Österreichische Nation


Österreichische Nation
Der Österreichische Bundesadler ist ein Symbol der Republik Österreich. Er hat sich seit 1945 auch zu einem nationalen Symbol entwickelt.[1]

Die Österreichische Nation ist ein Überbegriff für kollektive kulturelle, soziale, historische, sprachliche und ethnische Identitäten, die sich auf die österreichischen Bevölkerung bezogen entwickelt und die zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb dieser geführt haben. Erste österreichische Wir-Identitäten entstanden bereits im Mittelalter, waren jedoch nicht nationalstaatlich ausgeprägt.[2] Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Österreicher oft als Teil einer deutschen Identität aufgefasst. Die Wandlung hin zum eigenständigen österreichischen Nationsbegriff fand erst Mitte des 20. Jahrhunderts statt, weshalb Österreich auch als „verspätete“ oder „junge“ Nation bezeichnet wird. Die überwiegende Mehrheit der Österreicher sieht sich heute als Teil einer österreichischen Nation.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mittelalter

Vorläufer des Namens Österreich bestanden bereits seit dem Frühmittelalter. 996 wurde er erstmals als „Ostarrîchi“ urkundlich erwähnt, im 13. Jahrhundert dann als „Osterrich“.[4] Zunächst galt diese Bezeichnung nur für das Gebiet des Herzogtums Österreich, später auch für den weiteren habsburgischen Herrschaftsbereich um das Kernland. Die Habsburger selbst wurden als „Haus Österreich“ bezeichnet. Zu dieser Zeit bestand weder der ethnische Volks-, noch der Nationsbegriff in seiner heutigen Bedeutung. Dennoch wurde laut Friedrich Heer Wien zum Zentrum eines ersten Österreich-Bewusstseins.[5]

Die Identifikation des Einzelnen mit der Gesellschaft war bis zur Moderne vor allem durch die christliche Religion und die Eigenschaft als Untertan eines Herrschers bzw. einer Dynastie geprägt. Laut Irene Etzersdorfer spielten sprachliche und ethnische Indentifikationsschemata nur eine untergeordnete Rolle. Tradition und Identität seien durch Berufung darauf und deren darausfolgende Konstruktion entstanden.[6]

Der geschichtliche Prozess hin zur Kleindeutschen Lösung

Dennoch bestanden auch im vornationalstaatlichen Zeitalter bereits lokale kollektive Identitätsmuster, wobei, so Etzersdorfer, erst ab dem 18. Jahrhundert von Ansätzen zu ethnischer oder nationalistischer Politik gesprochen werden könne. So wuchsen nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches durch die Niederlegung des Kaisertitels durch Franz II. 1806, der bereits 1804 als Franz I. das Kaisertum Österreich begründet hatte, und der Verabschiedung der Deutschen Bundesakte 1815 die Bestrebungen innerhalb des Deutschen Bundes, diesen in einen Nationalstaat umzuwandeln. Böhmen und Mähren hätte man allerdings integriert, obwohl die beiden Länder nur teilweise deutsch besiedelt waren.[6]

Das nationalstaatliche Interesse lag vor allem bei den führenden Schichten des Bürgertums und kaum bei Hochadel und Herrscherhäusern. Dies äußerte sich auch in der Revolution von 1848, die neben einem demokratischen auch einen von der Romantik beeinflussten deutschnationalen Antrieb hatte. Neben dem Bürgertum waren daran vor allem Mitglieder studentischer Burschenschaften beteiligt. An den Tagungen der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche nahmen auch Abgeordnete aus dem damaligen Kaisertum Österreich teil. Erzherzog Johann von Österreich fungierte kurze Zeit als „Reichsverweser“.

Für die neoabsolutistische Politik stand jedoch nach der Niederschlagung der Revolution weniger die nationale, als vielmehr die dynastische Problematik im Vordergrund. Ein Monarch aus dem Haus Habsburg wurde bis 1866 von den süddeutschen Staaten und den Königreichen Sachsen und Hannover als legitimes Oberhaupt der „großdeutschen Lösung“, d.h. eines Deutschen Reiches inklusive der deutschen Teile Österreichs, betrachtet. An der Frage der Vormachtstellung innerhalb des Deutschen Bundes bzw. des zu gründenden Reiches entzündete sich schließlich der Konflikt im Deutschen Krieg zwischen den Großmächten Preußen und Österreich, den Preußen als Angreifer mit der Niederwerfung Österreichs 1866 in der Schlacht von Königgrätz für sich und die „Kleindeutsche Lösung“ (ohne Österreich) entschied.

Dieses Datum wird von manchen Historikern bereits als Zeitpunkt des Ausscheidens Österreichs aus der deutschen Nation bezeichnet.[7][8] Golo Mann und andere Autoren sehen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine konkreten Ansätze für diese Entwicklung: „Die Schweizer waren eine Nation für sich geworden. Die Österreicher nicht [...] Als „Nation“ mußten sie über die Grenzen nach Deutschland schauen.“[9]

Im Jahr nach dieser Niederlage wurde das bis dahin einheitsstaatliche Kaisertum Österreich, um sich mit dem ungarischen Adel zu arrangieren, durch den Ausgleich in zwei Reichshälften geteilt. Die Forderungen der slawischen Völker, allen voran der Tschechen, blieben dabei unerfüllt. Der Monarch legte 1868 fest, dass die Gesamtmonarchie als österreichisch-ungarische Monarchie zu bezeichnen sei. In Cisleithanien, dem nichtungarischen Teil der Gesamtmonarchie, wurde der Begriff Österreicher weiterhin übernational verwendet: „Für alle Angehörigen der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder besteht ein allgemeines österreichisches Staatsbürgerrecht“ (1867). Andererseits wurde das k.k. Gebiet bis 1915 offiziell als „die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“ bezeichnet. Erst dann legte man fest, dass Cisleithanien nun auch offiziell als Österreich zu bezeichnen sei.

Nach dem erfolgreichen Feldzug gegen Frankreich 1870/71 erfolgte schließlich die vom preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck favorisierte Gründung eines Deutschen Reiches ohne Österreich (Kleindeutsche Lösung). Wilhelm von Preußen wurde im Spiegelsaal des Schlosses Versailles von den deutschen Fürsten zum Deutschen Kaiser ausgerufen, nachdem man die Zustimmung Bayerns durch die Einräumung diverser „Reservatrechte“ erleichtert hatte.[10]

Entwicklungen nach 1871

Karikatur Schönerers, die als Antwort auf einen Gewaltakt des betrunkenen Politikers gilt

In der deutschsprachigen Bevölkerung der damaligen österreichischen Monarchie, vor allem im liberalen Bürgertum, war das Bekenntnis der Zugehörigkeit zur deutschen Nation spätestens seit den Napoleonischen Kriegen weit verbreitet. Nach der Reichsgründung schrieb etwa Franz Grillparzer:

„Als Deutscher ward ich geboren, bin ich noch einer? Nur was ich Deutsches geschrieben, das nimmt mir keiner.“

An Aussagen wie diesen zeigt sich deutlich, dass nationale und kulturelle Identitäten damals vor allem über sprachliche Gemeinsamkeiten, als Zugehörigkeitskriterium zu einem Volk, definiert wurden. Hierzu trug auch die Vereinheitlichung des Deutschen in Sprache und Schrift bei, die überstaatlich erfolgte. Gleichzeitig ist von Grillparzer aber auch folgendes Zitat überliefert:

„Ich bin kein Deutscher, ich bin Österreicher.[11]

Es belegt die Ambivalenz, welcher der Begriff „Österreicher“ lange Zeit unterworfen war. Einerseits diente er zur Eigendefinition als spezielle Ausformung der Deutschen, so wie Preußen, Sachsen, Bayern, usw., andererseits als Abgrenzung den anderen Deutschen gegenüber.[12] Das Deutschbewusstsein war dabei auch im Herrscherhaus verbreitet. Kaiser Franz Joseph I. erklärte gegenüber dem britischen König Eduard VII.: „Sire, ich bin ein deutscher Fürst.“ Friedrich Heer nannte ihn deshalb und aufgrund seiner späteren Annäherung an die Hohenzollern den „Erzvater des Anschlusses“.[13]

Trotz des Bekenntnisses des Monarchen zu seiner deutschen Nationalität gehörten vor allem die bürgerlichen Kreise in Österreich zu den größten Kritikern des Habsburger Herrscherhauses, sahen sie in den Habsburgern doch das Haupthindernis einer Vereinigung mit dem Deutschen Kaiserreich. Führender Protagonist einer Großdeutschen Lösung war Georg von Schönerer, der nicht nur die Habsburgermonarchie (Staat und Kaiserhaus) ablehnte, sondern auch die staatstragende römisch-katholische Religion, gegen die er die Los-von-Rom-Bewegung initiierte. Das brachte ihm vor allem Konflikte mit den Christlichsozialen ein, die als kaisertreu galten. Die Forderung nach einer Annäherung Österreichs an das Deutsche Reich manifestierte sich schließlich im Linzer Programm. Die Forderung nach einem kompletten Anschluss war aber auch innerhalb des deutschnationalen Lagers auf die Dauer nicht mehrheitsfähig – für die Deutschradikale Partei von Karl Hermann Wolf, die nach 1900 hegemonial wurde, war das kein Ziel.[14]

Die österreichische Sozialdemokratie, damals eine nationalitätenübergreifende Partei, versuchte im Vielvölkerstaat Reformen auf evolutionärem Weg zu erreichen, wurde vom bürgerlich-konservativen Lager und vom Kaiser selbst aber abgelehnt, zumal sie in ihrem Inneren von Nationalitätenkämpfen selbst nicht frei war. Einige ihrer führenden Politiker wie Victor Adler oder Engelbert Pernerstorfer hatten eine deutschnationale Vergangenheit.

Der Vielvölkerstaat Österreich wurde als supranationales Gebilde begriffen. Die Spannungen zwischen den einzelnen Völkerschaften des Habsburgerreiches wuchsen jedoch zusehends. Auslöser dafür war nicht nur die Heterogenität der Bevölkerung, sondern auch die Hegemonie der deutschsprachigen Staatsbürger in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, die vor allem von Seiten des Königreichs Ungarn bekämpft wurde. Otto von Habsburg nannte die deutschsprachigen Untertanen der Monarchie das „Reichsvolk schlechthin“.[15]

Der Historiker Ernst Bruckmüller bestätigt dies folgendermaßen:

„In der Habsburgermonarchie waren die deutschsprachigen Bewohner (vor allem) des westlichen, österreichischen Reichsteiles, also die Mehrzahl der Bewohner des heutigen Österreich, und darüber hinaus die Deutschböhmen, Deutschmährer, und -schlesier sowie deutschsprachigen Bewohner der anderen Kronländer einfach ‚Deutsche‘ genannt worden. Das war ebenso praktisch wie einleuchtend, denn die ‚anderen‘ waren eben Tschechen, Polen, Ruthenen, Rumänen, Slowenen Kroaten und Italiener (wir sehen hier von der ungarischen Reichshälfte einmal ab). Aber die deutschsprachigen Österreicher waren nicht nur eine von acht ‚Nationalitäten‘ des zisleithanischen Teilstaates der Monarchie, sie sahen sich doch als etwas anderes, nämlich als die staatstragende, um nicht zu sagen eigentliche Staatsnation dieses Teilstaates, oder sogar der ganzen Habsburgermonarchie.[16]

Des Weiteren unterstreicht Bruckmüller die Diffusität kollektiver österreichischer Identitäten zur Zeit der Habsburgermonarchie mit seiner These, es hätten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts „zwei deutsche Nationen“ entwickelt, zum einen die der „Reichsdeutschen“ und zum anderen jener der „Deutschösterreicher“. Deren Wir-Bewusstsein habe sich wiederum auf mehrere Identitätsfaktoren bezogen:

„Im Prozeß der Ausbildung konkurrierender sprachnationaler Einheiten innerhalb der Habsburgermonarchie entwickelten die deutschsprechenden Österreicher ein deutschösterreichisches Nationalbewußtsein, das einerseits durch eine emotionale Orientierung an der Dynastie und Staatlichkeit der Habsburgermonarchie, andererseits durch eine (ebenso emotionale) sprachlich-kulturelle Orientierung am „Deutschtum“ gekennzeichnet war.[17]

