Bundesminister des Auswärtigen

Bundesminister des Auswärtigen
Auswärtiges Amt
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Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Oberste Bundesbehörde
Gegründet 1870
Hauptsitz in Berlin
Behördenleitung Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen
Website www.auswaertiges-amt.de

Das Auswärtige Amt (abgekürzt AA) ist der traditionelle und amtliche Name für das deutsche Außenministerium. Es ist zuständig für die Außenpolitik sowie die deutsche EU-Politik. Leiter des Auswärtigen Amtes ist heute der Bundesminister des Auswärtigen.

Inhaltsverzeichnis

Das Auswärtige Amt

Neubau des Auswärtigen Amtes in Berlin, links davon das Haus am Werderschen Markt
Eingang am Werderschen Markt
Gebäude des Zweitsitzes von 1955 am Rhein in Bonn
Lage des Auswärtigen Amtes in Berlin
Der Protokollhof zwischen dem Neu- und Altbau

Das Auswärtige Amt bildet gemeinsam mit den Auslandsvertretungen des Bundes den sogenannten Auswärtigen Dienst (§ 2 des Gesetzes über den Auswärtigen Dienst); er nimmt die auswärtigen Angelegenheiten des Bundes wahr, indem er die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu auswärtigen Staaten sowie zwischenstaatlichen und überstaatlichen Einrichtungen, den Internationalen Organisationen, pflegt. Zu den sichtbaren Ansätzen der „Pflege der auswärtigen Beziehungen“ in den vergangenen Jahren zählt die Bewerbung Deutschlands um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Zuge eines globalen VN-Reformpaketes des Jahres 2005, dem die erforderliche qualifizierte Mehrheit in der Generalversammlung der Vereinten Nationen bis dato versagt geblieben ist.

Das Auswärtige Amt veröffentlicht auf seiner offiziellen Website Informationen über die Außenpolitik Deutschlands, sowie umfangreiche Informationen zu allen Staaten der Welt. Es arbeitet damit als Behörde, die dem Bürger direkt zugänglich ist. Seinen ersten Dienstsitz hat es im historischen Zentrum Berlins, am Werderschen Markt, unweit des abgerissenen früheren DDR-Außenministeriums. Der große Altbau war seit 1940 Sitz der Reichsbank, ab 1959 des Zentralkomitees der SED. Der Zweitsitz ist in der Adenauerallee der Bundesstadt Bonn.

Amtsinhaber und damit Bundesaußenminister ist seit 2005 Frank-Walter Steinmeier (SPD) (siehe auch Bundesregierung).

Organisation

Neben der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin und Bonn gibt es deutsche Auslandsvertretungen in den meisten Hauptstädten der Welt sowie in größeren Städten der Länder. Aufgabe der Zentrale ist es, als „zentrale Schaltstelle der deutschen Diplomatie, in der außenpolitische Analysen und Konzeptionen sowie konkrete Handlungsanweisungen für die deutschen Auslandsvertretungen erarbeitet werden“, zu fungieren. Die Auslandsvertretungen – also Botschaften, Ständige Vertretungen und Konsulate – werden dort als „Augen, Ohren und Stimme“ der Bundesregierung bezeichnet.

Heute unterhält das Auswärtige Amt 226 Auslandsvertretungen, darunter 145 Botschaften, 59 Generalkonsulate, zwölf Ständige Vertretungen (bei Internationalen Organisationen) und zehn sonstige Auslandsvertretungen (acht Außenstellen und zwei Vertretungsbüros). Des Weiteren werden drei Informationszentren unter der Bezeichnung „German Information Center (GIC)“ mit der Aufgabe, sprach- und regionalspezifische Informationen über Deutschland zu vermitteln, unterhalten. Das größte GIC befindet sich seit 2003 in Washington (vorher in New York). Im arabisch-sprachigen Raum ist ein GIC in Kairo tätig und für die französisch-sprachigen Gebiete wurde das GIC/CIDAL in Paris errichtet.[1] Zusätzlich sind 356 Honorarkonsuln ehrenamtlich im Auftrag des Auswärtigen Amts tätig.

