Bergischen Land

Bergischen Land

Das Bergische Land ist eine bis 519 m ü. NN hohe Region in Nordrhein-Westfalen (Deutschland), welche neben dem Städtedreieck RemscheidSolingenWuppertal auch den Kreis Mettmann, die kreisfreie Stadt Leverkusen, den Rheinisch-Bergischen und den Oberbergischen Kreis sowie Teile des Rhein-Sieg-Kreises umfasst. Es bildet somit den südöstlichen Teil des nordrheinischen Landesteils, ist aus dem historischen Territorium Herzogtum Berg hervorgegangen und ist bis auf die in der Kölner Bucht gelegenen Städte und Gemeinden geologisch betrachtet Teil des Rheinischen Schiefergebirges.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Historisch-geographische Abgrenzung

Iuliacensis et Montensis Ducatus, 1645, Atlas Maior

Das historische Herzogtum Berg umfasste im Wesentlichen das heutige Städtedreieck Remscheid-Solingen-Wuppertal, den Kreis Mettmann, die kreisfreie Stadt Leverkusen, den Rheinisch-Bergischen Kreis, einen Großteil des Oberbergischen Kreises, sowie den rechtsrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises. Zu dem historischen Territorium des Bergischen Landes gehören auch die Städte Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr und Teile von Köln, Duisburg und Oberhausen. Die ehemaligen Herrschaften Gimborn und Homburg im heutigen Oberbergischen Kreis kamen in der Zeit Napoleons zum Großherzogtum Berg.

Das Bergische Land bildet den südöstlichen Teil des nordrheinischen Landesteils.

Physisch-geographische Abgrenzung

Geologisch ist das Bergische Land ein Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Die Grenzen des Bergischen Landes bilden im Norden die Ruhr, im Westen die Kölner Bucht und im Süden die Sieg. Die östliche, lediglich kulturgeographische Grenze bilden die Bergisch-Märkischen Hochflächen mit der Wasserscheide zwischen Wupper und Ruhr, die bei Schwelm und Ennepetal zuerst den fließenden Übergang zum Sauerland bilden und sich dann über 60 km weit nach Süden fortsetzen, bis bei Reichshof das Dreiländereck aus Bergischem Land (Rheinland), Sauerland (Westfalen) und Rheinland-Pfalz erreicht wird. Der tiefste Punkt liegt bei 29 m am Rhein, der höchste auf 519 m über NN (Homert).

Ohne erkennbare landschaftliche Grenze geht östlich einer Linie Wuppertal-Beyenburg- Marienheide das Bergische Land ins Sauerland über. Allein an politischen und kulturellen Unterschieden, der höheren Meereshöhe und gegebenenfalls auch an den Einzugsbereichen der großen Flüsse ist die Abgrenzung zwischen den beiden Regionen erkennbar. So liegt ein großer Teil des Bergischen Landes im Einzugsbereich des Rheins, der Wupper und Sieg, während der an das Bergische Land angrenzende Teil des Sauerlandes wesentlich von der Ruhr und ihren Nebenflüssen entwässert wird. Dagegen ist im Westen die landschaftliche Grenze zur Kölner Bucht und zum Niederrheinischen Tiefland sehr deutlich ausgeprägt. Aus dem abwechslungsreichen Mittelgebirge gelangt man über verschiedene (Heide)-Terrassen in eine geradezu einförmige, fast langweilige Tieflandslandschaft ohne nennenswerte Erhebungen, die dazu durch ihre starke Besiedlung mit den städtischen Agglomerationen von Köln und Düsseldorf im Gegensatz zum Mittelgebirge alles andere als landschaftlich anziehend wirkt. Hier finden sich allerdings mit einigen Heidelandschaften (Wahner Heide, Hildener Heide, Ohligser Heide), ausgedehnten Wäldern (Königsforst) und Baggerseen beliebte Naherholungsgebiete für die Bewohner der umliegenden Großstädte.

