Bhikshuni

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Bhikkhuni (Pali; Sanskrit: Bhikshuni) sind buddhistische Nonnen. Der Nonnenorden ist fast ebenso alt wie der Mönchsorden der Männer (siehe Bhikkhu/Bhikshu), steht aber dennoch in dessen Schatten. Der vorbereitende Stand der Novizin wird Samaneri genannt. Der Nonnenorden stellt die zweite Säule des Sangha, also der Gemeinschaft der Dharma-Praktizierenden dar, bzw. einen Zweig der „Vierfachen Gemeinschaft“ von Mönchen, Nonnen, Laienanhängern und Laienanhängerinnen.

Das Verständnis von Sangha ist in den verschiedenen buddhistischen Traditionen vielfältig: Während man im südlichen Theravada-Buddhismus, etwa in Sri Lanka, Thailand, Burma oder Kambodscha, sowie im tibetischen Buddhismus darunter heute lediglich Mönche und in Ausnahmen auch Novizen-Nonnen versteht, zählen in Taiwan, Korea und Vietnam starke Nonnenorden schon von Beginn an zum Sangha.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Ordensregeln

Die Regeln des buddhistischen Mönchtums, – die Buddhistischen Ordensregeln – die im Vinayapitaka festgehalten sind, weisen für Bhikkunis einige Besonderheiten auf. Um als Bhikkhuni ordiniert werden zu können, muss ein Lebensalter von mindestens 20 Jahren erreicht sein. Die Nonne, die die Ordination leitet (Pavattini), muss ihrerseits seit mindestens zwölf Jahren Bhikkhuni sein. Fünf weitere Nonnen müssen der Ordination beiwohnen, fünf anwesende Mönche müssen sie bestätigen.

Während für Mönche 227 Regeln des Vinaya gelten, gelten für Bhikkhunis 311 Regeln, was auch in der etwas anderen Kapiteleinteilung der Ordensregeln (Patimokkha) für Bikkhuni begründet ist. Die acht Garudharmas (strikte Regeln) unterstellen den Nonnenorden dem Mönchsorden, so dass eine Bhikkhuni auch einen bedeutend jüngeren Bhikkhu ehrerbietig zu grüßen hat. Während männliche Ordensangehörige drei Gewänder besitzen dürfen, dürfen die Frauen fünf Gewänder besitzen. Während es für Männer zwei Ordinationen gibt, die Novizenordination als Samanera und die Vollordination (Upasampada) als Bhikkhu, gibt es für Frauen den Stand der Samaneri (ebenfalls mit zehn Verpflichtungen), dann eine zweijährige Übungsperiode als Sikkhamana (mit nur sechs Verpflichtungen) und ursprünglich bei Einhaltung aller Regeln die volle Ordination zur Bhikkuni. Die „Sechs-Regel-Nonnen“ der Neuzeit, wie die „Mae Chi“ in Thailand (kahl geschorener Kopf, weiße Gewänder, 5 - 8 Regeln), waren in einigen Ländern Asiens bekannt, wurden aber kaum geachtet, da sie weder Gelegenheit für ein intensiveres Dhamma-Training noch für eine Vollordination hatten und manchmal sogar als Bettlerinnen am Rand der Gesellschaft betrachtet wurden. Auch die ab 1903 als „DSM Nonnen“ (Dasa sil mata, "10 Gelübde Mutter") in Sri Lanka auftretenden Samaneris (10 Regeln) hatten keine Aussicht auf Vollordination und waren somit weder Upasika (Laienanhängerinnen) noch Bhikkhuni.

Entwicklung

Beginn der Frauenordination

Als die verwitwete Fürstin Maha Pajapati, die Ziehmutter des Siddhartha Gautama, mit 500 Frauen in ihrem Gefolge an ihn herantrat, auch den Frauen den Zugang zum Ordensleben zu ermöglichen, damit sie ihr Leben ebenfalls dem Studium des Dharma und der vollkommenen Befreiung widmen könnten, zögerte er zunächst der Bitte nachzukommen. Erst auf mehrmaliges Drängen seines Schülers Ananda, der sich zum Fürsprecher der Frauen gemacht hatte, sagte der Buddha die Ordination von Pajapati und die Ordensgründung unter der Bedingung zu, dass Pajapati die Befolgung von acht besonderen Regeln für Frauen akzeptierte. Die erste Regel besagte, dass eine Nonne, unabhängig von ihrem Alter, einen Mönch, unabhängig von seinem Alter, ehrerbietig grüßen muss.[3]. Das galt auch für Pajapati gegenüber Buddha. Die für Mönche untereinander geltende Regelung sieht vor, dass der jüngere den älteren ehrerbietig grüßen und ihm Respekt erweisen muss.