Die Berufung in die Spitzenpositionen an den Auslandsvertretungen geriet seit Ende der neunziger Jahre mehrfach in die Kritik. Die Vorwürfe richten sich gegen angebliche Parteibuchwirtschaft[2] und Günstlingswirtschaft.[3] Das Auswärtige Amt hält sich unter Verweis auf die Persönlichkeitsrechte seiner Bediensteten mit Stellungnahmen zu solchen Behauptungen zurück.

Standort Bonn

Die in Bonn untergebrachten Arbeitseinheiten haben weniger Aufgaben im diplomatischen Bereich, sondern sind insbesondere für den geregelten Betrieb der Informationstechnik zuständig. Das Netz streckt sich von der Strecke Bonn–Berlin zu jeder einzelnen Auslandsvertretung (AV) durch ein VPN.

Probleme

Die Personalpolitik des Auswärtigen Amtes wird als zu wenig transparent kritisiert, insbesondere nachdem das Auswärtige Amt nach dem Überfall auf die Deutsche Botschaft Stockholm im Jahre 1975 und die Ermordung des AA-Diplomaten Gerold von Braunmühl 1986 durch Terror-Kommandos der RAF die Veröffentlichung der Besetzung seiner Auslandsvertretungen und Führungspositionen in der Zentrale zum Schutze der Amtsträger einstellte. Die in anderen Staaten gepflegte, jährliche Veröffentlichung eines „Annuaire Diplomatique“ (Diplomatischen Jahrbuchs) mit den Stationen der Karriere jedes einzelnen Diplomaten des betreffenden Landes bietet dagegen ein höheres Maß an öffentlicher Kontrolle über die mögliche Entstehung von Seilschaften in der Personalverwaltung.

Bei der Bekämpfung der Korruption ist das Auswärtige Amt führend unter den obersten Bundesbehörden.[4]

Der Auswärtige Dienst wird seit 2006 von einer hohen Zahl von Konkurrentenklagen erschüttert,[5] die zu einer Modifikation des beamtenrechtlichen Beurteilungsverfahrens geführt hat. Seit dem Jahr 2008 werden die Leistungen nicht mehr in den Fachabteilungen und an den Auslandsvertretungen, sondern zentral von den personalführenden Verwaltungsreferaten benotet. Das Verfahren wurde eingeführt, um die Entscheidungen der Personalverwaltung der gerichtlichen Kontrolle nunmehr zu entziehen.

Geschichte

Norddeutscher Bund

Die Entstehung des Auswärtigen Amtes ist auf das 1807 errichtete „Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten“ Preußens zurückzuführen, das 1871 zum „Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches“ umbenannt wurde.[6] Der neue Gründungsprozess des Auswärtigen Amtes als Behörde des Norddeutschen Bunds vollzog sich bereits 1870. Die Behörde wurde von einem Staatssekretär geleitet, ebenso wie später das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches. Minister gab es im Reich erst seit 1919. Bis heute hat sich die Bezeichnung erhalten, obgleich das „Auswärtige Amt“ ein Bundesministerium wie die anderen darstellt. Die Bezeichnung wird aus Tradition weitergeführt.

Deutsches Reich (1871–1918)

Dienstsitz des Auswärtigen Amts in der Wilhelmstraße (Blick von der Behrensstraße, Foto 1927)

Im Kaiserreich war das Auswärtige Amt ein Reichsamt, das sich federführend um die Außenpolitik kümmerte. Es entstand 1871 nach der Gründung des Kaiserreiches und hatte seinen Sitz in der Berliner Wilhelmstraße 76.