Im Gegensatz zur schrofferen, vulkanischen Eifel ist das Bergische Land eher durch vorwiegend sanfte Hügel geprägt. Der Südwesten des Bergischen Landes, der an Köln grenzt, gilt als beliebtes Wohngebiet für die Pendler der umliegenden Großstädte. Der Naturpark Bergisches Land definiert das Gebiet darüber hinaus als Erholungsgebiet, das vorwiegend kleinteilig untergliedert ist, größere zusammenhängende Waldgebiete gibt es nur wenige. Nach Osten nimmt der Anteil der Waldlandschaft an Fichtenhochwald wegen der mit der Höhenlage ungünstigeren Witterungsbedingungen zu. Der Nutscheid am Südrand des Bergischen ist eines der größten Forstgebiete, weitgehend unbewohnt und beliebt bei naturnahen Wanderern. Ein weiteres großes Waldgebiet ist das Heck zwischen Engelskirchen, Drabenderhöhe und Overath-Federath.

Das Bergische Land bildet zusammen mit dem Sauerland die Naturräumliche Haupteinheit D38. Diese Mittelgebirgslandschaft wird auch als Süderbergland bezeichnet.

Abgrenzung nach heutigem Regionalbewusstsein

Im heutigen Sinne, vor allem im Bewusstsein der Bevölkerung, ist die historische Zugehörigkeit zum Bergischen Land aber teilweise nicht mehr vorhanden. Vor allem bei den Orten in der Kölner Bucht oder an der Ruhr ist dies der Fall. Man sieht sich in diesen Orten heute mehrheitlich nur noch als Rheinländer oder zum Ruhrgebiet zugehörig.

Das Verhältnis von Düsseldorf zum Bergischen Land ist etwas kompliziert: Historisch war Düsseldorf lange Zeit die Hauptstadt des Bergischen Landes, und ein einziger Blick auf das Düsseldorfer Stadtwappen (den Bergischen Löwen) genügt, um zu beweisen, dass Düsseldorf eine Bergische Stadt war. Gleichwohl hat sich Düsseldorf seit Ende des Herzogtums dem Großraum Rheinland zugewandt.

Das Bergische Land entspricht im heutigen Regionalbewusstsein der "Mittelgebirgsregion Bergisches Land".

Nieder- und Oberbergisches Land

Ansicht auf Wuppertal

Gleich hinter Gerresheim beginnt das Niederbergische mit seinen sanft geschwungenen Hügeln und dem Neandertal, dem Fundort des gleichnamigen Eiszeitmenschen. In Städten wie Mettmann und Wülfrath ist der alte Stadtkern mit Fachwerkhäusern, die einen Ring um die Kirche oder den Markt bilden, erhalten geblieben.

Auf der östlichen Seite des Bergischen Landes liegt das Oberbergische. Der Oberbergische Kreis bildet den größten und landschaftlich schönsten Teil des Oberbergischen Landes. Orte hier sind die Kreisstadt Gummersbach, Bergneustadt, Hückeswagen, Lindlar, Marienheide, Wipperfürth und Radevormwald. Ebenfalls zur oberbergischen Region gehört der Rheinisch-Bergische-Kreis. Neben der Kreisstadt Bergisch Gladbach gehören Burscheid, Kürten, Leichlingen, Odenthal, Overath, Rösrath und Wermelskirchen dem Kreis an. Schließlich gehört zur Oberbergischen Region auch noch das Gebiet nördlich der Sieg des rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis mit den Gemeinden Much, Neunkirchen-Seelscheid, Ruppichteroth, Windeck und Teilen von Eitorf.

