Bujinkan Budo Taijutsu


Bujinkan Budo Taijutsu
Das Abzeichen ist das Bujinkan-Symbol und Graduierungsabzeichen vom 5. bis 9. Dan

Bujinkan Budo Taijutsu (武神館武道体術) [buːdʑingkan] oder vollständig Bujinkan Dojo Budo Taijutsu (武神館道場武道体術), auch Ninjutsu oder meist im Internet-Chat BBT genannt, ist eine weltweit verbreitete japanische Kampfkunst (früher Kriegskunst),deren Oberhaupt, genannt Sōke, der Japaner Dr. Masaaki Hatsumi ist. Bujinkan ist eine Kampfkunst in der traditionelle Samurai- und Ninja-, aber auch auf die heutige Zeit anwendbare Prinzipien gelehrt werden. Dem Schüler werden auch Einblicke in Medizin[1] (z. B. „Kuatsu“ - Erste Hilfe, „Seikotsu“ - Knochen richten und „Taisō“[2] Gymnastik), Tarnstrategien[3] (z. B. der Shinobi), Philosophie[4] gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Toshitsugu Takamatsu, der Großmeister von neun japanischen Kampfkunst-Schulen, ernannte seinen Schüler Masaaki Hatsumi, kurz vor seinem Tod im Jahre 1974, zu seinem Nachfolger. Aufgrund der Vielzahl und der Komplexität der in den neun Schulen vorkommenden Techniken entschloss sich Dr. Hatsumi, die Techniken nicht getrennt, sondern als Einheit zu lehren.

Zu Ehren seines Lehrers Takamatsu, der nach seinem Tod Bujin („göttlicher Krieger“) genannt wurde, gab er der Kampfkunst den Namen Bujinkan Budo Taijutsu. Bujinkan Budo Taijutsu bietet mehrere Übersetzungsmöglichkeiten, die allgemeine deutsche Übersetzung für Bujinkan lautet: Haus des göttlichen Kriegers (Bu [Krieger] Jin [Gott] Kan [Haus]). Budō bezeichnet: den Weg des Krieges und Taijutsu steht für Körpertechnik.

Das Haupthaus (japanisch hombu dōjō), mit dem Namen Bujinden[5], des Bujinkan Dōjō ist in Noda bei Tokio. Vereinigungen und Gruppen in denen Bujinkan Dōjō Budo Taijutsu geübt wird, existieren auf der ganzen Welt. Die Zugehörigkeit zum Bujinkan wird durch direkten Kontakt, d. h. Training in Japan bei Hatsumi Sensei, gepflegt.

Weltweit wird in den Bujinkan Dōjō heutzutage ein System aus neun japanischen Kampfkünsten, genannt Schulen oder Traditionen (ryūha), gelehrt. Sechs der Schulen waren Samurai-Schulen, die anderen drei gelten als Schulen der Ninja, daher auch die Bezeichnung Ninjutsu für Bujinkan Budo. Aufgrund der Techniken in den Ninja-Traditionen, wird Bujinkan oft mit den Ninja in Verbindung gebracht, wie sie durch Hollywood-Filme entstanden sind. Als schwarzgekleidete Männer, die mit Schwert auf dem Rücken und mit Wurfsternen (shuriken) werfend, verdeckte Missionen ausführen.

Neun Schulen

  • Gyokko Ryū Kosshijutsu (玉虎流骨指術)
  • Kotō Ryū Koppōjutsu (虎倒流骨法術)
  • Shinden Fudō Ryū Dakentaijutsu (神伝不動流打拳体術)
  • Takagi Yōshin Ryū Jūtaijutsu (高木揚心流柔体術)
  • Kukishinden Ryū Happō Bikenjutsu (九鬼神伝流八法秘剣術)
  • Gikan Ryū Koppōjutsu (義鑑流骨法術)
  • Togakure Ryū Ninpō (戸隠流忍法)
  • Gyokushin Ryū Ninpō (玉心流忍法)
  • Kumogakure Ryū Ninpō (雲隠流忍法)

Jedes Jahr steht im Bujinkan das Training unter einen besonderen Thema - dem Bujinkan-Jahrestrainingsthema[6]. Es handelt sich dabei meist um eine der neun Schulen (Ryuha) des Bujinkan[7] und einen Waffenaspekt.