Für die anderen Völker der Monarchie waren die Österreicher vor allem die Deutschen, die sie nicht mochten, die so genannte „österreichische (Wiener) Sichtweise“ lehnten sie ab. Auf sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten und auf politische Forderungen nach Selbstbestimmung gestützt, begannen sich mit der Zeit unter den Völkern der Monarchie eigenständige nationale Identitäten herauszubilden. Der Wunsch nach staatlicher Eigenständigkeit beziehungsweise nach einer Vereinigung mit außerhalb des Habsburgerreiches bestehenden Nationalstaaten führte schließlich in Verbindung mit der militärischen Niederlage im Ersten Weltkrieg zum Scheitern des Vielvölkerstaates.[16]

Entwicklungen in der Ersten Republik

Demokratie

Das von Deutschösterreich beanspruchte Staatsgebiet und die tatsächliche Ausdehnung der Republik Österreich
Parlamentsgebäude in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der Monarchie strebten fast alle politischen Kräfte ein rasche Vereinigung mit dem Deutschen Reich an. So lautete Artikel 2 im Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich vom 12. November 1918:

„Deutschösterreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik.“

Das durch den Staat Deutschösterreich beanspruchte Territorium umfasste im Wesentlichen die Siedlungsgebiete der deutschsprachigen Bevölkerung der österreichischen Reichshälfte der untergegangenen Monarchie. Im Vertrag von Saint Germain wurde im Herbst 1919 das Staatsgebiet jedoch von den Alliierten einseitig festgeschrieben. Das spätere Sudetenland und andere deutschsprachige Gebiete, die schon seit November 1918 nicht unter der Kontrolle der deutschösterreichischen Staatsregierung gestanden hatten, fielen nun definitiv an die Tschechoslowakei, Südtirol an Italien und die Untersteiermark an das neu entstandene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Auch wurden Teile Kärntens dem SHS-Staat oder Italien zugeschlagen. Andererseits erhielt Österreich westliche Grenzgebiete Ungarns zugesprochen, aus denen dann das Burgenland konstituiert wurde.

Über die Identitätskrise, die sich schließlich aus dem Zusammenbruch der Monarchie und der erzwungenen Eigenstaatlichkeit Österreichs entwickelte, bemerkt Ernst Bruckmüller:

„Die deutsche Orientierung der demokratischen Phase der Ersten Republik erscheint vor allem durch den Schock des Zerfalls der Monarchie erklärbar, durch den der „österreichische“ Bestandteil jenes Bewußtseins schwerstens diskreditiert wurde und zu dessen Bewältigung eine Flucht aus dem „Österreichischen“ erfolgte, hin ins Deutschtum und in das – trotz Versailles – immer noch mächtige Deutsche Reich. Man konnte geradezu von einer Selbstaufgabe Österreichs sprechen, die sich unter anderem in den Bemühungen um die Namengebung der Republik äußerte, in denen der Name „Österreich“ nicht vorkam.[18]

Tatsächlich betrachteten vor allem Sozialdemokraten und Großdeutsche den Begriff „Österreich“ als Relikt der untergegangenen Habsburgermonarchie und strebten dessen Beseitigung an. Karl Renner hatte daher in seinem im Oktober 1918 entstandenen, mehrfach geänderten Entwurf zur provisorischen Verfassung den neuen Staat als „Südostdeutschland“ bezeichnet.[19] Auch Namensvorschläge wie „Hochdeutschland“, „Deutsches Bergreich“, „Donau-Germanien“, „Ostsass“, „Ostdeutscher Bund“, „Deutschmark“, „Teutheim“, „Treuland“, „Friedeland“ oder „Deutsches Friedland“ waren als Vorschläge in Umlauf.[16] Schließlich setzten sich mit der Bezeichnung Deutschösterreich jedoch die christlichsozialen Politiker durch, die den Österreich-Begriff nicht völlig aufgeben wollten.

Das im Friedensvertrag ausgesprochene Verbot des Anschlusses an Deutschland wurde von den meisten politisch Verantwortlichen als Verwehrung des Selbstbestimmungsrechts der Völker betrachtet und daher abgelehnt. So schrieb etwa der Christlichsoziale Michael Mayr, der an der Ausarbeitung des Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG) mitarbeitete und später für kurze Zeit Bundeskanzler war, in der Präambel zu einem seiner Verfassungsentwürfe:

„Kraft des Selbstbestimmungsrechtes des deutschen Volkes und seiner geschichtlich gewordenen Glieder und mit feierlicher Verwahrung gegen jede zeitliche Schranke, die der Ausübung dieses unveräußerlichen Rechtes gesetzt ist, vereinigen sich die selbständigen Länder der Republik Österreich zu einem freien Bundesstaat unter dieser Verfassung“[20]

Selbst der als sehr prosaisch geltende Rechtspositivist Hans Kelsen schrieb im Schlusswort zu seinem Buch Österreichisches Staatsrecht:

„Dennoch: […] stärker als der aller Vernunft und Sittlichkeit hohnsprechende Verlauf der jüngsten Geschichte, deren Produkt das heutige Oesterreich ist, stärker als Oesterreich selbst ist sein Wunsch: aufzugehen im deutschen Vaterland.“[21]

Andererseits beschreibt der Lyriker Anton Wildgans in seinem Gedicht Das österreichische Credo, das in jener Zeit entstand, die emotionale Anhänglichkeit vieler seiner Landsleute an den Begriff Österreich nach dem Ersten Weltkrieg:[22]

„Euch singe ich, ihr künftigen Geschlechter,
Von denen, die schon fast vergangen sind,
Als ihrer einer, der ich bin: ein echter
Altösterreicher und ein Wiener Kind.
Klein bist du zwar, mein Vaterland, geworden,
ein Baum entblättert durch der Zeiten Sturm,
sieht deine Grenzen jetzt nach Ost und Norden
beinah der Wächter doch vom Stephansturm.
Und was fiel, sind leider nicht nur Blätter,
abbrach auch mancher engverwachsne Ast,
doch immerhin, das Herzland deutscher Väter,
der Stamm, blieb er nicht ganz, blieb er’s doch fast!
Er war es ja immer, den wir heimlich meinten,
wenn unsere Lippe aussprach: Österreich!
Denn all die anderen, mit uns Vereinten,
empfanden fremd zum mindesten nicht gleich!
Wir aber fühlten diesen alten Namen,
wie Heiliges, aus dem ein Schauer weht,
und Millionen Herzen schlugen Amen
zu diesem Namen wie auf ein Gebet!“

Noch bevor eine Bundesverfassung beschlossen werden konnte, kam es in den Ländern zu Anschlussbewegungen. Tirol und Salzburg hielten Volksabstimmungen über den Beitritt zu Deutschland ab. In Vorarlberg sprach man sich für den Beitritt zur Schweiz aus. Obwohl diese Bestrebungen von der Bevölkerung mehrheitlich unterstützt wurden, machten die Pariser Vorortverträge sie hinfällig. Deutschösterreich nahm mit der Ratifizierung des Friedensvertrages im Oktober 1919 den im Vertrag vorgeschriebenen Namen Republik Österreich an. Spätere Annäherungsversuche zwischen Österreich und dem Deutschen Reich wurden von den Alliierten durch das Beharren auf dem Wortlaut der Friedensverträge unterbunden. So erhoben sie gegen den 1931 lancierten Plan einer österreichisch-deutschen Zollunion Einspruch.

1929 sprach Wildgans in seiner Rede über Österreich vor ausländischem Publikum zwar von den Deutschen Altösterreichs, die das neue, kleine Österreich gebildet hätten, hob aber die besonderen historischen Erfahrungen Österreichs und das Einfühlungsvermögen des „österreichischen Menschen“ für die fremdsprachigen Nachbarvölker, mit denen er so lang im gemeinsamen Staat gelebt habe, als wesentliche eigenständige Charakterzüge hervor.[23] Auch in seinem Gedicht Wo sich der ewige Schnee spiegelt im Alpensee, das Wildgans gern zur österreichischen Volkshymne gemacht hätte, aber von Richard Strauss für diesen Zweck zu kompliziert vertont wurde, arbeitete der Dichter die Eigenschaften des „österreichischen Menschen“ heraus.[24] Hingegen teilte die Berliner Reichskanzlei den deutschen diplomatischen Vertretungen um diese Zeit mit, dass vom Gebrauch der Bezeichnung „österreichisches Volk“ grundsätzlich abgesehen wird und nur mehr vom deutschen Volk in Österreich zu sprechen sei.[25]

Die Idee, Österreich als eigene Nation zu begreifen, wurde in der Politik dieser Zeit, so der österreichische Historiker Helmut Konrad, im Wesentlichen nur von Teilen der Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) und einer konservativen Minderheit, allen voran Ernst Karl Winter, vertreten.[26] Explizit formuliert wurde diese Position 1937 vom kommunistischen österreichischen Staatswissenschaftler Alfred Klahr im Exil in Moskau. Er befasste sich mit der Frage nach der wissenschaftlichen Begründbarkeit einer österreichischen Nation in einem Artikel. Klahr lehnte es ab, die Österreicher von vornherein als Deutsche zu betrachten, und verlangte eine detaillierte wissenschaftliche Aufarbeitung der Unterschiede zwischen der Entwicklung der Deutschen und der Österreicher in den letzten Jahrhunderten. Robert Menasse sieht in der nationstheoretischen Grundlagenforschung im KPÖ-nahen Bereich deshalb den Ursprung und auch die Basis für die spätere Entwicklung des österreichischen Nationalbewusstseins.[27]

Klahr meinte unter anderem über das Verhältnis der Österreicher zur deutschen Nation:

„Die Auffassung, dass das österreichische Volk ein Teil der deutschen Nation ist, ist theoretisch unbegründet. Eine Einheit der deutschen Nation, in der auch die Österreicher miteinbezogen sind, hat es bisher nie gegeben und gibt es auch heute nicht. Das österreichische Volk hat unter anderen wirtschaftlichen und politischen Lebensbedingungen gelebt als die übrigen Deutschen im Reich und daher eine andere nationale Entwicklung genommen. Wie weit bei ihm der Prozeß der Herausbildung zu einer besonderen Nation fortgeschritten ist bzw. wie eng noch die nationalen Bindungen aus der gemeinsamen Abstammung und gemeinsamen Sprache sind, kann nur eine konkrete Untersuchung seiner Geschichte ergeben.[28]

Ernst Bruckmüller spricht im Zusammenhang mit dem Zugehörigkeitsempfinden der Österreicher in der Ersten Republik von einer „fundamentalen kollektiven Identitätskrise“.[16] Die Entstehung der ersten Republik war ein Prozess der Desintegration, der ein Gefühl des „Zuhause im eigenen Heim“ der Bewohner der österreichischen Alpenländer nicht entstehen ließ. Die wesentlichen Hindernisse dafür waren, dass die neue Republik nicht alle Deutschen Cisleithaniens umfasste und vor allem, dass kein Wunsch nach einem Ende der Monarchie dahinter stand:

„Desintegration ohne ein gewisses Verlangen danach erzeugt offenkundig keine Identität, sondern höchstens ein „Vakuum an Identität“, in welches als scheinbar logische Fortsetzung des sprachnationalen Bewusstseins die Forderung nach dem Anschluss an Deutschland einströmte.[29]

Austrofaschismus

Nach der Ausschaltung des Parlaments durch die Bundesregierung unter Kanzler Engelbert Dollfuß im März 1933 betonte dieser in seiner Trabrennplatzrede in Wien im Herbst desselben Jahres das Deutschtum Österreichs. Sämtliche Parteien wurden verboten. Im Gegenzug wurde die „Vaterländische Front“ als politische Einheitsbewegung geschaffen. Durch die letzten christlich-sozialen Abgeordneten des Nationalrats ließ Dollfuß auf verfassungswidrige Weise am 1. Mai 1934 eine neue Verfassung für einen „christlichen, deutschen Bundesstaat auf ständischer Grundlage“ verabschieden.

Die Regierungspropaganda des sogenannten Bundesstaates Österreich sprach von Österreich häufig als vom „besseren deutschen Staat“. Dieser durch die Staatsführung vertretene Patriotismus wich in der Zeit darauf, trotz seines starken Österreichbezugs, nie wirklich von der deutschen Nationsidee ab.

Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, der Gründer der Paneuropabewegung, forderte jedoch schon 1934 in einem viel beachteten Artikel die Akzeptanz einer eigenständigen österreichischen Nation. Nach deren Geburt, so meinte er, sei die Nationswerdung in Europa abgeschlossen.[30]

Das austrofaschistische System versuchte jedoch bis zuletzt, ein unabhängiges, aber „deutsches“ Österreich zu erhalten. Am 9. März 1938 sagte Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, der nach der Ermordung von Dollfuß durch nationalsozialistische Putschisten im Juli 1934 an die Macht gekommen war, bei einer Veranstaltung der Vaterländischen Front in Innsbruck:

„Jetzt will und muss ich wissen, ob das Volk von Österreich dieses freie und deutsche und unabhängige und soziale, christliche und einige, dabei keine Parteizerklüftung duldende Vaterland will. […] Das möchte ich wissen und darum Landsleute und Österreicher, Männer und Frauen, rufe ich Sie in dieser Stunde auf: Am nächsten Sonntag, am 13. März dieses Jahres, machen wir Volksbefragung […].[31]

Diese Volksbefragung musste auf Druck Adolf Hitlers abgesagt werden. Die Ansicht, Österreich sei nur ein deutscher Staat und seine Einwohner seien Deutsche, hielt sich unter den austrofaschistischen Machthabern aber bis zuletzt. In seiner Radioansprache am 11. März 1938, am Abend vor dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, verkündete Bundeskanzler Kurt Schuschnigg das Bundesheer nicht einsetzen zu wollen um „kein deutsches Blut [zu] vergießen“.[32] Seine Ansprache schloss Schuschnigg mit den Worten: „So verabschiede ich mich in dieser Stunde von dem österreichischen Volke mit einem deutschen Wort und einem Herzenswunsch: Gott schütze Österreich!“[33]

In einer Rede anlässlich des Gedenkjahres 2005 meinte Ulrich Nachbauer, Rechtswissenschaftler und Mitarbeiter des Vorarlberger Landesarchivs, die Erste Republik sei damals „an mangelndem Selbstbewusstsein und inneren Konflikten zerbrochen“.[34] Später wurde im Hinblick auf das Scheitern dieses Staates der Satz geprägt, wonach der Hauptgrund dafür gewesen sei, dass die österreichischen Demokraten keine österreichischen Patrioten und die österreichischen Patrioten keine Demokraten gewesen seien.[34]

Nationalsozialismus

Siehe auch: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus

Stimmzettel zur Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und dem Verlust der Unabhängigkeit sollte der Begriff Österreich möglichst konsequent aus dem politischen Vokabular verschwinden. So wurde aus dem Land Österreich bald die Ostmark. Um Österreich auch als politische Einheit endgültig zu eliminieren sprach man zuletzt nur mehr von den „Donau- und Alpenreichsgauen“. Die Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich erhielten die Bezeichnungen Niederdonau und Oberdonau. In seiner kurz nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am Heldenplatz in Wien gehaltenen Rede sprach Hitler lediglich von seiner „Heimat“ und der „ältesten Ostmark des Deutschen Reiches“, und vermied den Begriff Österreich.

Die neuen Machthaber organisierten am 10. April 1938 eine Volksabstimmung über die „Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“. Der Abstimmung ging eine gewaltige Propagandaaktion voraus. Auch wenn wahrscheinlich die Mehrheit der Stimmberechtigten für den Anschluss gestimmt hätte, wurde die Abstimmung massiv manipuliert.[35] Die Wähler wurden unter Druck gesetzt, ihre Stimme offen direkt vor der Wahlkommission abzugeben, weiters wurde am Wahlergebnis manipuliert.[36] Laut amtlichen Angaben erreichte die Vorlage in Österreich eine Zustimmung von 99,73 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 99,71 Prozent. Bei der Volksabstimmung waren rund acht Prozent der österreichischen Bevölkerung aus rassischen oder politischen Gründen von der Wahl ausgeschlossen worden.

Schon kurz nach dem deutschen Einmarsch war jedoch die Euphorie über den Anschluss in manchen Bevölkerungsschichten bereits abgekühlt. Grund dafür war vor allem die Tatsache, dass die Stellung Österreichs und insbesondere Wiens innerhalb des Reiches anders ausgefallen war als erwartet. War noch in den Verhandlungen über die Vereinigung Österreichs mit der Weimarer Republik eine Sonderstellung für die österreichische Hauptstadt vorgesehen gewesen, wurde sie nun, wie Renner später in der österreichischen Unabhängigkeitserklärung schrieb, „zu einer Provinzstadt degradiert“ worden. Die Reichsinsignien und der Goldschatz der österreichischen Nationalbank wurden ins „Altreich“ verbracht. Die österreichischen Nationalsozialisten hatten nach dem Anschluss auf ihre Berücksichtigung bei den anstehenden Postenverteilungen gehofft, wurden aber selbst enttäuscht, da die NSDAP bei der Besetzung von Führungspositionen lieber auf reichsdeutsche Parteigänger setzte. Der deutsche Politikwissenschaftler Richard Loewenthal meinte zur resignativen Stimmung unter den Österreichern nach dem Anschluss:

„Die Österreicher wollten Deutsche werden – bis sie es dann wurden.[37]

Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg losbrach, wurden auch die österreichischen Männer sukzessive in die deutsche Wehrmacht eingezogen. Dabei wurde eine Anhäufung von Österreichern in den einzelnen Truppenkörpern systematisch vermieden um eine soziale Abschottung gegenüber den Soldaten aus dem „Altreich“ zu verhindern. Nur unter den Gebirgsjägern stellten die Österreicher eine signifikante Gruppierung dar.

Über den Anschluss und seine Folgen für das Österreichbewusstsein schreibt Ernst Bruckmüller:

„Schon die Zeit der nationalsozialistischen Okkupation hatte den Österreichern vor Augen geführt: daß nämlich Österreich von den Deutschen (Nazis, Unternehmern, Militär) keineswegs als ‚befreites‘, mit anderen Gebieten des Deutschen Reiches gleichrangiges Land, sondern als Kolonie betrachtet wurde, deren ökonomische Ressourcen man ausbeuten wollte und deren Menschen für den militärischen Apparat und die Kriegswirtschaft einsetzbar erschienen. Damit im Zusammenhang steht (zweitens), daß die Österreicher eben nicht ‚Deutsche‘ waren, sondern höchstens Deutsche zweiter Klasse. Es begann ein Bewußtseinsprozeß nationaler Besonderheit (vorbereitet schon vor 1938 von wenigen Intellektuellen in Minderheitspositionen wie, auf der Linken, Alfred Klahr und, auf der Rechten, Ernst Karl Winter, Oskar A. H. Schmitz oder Dietrich von Hildebrand), der seit 1945 noch beschleunigt wurde. Ergebnis ist ein deutliches, wenngleich in sich durchaus nicht widerspruchsfreies österreichisches Nationalbewußtsein.[38]

Die Rolle des österreichischen Widerstandes

Zeichen der Widerstandsbewegung O5 am Stephansdom
Nach 1945 wurde vermehrt Literatur zum Thema der österreichischen Identität veröffentlicht.

Als sich 1943 die Hinweise auf eine endgültige militärische Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg verdichteten und damit das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft absehbar erschien, begannen einige jener Politiker der Ersten Republik, die nicht dem politischen Terror zum Opfer gefallen waren oder sich in Haft befanden, im Geheimen ein selbstständiges Österreich zu planen. In dieser Zeit fand, was die österreichische Identität betraf, das erste Umdenken statt.[39]

Hierbei spielte die Formierung österreichischer Widerstandsgruppen wie O5 eine zentrale Rolle. Der Autor Ernst Joseph Görlich schrieb zur Bedeutung des Widerstandes für das Erstarken der österreichischen Identität, dass dieser zwar nicht in seinem Ausmaß, jedoch in seiner Wirkung von äußerster Relevanz war.[40] Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes schätzt die Zahl der am Widerstand beteiligten Österreicher auf 100.000.[41] Auch der Historiker Felix Kreissler sieht im österreichischen Widerstand durchaus nationale Charakterzüge und gesteht ihm eine zentrale Rolle bei der österreichischen Nationswerdung zu.[42]

Auch in den beiden großen politischen Lagern der Ersten Republik, den Christlichsozialen und den Sozialdemokraten, „in Österreichern, die jetzt, sehr zu ihrem Erstaunen, wie sie selbst gestehen, bemerkten, dass sie sich nicht mehr als Deutsche, sondern primär als Österreicher erleben“,[43] setzte sich im Laufe des Jahres 1943 die Überzeugung durch, dass Österreich nach Kriegsende wieder einen eigenständigen Weg einschlagen solle.

So wurde das Bestreben von deutschen Sozialdemokraten, vertreten durch Wilhelm Leuschner, der bei Adolf Schärf vorstellig wurde, die Vereinigung Österreichs mit Deutschland nach Kriegsende beizubehalten, von diesem zurückgewiesen. Obwohl Schärf, wie weite Teile der sozialdemokratischen Führungsriege, vor 1933 ein überzeugter Anschlussbefürworter gewesen war, setzte sich bei ihm im Laufe des Gesprächs die Erkenntnis durch, dass sich die Situation geändert habe.[44] Zu Leuschner sagte er spontan: „Der Anschluss ist tot. Die Liebe zum Deutschen Reich ist den Österreichern ausgetrieben worden.“[45] Erst danach sprach Schärf über das Thema mit Renner, Seitz und anderen: „Wir alle sind langsam […] zu der Auffassung gekommen, die mir zuletzt Leuschner gegenüber auf die Lippen gekommen war.“[46] Karl Renner etwa hatte sich noch 1938, unter anderem in einem Zeitungsinterview, für den Anschluss ausgesprochen, mit dem Argument dieser sei zwar nicht so abgelaufen wie man sich das gewünscht habe, im Endeffekt zähle aber das faktische Ergebnis.

Lois Weinberger, Mitglied im österreichischen Widerstand und später ÖVP-Politiker, bekam 1942 Besuch von Carl Friedrich Goerdeler, Mitglied des deutschen Widerstandes, der sich später am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligte und dafür enthauptet wurde. Dieser sprach sich für die Beibehaltung des Anschlusses aus. Weinberger verteidigte gegenüber Goerdeler den Plan der nationalstaatlichen Unabhängigkeit Österreichs nach dem Krieg.[47]

Das Jahr 1943 wird von mehreren Wissenschaftlern, unter anderem von Felix Kreissler, als das entscheidende für die österreichische Nationswerdung angesehen. Es markiert gewissermaßen den Wendepunkt, der vom Pangermanismus weg- und zur österreichischen Nation hinführte.[48] Die Alliierten erklärten 1943 in der Moskauer Deklaration, Österreich sei „das erste Opfer“ Hitlers geworden und werde nach Kriegsende als selbstständiger Staat wiederhergestellt. Auf diese Position hatten unter anderem österreichische Exilanten Einfluss ausgeübt.[49]

Die Begriffsevolution und Akzeptanz der österreichischen Nation nach 1945

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bildete sich eine österreichische Nationalidentät vor allem in der Abgrenzung von einer deutschen Nation heraus: Egal ob das das privilegium minus von 1156 oder das Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 als Ausgangspunkt genommen wird, so ist allen Nachkriegsnationsvorstellungen gemeinsam, dass Österreicher nie Teil Deutschlands oder einer deutschen Nation gewesen wären.[50]

Umfrageergebnisse zur Akzeptanz der österreichischen Nation[51]
Eine weitere Umfrage zur Frage, ob die Österreicher eine eigene Nation seien[52]

Die aus völkerrechtlicher Sicht nichtige Eingliederung Österreichs bildete schließlich Renners Hauptargument in der österreichischen Unabhängigkeitserklärung:

„Angesichts der Tatsache, daß der Anschluß des Jahres 1938 nicht, wie dies zwischen zwei souveränen Staaten selbstverständlich ist, zur Wahrung aller Interessen durch Verhandlungen von Staat zu Staat vereinbart und durch Staatsverträge abgeschlossen, sondern durch militärische Bedrohung von außen und den hochverräterischen Terror einer nazifaschistischen Minderheit eingeleitet, einer wehrlosen Staatsleitung abgelistet und abgepreßt, endlich durch militärische kriegsmäßige Besetzung des Landes dem hilflos gewordenen Volke Österreichs aufgezwungen worden ist […] erlassen die unterzeichneten Vertreter aller antifaschistischen Parteien Österreichs ausnahmslos die nachstehende Unabhängigkeitserklärung.[53]

Von einer eigenständigen österreichischen Identität ist in der Unabhängigkeitserklärung nicht die Rede.