Das Herz des Bergischen Landes bilden Lennep, Burg und das etwas nördlicher gelegene Bergische Städtedreieck. Wuppertal liegt in einer schmalen, lang gezogenen Schlucht. Das Wahrzeichen der Stadt ist die bekannte Schwebebahn. Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten im heutigen Wuppertaler Stadtgebiet (damals noch getrennt in die Gemeinden Elberfeld und Barmen) über 100.000 Menschen an einem der wichtigsten Bank- und Handelsplätze Preußens; nur wenige Städte Deutschlands waren größer. In Barmen fuhr die erste elektrische Zahnradbahn der Welt, in Elberfeld wurde das Aspirin erfunden und das Unternehmen Bayer gegründet. Barmen und Elberfeld sind heute Stadtteile Wuppertals. Auch heute noch beheimatet Wuppertal mit der Barmer Ersatzkasse, Vorwerk und Erfurt Raufaser bekannte Unternehmen. Das Briller Viertel in Elberfeld ist eines der größten Villenviertel Deutschlands. Remscheid ist auf die Innenstadt bezogen die höchstgelegene Großstadt nördlich der Donau, dort liegt mit 24 Prozent Steigung auch die steilste innerörtliche Straße Europas. Aus Solingen kommen die weltberühmten Klingen ebenso wie der Knirps-Schirm, dort ist das größte der noch vorhandenen drei O-Bus-Netze Deutschlands zu finden. Lennep weist ein gut erhaltenes Ensemble bergischer Fachwerkhäuser auf. Die Müngstener Brücke, Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, liegt mitten im Bergischen Städtedreieck. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist Burg an der Wupper.

Klima

Mit westlichen Luftströmungen treffen feuchte atlantische Luftmassen im Bergischen Land erstmals auf ein Hindernis und werden gestaut (Luvlage). Folge sind Steigungsregen, die auf relativ kurzer Distanz von 800 mm im Westen auf über 1350 mm im Osten im Jahresmittel ansteigen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7-10°C und die Anzahl der Tage mit einer Temperatur >10°C (Vegetationszeit) liegt zwischen 150 und 180 Tagen. In der Vegetationszeit beträgt die mittlere Temperatur 13-16°C. Für die natürliche Vegetation sind mit diesen Klimamerkmalen sehr günstige Wuchsbedingungen gegeben. Durch die Gefahr von Starkregenfällen und Spätfrösten sind die Bedingungen für die Landwirtschaft in diesem Klima schwierig.

Städte und Gemeinden

Eine vollständige Auflistung der heutigen bergischen Städte und Gemeinden mit einer chronologische Auflistung der Stadtwerdungen findet sich unter: Bergische Städte und Gemeinden.

Geschichte [1]

Besiedlung

Bergische Städte und Gemeinden in NRW historisch nach dem Gebietsstand des Herzogtum Bergs von 1789 (hellgrün) und nach heutiger Regionalzugehörigkeit (dunkelgrün)

Der ausgestorbene Vertreter der Gattung Homo aus der Eiszeit – der Neandertaler (Homo neanderthalensis) – wurde nach seinem ersten Fundort im niederbergischen, von der Düssel durchflossenen Neandertal benannt. Auf der Suche nach Jagdbeute zog er sicherlich durch die damalige Tundra des Gebietes. Er wurde vor etwa 35.000 Jahren vom modernen Menschen (Homo sapiens) abgelöst. Für die Kulturepochen von der Steinzeit über die Bronze- bis zur Eisenzeit liegen für das Bergland nur vereinzelte Funde vor, die den Schluss nahelegen, dass die Hochflächen in dieser Zeit nicht dauerhaft besiedelt waren, sondern lediglich als Jagd- und Weideland genutzt wurden. Das Rheintal des Bergischen Landes wurde jedoch bereits im frühen Neolithikum besiedelt. Es ist wahrscheinlich, dass in der Nähe der wenigen Wege, die vom Rhein durch das dicht bewaldete Bergland führten, zur Zeit der Römer vereinzelte Einödhöfe germanischer Bauern lagen, in denen sich die Menschen vor römischen Übergriffen in Sicherheit bringen konnten. Die dauerhafte Besiedlung des Schiefergebirges zwischen Ruhr und Sieg begann jedoch erst vergleichsweise spät zwischen dem späten 7. und 9. Jahrhundert. Da das regenreiche und kühle Klima und die schweren, steinigen Lehmböden denkbar schlechte Voraussetzungen für den Feldbau boten, war das Schiefergebirge bis dahin kein attraktives Siedelland. Nach der Völkerwanderung zur Zeit der Franken nahm die Bevölkerungszahl im Altsiedelland des Rheintales deutlich zu. In Verbindung mit deutlichen Verbesserungen in Landwirtschaft und Handel setzte eine langsame Besiedlung des Berglandes vom Rhein ausgehend ein. Der wirtschaftliche Schwerpunkt lag aus den genannten Gründen auf der Tierhaltung. Den endgültigen Ausschlag gab jedoch wahrscheinlich Karl der Große, der den Adel der Rhein- und Ruhrfranken während der Sachsenkriege anwies, im Niemandsland zwischen den Sachsen und dem Frankenreich einige Herrenhöfe anzulegen, um davon ausgehend das Waldland fränkisch zu besiedeln. Zu diesen Herrenhöfen gehörten u.a. Haan, Elberfeld und Schwelm.