Einem Mönch ist es untersagt, einer Frau (und neun weiteren Personengruppen) Ehrerbietung zu erweisen (paying homage to) [4].

Pajapati akzeptierte diese Regeln, obwohl sie die Nonnen gegenüber den Mönchen benachteiligten, weil ihr Ziel die Begründung eines Nonnenordens um jeden Preis war. Unter den fünfhundert Frauen, die im Anschluß an Pajapati ordiniert wurden, befand sich auch Yashodhara, die ehemalige Gattin von Gautama und Mutter von Rahula. [5]. In einer späteren Geschichte, die nicht so oft erzählt wird, wandte sich Pajapati mit einer weiteren Bitte an den Buddha. Sie verlangte die Aufhebung der ersten besonderen Regel. Der Buddha lehnte ab. [6].

Die damit verbundene Anerkennung, dass Frauen ebenso wie Männer das Ziel der buddhistischen Lehre, die vollkommene Befreiung, erreichen können, war dem im vedischen Indien stark ausgeprägten Patriarchat diametral entgegengesetzt. Auch die Prüfung der Ernsthaftigkeit des Wunsches der Frauen wird für sein Zögern ins Treffen geführt.

Dass die Therigata, die „Lieder der Nonnen“ Eingang in den Pali-Kanon, die zentralen Schriften des Buddhismus gefunden haben, wird als ein Indiz dafür genommen, wie akzeptiert der Bhikkhuni-Orden in der Frühzeit des Buddhismus war.

Auch die namentliche Wertschätzung von 13 Bhikkunis durch den Buddha, die Erwähnung von mehr als 500 erleuchteten Frauen im Tipitaka und zahlreiche andere Passagen im Suttapitaka, die über die herausragende Rolle von Nonnen bei der Verbreitung des Dharma, der Lehre des Buddha handeln, beleuchten die Stellung des Nonnenordens in der Frühzeit des Buddhismus.

Der Bhikkhuni-Sangha in Sri Lanka

Zwei Bhikkhunis der Frühzeit spielen eine herausragende Rolle für die weitere Ausbreitung des Nonnenordens. Zum einen ist dies Sanghamitta Theri, die Tochter des großen buddhistischen Kaisers Asoka, die im 3. Jahrhundert v. u. Z. mit einer Anzahl indischer Bhikkhunis nach Sri Lanka kam, um auch dort den Nonnenorden zu errichten. Zum anderen ist dies die srilankische Prinzessin Anula, die mit einer Anzahl von Frauen des königlichen Hofes zu den Mitbegründerinnen des Nonnenordens in Sri Lanka zählt. Im Jahr 434 wird eine Gruppe von 10 Bhikkhunis aus Sri Lanka unter der Leitung von Bhikkuni Davasara eingeladen, um den Nonnenorden in China zu begründen. 300 chinesische Frauen werden in Nanjing ordiniert. Von dort breitet sich der Orden alsbald nach Korea und Vietnam aus. Die kriegerischen Ereignisse um die Jahrtausendwende bringen auch in Sri Lanka die Auslöschung der beiden buddhistischen Orden um 1050 mit sich. Während der Mönchsorden durch Bhikkhus aus Siam wiedererrichtet wurde, gelang dies für den Orden der Bhikkhunis erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Die erste, noch umstrittene Vollordination von Bhikkhunis aus Sri Lanka fand mit einigen durch Prof. Havenpola Ratanasara Mahathera ausgewählten ceylonesische Dasa sil matas in Los Angeles 1988 statt. Am 8. Dezember 1996 organisierte der Ehrwürdige Mapalagama Vipulasara Mahathera in Sarnath, Indien die Vollordination von 10 Dasa sil matas. Die notwendige Unterstützung erhielten sie dabei den Regeln entsprechend von Nonnen und Mönchen aus Korea, sowie von Mönchen aus Sri Lanka. Die Tradition der koreanischen Nonnen geht ursprünglich auf Nonnen aus Sri Lanka zurück. Mit der ersten Vollordination auf ceylonesischem Boden, schließlich am 12. März 1998 in Dambulla gilt nach allgemeiner Ansicht die Nonnen-Vollordination als endgültig wieder etabliert. [7]