Das Reich übernahm das Auswärtige Amt vom Norddeutschen Bund in unveränderter Form als Reichsbehörde, die von einem Staatssekretär geleitet wurde. Obwohl das Auswärtige Amt nun als Behörde einer gesamtdeutschen Außenpolitik fungierte, behielten die deutschen Bundesstaaten ein beachtliches Maß an Eigenständigkeit in ihrer jeweils eigenen Außenpolitik. Otto von Bismarck prägte mit seiner Außenpolitik den weltweit guten Ruf dieses Amtes, durch seine Bündnispolitik wurde das Auswärtige Amt zu einer der meistbeachteten Behörden Deutschlands. Obwohl nach Bismarcks Entlassung unter Wilhelm II. die meisten außenpolitischen Entscheidungen vom Kaiser selbst getroffen wurden, behielt das Auswärtige Amt die Schlüsselfunktion in der Deutschen Diplomatie und stellte sogar eine gewisse Opposition gegen Wilhelms Zickzackkurs in der Außenpolitik dar.

Im Auswärtigen Amt gab es zunächst zwei Abteilungen, welche den beiden streng getrennten Laufbahnen Diplomat und Konsul entsprachen.

Abteilung I

Die erste Abteilung war die politische, die sich mit den Angelegenheiten der höheren Politik, Personalien, Generalia, Zeremonien, Ordenssachen, Etats, Kassensachen, Angelegenheiten der Schulen und Kirchen etc. beschäftigte. Leiter dieser Abteilung war ein Staatssekretär, der zugleich als ständiger Vertreter des Reichskanzlers im Auswärtigen Amt fungierte. Der Reichskanzler besaß die oberste Verantwortlichkeit in außenpolitischen Belangen, weswegen der Staatssekretär ihm gegenüber weisungsgebunden war. Stellvertreter des Staatssekretärs war wiederum ein Unterstaatssekretär.

Abteilung II

Die zweite Abteilung war für die Bearbeitung der Angelegenheiten des Handels, Verkehrs, Konsulatswesens, Staatsrechts, Zivilrechts, der Kunst und Wissenschaft, der Privatangelegenheiten Deutscher im Ausland und der Gegenstände, die das Justiz-, Polizei- und Postwesen, die Auswanderung, die Schiffsangelegenheiten, die Grenzsachen und Ausgleichungen mit fremden Staaten etc. betrafen, zuständig. Sie war dem Direktor des Auswärtigen Amtes unterstellt.

Einrichtung weiterer Abteilungen

1885 verlor die zweite Abteilung die Zuständigkeit für Rechtssachen, da eine neue Abteilung III als Rechtsabteilung aus der Taufe gehoben wurde. Fünf Jahre später folgte eine eigene Kolonialabteilung, die 1907 zum Reichskolonialamt wurde. Des Weiteren schuf man 1915 im Ersten Weltkrieg eine Abteilung IV, welche die Funktion einer Nachrichtenabteilung übernahm.

Direktoren der Kolonialabteilung
Nr. Name Amtsantritt Ende der Amtszeit
1 Friedrich Richard Krauel 1890 1890
2 Paul Kayser 1890 1896
3 Oswald Freiherr von Richthofen 1896 1898
4 Gerhard von Buchka 1898 1900
5 Oscar Wilhelm Stübel 1900 1905
6 Ernst Fürst von Hohenlohe-Langenberg 1905 1906
7 Bernhard Dernburg 1906 1907

Deutsches Reich (1919–1933, Weimarer Republik)

In der Weimarer Republik hatte das Auswärtige Amt den Status eines Reichsministeriums. Ihm stand ein Reichsminister vor. Es ging 1919 aus dem Auswärtigen Amt des Kaiserreichs hervor, das lediglich eine Reichsbehörde war, deren Staatssekretär gegenüber dem Reichskanzler weisungsgebunden war. Zudem besaß das Reich nun die Alleinverantwortlichkeit für die Außenpolitik. Der Name der Behörde („Amt“) wurde jedoch aus positiver Tradition beibehalten. Besonders Gustav Stresemann prägte den Charakter der deutschen Außenpolitik in der Weimarer Republik und setzte Bismarcks Tradition in großen Teilen fort.