Mittelalter

Nach der Gründung des Deutschen Reiches im 10. Jahrhundert setzte die große Rodungszeit im Bergischen ein, die bis ins 16. Jahrhundert andauerte. Damit verbunden waren viele neue Siedlungen und ein Ausbau der Herrenhöfe zu hölzernen Burgen. Dabei konnten die Herren der Burg Berge im heutigen Altenberg ihre Macht auf das Gebiet ausdehnen, das schließlich durch Adolf von Berg im Jahr 1101 zur Grafschaft erhoben wurde (daher der Name „Bergisches Land“). Ebenfalls begann zu dieser Zeit der Aufschwung des Wupper-Raumes als Zentrum der Kleineisenindustrie.

Um 1150 wurde Schloss Burg an der Wupper Sitz der Grafen von Berg. Von dort aus dehnte das Haus seine Macht nach Süden bis zur Sieg und nach Osten bis zur Grafschaft Hückeswagen aus. Während Hückeswagen 1260 friedlich an das Haus Berg ging, kam es mit den (verwandten) Märkern (Grafschaft Mark) zu langanhaltenden und gewalttätigen Konflikten, die bis ins 15. Jahrhundert schwelten (bezeichnenderweise war die Grenze zwischen Berg und Mark nahezu deckungsgleich mit der frühmittelalterlichen Grenze zwischen den rheinischen Franken und den westfälischen Sachsen). Im 14. Jahrhundert hatte das Land unter Überschwemmungen, Missernten, Pest und dem Krieg zwischen Friedrich von Österreich und Ludwig von Bayern zu leiden.

1386 wurde Düsseldorf die Residenz der Herzöge von Berg, die durch geschickte Heiratspolitik die Herzogtümer Jülich und Kleve mit dem ihren zum Tripelherzogtum Jülich-Kleve-Berg vereinigten.

Neuzeit

Typische Landschaft aus Wäldern und Weiden im Niederbergischen Land

Insbesondere unter Wilhelm dem Reichen wurde das Herzogtum zu einem Zentrum humanistischer Wissenschaft. Kriegsgefahr bestand in dieser Zeit nicht. Jedoch plünderten entlassene Söldner im Herzogtum. Hinzu kamen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten, bis Wilhelm 1565 die freie Religionswahl gestattete. Dies verhinderte allerdings nicht, dass auch das Bergische Land blutiger Schauplatz des 30-jährigen Krieges wurde, der auch als Religionskonflikt begonnen hatte. In den ersten 50 Jahren des 17. Jahrhunderts kämpften und plünderten Spanier, Schweden, Holländer und Bayern. Zudem wüteten die Ruhr und die Pest.