Jedoch wies der erste österreichische Bundeskanzler der Zweiten Republik Leopold Figl schon in seiner ersten Regierungserklärung vor dem Nationalrat am 21. Dezember 1945 darauf hin, dass man die Fehler der Ersten Republik nicht wiederholen wolle. Die österreichische Nation wies er in dieser Rede indirekt als Kulturnation aus, zugleich lehnte er es ab, diese als bloße politische Erfindung zu betrachten:

„Das Österreich von morgen wird ein neues, ein revolutionäres Österreich sein. Es wird von Grund auf umgestaltet und weder eine Wiederholung von 1918 noch von 1933 noch eine von 1938 werden. […] Unser neues Österreich ist ein kleiner Staat, aber es will dieser großen Tradition, die vor allem eine Kulturtradition war, treu bleiben, als Hort des Friedens im Zentrum Europas. Wenn wir immer wieder mit allem Fanatismus heimatverwurzelte Treue zu uns selbst betonen, daß wir kein zweiter deutscher Staat sind, dass wir kein Ableger einer anderen Nationalität jemals waren, noch sein wollen, sondern daß wir nichts anderes sind als Österreicher, dies aber aus ganzem Herzen und jener Leidenschaft, die jedem Bekenntnis zu seiner Nation innewohnen muß, dann ist dies keine Erfindung von uns, die wir heute die Verantwortung für diesen Staat tragen, sondern die tiefste Erkenntnis aller Menschen, wo immer sie auch stehen mögen in diesem Österreich.“[54]

Die nationalideologische Eigenständigkeit Österreichs wurde auch von den Behörden der Besatzungsmächte gefördert. So erschien am 9. August 1945 in den damals von den amerikanischen Streitkräften herausgegebenen Salzburger Nachrichten ein Artikel mit dem Titel „Sind Österreicher Deutsche?“, in dem unter anderem sogar Unterschiede zwischen österreichischen und deutschen Nationalsozialisten betont wurden:

„Es ist wohl weder eine Entschuldigung, noch ein Milderungsgrund für die österreichischen Nazis, aber selbst diese konnten sich mit den deutschen Nazis nicht verstehen, als es sich darum handeln sollte, in Hitlers sogenannten tausendjährigen Reich zu leben.“[55]

In weiten Teilen der Bevölkerung setzte sich der Gedanke der nationale Eigenständigkeit allerdings erst im Lauf der Zeit durch. Noch 1955 fühlten sich nur knapp über 50 % der österreichischen Nation zugehörig, seither stieg der Wert auf gegenwärtig über 80 %. Laut einer Umfrage des Fesselinstituts lag die Akzeptanz der österreichischen Nation im Jahr 2008 bei 82 %, wobei 7 % der Befragten deren Existenz ablehnten.[56]

Trotz seiner außenpolitischen Nützlichkeit kann das entstandene nationale Selbstbewusstsein der Österreicher aber nicht nur auf die Erfahrungen mit Nationalsozialismus und Krieg, sondern auch auf politische, kulturelle und wirtschaftliche Identitätsbildung zurückgeführt werden.

Die staatliche Teilung entlang der Grenzen der Besatzungszonen, wie sie in Deutschland bald eintrat, konnte in Österreich verhindert werden. Schließlich wurde 1955 die Besatzungszeit mit dem Staatsvertrag beendet. Im selben Jahr wurde Österreich in die Vereinten Nationen aufgenommen und erklärte verfassungsrechtlich seine „immerwährende Neutralität“. Die österreichische Neutralitätspolitik wurde in der Folge auch als identitätsstiftend angesehen.

Patriotismus

Ein besonders enthusiastisches Nationsbewusstsein hatte sich in Österreich lange Zeit nicht entwickelt. Ernst Bruckmüller klassifiziert das Österreichgefühl in der Zweiten Republik als „eher realistisch-resignativ als begeistert-emphatisch.“[57] Neue empirische Studien zeigen jedoch, dass sich mittlerweile ein, insbesondere im Vergleich zu anderen Nationen sehr ausgeprägtes österreichisches Nationsbewusstsein entwickelt hat.[58] In einer Umfrage aus dem Jahr 2001 gaben 56 % der befragten Österreicher an, „sehr stolz“ auf Österreich zu sein, 35 % waren „ziemlich stolz“.[16] Nach Untersuchungen des US-amerikanischen National Opinion Research Center liegt Österreich bei einer Bewertung des allgemeinen Nationsbewusstseins in mehreren Staaten auf Platz vier hinter den USA, Irland und Kanada und erhielt 36,5 von 50 Punkten. Bei einer, im Zuge dieser Untersuchung durchgeführten, Umfrage gaben 83 % der befragten Österreicher an, stolz darauf zu sein, dass sie Bürger ihres Landes seien und belegten damit den dritten Platz hinter den USA und Irland. Auch glaubten 64 % der Befragten, dass Österreich besser als die meisten anderen Länder sei.[59]

Anton Pelinka schrieb zur Entwicklung des österreichischen Patriotismus der „Presse“:

„Das waren noch Zeiten, als man (als ich) als österreichischer Patriot noch Ärgernis provozieren konnte – in Österreich; als der Hinweis auf die österreichische Nation noch Reaktionen wie „ideologische Mißgeburt“ auslöste; als der Patriotismus Gegensätze nicht zu-, sondern aufdeckte. Diese Zeiten sind vorbei. Und das ist irgendwie schade. Denn nun sind sie alle Patrioten, und zwar österreichische […]. Nein, der gute alte Österreich-Patriotismus ist tot – leider. Er hat Gegensätze nicht verschlampt, er hat sie verdeutlicht. Der neue Patriotismus, für den alle sind – oder sein sollen, der ist wie Opium. Er soll Verstand durch Wohlgefühl ersetzen; und die oft schmerzhafte Analyse durch dumpfe Nestwärme. Das mag wollen, wer will. Ich mag es nicht.[60]

Der Opfermythos

Das „Rot-Weiß-Rot-Buch“ wurde 1946 durch das Außenministerium aufgelegt um die „Opferthese“ argumentativ zu untermauern.
Personifikation der friedfertigen Austria aus der Werkstatt von Moritz von Schwind, 1867. Die Austria war lange Zeit Symbolfigur für die Einheit der Völker der Monarchie. Nach 1918 wurde sie auch als Allegorie für die Republik Österreich eingesetzt, war aber als solche nie besonders verbreitet.[61]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges diente die Idee, Österreich sei eine eigenständige Nation, auch dazu, die sogenannte Opferthese aufrechtzuerhalten: Damit wurde versucht, die von den Alliierten in der Moskauer Deklaration 1943 aufgestellte Theorie, Österreich als Staat sei zum ersten Opfer deutscher Aggression geworden, im ethischen Sinne auch auf dessen Bevölkerung auszuweiten. Von österreichischer Seite war man daher auch gerne bereit, sich selbst als erstes Opfer des Nationalsozialismus zu fühlen und schon aus diesem Grunde die Eigenstaatlichkeit zu betonen. Um diese Theorie zu untermauern, wurde 1946 durch das Außenministerium das Rot-Weiß-Rot-Buch aufgelegt, das Dokumente aus den Jahren 1933 bis 1945 sowie dazugehörige Kommentare enthielt. Das Buch wurde von vielen Historikern als tendenziös kritisiert.

In einem Spottlied thematisierte Erich Kästner den österreichischen Opfermythos, indem er die Nationalallegorie Austria singen ließ:

„Ich habe mich zwar hingegeben, doch nur weil ich gemußt.
Geschrien habe ich nur aus Angst und nicht aus Liebe und Lust.
Und daß der Hitler ein Nazi war – das habe ich nicht gewußt!“[62]

Der Opfermythos begann erst im Zuge der sogenannten Waldheim-Affäre, in der es um die Rolle des damaligen Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim während der Zeit des Nationalsozialismus ging, zu bröckeln. Vor allem Waldheims Aussage, er habe in der Wehrmacht lediglich seine Pflicht getan, führte zu einem breiten öffentlichen Diskurs über die NS-Vergangenheit vieler Österreicher.[63] Schließlich räumte der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky 1991 die Mitschuld vieler Österreicher am Naziterror ein: „Es gibt eine Mitverantwortung für das Leid, das zwar nicht Österreich als Staat, wohl aber Bürger dieses Landes über andere Menschen und Völker gebracht haben“[64]

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des österreichischen Nationalfonds 2005 sagte der damalige Nationalratspräsident Andreas Khol über die Zurückdrängung der Opferthese: „In dem Ausmaß, in dem Österreich im Bewusstsein seiner Bürgerinnen und Bürger zur Nation wurde, in eben diesem Ausmaß bekannte sich die österreichische Nation dazu, dass viele ihrer Bürgerinnen und Bürger Täter im nationalsozialistischen Unrechtsstaat wurden und ihre Republik dafür Verantwortung trägt.“[65] Khol zitierte in seiner Rede auch Wolfgang Schüssel, zu dieser Zeit Bundeskanzler, der, in Ablehnung einer Verantwortlichkeit Österreichs als Staat, gesagt hatte:

„Ich werde nie zulassen, dass man Österreich nicht als Opfer sieht. Das Land war in seiner Identität das erste militärische Opfer der Nazis. Aber ich will nicht den Eindruck erwecken, dass wir die individuelle Schuld von vielen Tätern in irgendeiner Weise minimieren oder wegreden wollen.“

Das deutsche Manager Magazin schrieb über das Verhältnis zwischen der österreichischen Vergangenheitsbewältigung und der österreichischen Identität:

„Kein vernünftiger Österreicher bezweifelt heute, dass auch seine Landsleute an Verbrechen beteiligt waren (oder dass Adolf Hitler in Österreich aufgewachsen war). Aber das ficht sie nicht an: Österreicher begingen Verbrechen im Namen Deutschlands. Österreich gab es schließlich zwischen 1938 und 1945 nicht mehr, es war nicht ganz freiwillig per ‚Anschluss‘ als ‚Ostmark‘ ins „Großdeutsche Reich“ eingegliedert worden. Und hat „felix Austria“, die Habsburger Großmacht, die vom Wiener Hof aus regiert wurde, nicht eine Jahrhunderte währende Geschichte, auf die man heute noch stolz sein kann? Offenkundig. Österreicher können sich deshalb aus vollem Herzen und ohne Hintergedanken zu ihrem Österreichertum bekennen.[66]

Nationsbewusstsein und Nachbarschaft

Antideutsches Graffiti an einer Hauswand in Wien. Ansätze für einen österreichischen Nationalismus?

Aufgrund der historischen und sprachlichen Nähe zu Deutschland und wegen der bis dahin geltenden Annahme, dass Österreich ein Teil der deutschen Nation sei, wurde die Spezifizierung des österreichischen vor allem durch die Unterscheidung zum deutschen Nationsbegriff vorangetrieben. Um diese Abgrenzung so deutlich wie möglich zu machen, wurde häufig alles Deutsche als nicht österreichisch und damit als negativ betrachtet. Man kann in diesem Bereich auch von Ansätzen eines österreichischen Nationalismus sprechen, der sich jedoch nicht nur gegen die Deutschen, sondern – wie alle Nationalismen – gegen „das Fremde“ schlechthin richtet.[67][68] Andererseits hat Österreich eine lange gemeinsame Geschichte mit seinen nichtdeutschsprachigen Nachbarn aufzuweisen. Teilweise wirkt die Donaumonarchie, die auch aufgrund auseinanderstrebender Identitätsentwicklungen zerfiel, noch nach. In diesem Sinne zog der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg 2008 weitgehende Parallelen zwischen Österreichern und Tschechen:

„Warum sollte es anders sein? Wir sind ein Volk mit zwei Sprachen, mit spiegelbildlichen Vorurteilen, Schwächen und Vergangenheit. Wir sind uns so ähnlich, es ist nahezu grotesk.[69]

Ähnlich äußerte sich im selben Jahr der frühere tschechische Diplomat Jiří Gruša, Leiter der von der Republik Österreich betriebenen Diplomatischen Akademie in Wien:

„Tschechen und Österreicher sind eine Nation“, sagte Grusa ironisch auf die Frage, warum die beiden Nachbarn so vortrefflich streiten könnten. Gäbe es die Herder'sche Definition der Nation über die Sprache nicht, dann wären die Tschechen und die Österreicher ein und dieselbe Nation. „Mental, emotional und in der Art die Probleme anzugehen, sind wir eine Nation. In einer Familie sind oft die ärgsten Streitigkeiten. Wir sind eine geschiedene Ehe“, die jetzt in der EU wieder ein bisschen repariert werde. „Was trennt die Tschechen und die Österreicher? Der gemeinsame Charakter“, variierte Jiri Grusa ein Karl Kraus zugeschriebenes Zitat über das Verhältnis von Deutschen und Österreichern.[70]

Positionierungen zum Nationsbegriff

Der Soziologe Gunter Falk sieht prinzipiell drei Positionen gegenüber einer eigenständigen nationalen Identität Österreichs: Neben der ablehnenden, deutschnationalen Position, die alternative, internationalistische Haltung und schließlich die österreichisch-nationale Position.[71] Es bestehen auch durchaus regionale Unterschiede, wobei von einigen auch lokale Identitäten als primäre Identifikationsfaktoren angegeben werden. Regionale Identitäten sind laut Norbert Mappes-Niediek und Ernst Bruckmüller in Österreich noch wesentlich wichtiger als in anderen europäischen Ländern.[72][73] Neben dem individuellen Verhältnis bestehen auch Positionierungen einzelner sozialer Gruppen zum Nationsgedanken. In die drei Hauptpositionen lassen sich auch die wesentlichen politischen Kräfte der Zweiten Republik einordnen.