Verbreitung

Der erste Nicht-Japaner, der Bujinkan Budo Taijutsu in Japan 1969 angefangen hat, war Doron Navon[8] aus Israel. 1974 brachte er Bujinkan Ninpo Taijutsu (武神館忍法体術), wie es damals noch genannt wurde, nach Israel.

Das Bujinkan Ninpo Taijutsu begann in Europa 1975 mit Bo F. Munthe[9] in Schweden und in Deutschland 1980 mit Wolfgang Ettig[10].

Kampfsystem

Im Bujinkan Budō Taijutsu gibt es keine Wettkämpfe, da die Kampfsysteme zum Überleben erdacht wurden. Bei Fortgeschrittenen Schülern finden jedoch Randori statt, um die Fertigkeiten zu testen. Diese Randori werden mit äußerster Vorsicht ausgeführt.

Das Kampfsystem im Bujinkan besteht aus folgenden 3 Aspekten:

Ukemi/Kaiten/Nagare/Nagashi

Nagashi bedeutet den Angriff aufnehmen.

Wenn man Schlagtechniken betrachtet, handelt es sich vor allem um Blöcke und Ausweichbewegungen.

Wenn man Würfe betrachtet, handelt es sich um verschiedene Formen der Abrolltechniken (Nagare oder Kaiten) sowie Sturztechniken (Ukemi) und der Wiedergewinnung des Gleichgewichts. Der Schüler lernt dabei Stürze mit Hilfe von Roll- und Falltechniken möglichst weich abzufangen. Wichtig ist, dies möglichst lautlos und auch auf extrem hartem Untergrund (z. B. Asphalt) zu können.

Mit zum Ukemi gehört auch das Klettern, das Überwinden von unwegsamen Gelände, sowie Techniken wie Saltos, Radschläge und Handstände.[11]

Waffenloser Kampf

Im Training werden Katas, Kampfstellungen und Bewegungsabläufe, gelernt. Diese Katas beinhalten u. a. Schläge, Tritte, Würfe und Hebel. Sie werden meist mit Partner ausgeführt, aber können auch ohne Partner ausgeführt werden.

Durch das Training in diesen Katas lernt der Schüler taktisches Verhalten und ein Gefühl für die Distanz, wobei er gleichzeitig übt, sich immer zu schützen.

Bewaffneter Kampf

Nachdem der Schüler ein Gefühl für Distanz entwickelt hat und er eine bestimmte (von Dojo zu Dojo unterschiedliche) Graduierung erreicht hat, lernt er, verschiedene Waffen anzuwenden. Dabei wird wie beim waffenlosen Kampf vorgegangen.

Der Schüler bekommt so ein Gefühl, wie man mit bestimmten Waffen umgeht. Er trainiert üblicherweise mit Partnern. Dabei werden für gewöhnlich Übungswaffen verwendet. Die Übungswaffen sind meist aus Hartholz gefertigt. Zum Schutz vor Verletzungen kommen aber auch stark gepolsterte Waffen zum Einsatz.

Waffen

Im Bujinkan Budo wird eine große Auswahl an Waffen unterrichtet. Durch das Erlernen der vielen unterschiedlichen Waffen verbessert der Schüler sein Taijutsu und sein Distanzgefühl. Die Waffen, mit denen trainiert wird, sind ein Paradigma der jeweiligen Waffenart. Zum Beispiel lernt ein Schüler den Umgang mit einem Stock und könnte mit dem gleichen System auch einen Baseball-Schläger als Waffe verwenden.