Anfang des 18. Jahrhunderts folgte ein starker Aufschwung, der bis in die untersten Schichten Wohlstand brachte. Im siebenjährigen Krieg war das Herzogtum neutral. Der Aufschwung hielt an, denn die ersten Fabrikanten verkleideten ihre Fachwerkhäuser mit Schiefer. Der typisch bergische Haustyp war entstanden. Ende des 18. Jahrhunderts begann auch hier die Industrielle Revolution, bei der einige bergische Bauern Fabrikarbeiter wurden. Erste befestigte Straßen wurden gebaut, bis Napoleon dem Frieden und dem freien Herzogtum Berg ein jähes Ende setzte. In den 15 Jahren französischer Besetzung kamen fast 5.000 bergische Soldaten beim Russlandfeldzug ums Leben. Mit Hilfe der Kosaken wurde das Land von den Franzosen befreit, um anschließend 1822 Teil der preußischen Rheinprovinz zu werden. In den bergischen Großstädten lebten und arbeiteten zu dieser Zeit immer mehr Menschen unter unmenschlichen Bedingungen. Aufgrund der mangelhaften Hygiene in den Arbeitervierteln verbreitete sich die Cholera und tötete viele Menschen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tal der Wupper zum größten Wirtschaftszentrum des Kaiserreiches. Mit dem Bau der ersten elektrischen Zahnrad-Bergbahn in Barmen, Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke bei Müngsten, dem Wiederaufbau von Schloss Burg sowie der Barmer- und Ronsdorfer Talsperre strebte das Industriezeitalter seinem Höhepunkt entgegen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges stand das Bergische Land in voller Blüte. Nach dem Krieg wurden Elberfeld und Barmen sowie einige umliegende Orte zur Großstadt Wuppertal vereint. Im Zweiten Weltkrieg wurden die bergischen Großstädte häufiges Ziel der alliierten Bomberverbände und zu weiten Teilen zerstört, so z.B bei den Luftangriffen auf Wuppertal 1943, den Bombardierungen von Solingen 1940 und 1944, oder bei dem Luftangriff auf Remscheid 1943.

Eine erneute (im Vergleich zum ehemaligen Herzogtum allerdings wesentlich kleinere) Grenzziehung erhielt das Bergische Land durch die Gründung des gleichnamigen Naturparks im Jahre 1973, der die ländlich geprägten Mittelgebirgsbereiche südlich der Wupper zwischen Rhein und Sauerland umfasste. 2006 erfolgte eine Ausweitung auf die Freiräume der drei bergischen Großstädte.

Gewässer

Flüsse

Als größtes inneres Fließgewässer durchquert die Wupper das Bergische Land. Rhein, Ruhr, Deilbach und Sieg bilden dagegen die Grenzflüsse. Durch die über den Fluss hinausgehende Territorialausdehnung in Mülheim an der Ruhr und Oberhausen lag die Ruhr abschnittsweise aber auch innerhalb des Bergischen Landes.

Talsperren

Im Bergischen Land gibt es viele Talsperren. Einige davon dienen als Trinkwasserreservoir für die angrenzenden großen Städte und darüber hinaus als Naherholungsgebiete. Weltweit gibt es kaum eine vergleichbare Region mit derart vielen Stauseen auf engem Raum. Im Einzelnen sind zu nennen:

Tourismus

Das Bergische Land ist ein beliebtes Ziel für Touristen, sowohl für Naherholungssuchende als auch für Kurzurlauber. Seit 2005 vermarkten der Rheinisch-Bergische und der Oberbergische Kreis die Tourismusregion durch die Naturarena Bergisches Land GmbH.[2]