Die Position der Parteien nach 1945

ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) war 1945 neu gegründet worden und stellte einen bewussten Bruch gegenüber der christlichsozialen, aber auch der austrofaschistischen Tradition der ersten Republik dar. Sie repräsentierte jedoch weiterhin wie ihre Vorgängerparteien das konservative Lager. In ihren ersten „Programmatischen Leitsätzen“, die sie 1945 formulierte, wich die ÖVP aber vom bisherigen deutschnationalen Kurs des christlichsozialen Lagers ab, in dem sie etwa in „den Schulen aller Stufen“ die „restlose Durchdringung des Unterrichts mit österreichischem Gedankengut“ sowie die „Intensivste Arbeit am Aufbau der österreichischen Nation, die ein starkes, stolzes österreichisches Staats- und Kulturbewußtsein formen muß“ forderte.[74]

SPÖ

Diese Aussage Adolf Schärfs verdeutlicht die gewandelte Einstellung der Sozialdemokratie gegenüber der österreichischen Eigenständigkeit.

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei der ersten Republik hatten sich nach ihrer Zerschlagung 1934 in Sozialdemokraten und „revolutionäre Sozialisten“ gespalten. Um eine Teilung der Arbeiterschaft nach dem Krieg zu verhindern wurde die Partei zwar als Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) wiedergegründet, ihr programmatischer Schwerpunkt war jedoch sozialdemokratisch ausgeprägt. Auch die SPÖ begann von ihrer großdeutschen Ausgangslage abzuweichen. Noch 1926 hatte sie den Anschluss als Ziel ihrer Politik in ihr Parteiprogramm aufgenommen, 1933 in Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich aber wieder daraus gestrichen. Obwohl Teile der SPÖ zur Bejahung der nationalen Eigenständigkeit Österreichs tendierten, hielten einzelne Vertreter, allen voran Friedrich Adler, an der Zugehörigkeit der Österreicher zum deutschen Volk fest. Aber sogar Karl Renner bezeichnete diese starre Haltung als „eine herausgefallene und aufgeklaubte Seite eines längst vergilbten politischen Lesebuchs“.[75] Dennoch hielt sich die SPÖ in der Nationalitätsfrage lange Zeit bedeckt, wohl auch um die Anhängerschaft Adlers nicht zu vergrämen. Bruno Kreisky wiederum war der Ansicht, dass Österreich „kein rein deutsches Land“ sei.[76] Spätestens mit dem Parteiprogramm von 1972 und dem neuen Grundsatzprogramm setzte sich jedoch die Akzeptanz der österreichischen Nation auch in der Sozialdemokratie weitestgehend durch.

KPÖ

Die österreichischen Kommunisten waren bereits vor 1938 unter den Ersten gewesen die eine nationale Eigenständigkeit Österreichs forderten. Diese Haltung behielt die KPÖ auch nach 1945 bei, wobei stellenweise eine politische und ideologische Abhängigkeit zur sowjetischen Besatzungsmacht gegeben war. Im KPÖ-Parteiorgan „Weg und Ziel“ forderte 1947 Otto Langbein, der auch von 1969 bis 1973 für die Redaktion des Österreichischen Wörterbuches zuständig war, eine klare Distanzierung vom Deutschtum:

„Wir müssen in allem und jedem uns selber und der Welt beweisen, daß wir keine Deutschen sind, daß wir mit dem Deutschtum nichts zu tun haben. […] Die deutsche Nation, die deutsche Kultur sind für uns eine fremde Nation, eine fremde Kultur. Österreich muß sich endlich zu dem bewußten Gefühl durchringen: die Deutschen gehen uns nicht um ein Haar mehr an als irgend ein anderes Volk.“[77]

Die Kommunisten kritisierten daher auch die deutschnationale Haltung des Verbandes der Unabhängigen (VdU) und die großdeutschen Tendenzen in der SPÖ heftig. Die KPÖ, die im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, immer eine kleine kommunistische Bewegung gewesen war, wurde schließlich 1959 nicht mehr in den Nationalrat gewählt.

VdU/FPÖ

Der Verband der Unabhängigen (VdU) wurde 1949 als Partei des „Dritten Lagers“ gegründet und vertrat sowohl liberale als auch großdeutsche und deutschnationale Anliegen. Der VdU, der sich 1956 auflöste und teilweise in der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) aufging, war damit der wichtigste Zusammenschluss der Gegner einer österreichischen Nationswerdung. Im Ausseer Programm von 1954 hieß es: „Österreich ist ein deutscher Staat, seine Politik muß dem gesamten deutschen Volk dienen.“[78] Auf die innerparteilichen Spannungen hin, die sich aus dem Ausseer Programm ergaben, folgte eine schwere Wahlniederlage bei der Nationalratswahl von 1956. Vom Bekenntnis der Zugehörigkeit zum deutschen Volks- und Kulturraum ist auch die FPÖ im Wesentlichen bis heute nicht abgegangen. Im Parteiprogramm von 1997 heißt es, dass „von der Rechtsordnung denklogisch vorausgesetzt wird, dass die überwiegende Mehrheit der Österreicher der deutschen Volksgruppe angehört.“ Absatz drei weicht diese deutschnationale Grundhaltung jedoch mit der folgenden Formulierung auf: „Jeder Österreicher hat das Grundrecht, über seine Identität und Volkstumszugehörigkeit selbstbestimmt und frei zu befinden.“[79] Innerhalb der Wählerschaft der FPÖ stellt die deutschnationale Position mittlerweile nur noch eine Mindermeinung dar; laut Umfragen verneinen lediglich 17 % jener Befragten, die sich als FPÖ-Anhänger deklarieren, die Existenz einer eigenständigen österreichischen Nation.[80] Als der FPÖ-Politiker Wolfgang Jung 2002 äußerte, er bezeichne sich, frage man ihn nach seiner Nationalität, als Deutschen[81], wurde er auch von der eigenen Parteispitze kritisiert.[82]

BZÖ

Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) legt sich in seinem Programm nicht eindeutig auf ein Bekenntnis zur Nation fest. Dort heißt es unter anderem: „Wir wollen den Schutz der Heimat im Rahmen des souveränen Nationalstaates, der ethnisch neutral mit seiner Verfassung die demokratische Mitwirkung des Bürgers auch in der EU gewährleistet.“[83]

Wie auch im Duktus der FPÖ, aus der das BZÖ hervorging, wird häufig auf die Vokabel „Heimat“ zurückgegriffen. Ob unter dem Begriff des souveränen Nationalstaates eine nationale Eigenständigkeit Österreichs verstanden werden kann, ist nicht eindeutig feststellbar.

Grüne

Die Grünen können mehrheitlich der internationalistischen Position zugerechnet werden. Der Nationsgedanke ist für sie negativ konnotiert und historisch belastet. Sie sehen die kollektive Identität als Ausgrenzungsgrund und Gefahr für die individuelle Selbstbestimmung. Im Grünen Grundsatzprogramm heißt es dazu unter anderem: „Heterogene Interessen (etwa im Nationalstaat oder im Staatenverband der EU) lassen sich nicht ins enge Korsett einer verordneten Identität pressen.“[84]

Die Positionen anderer Gruppierungen

Monarchisten

Der Idee der eigenständigen nationalen Identität standen und stehen auch monarchistische und legitimistische Kreise kritisch gegenüber. Diese hängen großteils pannationalistischen Strömungen an, die sich vorwiegend am Beispiel der untergegangenen Vielvölkermonarchie orientieren. Gleichzeitig stehen sie aber auch in Opposition zum Anschlussgedanken, da dieser einem formalen Verzicht auf die Restitution der Habsburger gleichkommen würde.[85]

Kirchen

Kardinal Theodor Innitzer ließ sich 1938 dazu bewegen mit der Bischofskonferenz den Anschluss zu befürworten[86] und einen ihm vorgelegten Aufruf, bei der „Volksabstimmung“ vom 10. April mit Ja zu stimmen, zu unterzeichnen.[87] Er übermittelte den Aufruf an Gauleiter Josef Bürckel mit einem Begleitbrief, die Bischöfe hätten freiwillig und ohne Zwang ihre nationale Pflicht erfüllt, und ergänzte die Grußfloskel handschriftlich mit Heil Hitler! Der Aufruf wurde mit einem Faksimile dieses Begleitbriefes plakatiert. Im Herbst 1938 führte allerdings Innitzers „Christus ist unser König“-Predigt für die katholische Jugend im Wiener Stephansdom zum Sturm der HJ auf das Erzbischöfliche Palais; später waren Priester teils als Soldatenseelsorger, teils im österreichischen Widerstand gegen das NS-Regime aktiv.

Die Evangelische Kirche in Österreich war deutschnational eingestellt und begrüßte den „Anschluss“ beinahe uneingeschränkt: „Der unnatürliche, seit 1866 bestehende Zustand ist beseitigt ... Wir danken dem Führer für seine große Tat.“[88].

Nach 1945 haben die Kirchen eine zunehmend zurückhaltende Position in politischen Fragen eingenommen, die nicht direkt ihre Morallehre betreffen. Dementsprechend haben sie auch in der Nationalitätsfrage nicht offen Partei ergriffen.

Minderheiten

Seit sich die österreichische Identität hin zu einem eigenständigen Nationalbewusstsein entwickelt hat, existiert auch eine Diskussion über den Österreichbezug diverser deutschsprachiger Minderheiten in Europa. Im Zuge dessen werden von manchen Politikern, Parteien, Interessensvertretungen, Behörden und Medien die Begriffe „österreichische Minderheit“ und „altösterreichische Minderheit“ verwendet.[89] [90] Diese beziehen sich dabei unter anderem auf deutschsprachige Minderheiten in Italien[91], Kroatien[92], Slowenien[93], Rumänien[94] oder in der Tschechischen Republik[95][96]. Inwieweit diese Volksgruppen jedoch am österreichischen Nationswerdungsprozess teilgenommen haben und wie sich die Selbsteinschätzung der betreffenden Minderheiten genau gestaltet, ist bisher noch kaum erhoben worden.[97] Zudem werden Bezeichnungen wie „deutsche, deutschsprachige, altösterreichische und österreichische Minderheit“ häufig diffus und synonym verwendet, ohne dass eine klare Abgrenzung vorgenommen wird.[98]

Südtirol

Das Wappen von Südtirol führt den roten Tiroler Adler, wie er in ähnlicher Form im Wappen des österreichischen Bundeslandes Tirol erscheint.
Übersprayte rot-weiß-rote Protestplakate der Süd-Tiroler Freiheit mit dem Titel „Süd-Tirol ist nicht Italien“

Aufgrund der historischen, kulturellen und sprachlichen Verbundenheit der italienischen Provinz Südtirol mit Österreich, insbesondere mit dem Bundesland Tirol, betrachtet sich auch ein Teil der dortigen deutschsprachigen Minderheit als der österreichischen Nation zugehörig. Grundsätzlich bestehen in Südtirol auch noch starke deutschnationale und regionalistische Strömungen.

Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder bejahte in der ORF-Sendung „Pressestunde“ die Zugehörigkeit der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols zur österreichischen Nation. Die Südtiroler sind für ihn „eine österreichische Minderheit, die in Italien lebt“.[99] Auf den gleichen Standpunkt stellt sich auch der gebürtige Südtiroler, ÖVP-Politiker und ehemalige Nationalratspräsident Andreas Khol, der in diesem Zusammenhang auch von „österreichischen Südtirolern“ spricht.[100]

Im Grundsatzprogramm der Südtiroler Volkspartei (SVP), die im Südtiroler Landtag zur Zeit über eine absolute Mehrheit verfügt[101], wird festgehalten, dass die deutschsprachige Bevölkerung Südtirols „einen Anspruch auf die geistige und kulturelle Zugehörigkeit Südtirols zum Vaterland Österreich“ habe.[102] Im SVP-Wahlprogramm von 2008 wird Italien als „fremdnationaler Staat“ bezeichnet.[103] Der Grüne Europaabgeordnete Sepp Kusstatscher nannte die Südtiroler in einer Rede vor dem Europaparlament „ethnische Österreicher“.[104]

Neben den nationalstaatlichen Identifikationsansätzen existieren aber auch noch regionale, überregionale und transnationale Identitäten, denen gemäß sich einige Angehörige der Minderheit in erster Linie als Südtiroler, Tiroler oder Europäer betrachten. So meinte der bekannte Südtiroler Alpinist, Autor und Europapolitiker Reinhold Messner in einem Interview:

„Muttersprache ist natürlich die Sprache, die man zu Hause bei seiner Mutter lernt. In meinem Fall ist sie Deutsch. Trotzdem bin ich stolz auf meine Doppelkultur. Ich spreche Deutsch und Italienisch, beides fast gleich gut. […] Das Vaterland gibt es für uns Südtiroler nicht mehr. Wir haben so lange Zeit bei Italien verbracht, dass es nicht mehr Österreich sein kann. Mittlerweile haben wir Südtiroler ein lokales, aber kein nationales Zugehörigkeitsgefühl. […] ich fühle mich nicht als Deutscher, Italiener oder Österreicher, sondern als Europäer und Südtiroler.[105]

In solchen und ähnlichen Statements wird eine durchaus neue Gruppenidentität artikuliert, die politikwissenschaftlich und soziologisch als Prozess der Nationsbildung auf regionaler Ebene beschrieben werden kann. In diesem Vorgang bricht sich auch die Tendenz zu sprachlich-identitärer Segregation Bahn, die sich zum einen auf die Selbstbehauptung in einem grundsätzlich „fremden“ Staatsgefüge und die erfolgreiche Bewältigung interethnischer Spannungen, zum anderen auf ein stark ausgeprägtes sprachliches Sondergefühl berufen kann.[106]

Der ehemalige italienische Staatspräsident Francesco Cossiga erregte 2006 mit der Aussage Aufsehen, die deutschsprachigen Südtiroler seien eine deutsche, keine österreichische Minderheit und dass es eine österreichische Nation ebenso wenig wie eine österreichische Literatur oder Musik gebe.[107] Politisch hat Österreich, gemäß dem Gruber-De-Gasperi-Abkommen, eine Schutzmachtfunktion über die deutschsprachige Minderheit in Südtirol inne. Das österreichische Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten spricht in diesem Zusammenhang von den Südtirolern als einer österreichischen Minderheit [108], wohingegen Bundespräsident Heinz Fischer einmal von der deutschen Minderheit,[109] zwei andere Male aber von der österreichischen Minderheit in Italien sprach. [110][111]

Slowenien

In der slowenischen Volkszählung von 2002 deklarierten sich 181 Personen als ethnische Österreicher. Im Jahr 1953 hatten sich noch 289 slowenische Staatsbürger zur österreichischen Volksgruppe gezählt. Im Vergleich dazu deklarierten sich 2002 insgesamt 499 Personen als Angehörige der deutschen Minderheit, 1953 waren es noch 1617 gewesen.[112] Demgemäß ist die österreichische Minderheit im Vergleichszeitraum um 37,37%, die deutsche um 69,14% geschrumpft. Über die genauen Beweggründe für das Selbstbekenntnis der deutschsprachigen Slowenen zu einer der beiden Minderheiten liegen keine Daten vor. Was die Rechte der österreichischen Minderheit betrifft finden immer wieder Schlagabtäusche zwischen slowenischen und österreichischen Politikern statt, vor allem vor dem Hintergrund des Kärntner Ortstafelstreits.[113]

Begriffsverwendung

Die Begriff Nation wird im Allgemeinen auf zwei Arten verwendet. Zum Einen in seinem eigentlichen ideologischen Sinn, als Sammelbegriff für kollektive Identitäten, zum Anderen als Ausdruck zur Beschreibung der Gesamtheit der Bevölkerung. Aussagen wie: „Die ganze Nation trauert“ sind deshalb nicht als im eigentlichen Begriffssinn verwendet zu betrachten. Des Weiteren hat sich das Wort Nation, beziehungsweise der Wortteil National-, in etlichen politische Begrifflichkeiten in Österreich niedergeschlagen. Auch hierbei ist zu beachten, dass die Bezeichnung „national“ meist eher im staatsrechtlichen als im Sinne der nationalen Identität verwendet wird. Beispiele dafür sind etwa: Nationalrat, Nationalbank, Nationalbibliothek, Nationalpark[114], Nationaler Sicherheitsrat[115] oder Nationalfonds.[116] Auch das amtlich verbindliche Österreichische Wörterbuch verwendet den Begriff „österreichische Nation“ und verweist bei den Wörtern „Nation“ und „österreichisch“ jeweils darauf. Bruno Kreisky – auf die Frage, ob es eine österreichische Nation gebe, angesprochen – meinte, dass, wenn es eine Nationalbank, eine Nationalbibliothek und eine Fußballnationalmannschaft gebe, es wohl auch eine Nation geben müsse.[117]

Eher im Sinne der eigentlichen Begriffsbedeutung ist der Nationalfeiertag zu verstehen. Durch seine Bezeichnung wird dieser deutlich vom Staatsfeiertag abgegrenzt. Begangen wird der Nationalfeiertag am 26. Oktober, zum Gedenken an die Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes. Auch Görlich wertet den Nationalfeiertag durchaus ideologisch, indem er die Ablehnung dieses Begriffs etikettiert: „Wer für den 26. Oktober bewußt das Wort Nationalfeiertag nicht verwendet, zeigt, wes Geistes Kind er ist.“[118] Am 26. Oktober finden regelmäßig Leistungsschauen des Bundesheeres statt und diverse Einrichtungen des Bundes laden zu einem Tag der offenen Tür. Dennoch wird der Nationalfeiertag in Österreich nicht traditionell mit besonderem Volksfestcharakter gefeiert. Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber meinte dazu, anlässlich einer Rede zum Nationalfeiertag:

„Der österreichische Nationalfeiertag wurde zwar nie zu einem großen patriotischen Volksfest wie der 14. Juli in Frankreich oder der 1. August in der Schweiz. Entscheidend aber ist, dass uns ein „National“-Feiertag selbstverständlich wurde; dass wir Österreicher als erfolgreiches Land seit 1945 zu einer selbstbewussten „österreichischen Nation“ gereift sind.[119]

Kritik

Der österreichische Nationsbegriff war und ist naturgemäß großen Anfeindungen deutschnationaler Kreise ausgesetzt. Jörg Haider sagte 1988 in einem Interview über die österreichische Nation:

„Das wissen sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache.[120] [121]

Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht ist der Nationsbegriff im Allgemeinen und das, die Nationswerdung betreffende, österreichische Geschichtsbild im Besonderen, gewisser Kritik ausgesetzt. Die Politologin Erna Appelt warnt etwa vor der Vereinheitlichung des Individuums der es durch den Nations- oder den Volksbegriff unterworfen sein kann und vor deren ausgrenzender Wirkung:

„Die Rede von den „echten Österreichern“ bzw. von den „Deutschen als ein normales Volk“ greift auf ein Vokabular zurück, das Versatzstücke jener Ideologie verwendet, die den Nationalsozialismus vorbereitet hat. „Was ist normal?“. „Was ist ein Volk?“, und vor allem: „Was ist ein normales Volk?“. […] Und hieran schließt sich unmittelbar die Frage an, was mit all jenen zu geschehen habe, die eben nicht dieser angenommenen Norm entsprechen und nicht in diese Echtheit einbezogen werden. […] Die „GastarbeiterInnen“, Kärntner SlowenInnen, die Roma und Sinti, die Juden, Kommunisten und die antifaschistischen Partisanen des Zweiten Weltkrieges, sie alle sind verdächtig, keine „echten Österreicher“ zu sein.[122]

Gleichzeitig streicht Appelt auch die Wandelbarkeit heraus, der alle Begrifflichkeiten unterworfen sein können und von der, ihrer Meinung nach, auch der österreichische Nationsbegriff nicht verschont wird:

„Die Geschichte dieses Jahrhunderts hat uns skeptisch werden lassen. Vieles was etwa vor einigen Jahren über die österreichische Nation geschrieben werden konnte, klingt heute überholt. Schon werden Stimmen laut, die das Projekt Österreich als ein transitorisches Projekt auffassen. Daß die Legenden der österreichischen Nachkriegszeit sich endgültig als Mythen entpuppt haben, kann durchaus als Chance begriffen werden.[122]

Während in den meisten europäischen Staaten die Nationswerdung noch im 19. Jahrhundert abgeschlossen wurde, ist Österreich im Vergleich dazu ein nationaler Spätentwickler.[123] Trotzdem, so Appelt, könnte die Vorstellung von einer österreichischen Nation bald durch eine gesamteuropäische Identifikationsidee abgelöst werden.[122] Diese Entwicklung wiederum wird von deutschnationaler Seite ebenso kritisiert wie die Vorstellung von einer eigenständigen nationalen österreichischen Identität. Andreas Mölzer schrieb dazu:

„Und die Frage, ob die Österreicher des beginnenden 21. Jahrhunderts nun Deutsche seien oder Angehörige einer eigenen Nation, stößt zunehmend auf emotionsloses Unverständnis. Kein Wunder, angesichts der multikulturellen Gesellschaft, die die Existenz des deutschen Volks insgesamt relativiert. Kein Wunder auch angesichts der nivellierenden Tendenzen der allgemeinen Europäisierung. Geradezu skurril dabei ist allerdings, daß jene Kräfte, die nach 1945 die „österreichische Nation“ zum politischen Dogma erhoben haben, in unseren Tagen zuerst bereit sind, diese „österreichische Nation“ gegenüber der multikulturellen Gesellschaft und der nivellierenden Europäisierung preiszugeben.[124]

Der österreichische Künstler André Heller schilderte in einem Interview sein Heimatverständnis und sein Verhältnis zur österreichischen Nation wie folgt:

„Österreich ist eine Herausforderung. Heimweh habe ich nur nach ein paar unverlogenen Freunden, nach gewissen Dachlandschaften und Seeufern - und nach einer schöpferischen Nation, die ich aus der Kunst kenne. Joseph Roth lesen, Strawinski hören oder Giacometti anschauen empfinde ich als schützende Macht.[125]

Wissenschaftliche Einordnung

Gerade über das Thema österreichische Nation wurden und werden immer wieder teils heftige politische Diskurse geführt. Da der Nationsbegriff aber generell emotional und ideologisch aufgeladen ist, wird auch dessen wissenschaftliche Einordnung häufig durch Grabenkämpfe erschwert. Dies trifft in erhöhtem Maße auf den österreichischen Nationsbegriff zu. Vielfach wurden etwa die Ansichten einiger Vertreter der, lange Zeit deutschnational orientierten, österreichischen Geschichtswissenschaft, etwa vom Historiker Ernst Hoor als „antiösterreichische Geschichtsfälschung“ kritisiert.[126] Der später aufgrund seiner indifferenten Einstellung zum Nationalsozialismus zwangspensionierte Historiker Taras Borodajkewycz nannte die österreichische Nation daraufhin, mit Bezug auf Hoors Aussagen, einen „blutleere[n] Literaturhomunkulus“ und ein „Gemisch von Anmaßung und Unkenntnis“. Außerdem schrieb er: „Die ‚österreichische Nation‘ scheint nur zwischen Unkraut zu gedeihen“[127]

Da bei der Identifikation des Individuums mit dem übergeordneten Ganzen, der Nation, dessen gefühlsmäßige und weltanschauliche Tendenzen eine wesentliche Rolle spielen, werden dem Nationsbegriff auch immer wieder metaphysische Eigenschaften, bis hin zur Vergöttlichung (vgl. etwa die Nationalallegorien) zugeschrieben. Der Schriftsteller Ferdinand Bruckner sah diesen Hang zur Übersteigerung vor allem beim österreichischen Selbstverständnis als zentrales Problem an:

„Ob da […] einst in Wien ein glanzvoller Kaiser residierte, oder ob ein blasser Herr Schuschnigg „Österreichs historische Erbpflicht“ erfüllen wollte: immer gab es eine österreichische Fiktion, eine metaphysische Begründung, warum die Österreicher auf der Welt sind. Die Tatsache, daß sie auf der Welt sind, einfach anerkennen, wäre gleichbedeutend gewesen mit dem amtlichen Einverständnis, daß die Österreicher ein Volk sind. Völker brauchen keine metaphysische Begründung. Ihr Dasein beantwortet bereits alle Fragen nach dem Sinn ihrer Existenz.[128]

Für wissenschaftliche Einordnungsversuche verschiedener nationaler Identitäten werden häufig kulturelle, sprachliche, historische, religiöse oder ethnische Gemeinsamkeiten der jeweiligen Bevölkerung gewählt. Aufgrund der Unschärfe mancher diese Begriffe wird die wissenschaftliche Definition des österreichischen Nationsbegriffes besonders erschwert.

