Bundesautobahn 71


Bundesautobahn 71

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Bundesautobahn 71 in Deutschland
Bundesautobahn 71
Karte
Verlauf der A 71
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Gesamtlänge: 230 km
  davon in Betrieb: 200,8 km
  davon in Bau: 29,2 km

Bundesland:

Ausbauzustand: vierstreifig
Talbrücke Haseltal
Talbrücke Haseltal

Die Bundesautobahn 71 (Abkürzung: BAB 71) – Kurzform: Autobahn 71 (Abkürzung: A 71) – wird nach ihrer voraussichtlichen Gesamtfertigstellung im Jahr 2014 eine Länge von 226 km erreichen und Sangerhausen über Erfurt und den Thüringer Wald mit Schweinfurt verbinden. Seit 15. Dezember 2006 führt sie bei einer Länge von 183 Kilometer von Sömmerda über Erfurt bis zum Dreieck Werntal bei Schweinfurt.

Weitere Orte an der A 71 sind Arnstadt, Ilmenau, Geraberg, Oberhof, Zella-Mehlis, Suhl, Meiningen, Mellrichstadt, Bad Neustadt, Münnerstadt und Bad Kissingen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Autobahn ist ein Neubau, der 1996 mit dem Hauptabschnitt Erfurt-Schweinfurt als Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 16 begonnen wurde. Sie ist, abgesehen von einem kurzen Steigungsabschnitt zwischen dem Tunnel Behringen und Ilmenau-Ost, durchgehend vierspurig (plus Standstreifen, außerhalb der Tunnel) und hat einen Regelquerschnitt (RQ) von 26 m Breite. Mit ungefähr 10 Millionen Euro pro Kilometer ist die Strecke eine der teuersten Straßen, die in Deutschland gebaut wurden. Der erste Abschnitt von Erfurt-Bindersleben bis zum provisorischen Anschluss Traßdorf wurde 1998 dem Verkehr übergeben, 2001 folgten das Teilstück bis Ilmenau-Ost sowie der Teilabschnitt zwischen den Anschlussstellen Oberhof und Suhl/Zella-Mehlis. Im Dezember 2002 wurde der Abschnitt Suhl/Zella-Mehlis bis Meiningen-Nord freigegeben. Im Sommer 2003 war die Strecke von Erfurt bis Meiningen-Süd in Betrieb. Am 14. Oktober 2005 wurde vorab der Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Werntal bei Schweinfurt, wo die A 71 in die A 70 mündet, und der Anschlussstelle Bad Kissingen/Oerlenbach für den Verkehr freigegeben. Am 17. Dezember 2005 folgte das Teilstück Meiningen-Süd - Bad Kissingen/Oerlenbach, womit der 1,6 Milliarden € teure und 152 km lange Abschnitt zwischen Erfurt und Schweinfurt fertiggestellt war. Der Restabschnitt bis Sangerhausen soll spätestens 2014 dem Verkehr übergeben werden. Zu diesem Zeitpunkt werden 35.000 bis 45.000 Autos am Tag auf der neuen Strecke erwartet. Optional könnte die Autobahn zur A 14 an der Anschlussstelle Plötzkau verlängert werden, um Erfurt mit Magdeburg zu verbinden. Zur raumordnerischen Sicherung des Trassenkorridors wurde diese Verlängerung im Jahr 2003 in den Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt aufgenommen.[1] Die wiedergewählte schwarz-rote Landesregierung von Sachsen-Anhalt, hat in ihrem Koalitionsvertrag vom April 2011 beschlossen, die Nordverlängerung der A71 von Sangerhausen zur A14 für den nächsten Bundesverkehrswegeplan anzumelden.[2]

Verlauf der A 71
Sangerhausen–Schweinfurt

Thüringer-Wald-Autobahn

In dem Abschnitt Arnstadt-Süd–Meiningen-Nord mit ca. 60 km Länge durchquert die Autobahn den Thüringer Wald an seiner schmalsten Stelle und hat hier auch den Namen Thüringer-Wald-Autobahn. Die eigentliche Kammquerung erfolgt auf 670 m Höhe über NN mit einer maximalen Längsneigung von 2 % im fast 8 km langen Tunnel Rennsteig als längster Autobahntunnel Deutschlands. Er ist für Gefahrguttransporte gesperrt. Eine Freigabe ist nicht absehbar.[3]

