Adolf Zeising


Adolf Zeising

Adolf Zeising (* 24. September 1810 in Ballenstedt; † 27. April 1876 in München) war ein vielseitiger deutscher Autor und Gelehrter, der vor allem als Begründer und Verbreiter der Lehre vom Goldenen Schnitt bekannt geworden ist.

Inhaltsverzeichnis

Lebensweg

Zeising war der Sohn eines Kammermusikers am Ballenstedter Hof des Herzogs von Anhalt-Bernburg. Er wuchs in Ballenstedt und Bernburg auf, studierte in Berlin und Halle hauptsächlich Philologie und Philosophie, wirkte danach als Lehrer in Bernburg. 1848 wurde er zum Professor am Bernburger Gymnasium ernannt. In der Revolution von 1848/49 war er einer der liberalen Wortführer und Herausgeber eines oppositionellen Blattes "Sprechsaal für das anhaltische Volk". Er gehörte 1848 dem linken Flügel des demokratischen Landtags von Anhalt-Bernburg an. Wegen dieser politischen Betätigung in Ungnade gefallen, schied er 1852 mit einer Wartegeld-Regelung für zehn Jahre aus dem anhaltischen Schuldienst aus. Seine späteren Anträge auf Rückkehr wurden von der herzoglichen Regierung abgelehnt. Zeising lebte ab 1855 als Schriftsteller in München, wo er in erstaunlicher Fülle wissenschaftliche, philosophische und literarische Texte (Romane, Dramen, Novellen, Übersetzungen aus dem Griechischen, Sachbücher u.a.) publizierte und am lokalen literarischen Leben, u.a. im Dichterkreis Die Krokodile, teilnahm. Er starb in finanzieller Not und nach schwerer Krankheit in München. Zu seinen Nachkommen gehört der Physiker Werner Heisenberg, ein Urenkel von Zeising.

Literarisches Wirken

Schon aus der Studentenzeit stammen erste Veröffentlichungen von Gedichten und Prosatexten, u.a. im von Gustav Schwab und Adelbert von Chamisso herausgegebenen Deutschen Musenalmanach. Aus der Zeit vor 1848 ragt der unter dem Pseudonym "Richard Morning" erschienene Gedichtband "Zeitgedichte" (1846) hervor, eine Sammlung kraftvoller Dichtungen im liberalen Geiste des Vormärz. Die Auflage wurde von der Zensur weitgehend eingestampft. Aus der Münchner Zeit stammen u.a. umfangreiche Romane wie "Hausse und Baisse" (1864), "Kunst und Gunst" (1865), "Joppe und Krinoline" (1865), die Tragödie "Kaiserin Eudoxia" (1861). Der Schwerpunkt von Zeisings Schaffen lag im ästhetischen, wissenschaftlichen und philosophischen Bereich. Seine Schrift "Neue Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers" (1854) machte ihn als Protagonisten der Teilungsregel vom Goldener Schnitt bekannt, die Zeising in der Folgezeit in vielen Schriften als allgemeines Gestaltungsgesetz in Natur, menschlichem Körper, Kunst, Architektur u.a. nachzuweisen und zu begründen suchte. Eine Synthese seines religiös-philosophischen Weltbildes gibt er in dem Werk "Religion und Wissenschaft, Staat und Kirche" (1873), das eine lebensbejahende Philosophie entwickelt, die alle Erscheinungen der Natur wie des Geistes als Ausfluss des "gemeinsamen Urgrunds" des göttlichen Seins interpretiert.

Weitere Werke (Auswahl)

  • Ästhetische Forschungen, 1855.
  • Die Verhältnisse der Menschengestalt und der Blattstellung in ihrer Gleichheit und Verschiedenheit, 1855.
  • Der menschliche Kopf im Profil, 1856.
  • Die Proportionen von reinen antiken Statuen, 1856.
  • Über die Metamorphosen in den Verhältnissen der menschlichen Gestalt von der Geburt bis zur Vollendung des Längenwachtums, 1858.
  • Die Verhältnisse des Kölner Doms, 1869.
  • Die regulären Polyeder, 1869.

Literatur

  • Nikolaus Wecklein: Zeising, Adolf. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 55, Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 404–411.
  • Moriz Carrière: Nachruf, in: Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 4. Mai 1876.
  • Johannes Mahr (Hrsg.): Die Krokodile. Ein Münchner Dichterkreis, Stuttgart 1987.
  • Roger Herz-Fischler: Adolph Zeising (1810-1876). The Life and Work of a German Intellectual, Ottawa 2004.
  • Bernd Gerhard Ulbrich: "…mit Rücksicht auf dessen tadelnswerthe frühere politische Haltung…". Dokumente und Anmerkungen zur Lebensgeschichte von Adolf Zeising, in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde, 14 (2005), S. 149-168.
  • Bernd Gerhard Ulbrich: Adolf Zeising und das Bernburger "ästhetische Kränzchen" 1835 bis 1838, in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde, 17 (2008), S. 207-217.

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