EW Chân Không

Bhikkhunis im 21. Jahrhundert

Während der buddhistische Nonnenorden im 20. Jahrhundert fast auf Vietnam, Taiwan, Hongkong und Südkorea beschränkt war, wo er allerdings in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen bemerkenswerten Aufschwung erlebte (In Orden wie Tzuchi und Foguangshan übersteigt die Anzahl der Nonnen die der Mönche um ein Mehrfaches), kam es insbesondere unter dem Einfluss von westlich gebildeten Buddhistinnen und Buddhisten in Asien und von westlichen Anhängerinnen und Anhängern des Buddhismus zu einer beispiellosen Belebung des Bhikkhuni-Ordens. Neben den Pionierinnen, der Thailänderin Voramai Kabilsingh, sowie deren Tochter, Dr. Chatsumarn Kabilsingh (Bhikkhuni Dhammananda), gehören zu den Wegbereiterinnen des Bhikkuni Sangha in aller Welt, unter vielen anderen die deutsche Nonne Ayya Khema, die amerikanische Nonne Pema Chödrön und die aus England stammende Tenzin Palmo. Mit der 1987 in Bodhgaya gegründeten Organisation ‚Sakyadhita’ („Töchter des Buddha“), haben sowohl Frauen, die den Ordensweg beschreiten wollen, als auch Frauen, die dem mittleren Weg im Alltag folgen möchten eine starke, weltweit hörbare Stimme erhalten. Die 8. Sakyadhita Konferenz in Seoul 2004 wurde von hunderten Frauen aus 30 Ländern besucht und hat dieses Netzwerk buddhistischer Frauen zu einer einmaligen Organisation in der buddhistischen Welt gemacht, nicht nur wegen der Wiederherstellung der gleichwertigen Rolle der Frauen im Buddhismus, sondern auch wegen ihres alle buddhistischen Traditionslinien transzendierenden kommunikativen Charakters. Die 9. Sakyadhita-Konferenz in Kuala Lumpur, Malaysia (2006), die unter dem Motto „Buddhistische Frauen in einer globalen multikulturellen Gesellschaft“ stand, hat neben den bisher schon stark vertretenen Frauen des asiatischen, nordamerikanischen und westeuropäischen Buddhismus, auch afro-amerikanische und Frauen aus Südost- und Osteuropa zu Wort kommen lassen. Die 10. Sakyadhita-Konferenz fand 2008 in Ulaanbaatar in der Mongolei statt, das Motto lautete "Buddhism in Transition: Tradition, Changes, and Challenges ". [8]

Einer Anregung des Dalai Lama folgend wurde im Herbst 2005 ein Komitee westlicher Nonnen gegründet (The Committee of Western Bhikshunis), um die Ordination von buddhistischen Nonnen in Tibet voranzutreiben. Seine Mitglieder sind: Ven. Bhiksuni Tenzin Palmo, Ven. Bhiksuni Pema Chodron, Ven. Bhiksuni Karma Lekshe Tsomo, Ven. Bhiksuni Thubten Chodron, Ven. Bhiksuni Jampa Tsedroen und Ven. Bhiksuni Ngawang Dolma. Alle sechs verfügen über eine Gelongma Ordination [9], [10]. Die acht Gurudhammas sind kein Thema, es geht vor allem um die Möglichkeit der Frauen, einen buddhistischen Doktortitel (Geshe) zu erwerben.

Bhikkhuni in Theravada- und Mahayana-Buddhismus

Theravada

Bhikkhuni in Kambodscha

Heute gibt es Bhikkhuni, also die vollordinierten weiblichen Ordensangehörigen, wieder in den meisten buddhistischen Traditionen. Während der Nonnenorden in der Mahayana-Tradition, insbesondere in der chinesischen und koreanischen, seit seinen Anfängen im 5. Jahrhundert eine ununterbrochene Tradition aufweisen kann, (das gleiche gilt für Vietnam [11]) ist er in den Ländern des Theravada-Buddhismus (Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha) nach wie vor ein ungewöhnliches Phänomen, bzw. eine Quelle des Ärgers und der Ablehnung für konservative buddhistische Kreise.

