Deutsche Volkszeitung (1953–1989)


Deutsche Volkszeitung (1953–1989)

Die Deutsche Volkszeitung (DVZ) wurde am 12. Mai 1953 als eine dem Bund der Deutschen nahestehende Tageszeitung gegründet. Sie ist nach 1989 in der politischen Wochenzeitung Freitag aufgegangen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Laut Impressum wurde die Zeitung 1953 vom Reichskanzler a. D. Joseph Wirth und Wilhelm Elfes gegründet. Herausgeber der Zeitung war Reichskanzler a. D. Joseph Wirth, die Chefredaktion lag bei dem ehemaligen Redakteur der Zeitschrift der Zentrumspartei Germania Georg Herrmann. Aufgrund finanzieller Probleme, wurde die DVZ mit Jahresbeginn 1954 auf eine wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt und seitdem vom Monitor-Verlag in Düsseldorf herausgegeben.

Inhaltliche Ausrichtung

Inhaltlich plädierte die DVZ ähnlich wie der Bund der Deutschen in den 1950er und die Deutsche Friedensunion in den 1960er Jahren für eine Neutralisierung und schnelle Wiedervereinigung Deutschlands. Strategie der von der KPD und der SED gelenkten Zeitung war die Gewinnung von bürgerlichen Bündnispartnern für die Politik der DDR. Hierzu versuchte sich die DVZ mit wechselhaften Erfolg zum Sprachrohr der Proteste gegen die Wiederbewaffnung, bzw. die zeitgenössisch diskutierte atomare Bewaffnung der Bundeswehr, der Kampagne gegen die Notstandsgesetze (Ostermarschbewegung) und der Studentenbewegung zu machen.

Größerer Einfluss der Zeitung in der außerparlamentarischen Protestbewegung der Bundesrepublik Deutschland wurde hierbei durch die positive Kommentierung repressiver Maßnahmen im Ostblock (Siebzehnter Juni 1953, Aufstand in Ungarn 1956, Bau der Berliner Mauer 1961, Niederschlagung des Prager Frühlings 1968) wieder verloren.

Neustrukturierung nach 1973 und 1989

Spätestens ab einer Neustrukturierung der DVZ 1973 wurde die Zeitung immer stärker am Kurs der Deutschen Kommunistischen Partei, DKP, ausgerichtet. Im Jahr 1973 erhielt die DVZ aus der DDR Zuschüsse in Höhe von 125.000 DM.[1] 1983 erfolgte aufgrund der Unterstützung des Reformflügels der kommunistischen Partei die Fusion mit der Zeitung die Tat der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) zur Volkszeitung / die Tat. Seitdem erfolgte die Herausgabe vom Röderberg-Verlag, der 1987 von Pahl-Rugenstein Verlag übernommen wurde.

Der Verfassungsschutzbericht 1989 analysierte, dass die DVZ „in Berichten und Kommentaren zunehmend auf Distanz zur SED und DKP-Führung ging, um neue Leserkreise zu erschließen und auch von Anhängern der Erneuerer [in der DKP] akzeptiert zu werden“. Nach der Wende von 1989 und dem Wegfall der Finanzhilfen aus der DDR, geriet die DVZ in große finanzielle Schwierigkeiten und ging Ende 1989 in Liquidation. Anfang 1990 wurde sie in Berlin im Verbund mit der Verlagsgruppe Elefantenpress unter dem Namen Volkszeitung neu gegründet. Im Herbst 1990 verschmolz sie mit der ehemaligen Zeitung des Kulturbundes der DDR Sonntag zum Freitag.

Prominente Autoren der DVZ

Joseph Wirth, Wilhelm Elfes, Renate Riemeck, Günter Wallraff, Wolfgang Abendroth, Klara Maria Faßbinder, Martin Niemöller, Bernt Engelmann, Beate Klarsfeld, Uta Ranke-Heinemann, Mira von Kühlmann, Christa Thomas, Lorenz Knorr, Herbert Mochalski, Karl Graf von Westphalen, Gerhard Gleißberg, Walter Hagemann, Arno Behrisch, Franz Sommerfeld, Thomas Neumann, Ronald M. Schernikau.

Auflagenhöhe

(rekonstruiert nach Angaben von Helmut Bausch, Akten der SED, Angaben des Verfassungsschutzes, Angaben des IDW)

  • 1950er Jahre: ca. 24.000-32.000
  • 1960er Jahre: ca. 25.000
  • 1970er Jahre: ca. 20.000-35.000
  • 1980er Jahre (Fusion mit der Tat): 23.000-40.000

Literatur

  • Arne Kapitza: Transformationen der ostdeutschen Presse. Berliner Zeitung, Junge Welt, und Sonntag/ Freitag im Prozess der deutschen Vereinigung, Opladen 1997. ISBN 3-531-13010-2
  • Dieter Lattmann: Artikel: Eine Stimme wird gebraucht, im Freitag Nr. 51 vom 17. Dezember 1999, zuerst in: Volkszeitung, 8. Dezember 1989.
  • Dirk Mellies: Trojanische Pferde der DDR? Das neutralistisch-pazifistische Netzwerk der frühen Bundesrepublik und die Deutsche Volkszeitung, 1953-1973. Frankfurt am Main (u. a.) 2006. ISBN 3-631-55825-2

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hubertus Knabe: Honeckers Millionen für ein Trojanisches Pferd. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. Oktober 2008 (Verf. ist Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05D8D6/Doc~EE7B47E06D23B4560AE026702E27AE5D0~ATpl~Ecommon~Scontent.html, abgerufen am 3. August 2011).

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