Deutsches Reich (1933–1945, Zeit des Nationalsozialismus)

Das Auswärtige Amt an der Wilhelmstraße im Jahre 1937, Aufnahme aus dem Bundesarchiv

Mit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten war das Auswärtige Amt der Gleichschaltungspolitik der NSDAP ausgesetzt, ebenso wie alle anderen Reichsministerien.

Es gingen aber auch aus dem Auswärtigen Dienst Widerstandskämpfer hervor, wie Rudolf von Scheliha, Ilse Stöbe, Adam von Trott zu Solz und Ulrich von Hassell.

Am 31. März 1933 wurde offiziell das von Alfred Rosenberg geleitete Außenpolitische Amt der NSDAP (APA) in Konkurrenz zum Auswärtigen Amt gegründet, um das vorhandene „traditionell-konservative Instrumentarium“ der Außenpolitik durch ein „revolutionäres“ zu ersetzen.[7] Das APA diente mit Blick auf das AA vor allem dem Zweck, die offiziellen diplomatischen Stellen zu umgehen. Nach Rosenbergs Wunsch, sollte das AA vom APA aus gleichgeschaltet und reorganisiert werden. Da gerade das AA als ein Zentrum des konservativen Widerstandes gegen die neuen Machthaber galt, wurde es dementsprechend bespitzelt.[7] Am 15. Mai 1934 schrieb Rosenberg in sein Tagebuch, dass Adolf Hitler ihm gesagt habe, dass er das AA als „eine Verschwörergesellschaft“ betrachte, die erst nach dem Tod von Paul von Hindenburg unter seine Kontrolle gebracht werden könne.[8]

In der Nachfolgezeit wurde in der Reichsleitung der NSDAP eine „Ortsgruppe Auswärtiges Amt“ gebildet. Ab etwa Herbst 1935 bestand die Aufgabe dieser Ortsgruppe darin, „Einfluss auf Ernennungen zu nehmen“ sowie „eine geheime Kontrolle über die Angehörigen von Botschaften und Konsulaten auszuüben“.[9]

1939 erließ das Amt einen förmlichen Runderlass über Die Judenfrage als Faktor der Außenpolitik mit den Kernsätzen:

Die Erkenntnis, daß das Judentum in der Welt stets der unversöhnliche Gegner des Dritten Reiches sein wird, zwingt zu dem Entschluß, jede Stärkung der jüdischen Position zu verhindern. Ein jüdischer Staat (gemeint ist: in Palästina) würde aber dem Weltjudentum einen völkerrechtlichen Machtzuwachs bringen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden eine Reihe von führenden Mitgliedern des Auswärtigen Amts im so genannten Wilhelmstraßen-Prozess angeklagt.

Siehe auch: Eberhard von Thadden, Georg Ferdinand Duckwitz, Hans-Heinrich Herwarth von Bittenfeld, Franz Rademacher, Fritz Kolbe, Hilger van Scherpenberg, Horst Wagner, Karl Klingenfuß, Kurt Georg Kiesinger, Otto Bräutigam

Deutsche Demokratische Republik

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR 1972

In der DDR vertrat von 1949 bis 1990 das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in Ost-Berlin die Außenpolitik der dortigen Regierung.

Bundesrepublik Deutschland

In Westdeutschland verging nach dem Zweiten Weltkrieg einige Zeit, bis 1951 in der Bundesrepublik Deutschland die Wiedereinrichtung des Auswärtigen Amtes erfolgte, zumal ihr von 1949 bis 1955 zwar ein „größtmögliches Maß an Selbstregierung“ zugesprochen wurde, aber sie immer noch unter dem alliierten Besatzungsstatut stand und erst 1955 ihre innerstaatliche Souveränität wiedererlangte. Zuvor lag eine Notwendigkeit eines solchen Amtes nicht vor.