Die Waffen werden in vier Klassen unterteilt:

  • Stöcke
  • Klingen
  • Flexible Waffen
  • Geschosse

Traditionell werden folgende Waffen unterrichtet:

Die meisten modernen Waffen haben eine große Ähnlichkeit mit traditionellen Waffen. Moderne Waffen, wie z. B. die vor gut 400 Jahren eingeführten Schußwaffen (Pistole und Gewehr), gehören nach Hatsumi[12] mit zu den grundlegenden Waffentypen und werden in manchen Dōjō unterrichtet.

Graduierung

Anders als in vielen anderen Budō-Künsten werden die Graduierungsstufen nicht durch einzelne Gürtelfarben kenntlich gemacht, sondern es gibt nur weiß, grün bzw. rot und schwarz. Es gibt 10 Schülergraduierungen (Kyū) und 15 Meistergraduierungen (Dan). Oft wird gesagt, dass erst ab dem 15. Dan die wahre Lernzeit anfängt.

Man startet mit dem weißen Gurt und trägt nach der ersten Prüfung als Frau einen roten und als Mann einen grünen Gürtel. Mit der bestandenen Prüfung zum ersten Dan trägt man einen schwarzen Gürtel. Die Graduierung wird über die Farbe des Abzeichens (Bujin-Aufnäher auf der linken Brustseite der Jacke) und einer Anzahl von silbernen bzw. goldenen Sternen gekennzeichnet. Es besteht jedoch keine Pflicht, diese Kennzeichen zu tragen. In manchen Dōjō sieht man auch gelbe und orangene Gürtel, die meistens als Vorstufen für Kindergruppen benutzt werden. Über die Graduierung hinaus existieren folgende zwei Titel, die per Urkunde verliehen werden, zur Mitgliedschaft im Shidoshikai führen und das Führen eines eigenen Dojo erlaubt:

  • shidōshi hō (zusätzlich zum 1. bis 4. Dan)
  • shidōshi (ab 5. Dan)

Vereinzelt verleiht Hatsumi Sensei auch eine sogenannte "höhere Lehrbefugnis" für spezielle Bereiche, wie Waffentypen oder Ryuha:

  • menkyo kaiden (ab dem 15. Dan)

Über verliehene Titel hinaus existieren folgende zwei Titel, die von Schülern als Ehrbezeugung und aus Höflichkeit verwendet werden:

  • Sensei (sinngemäß Lehrer)
  • Shihan (sinngemäß Seniorlehrer, im Bujinkan üblicherweise ab 10.Dan)

Die folgende Tabelle zeigt die Graduierungen mit den Gürtelfarben und Aufstickungen:

Grad jap. Name Gürtelfarbe Aufstickung
10 mukyū weiß weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund
9 kyūkyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund
8 hachikyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 1 silberner Stern
7 nanakyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 2 silbernere Sterne
6 rokukyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 3 silbernere Sterne
5 gokyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 4 silbernere Sterne
4 yonkyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 1 goldener Stern
3 sankyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 2 goldene Sterne
2 nikyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 3 goldene Sterne
1 ichikyū rot/grün weißes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 4 goldene Sterne
1 shodan schwarz schwarzes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund
2 nidan schwarz schwarzes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 1 silberner Stern
3 sandan schwarz schwarzes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 2 silberne Sterne
4 yondan schwarz schwarzes Schriftzeichen und Rand roter Hintergrund 3 silberne Sterne
5 godan schwarz schwarzes Schriftzeichen silber umstickt, der Rand ist silber roter Hintergrund
6 rokudan schwarz schwarzes Schriftzeichen silber umstickt, der Rand ist silber roter Hintergrund 1 goldener Stern
7 nanadan schwarz schwarzes Schriftzeichen silber umstickt, der Rand ist silber roter Hintergrund 2 goldene Sterne
8 hachidan schwarz schwarzes Schriftzeichen silber umstickt, der Rand ist silber roter Hintergrund 3 goldene Sterne
9 kyūdan schwarz schwarzes Schriftzeichen silber umstickt, der Rand ist silber roter Hintergrund 4 goldene Sterne
10 jūdan schwarz grünes Schriftzeichen hellblau umstickt, der Rand ist hellblau orangener Hintergrund
11 chigyo schwarz grünes Schriftzeichen hellblau umstickt, der Rand ist hellblau orangener Hintergrund 1 goldener Stern
12 suigyo schwarz grünes Schriftzeichen hellblau umstickt, der Rand ist hellblau orangener Hintergrund 2 goldene Sterne
13 kagyo schwarz grünes Schriftzeichen hellblau umstickt, der Rand ist hellblau orangener Hintergrund 3 goldene Sterne
14 fugyo schwarz grünes Schriftzeichen hellblau umstickt, der Rand ist hellblau orangener Hintergrund 4 goldene Sterne
15 kugyo schwarz grünes Schriftzeichen hellblau umstickt, der Rand ist hellblau orangener Hintergrund 5 goldene Sterne