Wirtschaft

Hohe Niederschläge und ein starkes Gefälle zum nahen Rhein sowie zu Ruhr bieten dem Bergischen Land günstige Bedingungen für die Nutzung der Wasserkraft. Dies bot der Kleineisenindustrie die Grundlage für eine frühzeitige wirtschaftliche Entwicklung des Bergischen Landes. Viele Orte spezialisierten sich auf die Produktion einer einzelnen Produktgruppe. So ist Velbert das Zentrum der Schloss-Industrie. Maschinenbau und Metallverarbeitung bestimmen das Leben in der "Werkzeugstadt" Remscheid und in der vormaligen Stadt Cronenberg, die heute ein Stadtteil von Wuppertal ist. Rund 440 Millionen Euro, das sind 44 Prozent des gesamten Jahresumsatzes der Republik, werden in der Schneidwaren- und Besteckindustrie der Stadt Solingen erwirtschaftet. Dagegen waren das Tal der Wupper von Radevormwald aus Wupper abwärts, Wuppertal selbst sowie der Osten von Remscheid stärker von der Textilindustrie geprägt.

Der Waldreichtum infolge guter Niederschlagsbedingungen und vieler Hanglagen, die für andere Landwirtschaft weniger geeignet waren, sorgte für ein gutes Angebot an Grubenholz. Das unterstützte vielerorts das frühe Entstehen kleinerer Bergwerke, in denen vor allem Metallerze und Schiefer gebrochen wurden; später auch den Ausbau der großen Kohlezechen in Westfalen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Natursehenswürdigkeiten

Stausee bei Wuppertal-Beyenburg

Altstädte / Innenstädte

  • Die historischen Altstädte von Solingen-Gräfrath, Hückeswagen, Remscheid-Lennep und Velbert-Langenberg mit ihren Fachwerkbauten
  • Die Gründerzeitarchtiketur der Nordstadt von Wuppertal-Elberfeld
  • Die mittelalterliche Innenstadt von Ratingen mit der ältesten gotischen Hallenkirche im Rheinland, Resten der Stadtbefestigung und den alten Bürgerhäusern

Bauwerke und Sakralbauten

Schloss Burg in Solingen

Museen

Textilmuseum Haus Cromford, Ratingen

Technische Sehenswürdigkeiten

Wuppertaler Schwebebahn

Kulinarische Spezialitäten

Als Spezialität gilt die Bergische Kaffeetafel, die man nicht mit Bergischen Waffeln verwechseln darf, auch wenn letztere zur Kaffeetafel dazu gehören. Die Kaffeetafel ist eine sehr umfangreiche Mahlzeit, die man in den meisten Gaststätten sogar vorbestellen muss. Neben den Waffeln mit Kirschen, Vanilleeis und Milchreis gehören diverse Sorten Brot (vor allem auch Schwarzbrot und Semmel, der sog. Platz), Zwieback, Wurst, Schnittkäse, Honig, Quark, Butter, Burger Brezeln und Apfelkraut dazu. Der Kaffee wird in der so genannten Dröppelminna, einer Zinnkanne mit Hahn, die ähnlich dem für Tee gedachten russisch-türkischen Samowar ist, gereicht.

Aus Solingen-Burg stammt die Burger Brezel, die dort auch zur Kaffeetafel serviert wird.

typisch Bergisch: Die Dröppelminna

Der Bergische Pillekuchen ist ein Kartoffelpuffer in Pfannkuchengröße, der mit Apfelmus serviert wird, gewissermaßen das Gegenstück zum Schweizer Rösti.

Kottenbutter nennt man ein mit Wurst und Zwiebelringen belegtes Schwarzbrot, das als kleine Zwischenmahlzeit gegessen wird. Früher nahmen im Bergischen Land die Schmiede die Kottenbutter als Frühstücksbrot mit zur Arbeit in die als Kotten bezeichneten Werkstätten, Schmieden, Schleifereien oder kleinen Gießereien, in denen die Bergischen Stahlwaren (Werkzeuge, Bestecke usw.) hergestellt wurden.

Bekannt ist auch der Rheinische Sauerbraten, möglichst als Pferde-Sauerbraten, dessen Soße durch Rosinen und Rübenkraut süß-sauer schmeckt.

Der Panhas ähnelt dem bayerischen Leberkäse: ein kastenkuchenförmiger Kloben aus Speck, Buchweizenmehl, Gewürzen und kleinen Fleischstücken. Diese werden in Scheiben geschnitten und in Fett schwimmend gebraten.

