling: Juristen in Münster – ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf. Berlin-Hamburg-Münster 1999, S. 182 f
  44. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 146. Lothar Gruchmann: Justiz im Dritten Reich 1933–1940: Anpassung und Unterwerfung in der Ära Gürtner. München 2001, S. 829f
  45. s. Grimm: Mit offenem Visier., S. 151
  46. egy.com
  47. Friedrich Karl Kaul: Der Fall des Herschel Grynszpan. Akademieverlag, Berlin (DDR) 1965, S. 47
  48. Gudrun Krämer: The Jews in Modern Egypt, 1914–1952. I.B. Tauris, 1989, S. 131f.
  49. Friedrich Karl Kaul: Der Fall des Herschel Grynszpan. Akademieverlag, Berlin (DDR) 1965, S. 47
  50. a b Grimm: Politische Justiz. 1953, S. 103f.
  51. Friedrich Karl Kaul: Der Fall des Herschel Grynszpan. Akademieverlag, Berlin (DDR) 1965, S. 47
  52. Mahmoud Kassim: Die diplomatischen Beziehungen Deutschlands zu Ägypten, 1919–1936. LIT Verlag, Berlin/Hamburg/Münster 2000, ISBN 3-8258-5168-0, books.google.de
  53. Wolfgang Diewerge: Als Sonderberichterstatter zum Kairoer Judenprozeß, München 1934, Grimm: „Der Kairoprozeß“ in der Deutsche Juristen-Zeitung (1934) 4, S. 238–243; siehe auch Grimm: Mit offenem Visier. S. 151. geschichte-transnational.clio-online.net. Ferner Grimm, Der Judenprozess von Kairo, im Sammelwerk: Hans Krebs Hg., Die Weltfront. Stimmen zur Judenfrage Folge 1. Nibelungen, Berlin & Leipzig 1935
  54. Grimm: Mit offenem Visier. 1961 S. 165f
  55. Senfft 1988, S.140
  56. Jost Nikolaus Willi: Der Fall Jacob – Wesemann (1935/1936), Ein Beitrag zur Geschichte der Schweiz in der Zwischenkriegszeit. Frankfurt 1972
    Grimm: Politische Justiz. 1953 S. XY
  57. Geldstrafe genügt. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1954, S. 11 (online).
  58. Werner Rings: Schweiz im Krieg: 1933–1945: ein Bericht. Zürich 1974. S. 72. Grimm: Politische Justiz, S. 105 ff.
  59. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 160f
  60. Grimm: Politische Justiz. 1953, S. 110
  61. Entscheidung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes in der Sache Danzig 1935/1936 auf der Seite des Internationalen Gerichtshofes unter diesem Link
  62. In der Entscheidungssammlung des Internationalen Ständigen Gerichtshofes A/B 65 Danzigs legislative decrees S.57
  63. Karol Jonca: Die Radikalisierung des Antisemitismus: Der Fall Herschel Grynszpan und die „Reichskristallnacht“. In: Deutschland zwischen Krieg und Frieden, Beiträge zur Politik und Kultur im 20. Jahrhundert. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 1990, S. 51
  64. Tagebucheintrag Goebbels vom 15. November 1938. Reuth (Hrsg.): Goebbels Tagebücher. Band 3. S. 1285. Pieper 1992
  65. Gerald Schwab: The Day The Holocaust began: The Odyssey of Herschel Grynszpan. New York 1990, S. 124f
  66. Grimm: Denkschrift über die in Paris im Juni–Juli 1940 von der Deutschen Geheimen Feldpolizei in der Grünspan-Sache beschlagnahmten Akten. Mikrofilm in der Hoover Institution Library, Stanford University, Stanford, California befindet.roizen.com Angaben dazu auch in Helmut Heiber: Der Fall Grünspan. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Heft 2 1957 S. 134–172 ifz-muenchen.de (PDF)
  67. s. Friedrich Karl Kaul, Der Fall des Herschel Grynszpan, Akademieverlag Berlin (Ost) 1965, s. 59.
  68. Helmut Heiber: Der Fall Grünspan. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Heft 2 1957 S. 134–172. Ron Roizen: Herschel Grynszpan: the fate of a forgotten assassin in Holocaust_and_Genocide_Studies, Vol 1 No 2, 1986, hrsg. von The United States Holocaust Memorial Museum, online einsehbar. Goebbels schildert in seinem Tagebuch die Probleme bei der Prozessvorbereitungen. Einträge vom 3. April 1942 und 5. April 1942. Reuth (Hrsg.): Goebbels Tagebücher. Band 5. S. 1777–1779. Piper 1992.