Die einzelnen Dan-Graduierungen sind in drei Gruppen unterteilt:

  • 1.–5. dan ten (Himmel)
  • 6.–10. dan chi (Erde)
  • 11.–15. dan jin (Mensch)

Trainingsanzug

Im Dōjō wird ein schwarzer Trainingsanzug (japanisch dogi), mit speziellen Socken (japanisch Tabi) und schwarzem Hemd unter der Jacke getragen. Dazu wird das Bujin-Zeichen in der Farbe passend zur Graduierung links über dem Herzen auf der Jacke getragen. Über dem Abzeichen können die Sterne je nach Graduierung aufgenäht werden. Der Gürtel (japanisch Obi) wird entsprechend der jeweiligen Graduierung weiß, grün/rot oder schwarz getragen. In manchen Dojo außerhalb Japans wird das jeweilige Dojo-Abzeichen auf dem linken Oberarm der Jacke getragen.

Wenn es warm ist, wird die Jacke üblicherweise nicht getragen. Die Tabi werden aber immer getragen, gleich wie heiß es sein sollte[13].

Literatur

  • Dr. Masaaki Hatsumi, Essenz des Ninjutsu, 2001 ISBN 3-934264-80-8
  • Dr. Masaaki Hatsumi/Quintin Chambers, Hanbojutsu, 2006 ISBN 3-924862-05-2
  • Thomas Preston, Samurai - Geist, 1999 ISBN 978-3-921508-76-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Amatsu Tatara Hichi Buku Goshinjutsu http://www.amatsu-medicine.com/
  2. Stephen K. Hayes: Ninjutsu: The Art of the Invisible Warrior, 1984. Seite 19ff
  3. Andrew Adams: Ninja. Deutsche Ausgabe, 1991.
  4. Philosophie aus dem Bujinkan (englisch) http://www.bujinkan.me.uk/
  5. Bujinden http://www001.upp.so-net.ne.jp/bujinkan/
  6. Die Bujinkan-Jahrestrainingsthemen http://www.taikai.de/
  7. Bo F. Munthe: Ninjutsu, Deutsche Ausgabe 1992. Seite 21
  8. Bo F. Munthe: Ninjutsu, Deutsche Ausgabe 1992. Seite 24
  9. Wolfgang Ettig: Takamatsu Toshitsugu, 2004, Seite 209
  10. Bo F. Munthe: Ninjutsu, Deutsche Ausgabe 1992. Seite 136
  11. Masaaki Hatsumi: The Way Of The Ninja, 2004. Seite 76ff
  12. Yoshiaki Hatsumi: Knife and Pistol Fighting, 1987.
  13. Masaaki Hatsumi: The Way Of The Ninja, 2004. Seite 106

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