Sprache

Hauptartikel: Sprachgebrauch in Österreich

Das österreichische Deutsch (siehe auch: Liste von Austriazismen) ist mittlerweile als eigenständige Varietät der deutschen Sprache weitgehend anerkannt. Nach 1945 wurde von vielen Seiten zunehmend eine deutlichere Betonung der sprachlichen Eigenständigkeit Österreichs gefordert. Dazu gehörte sowohl die Aufforderung zur zunehmenden Verschriftlichung dialektaler Begriffe, als auch die Ablehnung gegenüber außerösterreichischen deutschen Wörtern.[129] Der Versuch, die nationale Eigenständigkeit über sprachliche Unterschiede zu definieren, ist dennoch schwierig. Vor allem im Dialektbereich herrschen große regionale Unterschiede, etwa zwischen den in Vorarlberg und Westtirol vorherrschenden verschiedenen alemannischen Dialektvarianten und den süd- und mittelbairischen Dialekten, die in den restlichen deutschsprachigen Gebieten Österreichs dominieren. Im Verfassungskonvent von 2005 wurde auch darüber diskutiert, die Definition der Staatssprache in Artikel 8 B-VG als „Österreichisches Deutsch“ stärker zu betonen. Eine sprachliche Nationsbegründung würde allerdings die Einbeziehung der kroatisch-, ungarisch-, tschechisch-, slowakisch-, romanes- und slowenischsprachigen Volksgruppen (anerkannte Minderheitensprachen in Österreich) in den österreichischen Nationsbegriff erschweren.

Kultur

Hauptartikel: Österreichische Kultur

Einen wichtigen nationalen Identifikationsfaktor stellt die österreichische Kultur dar. Wobei der breitgefasste Kulturbegriff sowohl klassische und moderne Musik, Literatur und bildende Künste als etwa auch Brauchtum und Volkskultur umfasst. Laut Wendelin Schmidt-Dengler lässt sich eine österreichische Literatur aber nicht allein über das österreichische Deutsch, sondern vor allem über inhaltliche und stilistische Eigenschaften definieren. Der Begriff sei zwar schwer fassbar, von der österreichischen aber als deutsche Literatur zu sprechen, empfand Schmidt-Dengler als lächerlich.[130] Das Spiegel-Lexikon nennt eigenständige Strömungen der österreichischen Literatur, sieht ihre Entwicklung aber nie völlig von jener der deutschen Literatur losgelöst.[131] Umstritten ist, inwiefern Kulturgut, das vor der Nationswerdung – besonders aber vor der Staatsgründung 1806 – entstanden ist, als österreichisch bezeichnet werden kann. Wolfgang Amadeus Mozart wird deshalb auch in etlichen Quellen als Deutscher bezeichnet. Dennoch gehen manche Wissenschaftler schon früh von einer eigenständigen österreichischen Kultur aus:

„Katholische Weltauffassung und italienische Barocke prägten vom Siege der Gegenreformation bis Maria Theresia der österreichischen Kultur ihren Charakter auf, protestantische Weltanschauung und französischer Klassizismus beherrschten bis zum Schluß von Gottscheds Diktatur das Geistesleben Deutschlands.[132]

Religion

Hauptartikel: Anerkannte Religionen in Österreich

Obwohl Österreich in der Vergangenheit vor allem als katholisches Gegenstück zum protestantischen Preußen verstanden wurde, scheitert eine religiöse Definition des österreichischen Nationsbegriffs nicht nur am säkularen Fundament der Republik, sondern mittlerweile auch an der mangelnden religiösen Homogenität. Viele Staatsbürger bezeichnen sich bereits als „ohne Bekenntnis“, neben der katholischen Mehrheitsbevölkerung bekennen sich aber auch etliche Österreicher zum protestantischen, orthodoxen, muslimischen oder jüdischen Glauben.

Ethnie

Lois Weinberger schrieb vor Jahrzehnten Bezug nehmend auf einen abstammungsorientierten Begriff von Ethnizität in seinen Erinnerungen: „Wenn die Österreicher eine Nation sind, dann keine des Blutes, aber eine solche des besten menschlichen Geistes.“[133]

Auch die Frage, ob Österreicher an sich eine Ethnie darstellen, ist politisch und wissenschaftlich umstritten. Beim Ethnos handelt es sich, im Gegensatz zum Nationsbegriff, um eine primordiale, also vom Einzelnen unabhängige Bindung. Währen sich ein Individuum zu einer Nation freimütig bekennen kann, ist die Zugehörigkeit zu einer Ethnie von dessen Willen unabhängig durch die kulturellen Bindungen und seine Sozialisation vorbestimmt. Von mancher Seite wird auch die Existenz eines österreichischen Ethnos angenommen.[134][135] So listen etwa das CIA Factbook oder der Österreichische Schulatlas von Westermann Österreicher als eigenständige ethnische Gruppe auf.[136] Auch die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit[137] und die französische Robert Schuman-Stiftung[138] sprechen von „ethnischen Österreichern“. In der internationalen Fachliteratur wird der Begriff einer österreichischen Ethnizität ebenso verwendet.[139] Das Wörterbuch der Weltbevölkerung sieht den Begriff Österreicher etwa ab 1945 als ethnologisch besetzt an.[140] Auch das Institut für Höhere Studien greift auf den Begriff zurück.[141] Der Slowenische Präsident Janez Drnovšek sagte gegenüber dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer, die Tatsache, dass ethnische Österreicher in Kärnten vermehrt Slowenisch lernten, zeige, dass man auf dem richtigen Weg zu einem beiderseitigen Verständnis sei.[142] Der Begriff ethnische Österreicher (ethnic Austrian (people)) findet vor allem auch in englischsprachigen Medien Verwendung.[143]

Die Presse schrieb in einem Kommentar zum Buch Gestörte Identitäten von Lutz Musner, Gotthart Wunberg und Eva Cescutti: „Gibt es einen Ethnonationalismus ohne Ethnie? Im Land unbegrenzter Unmöglichkeiten – warum nicht?“[144] Für Ernst Hanisch sei der Ansatz zu einem österreichischen Ethnonationalismus ein Problem der „Reaustrifizierung“: „Mußte doch eine nationale Identität auf einer nicht scharf definierbaren Ethnie aufgebaut werden.“[144]

Die meisten Historiker und Ethnologen sehen heute den Begriff Volk als keine permanente und konsistente Gruppe von Menschen mit gemeinsamer Abstammung an. Die Vorstellung von genealogisch einheitlichen Völkerschaften wird als nazistischer Mythos angesehen. Der Mediävist Jörg Jarnut hält den Begriff Germanen selbst letztlich für eine Konstruktion: „Die Vorstellung von einer ethnischen Einheit der Germanen ist historisch unhaltbar.“[145] Der Historiker Herwig Wolfram meinte dazu: „Daß es keine unvermischten Völker gegeben haben kann, hat bereits Seneca logisch deduziert.“[145] Außerdem, so Wolfram, werde weiterhin an unzutreffenden Abstammungsmythen festgehalten: „So wollen etwa die Bayern und Österreicher heute noch Boier, das heißt Kelten sein, und in Kärnten gibt und gab es bekanntlich keine oder nur dünn siedelnde Slawen.“[145] Ein Problem des ethnischen Nationsbegriffs ist es, dass dieser ebenso wie die Konstruktion der Sprachnation die Volksgruppen generell ausschließt.

Willensnation

Im Zusammenhang mit dem Versuch, die österreichische Nation auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, wird häufig auf den Begriff der Willensnation zurückgegriffen, die sich nicht ausschließlich über Sprache, Kultur und ethnische Homogenität, sondern vor allem über ein „Identitäts- und Zusammengehörigkeitsgefühl“ der Nationsangehörigen definiert. Als Willensnation bezeichnen sich zum Beispiel Einwanderungsländer wie Kanada oder die USA, aber vor allem auch die Schweiz. Von dort stammt auch eine, zum Gedenken an den Untergang des Staates Österreich vor siebzig Jahren im März 2008 publizierte, Meinung: „Die Zweite Republik steht heute glänzend da. Sie ist, anders als damals, nicht nur ein Staatskonstrukt, sondern eine prosperierende Willensnation […].“[146] Auch für den österreichischen Autor und Germanisten Franz Schuh zeigt Österreich die Anzeichen einer Willensnation. Diese zeichne sich „durch die Fraglosigkeit des Bekenntnisses“ ihrer Bürger aus.[147]

Staatsnation

Da in Österreich in besonderer Weise das eigenständige Staatswesen auf die Herausbildung des Nationsbewusstseins Einfluss nahm, steht auch der Begriff Staatsnation mit im wissenschaftlichen Diskurs. Staats- und Willensnation überschneiden sich dahingehend, als dass beide auf eine kulturell und ethnisch heterogene, beziehungsweise nach Außen kaum abgrenzbare Bevölkerung abstellen. Während jedoch bei der Willensnation das staatsbürgerliche Bekenntnis zum Gemeinwesen im Mittelpunkt steht, zielt der Begriff der Staatsnation auf die Bedeutung des Gemeinwesens für die Staatsbürger ab. Gegen eine Klassifizierung Österreichs als ausschließliche Staatsnation spricht allerdings, dass gerade der Zeitraum, in dem es keinen österreichischen Staat gab, für den Nationswerdungsprozess von besonderer Bedeutung war. Außerdem lässt er kulturelle Identitäten außer Acht und schließt das Vorhandensein österreichischer Minderheiten eher aus.