Spreeseite und Jungfernbrücke
Der Weltsaal
Foyer zu den Außenministersälen

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 und der Zurückerlangung der außenpolitischen Souveränität 1951 wurde das Amt am 15. März 1951 in der neuen Bundeshauptstadt Bonn wieder eingerichtet und behielt den Namen. Damit bekannte sich die Behörde in der Bundesrepublik – als mit dem Deutschen Reich identischer Staat – eindeutig zu ihrer Tradition und Kontinuität bis hin zu Bismarck. 1955 zog das Auswärtige Amt in einen architektonisch schlichten Neubau am Rande des künftigen Regierungsviertels. Das Gebäude war eines der ersten Ministeriumsneubauten in Bonn und zum Eröffnungszeitpunkt der größte Verwaltungskomplex in Deutschland.

Federführend beim Wiederaufbau des Auswärtigen Dienstes agierten Beamte, die bereits in der Zeit des Nationalsozialismus im Außenministerium beschäftigt waren. Der Umfang des Einflusses ehemaliger NSDAP-Mitglieder und in Verbrechen gegen die Menschlichkeit verstrickte Diplomaten ist Gegenstand der Untersuchung durch eine im Jahre 2005 eingesetzte internationale Historikerkommission[10]; vorläufigen Schätzungen zufolge sollen im Jahr 1952 zwei Drittel der leitenden Beamten und vier Fünftel der Referatsleiter ehemalige Mitglieder der NSDAP gewesen sein. Gegebenenfalls beschäftigte damit das AA während der 1950er-Jahre mehr frühere NSDAP-Mitglieder als zu Zeiten des „Dritten Reichs“ selbst. So wurde z. B. 1953 der Jurist und Diplomat Otto Bräutigam als Leiter der Ostabteilung im AA wiedereingestellt. Bräutigam, der zwischen 1941 und 1945 „Abteilungsleiter Allgemeine Politik im Ostministerium“ von Alfred Rosenberg gewesen ist, schrieb am 18. Dezember 1941 zustimmend: „In der Judenfrage dürfte inzwischen durch mündliche Besprechung Klarheit geschaffen sein“, womit der Gesamtplan zur Judenvernichtung in Europa gemeint war.

Bei den Koalitionsregierungen der Bundesrepublik Deutschland seit 1966 wurde der Außenminister vom jeweils kleineren Koalitionspartner gestellt und bekleidete dabei gleichzeitig das Amt des Vizekanzlers, mit der Ausnahme der Vizekanzlerschaften von Jürgen Möllemann und Franz Müntefering.

Im Jahre 1991 erhielt die deutsche Diplomatie mit dem Gesetz für den Auswärtigen Dienst eine eigene rechtliche Grundlage.[6]

In den Jahren 1992 und 1993 hatte der Auswärtige Dienst etwa 8000 bis 9000 Angehörige, wobei rund 1600 dem höheren Dienst angehörten.[6] Etwa ein Drittel davon arbeitete im Auswärtigen Amt, der Rest an den zu diesem Zeitpunkt vorhandenen 237 diplomatischen und konsularischen Vertretungen im Ausland.[6]

1999 verlegte das Auswärtige Amt seinen ersten Dienstsitz nach Berlin, wo es die Räume des ehemaligen Zentralkomitees der SED im Haus am Werderschen Markt, dem früheren Erweiterungsbau der Reichsbank (die unmittelbar danebengelegene Reichsbank wurde bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg restlos zerstört), bezog sowie einen Neubau errichten ließ. Im Bonner Gebäude wurde ein Zweitsitz behalten, in dem nach wie vor über 450 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Außenminister

