DEGRIGES

DEGRIGES

Die DEGRIGES (Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH) war eine Handelsgesellschaft, die während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg das Monopol auf den Außenhandel Griechenlands innehatte. Dies betraf alle Besatzungszonen der Achsenmächte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Während der deutschen Besatzungszeit wurde anfangs die Bank von Griechenland eingesetzt, um Sach- und Vermögenswerte des Landes abzuziehen, sowie die Besatzungskosten einzutreiben, welche die höchsten in einem der vom Deutschen Reich besetzten Gebiete waren.

Die erste Maßnahme im Warenverkehr war die Änderung des Wechselkurses von 1:50 zu 1:60 im Clearingverkehr und die Einbindung in den Export griechischer Waren nach Deutschland. Bei jedem Export wurde die Bank verpflichtet den Warenwert zugunsten des Importeurs auf ein Treuhandkonto in Berlin zu überweisen und gleichzeitig den Erzeuger der Waren auszubezahlen. Somit war die Bank gezwungen, deutschen Händlern temporär Kredit zu gewähren. Da sowohl Preise auf Vorkriegsniveau festgelegt wurden, als auch bei verspäteter Lieferung die Bezahlung entfiel (was im Krieg häufig der Fall war) kam es zu einem extremen Profit der Importeure zu Lasten der Erzeuger. Der Zugriff auf die Waren erfolgte durch Beschlagnahme durch die Besatzungsbehörden.[1] Lokale Erzeuger stellten daraufhin von einer exportorientierten Wirtschaft auf eine Subsistenzwirtschaft um, so dass kaum noch Sachwerte abgezogen werden konnten. Gleichzeitig stieg der Bedarf des Deutschen Reiches an Rohstoffen wie Eisenerz, Kupfer oder Harze. Weiterhin war zwecks Abzug von Sachwerten der Banknotenumlauf extrem gesteigert worden. Durch die folgende Hyperinflation war die Währung dann entwertet worden.

Geschichte

Nachdem kein nennenswerter Abzug von Waren mehr erfolgen konnte, wurde zum 1. Oktober 1942 die Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH (DEGRIGES) mit Sitz in Berlin gegründet. Sie war eine Gründung der deutschen Privatwirtschaft, war jedoch mit dem staatlichen Außenhandelsmonopol ausgestattet.

Als Direktor wurde Otto Braun eingesetzt, der bisher für die Transdanubia Ein- und Ausfuhrgesellschaft tätig gewesen war. Eine Zweigstelle befand sich in Berlin, die von Fred Goecker, dem Vize-Präsidenten der deutschen Handelskammer in Griechenland geleitet wurde, sowie eine Expositur in Thessaloniki. Korrespondenten wurden in Patras und Volos eingesetzt. Am 15. Oktober 1942 wurde der ehemalige Wiener Bürgermeister und damaliger Vertrauensmann des IG-Farbenkonzerns Hermann Neubacher zum „Sonderbeauftragten des Reiches für wirtschaftliche und finanzielle Fragen in Griechenland“ berufen, dem die Gesellschaft direkt unterstand.[2] Im November 1942 begann die Tätigkeit der DEGRIGES. Am 8. Dezember 1944 wurde die Gesellschaft aufgelöst.[3]

Aufgabe und Wirkung

Satzungsgemäß wurden Aufschläge auf alle griechischen Exportgüter erhoben, diese kamen zu 4/7 zur Verbilligung griechischer Waren für deutsche Importeure und zu 3/7 den festgelegten Besatzungskosten zugute.

Ausfuhrgüter Griechenlands nach Deutschland wurden preislich extrem gesenkt und Preise für deutsche Güter nach Griechenland stark erhöht. Diese führte sowohl in der Einfuhr als auch in der Ausfuhr nach Griechenland der deutschen Wirtschaft extreme Vorteile zu, die „Schleusungsgewinne“ genannt wurden. Rechnerisch gelang es 71 Millionen Reichsmark Schulden im Jahr 1942, die aufgrund der Konfiszierung der gesamten erzeugten Waren Griechenlands trotz abgezogener Besatzungskosten erreicht wurden, auf 20 Millionen Reichsmark Schulden für Griechenland zu wenden.[4]

Der Schwerpunkt verlagerte sich zunehmend auf die Lieferung von Rohstoffen, die mit fortschreitenden Krieg immer wichtiger wurden. Auch waren bereits Produktionsmaschinen nach Deutschland gebracht worden, so dass keine Fertigwaren mehr erzeugt wurden.[5]

So wurden zwischen Mai 1941 und November 1944 ca. 28.000 Tonnen reinen Chroms aus Griechenland abtransportiert. Diese Menge deckte ein Viertel des gesamten Bedarfs an dem für die Rüstungsfertigung extrem wichtigen Metall in dem genannten Zeitraum.

Der Erfolg der Degriges führte zum Vorschlag auch in anderen Ländern ähnliche Gesellschaften zu gründen, so auch im verbündeten Kroatien.[6] Im Frühjahr 1944 wurde das Deutsch-Albanische Warenausgleichsbüro gegründet.[7] Andererseits wird in zeitgenössischen deutschen Quellen auch von einem als gering betrachteten Erfolg berichtet: „Die Erfolge der Degriges sind wohl nicht unbefriedigend. Sie sind aber erkauft um den Preis einer Monopolisierung des Außenhandels“.[8] Rainer Eckert schrieb 1992: „Die Deutsch-griechische Warenausgleichsgesellschaft stellte eine der bisher höchstentwickelten Formen staatlich regulierter Außenwirtschaftsbeziehungen dar“.[9]

Quellen

  1. S. 366
  2. Susanne Heim: Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, S. 219 teilweise abrufbar unter: [1]
  3. Ulrike Duda: Bestände von Unternehmen, Unternehmern, Kammern und Verbänden, S. 220 1992.
  4. Martin Seckendorf: Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941-1944 Ausbeutung, die in die Katastrophe mündete.
  5. Martin Seckendorf: Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941-1944 Ausbeutung, die in die Katastrophe mündete. Online abrufbar unter:http://www.2i.westhost.com/bg/1_7_1.html
  6. Holm Sundhaussen: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum, S. 221.
  7. Wolfgang Schumann: Griff nach Südeuropa, S. 61. 1973.
  8. Weltwirtschaftliches Archiv, Band 58, Ausgabe 1, S. 42. Universität Kiel. Institut für Weltwirtschaft – 1943
  9. Rainer Eckert: Vom «Fall Marita» zur «wirtschaftlichen Sonderaktion» Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6. April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943 S. 133, 1992.

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