Geschwindigkeitsbeschränkung

Zwischen den Tunneln Alte Burg und Berg Bock gibt es über eine Länge von zirka 18 Kilometern eine mit Wechselverkehrszeichen angezeigte Geschwindigkeitsbeschränkung von üblicherweise 80 km/h, die durch fünf feste Messstellen je Fahrtrichtung überwacht wird. Diese liegen im Tunnel Rennsteig bei Kilometer 117 und 120, zwischen Hochwaldtunnel und Tunnel Berg Bock bei Kilometer 125 und im Tunnel Berg Bock bei Kilometer 128. Außerdem gibt es vor dem Tunnel Alte Burg bei Kilometer 112 bzw. 113,5 eine Geschwindigkeits- und Abstands-Mess-Anlage.[4] Hier wurde 2003 ein nicht genehmigtes Kennzeichen-Erfassungssystem erprobt. Eine weitere Abstands-Mess-Anlage befindet sich unmittelbar vor dem Tunnel Alte Burg aus Richtung Erfurt kommend. An beiden Anlagen wird die Geschwindigkeit zur Ermittlung des Sicherheitsabstandes ebenfalls erfasst.

Umstrukturierungen im Bundesstraßennetz

Nach dem Bau der A 71 wurden einige parallel verlaufende Bundesstraßen aufgelöst oder herabgestuft:

  • Die B 4 wurde zwischen der A 4-AS Erfurt-West und der A 71-AS Ilmenau-West, 2011 bis Schleusingen zur L 3004 abgestuft.
  • Die B 19 wurde zwischen Meiningen und Münnerstadt sowie zwischen Euerbach und der A 70-AS Werneck zur Landesstraße 3019 (in Thüringen) bzw. Staatsstraße (in Bayern) abgestuft.
  • Die B 88 wurde zwischen der AS Ilmenau-West und der AS Gräfenroda zur Kommunalstraße herabgestuft.
  • Die B 247 wurde zwischen Ohrdruf und Schleusingen herabgestuft.
  • Die B 280 von Zella-Mehlis nach Meiningen wurde aufgelöst.

Die B 19 wurde im Raum Meiningen zum Teil neu gebaut und verlegt. Sie führt jetzt von Meiningen über Helba zur AS Meiningen-Nord. Von der AS Münnerstadt bis zur Einmündung der B 287 wird die B 19 durch die B 287 ersetzt.

Des Weiteren sollen zwei neue Bundesstraßen den Anschluss abgelegener Gebiete an die A 71 verbessern. Dies gilt für die B 62 Barchfeld–Zella-Mehlis (AS Suhl/Zella-Mehlis) und die B 87 zwischen Meiningen und Fulda („Rhönschnellweg“). Während das erste Projekt bereits umgesetzt wird, befindet sich letzteres noch teilweise im Planfeststellungsverfahren.

Besonderheiten

Windböen

Auf den Talbrücken Reichenbach und Zahme Gera sind seit Eröffnung 2003 trotz vorhandenen Windsäcken schon mehrere Lkw oder deren Anhänger (jeweils ohne Ladung) durch starke Windböen umgerissen worden. Bei stürmischer Wetterlage wird daher mit lichtemittierenden Wechselverkehrszeichen auf einer Länge von drei Kilometern im Bereich der Talbrücken Reichenbach und Zahme Gera die Geschwindigkeit auf 60 km/h begrenzt und ein Überholverbot für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 t angezeigt. Im Januar 2007 gab es zwei Sperrungen der A 71 in beide Richtungen - von AS Ilmenau-West bis AS Oberhof bzw. AS Gräfenroda - im Zusammenhang mit dem Sturm-Tief Kyrill, drei Jahre später folgte wegen des Sturm-Tiefs Xynthia eine Sperrung für fünf Stunden. Auf den Brücken ist der nachträgliche Bau von Windschutzwänden mit der erforderlichen Höhe für Lastkraftwagen aus statischen Gründen nicht möglich. Zum Windschutz wurde im Sommer 2009 das Brückengeländer auf der Südseite der Talbrücke Reichenbach durch eine 2,5 Meter hohe Windschutzwand mit Lamellen aus Plexiglas ersetzt.[5]