Siehe auch: Amtsinhaber seit 1871

Außenstaatssekretäre, 1871–1919

Nr. Name Amtsantritt Ende der Amtszeit
1 Hermann von Thile 1871 1872
2 Hermann Ludwig von Balan1 1872 1873
3 Bernhard Ernst von Bülow 1873 1879
4 Josef Maria von Radowitz1 1879 1880
5 Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst1 1880 1880
6 Friedrich Graf zu Limburg-Stirum1 1880 1881
7 Clemens Busch1 1881 1881
8 Paul Graf von Hatzfeld zu Trachenberg 1881 1885
9 Herbert Fürst von Bismarck2 1885 1890
10 Adolf Freiherr Marschall von Bieberstein 1890 1897
11 Bernhard Fürst von Bülow 1897 1900
12 Oswald Freiherr von Richthofen 1900 1906
13 Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff 1906 1907
14 Wilhelm Freiherr von Schoen 1907 1910
15 Alfred von Kiderlen-Waechter 1910 1912
16 Gottlieb von Jagow 1913 1916
17 Arthur Zimmermann 1916 1917
18 Richard von Kühlmann 1917 1918
19 Paul von Hintze 1918 1918
20 Wilhelm Heinrich Solf 1918 1918
21 Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau 1918 1919
1 Die Ausübung des Amtes erfolgte nur kommissarisch.

2 Die Ausübung des Amtes erfolgte bis zum 17. Mai 1886 kommissarisch.

Reichsminister des Auswärtigen, 1919–1945

Nr. Name Amtsantritt Ende der Amtszeit Partei
1 Ulrich von Brockdorff-Rantzau 13. Februar 1919 21. Juni 1919 parteilos
2 Hermann Müller 21. Juni 1919 26. März 1920 SPD
3 Adolf Köster 10. April 1920 8. Juni 1920 SPD
4 Walter Simons 25. Juni 1920 4. Mai 1921 parteilos
5 Friedrich Rosen 10. Mai 1921 22. Oktober 1921 parteilos
6 Joseph Wirth 26. Oktober 1921 31. Januar 1922 Zentrum
7 Walther Rathenau 1. Februar 1922 24. Juni 1922 DDP
8 Joseph Wirth 24. Juni 1922 14. November 1922 Zentrum
9 Friedrich von Rosenberg 22. November 1922 11. August 1923 parteilos
10 Gustav Stresemann 13. August 1923 3. Oktober 1929 DVP
11 Julius Curtius 4. Oktober 1929 9. Oktober 1931 DVP
12 Heinrich Brüning 9. Oktober 1931 30. Mai 1932 Zentrum
13 Konstantin Freiherr von Neurath 1. Juni 1932 4. Februar 1938 NSDAP (ab 1937)
14 Joachim von Ribbentrop 4. Februar 1938 1. Mai 1945 NSDAP
15 Arthur Seyß-Inquart 1. Mai 1945 2. Mai 1945 NSDAP
16 Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk 2. Mai 1945 23. Mai 1945 parteilos

Minister für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, 1949–1990

Nr. Name Amtsantritt Ende der Amtszeit Partei
1 Georg Dertinger (1902–1968) 12. Oktober 1949 15. Januar 1953 CDU
2 Anton Ackermann1 (1905–1973) 15. Januar 1953 Juli 1953 SED
3 Lothar Bolz (1903–1986) Juli 1953 24. Juni 1965 NDPD
4 Otto Winzer (1902–1975) 24. Juni 1965 20. Januar 1975 SED
5 Oskar Fischer (* 1923) 3. März 1975 12. April 1990 SED
6 Markus Meckel (* 1952) 12. April 1990 20. August 1990 SPD
7 Lothar de Maizière2 (* 1940) 20. August 1990 2. Oktober 1990 CDU
1 Die Ausübung des Amtes erfolgte nur kommissarisch.

2 Lothar de Maizière übte das Amt nach dem Rückzug der SPD (und mit ihr Markus Meckels) aus der Regierung kommissarisch und in Personalunion mit dem Ministerpräsidenten der DDR aus.