  69. Unter anderem: Hans-Jürgen Döscher, „Reichskristallnacht“: die Novemberpogrome 1938, 3. Auflage, München 2000, ISBN 3-612-26753-1; arl Jonca: Die Radikalisierung des Antisemitismus: Der Fall Herschel Grynszpan und die „Reichskristallnacht“, in Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Peter Schwarz (Hrsg.), Deutschland zwischen Krieg und Frieden: Beiträge zur Politik und Kultur im 20. Jahrhundert, Bundeszentrale für politische Bildung 1990, S.43; Ron Roizen: Herschel Grynszpan: the fate of a forgotten assassin in Holocaust_and_Genocide_Studies, Vol 1 No 2, 1986, hrsg. von The United States Holocaust Memorial Museum, online einsehbar.
  70. Zeitgenössische Veröffentlichungen von Grimm zum Prozess: Der Grünspan Prozess. Nürnberg: F. WilImy, 1942 und unter dem Pseudonym „Pierre Dumoulin“: Laftaire Grynspan, un attentat contre France (Paris: Editions Jean-Renard, 1942) gleiche Angaben bei Helmut Heiber: Der Fall Grünspan. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Heft 2 1957 S. 134–172 ifz-muenchen.de Heiber beschreibt auch die Verzögerungen der Drucklegung.
  71. Daniel, Krumeich, Anklam, Lindner-Wirschingt, Mehrkens, Schröder: Frankreich und Deutschland im Krieg (18.–20. Jahrhundert): Zur Kulturgeschichte der europäischen „Erbfeindschaft“ (PDF) Institut für Historisches Seminar, 2004, Digitale Bibliothek Braunschweig 2006, S.60 siehe auch: Comité France–Allemagne in der französischsprachigen Wikipedia
  72. Eugene Frot in der französischsprachigen Wikipedia
  73. Roland Ray: Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers? – Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik, 1930–1942. München 2000, S. 177ff.
  74. Roland Ray: Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers? – Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik, 1930–1942. München 2000, S. 183f
  75. s. Friedrich Grimm, Mit offenem Visier, Druffel Verlag, Leoni am Starnberger See 1961, S. 175
  76. Roland Ray, Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers?- Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik, 1930–1942, München 2000, S. 176, eine apologetische Version erschien nach dem Krieg als Grimm, Friedrich: Frankreich-Berichte 1934 bis 1944, hrsg. vom Kreis seiner Freunde, Bodman/ Bodensee 1972.
  77. Roland Ray, Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers?- Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik, 1930–1942, München, S. 284ff
  78. S. Eberhard Jäckel: Frankreich in Hitlers Europa: die deutsche Frankreichpolitik im 2. Weltkrieg, Stuttgart 1966, S. 38
  79. Grimm: Mit offenem Visier, S. 205
  80. Frankreichberichte. 1934 bis 1944, hrsg. vom Kreis seiner Freunde. Bodman 1972, S. 141
  81. Friedrich Grimm: Frankreich und der Korridor. Hanseat. Verl. Anst., Hamburg 1939
  82. Eckard Michels: Das deutsche Institut in Paris 1940–1944 – ein Beitrag zu den deutsch-französischen Kulturbeziehungen und zur auswärtigen Kulturpolitik des Dritten Reiches. Franz Steiner Verlag 1993, S. 233
  83. Eckard Michels: Das deutsche Institut in Paris 1940–1944 – ein Beitrag zu den deutsch-französischen Kulturbeziehungen und zur auswärtigen Kulturpolitik des Dritten Reiches. Franz Steiner Verlag, 1993, S. 204
  84. Grimm: Mit offenem Visier, S. 238
  85. Eckard Michels, Das deutsche Institut in Paris 1940–1944. Ein Beitrag zu den deutsch-französischen Kulturbeziehungen und zur auswärtigen Kulturpolitik des Dritten Reiches, Franz Steiner, 1993, S. 9
  86. Helmut Heiber: Akten der Parteikanzlei der NSDAP. books.google.de S. 16260
  87. Artikel: Kurt Wagner
  88. Grimm: Mit offenem Visier, 1961, S. 238, 261, 264.
  89. Seriöse Quelle: polunbi.de, auf revisionistischen Webseiten und entsprechenden Publikationen finden sich dazu tendenziöse Darstellungen.