Rivkooche (Reibekuchen) sind kleine, kross gebratene Kartoffelpuffer, die je nach Vorliebe mit Zuckerrübensirup (Rübenkraut) übergossen oder pur verzehrt werden. In der Edelvariante können sie auch mit Crème fraîche und Kaviar belegt oder mit Lachs, der früher ein Essen für arme Leute war, genossen werden.

In Lieberhausen, einem Stadtteil von Gummersbach, kann man den Lieberhäuser Eierkuchen essen, in Niederrengse wird diese Spezialität ebenfalls serviert.

Bergisches Heimatlied

Als Hymne des Bergischen Landes gilt das im Jahre 1892 erstmals öffentlich aufgeführte Bergische Heimatlied, das die Landschaft im Stil der wilhelminischen Zeit charakterisiert:

Wo die Wälder noch rauschen, die Nachtigall singt,
die Berge hoch ragen, der Amboss erklingt. ...

Weitere Bergische Begriffe

  • Das kleine Küchenmesser wird im Oberbergischen auch als Klöößchen, im Solinger Raum dagegen als Zöppken bezeichnet. Im Rheinisch-Bergischen Kulturraum, also auch in Lindlar, wird dieses hingegen als "Flücks-chen" bezeichnet. Im Niederbergischen Raum, z. B. in Velbert, spricht man dann eher vom "Pittermett".
  • Den Salat (als Sammelbegriff für alle Salate) bezeichnet man im Bergischen als Schloot, wobei das „o“ offen wie der Anfangsbuchstabe im Vornamen „Otto“ ausgesprochen wird, im Niederbergischen (Velbert) aber geschlossen wie Schlot (Kamin).
  • Die Kartoffeln bezeichnet man als Äädäppel (Erdäpfel), was dann verkürzt zu Ääpel oder Ärpel wird. Der Kartoffelsalat wird demnach als Ärpelschloot bezeichnet.
  • Zahn- oder Kopfschmerzen bezeichnet man als Zängping (wobei „Zäng“ schnell ausgesprochen wird) oder Kopping. Der Schmerz im Allgemeinen wird also Ping, hochdt.Pein genannt.

Persönlichkeiten

Bundespräsidenten

Bemerkenswert ist, dass das Bergische Land drei der bisher neun deutschen Bundespräsidenten hervorgebracht hat: Gustav Heinemann wurde in Schwelm geboren, Walter Scheel in Solingen und Johannes Rau in Wuppertal.

Siehe auch

Portal
 Portal: Bergisches Land – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bergisches Land

Literatur

  • Herbert Nicke, Bergisches Fachwerk. Ein Streifzug durch Architektur und Geschichte des rechtsrheinischen Fachwerkbaus, Martina Galunder-Verlag: Wiehl 1996, ISBN 3-931251-10-1
  • Herbert Nicke, Bergische Mühlen. Auf den Spuren der Wasserkraftnutzung im Land der tausend Mühlen zwischen Wupper und Sieg, Martina Galunder-Verlag: Wiehl 1998, ISBN 3-931251-36-5
  • Gero Karthaus, "Oberbergische Lebensräume. Die Pflanzen- und Tierwelt der wertvollsten Biotope im Oberbergischen Kreis."Gummersbach 1988, Verlag Gronenberg, ISBN 3-88265-149-0
  • Gero Karthaus, "Natur vor der Haustür. Leben mit Landschaft, Pflanzen und Tieren in oberbergischen Dörfern früher und heute." 1993, erhältl. bei Martina-Galunder Verlag, ISBN 3-88913-148-4
  • Rheinisch-Bergischer Kalender Heimatjahrbuch für das Bergische Land

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Quellenverzeichnis "Geschichte" der Homepage "Wuppertaler Naturerbe Scharpenacker Bäche", siehe www.scharpenacken.de
  2. Naturarena intern

Wikimedia Foundation.

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