Bundesminister des Auswärtigen seit 1951

Nr. Name (Lebensdaten) Amtsantritt Ende der Amtszeit Partei
1 Konrad Adenauer (1876–1967) 15. März 1951 6. Juni 1955 CDU
2 Heinrich von Brentano (1904–1964) 6. Juni 1955 17. Oktober 1961 CDU
3 Gerhard Schröder (1910–1989) 14. November 1961 30. November 1966 CDU
4 Willy Brandt (1913–1992) 1. Dezember 1966 20. Oktober 1969 SPD
5 Walter Scheel (* 1919) 21. Oktober 1969 15. Mai 1974 FDP
6 Hans-Dietrich Genscher (* 1927) 17. Mai 1974 17. September 1982 FDP
7 Helmut Schmidt (* 1918) 17. September 1982 4. Oktober 1982 SPD
8 Hans-Dietrich Genscher (* 1927) 4. Oktober 1982 17. Mai 1992 FDP
9 Klaus Kinkel (* 1936) 18. Mai 1992 26. Oktober 1998 FDP
10 Joschka Fischer (* 1948) 27. Oktober 1998 22. November 2005 GRÜNE
11 Frank-Walter Steinmeier (* 1956) 22. November 2005 SPD

Zwei Bundeskanzler übten das Amt in Personalunion aus, Konrad Adenauer als erster Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und Helmut Schmidt, nachdem sich die FDP aus Koalition und Kabinett zurückgezogen hatte. Hans-Dietrich Genscher bekleidete es sowohl unter einer SPD- als auch unter einer CDU-Kanzlerschaft.

Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen

bis 1974: Parlamentarische Staatssekretäre

Staatsminister
Name Amtsantritt (Jahr) Ende der Amtszeit (Jahr) Partei
Gerhard Jahn 1967 1969 SPD
Ralf Dahrendorf 1969 1970 FDP
Karl Moersch 1970 1976 FDP
Hans Apel 1972 1974 SPD
Hans-Jürgen Wischnewski 1974 1976 SPD
Klaus von Dohnanyi 1976 1981 SPD
Hildegard Hamm-Brücher 1976 1982 FDP
Peter Corterier 1981 1982 SPD
Alois Mertes 1982 1985 CDU
Jürgen Möllemann 1982 1987 FDP
Lutz Stavenhagen 1985 1987 CDU
Irmgard Adam-Schwaetzer 1987 1990 FDP
Helmut Schäfer 1987 1998 FDP
Ursula Seiler-Albring 1990 1994 FDP
Werner Hoyer 1994 1998 FDP
Ludger Volmer 1998 2002 Bündnis 90/Die Grünen
Günter Verheugen 1998 1999 SPD
Christoph Zöpel 1999 2002 SPD
Hans Martin Bury 2002 2005 SPD
Kerstin Müller 2002 2005 Bündnis 90/Die Grünen
Gernot Erler 2005 heute SPD
Günter Gloser 2005 heute SPD

Beamtete Staatssekretäre im Auswärtigen Amt

Staatssekretäre
Name Amtsantritt (Jahr) Ende der Amtszeit (Jahr) Partei
Walter Hallstein 1951 1958 CDU
Hilger van Scherpenberg 1958 1961
Karl Carstens 1960 1966 CDU
Rolf Lahr 1961 1969
Klaus Schütz 1966 1967 SPD
Georg Ferdinand Duckwitz 1967 1970
Günther Harkort 1969 1970
Sigismund Freiherr von Braun 1970 1972
Paul Frank 1970 1974 FDP
Hans-Georg Sachs 1973 1975
Walter Gehlhoff 1974 1977
Peter Hermes 1975 1979
Günther van Well 1977 1981
Hans Werner Lautenschlager 1979 1984
Berndt von Staden 1981 1983
Andreas Meyer-Landrut 1983 1987
Jürgen Ruhfus 1984 1987
Jürgen Sudhoff 1987 1990
Hans Werner Lautenschlager 1987 1993
Dieter Kastrup 1990 1995
Jürgen Trumpf 1993 1994
Hans-Friedrich von Ploetz 1994 1998 CDU
Peter Hartmann 1995 1998 CDU
Gunter Pleuger 1998 2002
Wolfgang Ischinger 1998 2001
Jürgen Chrobog 2001 2005 FDP
Klaus Scharioth 2002 2005 parteilos
Georg Boomgaarden 2005 2008 SPD
Reinhard Silberberg 2005 heute SPD
Heinrich Tiemann 2007 heute SPD
Peter Ammon 2008 heute