Zwar gab es auf Sri Lanka einen Nonnenorden der Theravada-Tradition, der dort seit der Gründung durch Sanghamitta mehr als 1000 Jahre Bestand hatte, allerdings wurde die Ordinationslinie auch dort unterbrochen. Da zur Ordination Mönche und Nonnen benötigt werden, werden Gruppen wie die Mae Chi immer noch nicht umfassend anerkannt, wenngleich dieses Problem durch Ordination von verbliebenen Mahayana-Nonnenorden gelöst werden sollte.

Seit 1996 gilt der Bhikkhuni-Sangha als wiederhergestellt. Ausgehend von Sri Lanka, kann nun der Bhikkhuni-Orden auch in den anderen Ländern wieder Fuß fassen in denen der Theravada-Buddhismus praktiziert wird, allen voran Thailand, wo es bisher nur den Orden der Mae Chi gab.

Mahayana

Während auch in China und Japan, Vietnam und Korea die Machtstrukturen des Buddhismus zum größten Teil eine Domäne der Männer waren, gab es dennoch auch dort Nonnengemeinschaften. Unter den ersten buddhistischen Geistlichen, die nach Japan kamen, waren bereits Nonnen.

Im Ritsuryō-Buddhismus Japans zur Zeit Shōmu-Tennōs während der Nara-Zeit gab es das System der Provinztempel bzw. Landesschutztempel, von denen jeweils zwei pro Provinz bestanden: ein Mönchs- und ein Nonnentempel. Ein ähnliches System von Nonnentempeln scheint parallel zum Fünf-Berge-System des Zen existiert zu haben. Einige Tempel wie der Tōkei-ji nahmen auch Frauen als Nonnen auf, die aus ihrer Ehe flohen. Tempel oder Klöster, in denen Frauen Unterschlupf finden konnten, hießen Kakekomi-dera (駆け込み寺). In manchen dieser Tempel konnten Frauen sogar von sich aus offizielle eine Scheidung ihrer Ehre erwirken, diese Heiligtümer hießen Enkiri-dera (縁切り寺). Neben dem Tōkei-ji gehörte noch der Mantoku-ji (満徳寺) dazu.

In Tibet war es nie zur Ausprägung eines Ordens voll ordinierter Nonnen gekommen. Erst Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, setzte sich dafür sehr nachdrücklich ein, da insbesondere westliche Frauen, die in tibetischen Linien praktizierten, den Schritt zu einer vertieften Praxis als voll Ordinierte ebenso machen wollten, wie westlichen Männern dies ohne weiteres möglich war. Das Problem, dass eine gültige Ordination von Frauen auch der Anwesenheit von Bhikkunis bedarf – die es weder in Sri Lanka noch in Tibet und schon gar nicht in Amerika oder Europa gab – löste der Dalai Lama mit dem Hinweis auf die voll ordinierten Bhikkunis in Hong Kong und Taiwan.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Buddhistischer Orden: Bewahrer des Dharma
  2. siehe Dharmaguptaka: heute in Ostasien (China, Korea, Japan, Vietnam)
  3. Thanissaro Bhikkhu über den Beginn der Frauenordination und die eight rules of respect Buddhist Monastic Code II, Kapitel 23
  4. Buddhist Monastic Code II, Chapter 8 Respect
  5. Yasodhara
  6. [1]s. S. 29]
  7. Petra Kieffer-Pülz: Auszug aus einem Artikel erschienen in "Tibet und Buddhismus" Nr. 79 – Okt.-Dez. 2006 Sakyadhita Europa - deutsch
  8. Informationsbroschüre (engl.)
  9. Informationen über das Committee der westlichen buddhistischen Nonnen
  10. Seite mit vielen weiteren Informationen und Stellungnahmen (Seite von Thubten Chodron)
  11. [2]Zitat: "Das buddhistische Klosterleben begann bereits zu Lebzeiten unseres Lehrers Buddha Sakyamuni. Was für seine Zeit revolutionär war, ist, daß er zu seinen Lebzeiten auch schon einen Nonnenorden gründete, der in Ländern wie Taiwan, Hongkong, Vietnam und Korea bis heute überlebt hat."

Weblinks


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