Sperrung

Bei Kilometer 144 überquert die Autobahn mit der Talbrücke Schindgraben einen Kalksteinbruch, der seit 1991 in Betrieb ist. Sprengungen im Steinbruch erfolgen alle zwei Wochen samstags um 15 Uhr. Während der Sprengung wird aufgrund der Steinfluggefahr die Autobahn von Polizeiwagen für zirka 20 bis 30 Minuten gesperrt. Da die Sprengungen laut Planfeststellungsbeschluss von 1999 weiterhin erlaubt sind, eine Trassenverschiebung aufgrund von Naturschutzbelangen sowie aus Kostengründen nicht möglich war und die Vorkommen noch für 50 Jahre reichen, versuchte die DEGES – bisher erfolglos – den Steinbruch zu kaufen.

Überwachung

Laut des 6. Tätigkeitsberichts des Thüringer Landesbeauftragten für den Datenschutz befinden sich in den Tunneln der Kammquerung und um diese herum 280 schwenkbare Kameras ohne Zoomfunktion, die der Überwachung des Verkehrsflusses und betriebstechnischer Anlagen dienen. Weiterhin gibt es zirka 250 induktive Zählstellen für die Erfassung der Verkehrsbewegung und Steuerung der Verkehrsströme. Laut Bericht werden weder von den Kameras noch von den Zählstellen personenbezogene Daten erfasst.

Bauwerke im Thüringer Wald

Im Bereich der Wald-Autobahn folgen viele große Ingenieurbauwerke aufeinander, die bemerkenswertesten sind in der folgenden Tabelle aufgelistet.

Kilometer Bauwerk Länge max. Höhe
92,5 AB-Tunnel.svg Tunnel Behringen 465 m
94,0 AB-Brücke.svg Wipfratalbrücke 176 m 15 m
101,5 AB-Brücke.svg Talbrücke Altwipfergrund 278 m
280 m
35 m
102,5 AB-Brücke.svg Talbrücke Streichgrund 449 m
450 m
28 m
107,0 AB-Brücke.svgTalbrücke Reichenbach 1000 m 60 m
108,5 AB-Brücke.svg Talbrücke Zahme Gera 520 m 63 m
112,0 AB-Tunnel.svg Tunnel Alte Burg 874 m
866 m
113,5 AB-Brücke.svg Talbrücke Schwarzbachtal 352 m
322 m
71 m
114,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Wilde Gera 552 m 110 m
114,5 AB-Tunnel.svg Tunnel Rennsteig 7916 m
7878 m
123,5 AB-Tunnel.svg Tunnel Hochwald 1056 m
126,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Steinatal 445 m 20 m
126,5 AB-Tunnel.svg Tunnel Berg Bock 2738 m
2718 m
131,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Albrechtsgraben 770 m 80 m
133,5 AB-Brücke.svg Talbrücke Seßlestal 320 m 53 m
135,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Schafstalgrund 525 m 61 m
137,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Streitschlag 256 m 33 m
140,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Schwarza 675 m 68 m
142,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Rotes Tal 406 m 19 m
144,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Schindgraben (Steinbruch) 464 m 55 m
145,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Judental 456 m 45 m
147,0 AB-Brücke.svg Talbrücke Haseltal 724 m
714 m
22 m
149,8 AB-Brücke.svg Talbrücke Werratal 1194 m 34 m
152,5 AB-Tunnel.svg Tunnel Eichelberg 1097 m
1123 m
153,5 AB-Brücke.svg Talbrücke Jüchsen 369 m 25 m

Rekorde

Wildwechselschutz

Ein Wildwechsel wird durch beidseitige, durchgehende Wildschutzzäune auf der Strecke zwischen der Wipfratalbrücke und dem Dreieck Werntal verhindert. Bei neu freigegebenen Abschnitten erfolgt die Errichtung des Wildschutzzaunes meist erst nach Abschluss sämtlicher Baumaßnahmen.

Um einen gefahrlosen Wildwechsel zu ermöglichen, wurden zwischen den Anschlussstellen Arnstadt-Süd (bei Kilometer 98) und Ilmenau-Ost sowie Meiningen-Nord und Meiningen-Süd (bei Kilometer 149) sowie nördlich von Münnerstadt die in Deutschland noch seltenen Überführungen, auch Grünbrücken genannt, errichtet. Ansonsten kann ein Wildwechsel durch die zahllosen Feld- und Waldwegunterführungen der A 71 erfolgen.