Inoffizielle Mitarbeiter des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) im Auswärtigen Amt

Spione der DDR-Staatssicherheit
Name Jahr des Eintritts in den Auswärtigen Dienst Jahr der Anwerbung durch das MfS Deckname
Christine Bauer 1986 Jasmina
Helge Berger
Hagen Blau 1961 1960 Detlef, Merten
Herbert Kemper
Ruth Kemper
Reiner Müller
Ludwig Pauli Adler
Lilli Pöttrich 1983 1976 Angelika
Gisela von Raussendorff Blume
Klaus von Raussendorff 1957 Brede
Karl-Heinz Rode Maro

Filmographie

  • Hitlers Diplomaten in Bonn. Das Auswärtige Amt und seine Vergangenheit. 45 Min. Dokumentation; Buch und Regie: Heinrich Billstein und Mathias Haentjes; Produktion: WDR; Erstausstrahlung: 18. Januar 2006 [1]

Literatur

  • Heinz Günther Sasse, Ekkehard Eickhoff: 100 Jahre Auswärtiges Amt, 1870–1970. Bonn 1970. 
  • Jens Ruppenthal: Die Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt der Weimarer Republik. In: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.): „… Macht und Anteil an der Weltherrschaft“. Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast, Münster 2005, ISBN 3897710242. 
  • Christopher R. Browning: The final solution and the German Foreign Office. A study of referat D III of Abteilung Deutschland 1940–43. Holmes & Meier, New York – London 1978, ISBN 0841904030. 
  • Enrico Brandt, Christian F. Buck: Auswärtiges Amt. 4. Auflage. VS-Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3531147234. 
  • Berndt von Staden: Zwischen Eiszeit und Tauwetter. Diplomatie in einer Epoche des Umbruchs. In: Erinnerungen. WSJ, Berlin 2005, ISBN 3937989056. 
  • Heribert Schwan, Helgard Heindrichs: Das Spinnennetz. Stasi-Agenten im Westen: Die geheimen Akten der Rosenholz-Datei. Knaur, München 2005, ISBN 3426777320. 

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Centre d’Information et de Documentation de l’Ambassade d’Allemagne
  2. Die Welt vom 23. Mai 2001. Welt-Archiv
  3. Presseportal.de
  4. http://www.n24.de/politik/inland/?n2005062322291600002
  5. http://auswaertiges-amt.verdi.de/beamtinnen_und_beamte/data/verdi-beurteilungen.pdf
  6. a b c d Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik. Hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung. 5., aktual. u. überarb. Aufl., Opladen 1993, S. 64 f., ISBN 3-8252-0702-1.
  7. a b Andreas Zellhuber: „Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu …“. Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941–1945. Vögel, München 2006, S. 64 f., ISBN 3-8965-0213-1.
  8. Hans-Günther Seraphim: Das politische Tagebuch Alfred Rosenbergs. 1934/35 und 1939/40. Göttingen 1956, S. 28. (Quelle: Akten der Deutschen Politik, Serie D, Bd. 1, S. 46 ff.)
  9. H.D. Heilmann, Aus dem Kriegstagebuch des Diplomaten Otto Bräutigam. In: Götz Aly u.a. (Hrsg.): Biedermann und Schreibtischtäter. Materialien zur deutschen Täter-Biographie. Institut für Sozialforschung in Hamburg. Berlin 1987, S. 171 (Quelle: Alfred Gerigk: Beratung und Warnung in der Diktatur. In: Hundert Jahre Ullstein, 1877-1977, Berlin 1997, Bd. 3, S. 339.)
  10. Fischer beruft Historiker-Kommission, Spiegel Online, 11. Juli 2005.

52.51472222222213.3994444444447Koordinaten: 52° 30′ 53″ N, 13° 23′ 58″ O


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