North Borneo Chartered Company


North Borneo Chartered Company
Direktoren der British North Borneo Company
W. C. Cowie, späterer Direktor der Company, mit dem Sultan von Sulu

Die North Borneo Chartered Company, auch British North Borneo Company war eine britische Kompanie, die am 1. November 1881 gebildet wurde mit dem Zweck British North Borneo, heute Sabah in Malaysia, auszubeuten. Nord Borneo wurde zu einem Protektorat des Britischen Weltreichs. Bis 1946, als das Gebiet zur Kolonie British North Borneo wurde, verwaltete die Gesellschaft das Gebiet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Bildung dieser Kompanie[1] bezog sich ausdrücklich auf das Modell der British East India Company. Die Geschäftsleute Baron von Overbeck (Österreich), Alfred und Edward Dent, die Köpfe einer britischen Handelsgesellschaft in Schanghai und London, trafen sich dazu mit den Herrschern der Gebiete von Nord Borneo, um eine Konzession für ihre kolonialen Interessen zu erwirken. Der britische Gouverneur von Labuan, einer britischen Kolonialinsel vor Brunei, begleitete die Verhandlungen. Am 29. Dezember 1877 wurde er von Abdul Mumin, dem Sultan von Brunei empfangen und erhielt die Konzession für 15.000 Straits Dollar. Da es sich jedoch herausstellte, dass der Sultan von Brunei einige Gebiete bereits an den Sultan von Sulu abgetreten hatte, waren erneute Verhandlungen nötig. Unter Mitwirkung von William Clarke Cowie, einem schottischen Abenteurer und Freund des Sultans, unterzeichnete auch Jamal-ul Azam, der Sultan von Sulu, am 22. Januar 1878 die Konzession für 5.000 Straits Dollar.[2][3][4]

Damit waren die Overbeck und Dents Herrscher eines Gebiets von Nord Borneo mit einer Fläche von 72.000 km². Zur Konsolidierung seiner Ansprüche plante Dent die Eintragung der Gesellschaft als Royal Charter. Da es sich abzeichnete, dass diese Eintragung mit einer erheblichen Zeitverzögerung einhergehen würde, entschloss man sich, zunächst eine provisorische Gesellschaft zu gründen. 1881 wurde die British North Borneo Provisional Association Limited mit einem Grundkapital von 300.000 englischen Pfund gegründet. Als Direktoren wurden Sir Rutherford Alcock, Alfred Dent, R. B. Martin, Admiral Mayne und W. H. Read eingesetzt. Der Chartervertrag für die British North Borneo Company mit einem Kapital von zwei Millionen Pfund wurde am 1. November 1881 gesiegelt. Die provisorische Gesellschaft wurde aufgelöst.[5]

Als Motto der Company wurde das Lateinische Pergo et Perago ("Ich führe fort und vollende") gewählt.[6]

Präsidenten der Company

Dem Aufsichtsrat der Company stand ein Aufsichtsratsvorsitzender vor, der ab 1910 offiziell als Präsident der Gesellschaft geführt wurde:

Aufsichtsratsvorsitzende der British North Borneo Chartered Company
1882 - 1893 Sir Rutherford Alcock
1893 - 1903 Richard Biddulph Martin
1903 - 1909 Sir Charles James Jessel
1909 - 14.09.1910 William Clarke Cowie
Präsidenten der British North Borneo Chartered Company
1910 - 1926 Sir Joseph West Ridgeway
3.02.1926 - 15.07.1946 Sir Neill Malcolm
Von der Company erworbenes Gebiet

Aufgaben der Kompanie

Die Kompanie hatte zwei Aufgabenbereiche. Als Erstes die wirtschaftliche Entwicklung durch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Gebietes. Die Kompanie war autorisiert, das Gebiet landwirtschaftlich zu nutzen, es zu besiedeln, die Einwanderung zu fördern, Bergbau zu betreiben und Holz zu fällen. Ein Angestellter der Kompanie und späterer Plantagenbesitzer in Nord Borneo, Owen Rutter, nannte offen den Zweck, "Dividenden zu produzieren". Als Zweites wurde aufgrund der Erfahrungen mit dem Niedergang der Britischen Ostindien-Kompanie ein Passus festgeschrieben zur Wahrung der Rechte gegenüber den Bewohnern. Die Kompanie war gesetzlich verantwortlich für den Schutz der Gebräuche und Rechte der Einwohner, in der Praxis musste sie aber Dividenden erzielen, was oft genau diese Rechte einschränkte.[7]

Der erste Gouverneur von Nord Borneo widmete sich besonders der Beseitigung der Sklaverei. Die von ihm erlassenen Landgesetze respektierten allerdings in keiner Weise die überlieferten Landrechte der Bewohner. Der zweite Gouverneur Creagh, 1888, erließ mehrere Proklamationen, die Fremden weitgehend den Zugriff auf Land sicherten.

Ein Direktorium in London bestimmte über die Gouverneure die Aufgaben der Kompanie. Lokal setzten Direktoren die Anweisungen des Gouverneurs um. Die Kompanie baute eine staatliche Gewalt auf, erließ Gesetze (Proklamationen), rekrutierte Sikh-Polizisten aus dem Norden Indiens. Gerichte wurden eingerichtet, zur Durchsetzung der Gesetze. Zur wirtschaftlichen Ausbeutung des Gebietes diente der Bau einer Bahnlinie (North Borneo Railway) vom heutigen Kota Kinabalu (damals Jesselton) nach Weston und Melalap, die Förderung des Handels und die Einrichtung von Plantagen.[8]

Mat-Salleh-Rebellion

1882 ließ sich die Kompanie auf Pulau Gaya nieder und bereits ein Jahr später hatte die Chartered Company das Mandat zur Herrschaft über das heutige Sabah. In der Mat-Salleh-Rebellion wurde die Siedlung niedergebrannt. Der Stammesführer Mat Salleh führte die Rebellion an, die sich vor allem gegen die Erhebung von Steuern durch die Kompanie wehrte.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Property & Politics in Sabah, Malaysia. Amity A. Doolittle
  2. Rutter, Seite 119
  3. Lim, Seite 17
  4. Geoffrey Marston: "International Law and the Sabah Dispute", darin enthalten die offizielle englische Übersetzung des Vertrags
  5. W. H. Treacher, Seite 101/102
  6. W. H. Treacher, Seite 165
  7. Property & Politics in Sabah, Malaysia. Amity A. Doolittle
  8. Property & Politics in Sabah, Malaysia. Amity A. Doolittle

Weblinks


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