Trinkwasserschutz

Südlich von Münnerstadt durchquert die Autobahn auf einer Länge von mehr als 10 km eine Wasserschutzzone, die der Trinkwassergewinnung für die Städte Münnerstadt und Bad Kissingen dient. Daher ist dort die Fahrbahn durch den zusätzlichen Einbau einer 10 cm starken bituminösen Tragschicht abgedichtet worden. Außerdem wurden in diesem Abschnitt gegen das Abkommen von Fahrzeugen von der Fahrbahn anstelle von Schutzplanken sowohl im Mittelstreifen als auch am Fahrbahnrand Betonschutzwände eingebaut. Diese sorgen gleichzeitig für die Ableitung des Oberflächenwassers von der Fahrbahn in das Entwässerungssystem. Allerdings sind nur alle 200 m Aufstieghilfen vorhanden, so dass nach einem Unfall der Empfehlung, das Fahrzeug zu verlassen und sich hinter die eventuell vorhandene Leitplanke zu begeben, im ungünstigsten Fall erst nach 100 m Laufen am Fahrbahnrand Folge geleistet werden kann.

Lückenschluss zur Bundesautobahn 38

Der nördliche Abschnitt der A 71 zwischen AS Sömmerda und dem AD Südharz mit der A 38 wird abschnittsweise fertiggestellt. Von August 2005 an waren 7,7 km von der AS Heldrungen bis zur provisorischen Anbindung der Bundesstraße 85 im Bau. In diesem Teil befindet sich der Schmücketunnel mit einer Länge von 1725 m. Am 12. Dezember 2008 wurde der Abschnitt dem Verkehr übergeben. Für Mitte 2012 ist die Streckenübergabe AD Südharz bis AS Artern geplant.[6] Vier Brücken waren Ende 2008 bereits fertiggestellt. Seit 14. November 2007 ist der Abschnitt zwischen AS Artern und AS Heldrungen planfestgestellt. Er soll erst Ende 2012 für den Verkehr freigegeben werden. Die Bauarbeiten wurden im November 2008 aufgenommen. Für die restliche Strecke von AS Sömmerda Ost bis zur provisorischen Anbindung der Bundesstraße 85 besteht seit November 2009 Baurecht. Mit dem offiziellen Baubeginn dieses Teilstücks am 23. Juni 2010 wurde zunächst mit einer dynamischen Intensivverdichtung des Bodens begonnen, bevor ab Frühjahr 2012 der Strecken- und Verkehrsflächenbau beginnt. Das einzige vorgezogene Ingenieurbauwerk in diesem Abschnitt ist die Brücke über die Lossa und wird bis Ende 2011 im Rohbau fertiggestellt sein. Die Arbeiten an der Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel finden parallel zum Streckenbau statt. Die Eröffnung dieses letzten Abschnitts der A71 wird für Ende 2014 erwartet.[7] Im Zuge des Abschnittes von Heldrungen zur provisorischen Anbindung der B85 wurde die Umgehungsstraße Heldrungen errichtet. Des Weiteren ist geplant, dass im Zuge des Abschnittes zwischen der Anschlussstelle Sömmerda-Ost und der provisorischen Anbindung der B85 eine Umgehungsstraße um Dermsdorf gebaut wird. Im Zuge des Abschnittes zwischen Heldrungen und Sömmerda sollen zusätzlich die Bundesstraßen 85 und 176 verlegt werden.

Galerie

Weblinks

 Commons: Bundesautobahn 71 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt
  2. [1]
  3. verkehrsrundschau.de: Spediteure: Autobahntunnel für Gefahrgut-Transporte freigeben, 19. März 2007
  4. Tempokontrollen - Fiese Falle: Blitzer auch bei Tempo 60. In: Freies Wort, 14. November 2008
  5. A-71-Brücke bekommt nun einen Windschutz. In: Freies Wort, 7. Mai 2009
  6. Freies Wort, 7. Februar 2011
  7. Autobahn 71 wird erst Ende 2014 fertig, Thüringer Allgemeine: Online Artikel vom 9.September 2011

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