  90. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 260
  91. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 260
  92. GENERAL-AMNESTIE Großmutters Grundsätze. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1959 (online).
  93. Zitat und Daten bei Norbert Frei: Vergangenheitspolitik, S. 209.
  94. Bestandsübersicht des Bundesarchivs zu Belgische Prozesse: Falkenhausen-Prozeß All Proz 4 bundesarchiv.de
  95. Ankündigungen von mehreren Vorträgen des Hauses der Geschichte Baden-Württembergs zum Fall Kiehn hdgbw.de
  96. Völlig kritikloser Artikel: Geldstrafe genügt. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1954, S. 11 (online). Etwas besser zur Naumann Affaire Spiegel Online 2003, sowie Norbert Frei: Vergangenheitspolitik, S. 379–383.
  97. Elke Mayer: Verfälschte Vergangenheit. Frankfurt 2003, S. 183–189
  98. nationeuropa.de
  99. Großmutters Grundsätze. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1959, S. 24 (online).]
  100. Verfassungsschutz Brandenburg: Verbotene rechtsextremistische Organisationen verfassungsschutz.brandenburg.de (PDF)
  101. Dirk van Laak: Gespräche in der Sicherheit des Schweigens: Carl Schmitt in der politischen Geistesgeschichte der frühen Bundesrepublik. Akademie Verlag, 2002 S. 102
  102. Winfried Seibert (2008): Das Kornsandverbrechen und die Justiz. In: Festschrift für Sigmar-Jürgen Samwer. C.H. Beck. Onlinefassung: hans-dieter-arntz.de
  103. Unterseite die Tat kornsandverbrechen.de
  104. Personenangaben der Deutschen Bibliothek dispatch.opac.d-nb.de
  105. S. 165 books.google.de
  106. Grimm: Politischer Mord und Heldenverehrung. 1938, S. 37
  107. Grimm: Politische Justiz. 1953, S. 146f.
  108. Grimm: Mit offenem Visier. 1961, S. 249, auf S. 248 hat Grimm ihn als französischen Kommandanten vorgestellt. Sicher war Grimm in der Lage einen französischen Muttersprachler zu erkennen. Delmer hingegen sprach Deutsch und Englisch.
  109. Udo Walendy: Methoden der Umerziehung. 1976 S. 8, Band 2 der Historischen Tatsachen. Die rechtsextremen Internetseiten mit dem Volltext werden von Wikipedia ausgefiltert.
  110. Die rechtsextremen Internetseiten werden von Wikipedia ausgefiltert, Übersetzungen in weitere Sprachen sind nachweisbar.
  111. Internetfassung von 2006 books.google.de S. 97f.
  112. Emil Schlee: Wessen Krieg war es denn nun eigentlich? Eine Kriegsschuldfrage-Dokumentation zum II. Weltkrieg.verband-deutscher-soldaten.de Schlee gibt allerdings „Mit offenem Visier“ als Quelle und Erstveröffentlichung des Gespräches an.
  113. GERMANIA ESSE DELENDAM Hundert Jahre Krieg gegen Deutschland von Steffen Werner (Staatsbriefe 6 (8–9), 1995) dikigoros.150m.com
  114. Doris Neujahr (Pseudonym von Thorsten Hinz): Im Namen der Klassenjustiz. In: Junge Freiheit vom 20. Oktober 2006 jf-archiv.de
  115. verfassungsschutz.thueringen.de
  116. Siegfried Jäger: Rechtsdruck. 1988, S. 246.
  117. Hartmut Eggert, Janusz Golec: Lügen und ihre Widersacher: Literarische Ästhetik der Lüge seit dem 18. Jahrhundert: Ein Deutsch-polnisches Symposion. Königshausen & Neumann, 2004 ISBN 3-8260-2889-9 S. 257 books.google.com
  118. Die Verlinkung Onlinefassung dieses Werkes von Wikipedia blockiert.
  119. Der Link auf den volksverhetzenden Volltext dieses Buches wird von Wikipedia ausgeblendet.
  120. Grimm: Politische Justiz. 1953, S. XY
  121. Die rechtsextremen Internetseiten werden von Wikipedia ausgefiltert. Beispielsweise Germar Rudolf macht sich für die Internetveröffentlichung indizierter Literatur stark. Grimms „Politische Justiz“, ist eines der Bücher die auf den Seiten seines Projektes genannt werden.
  122. hdgbw.de

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