Siehe auch

Literatur

  • Wilhelm Brauneder: Quellenbuch zur Österreichischen Verfassungsgeschichte 1848–1945.
  • Ernst Bruckmüller: Nation Österreich. Kulturelles Bewußtsein und gesellschaftlich-politische Prozesse, Studien zu Politik und Verwaltung 4, Wien/Köln/Graz ²1996.
  • Ernst Bruckmüller: Die Entwicklung des Österreichbewußtseins. (pdf). 
  • Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Zeit und Geschichte in Zeichen. K&S Wien 1995, ISBN 3-218-00594-9 (Webauszug: Die Symbole Österreichs)
  • Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität. Böhlau, Wien/Köln/Graz 1981.
  • Robert Sedlacek: Das Österreichische Deutsch.
  • Anton Staudinger: Zur „Österreich“-Ideologie des Ständestaates. In: Das Juli-Abkommen von 1936. Vorgeschichte, Hintergründe und Folgen. Wien 1977. S. 198–240.
  • Karl Vocelka: Geschichte Österreichs, Heyne/Styria, 3. Auflage, 2004, ISBN 3-453-21622-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Peter Diem: Die Symbole Österreichs, K&S Verlag, Wien 1995, S. 127f.
  2. Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität, Verlag Hermann Böhlaus Nfg., Wien – Köln – Graz 1981, ISBN 3-205-07155-7, S. 29 f.
  3. Peter Wiesinger, in: Nation und Sprache, de Gruyter, Berlin, S. 556.
  4. Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität, Verlag Hermann Böhlaus Nfg., Wien – Köln – Graz 1981, ISBN 3-205-07155-7, S. 26
  5. Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität, Verlag Hermann Böhlaus Nfg., Wien – Köln – Graz 1981, ISBN 3-205-07155-7, S. 28f.
  6. a b Irene Etzersdorfer, M.Ley (Hrsg.): „Menschenangst“ - Die Angst vor dem Fremden. Philio-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-8257-0107-7.
  7. Spiegel-Lexikon: Die Epoche der Nationalstaaten (1850-1871) Der Spiegel - Spiegel-Wissen
  8. Taschenatlas Völker und Sprachen, Klett. S. 53.
  9. Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main 1958. 18. Auflage der erweiterten Sonderausgabe, S. Fischer Verlag, 1985, ISBN 3-10-347901-8, S. 554.
  10. Golo Mann, a.a.O., S. 383
  11. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S. 11.
  12. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S. 10 f.
  13. Paul-Ludwig Völzing: Begründen, Erklären, Argumentieren. Modelle und Materialien zu einer Theorie der Metakommunikation. Quelle & Meyer, Heidelberg 1979, S. 116 f.; zit. nach: Bernd Michael Matouschek: Die Österreichische Nation… eine ideologische Mißgeburt? S. 64.
  14. Brigitte Hamann: Hitlers Wien, Piper, München 1996, S. 381 ff.
  15. Otto von Habsburg: Im Frühling der Geschichte. Wien, S. 174; zit. nach Cafe Critique - Gerhard Scheit: Scheinland
  16. a b c d e Ernst Bruckmüller in: Österreichische Galerie Belvedere, Günter Düriegl (Hrsg): Das neue Österreich. Die Ausstellung zum Staatsvertragsjubiläum 1955–2005, Wien 2005, ISBN 3-901508-24-4, S. 242.
  17. Ernst Bruckmüller: Die Entwicklung des Österreichbewusstseins, Joanneum - Demokratiezentrum
  18. Ernst Bruckmüller: Die Entwicklung des Österreichbewusstseins, Joanneum - Demokratiezentrum
  19. Goldinger, Binder: a.a.O., S. 19
  20. Schmitz, Die Vorentwürfe Hans Kelsens für die österreichische Bundesverfassung, S.115; Ermacora, Quellen zum Österreichischen Verfassungsrecht (1920), S. 43.
  21. Kelsen, Österreichisches Staatsrecht, S. 238.
  22. Lilly Wildgans (Hrsg.), Anton Wildgans: Ein Leben in Briefen. Band 2: 1917–1924. Frick, Wien 1947, S. 194f.
  23. Anton Wildgans: Rede über Österreich, Verlag Das Bergland-Buch, Salzburg 1962.
  24. Peter Diem: Die Symbole Österreichs, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00594-9, S. 140 f.
  25. Norbert Schausberger: Der Griff nach Österreich. Der Anschluß, Jugend und Volk, Wien, München 1978, ISBN 3-7141-6532-0, S. 164.
  26. Alfred Klahrs Text zur österreichischen Nation
  27. Alfred Klahrs Text zur österreichischen Nation
  28. Rudolf (d.i. Alfred Klahr): Zur nationalen Frage in Österreich. In: Weg und Ziel, 2. Jahrgang (1937), Nr. 3 (eLibrary Austria)
  29. Ernst Bruckmüller: Nation Österreich. Sozialhistorische Aspekte ihrer Entwicklung. (= Studien zu Politik und Verwaltung 4) Böhlau, Wien/Köln/Graz 1984, ISBN 3-205-08460-8, S. 200f.
  30. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S. 42.
  31. Zit. nach Manfred Jochum: Die Erste Republik in Dokumenten und Bildern, Wilhelm Braumüller, Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1983, S. 222.
  32. Zit. nach Manfred Jochum, a.a.O., S. 225.
  33. Zit. nach Manfred Jochum, a.a.O., S. 226.
  34. a b Vorarlberger Landesarchiv
  35. diepresse.com
  36. Wilhelm J. Wagner, Der große Bildatlas zur Geschichte Österreichs. Kremayr & Scheriau 1995, ISBN 3-218-00590-6 (Kapitel „Heim ins Reich“).
  37. diepresse.com
  38. Ernst Buckmüller, Sozialgeschichte Österreichs, herold Verlag, Wien, München 1985. S. 520.
  39. The Library of Congress - Country Studies: Austria
  40. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S. 30.
  41. Dokumentationsarchiev des österreichischen Widerstands
  42. Felix Kreissler: La Prise de Conscience de la Nation Autrichienne 1938–1945–1978. Presses Universitaires, Paris 1980, S. 315 (PDF.)
  43. Friedrich Heer, a.a.O., S. 441
  44. Vgl. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967, S. 30f.
  45. Adolf Schärf: Österreichs Erneuerung 1945–1955, Wien 1955, S. 19 ff; zitiert nach Friedrich Heer, a.a.O., S. 441.
  46. Schärf, a.a.O.
  47. Vgl. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967, S. 31f.
  48. Bernd Michael Matouschek: Die Österreichische Nation… eine ideologische Mißgeburt? Wien 1989, S. 63.
  49. Bernd Michael Matouschek: Die Österreichische Nation… eine ideologische Mißgeburt? Wien 1989, S. 63.
  50. Thaler, Peter. 1999. “National History: National Imagery: The Role of History in Postwar Austrian Nation-Building.” Central European History 32:277-309, S. 280.
  51. Bernd Michael Matouschek: Die Österreichische Nation… eine ideologische Mißgeburt? S. 68.
  52. Peter Wiesinger, in: Nation und Sprache, de Gruyter, Berlin, S. 556.
  53. RIS
  54. Peter Wiesinger, in: Nation und Sprache, de Gruyter, Berlin, S. 545.
  55. Salzburger Nachrichten, Nr. 54/ 1. Jahrgang, 9. august 1945, S. 4
  56. derstandard.at
  57. Bernd Michael Matouschek: Die Österreichische Nation… eine ideologische Mißgeburt?. Wien 1989, S. 66.
  58. Americans and Venezuelans lead the world in national pride
  59. Eric Frey: Schwarzbuch USA, Frankfurt am Main 2004, S. 348.
  60. Anton Pelinka: Patriotismus, ade! in diepresse.com
  61. Vom Schilling zum Euro – Kontinuität und Stabilität. Wien 2002, Eigenverlag KHM und Österreichische Nationalbank, S. 218, ISBN 3-85497-039-0
  62. Vgl. Walter Simon: Mehr Hitze als Licht. S. 32. In: Academia, S. 32–34.
  63. Die Presse vom 16. Juni 2007: Bericht von Anton Pelinka: Waldheim in uns. Zum Tod des ehemaligen Bundespräsidenten.
  64. DÖW
  65. Parlament - Programmheft-Gedenktag 2005
  66. Henrik Müller: Mehr Patriotismus wagen? Manager Magazin 10. Mai 2006
  67. Identität und Sprachpolitik
  68. Joanneum - Demokratiezentrum
  69. Wochenzeitschrift Falter, Wien, Nr. 50/08 vom 10. Dezember 2008, S. 18f.
  70. Website der Diplomatischen Akademie Wien
  71. Bernd Michael Matouschek: Die Österreichische Nation… eine ideologische Mißgeburt?, Wien 1989, S. 67.
  72. Peter Pelinka, Wozu noch Österreich? Bestandsaufnahme eines Kleinstaates, Ueberreuter, Wien 2001, S. 54.
  73. Ernst Bruckmüller in: Österreichische Galerie Belvedere, Günter Düriegl (Hrsg): Das neue Österreich. Die Ausstellung zum Staatsvertragsjubiläum 1955–2005, Wien 2005, ISBN 3-901508-24-4, S. 242ff.
  74. Kriechbaumer: Von der Illegalität zur Legalität. 1985, S. 166.
  75. Renner in der Wiener Zeitung vom 17. Jänner 1947. Zitiert nach Ardelt, S. 71
  76. Vgl. V. Reimann: Die dritte Kraft in Österreich. Wien 1980
  77. Peter Wiesinger, in: Nation und Sprache, de Gruyter, Berlin, S. 547f.
  78. Programme gedruckt bei Berchtold, S.488f Zit. nach Dr. Walter Kristanz: Die österreichische Nation (Teil 3)
  79. Parteiprogramm vom 30. Oktober 1997, S. 5 Zitiert nach Walter Kristanz: Die österreichische Nation (Teil 3)
  80. derstandard.at
  81. diepresse.com Innenpolitik
  82. diepresse.com Innenpolitik
  83. BZÖ-Programm
  84. Die Grünen - Grundsatzprogramm
  85. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S. 24 f.
  86. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 3, Kremayr & Scheriau, Wien 1994, ISBN 3-218-00545-0, Seite 313
  87. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): „Anschluß“ 1938. Eine Dokumentation. Österr. Bundesverlag, Wien 1988, ISBN 3-215-06824-9, S. 449.
  88. Erklärung des Evangelischen Oberkirchenrates A. und H. B (zur Verlesung in allen evangelischen Kirchen am 20. März 1938), zitiert aus: Dokumentationsarchiv (Hrsg.): a.a.O., S. 349
  89. volksgruppen.ORF.at
  90. FPÖ Steiermark
  91. tirol.orf.at
  92. volksgruppen.ORF.at
  93. Statistik Slowenien
  94. Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
  95. www.altoesterreich.eu
  96. http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/638999.stm BBC - Austrian minister gets EU cold shoulder
  97. www.altoesterreich.eu
  98. vgl.: Deutschsprachige Minderheit in Tschechien
  99. tirol.orf.at
  100. diepresse.com - Quergeschrieben Andreas Khol
  101. ORF: „SVP hält absolute Mandatsmehrheit“
  102. SVP-Grundsatzprogramm – 4. Südtirol und Österreich
  103. SVP-Wahlprogramm 2008 (PDF)
  104. Europaparlament CRE(2006)01-18
  105. [www.eisenlauer.com/website/ppt/Kordel_Sprachbarometer.ppt Südtiroler Sprachbarometer]
  106. [[1]] Kristian Naglo: Multilingualität und Identitäten in Europa. Eine theoretische Annäherung anhand der Beispiele Luxemburg und Südtirol. In: Ferenc Glatz (Hrsg.): Innerhalb der Europäischen Union (Begegnungen. Schriftenreihe des Europa Institutes Budapest 22), Budapest 2004, ISBN 9632164288, S. 303-326.
  107. „Von Quoten und Grenzen“, derStandard.at vom 27. Februar 2006
  108. BMEIA - Nachbarschaftspolitik Südtirol
  109. Rede des Bundespräsidenten
  110. Interview des Bundespräsidenten mit der Tiroler Tageszeitung „Ein sorgsamer Blick nach Südtirol“
  111. Der Bundespräsident über die Aufnahme der Schutzfunktion über Südtirol in das B-VG
  112. Statistik Slowenien (PDF)
  113. http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/29285.stm BBC - Austria & Slovenia argue over WWII reparations
  114. Umweltbundesamt (PDF)
  115. Bundeskanzleramt
  116. Nationalfond
  117. Der Spiegel - Spiegel-Wissen
  118. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S.  36.
  119. Land Vorarlberg (PDF)
  120. News - Umstrittene Sager prägten Haiders Karriere
  121. Die Presse - Zitiert: Jörg Haider
  122. a b c Joanneum
  123. Cafe Critique - Gerhard Scheit: Scheinland
  124. Andreas Mölzer - 1918/1938 – so deutsch war Österreich
  125. Der Spiegel - Interview mit André Heller Ich reize die Leute zu Wutanfällen
  126. Ernst Hoor zit. nach: Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität, Verlag Hermann Böhlaus Nfg., Wien – Köln – Graz 2001, ISBN 3-205-99333-0, S. 12.
  127. Taras Borodajkewycz zit. nach: Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität, Verlag Hermann Böhlaus Nfg., Wien – Köln – Graz 2001, ISBN 3-205-99333-0, S. 13.
  128. Cafe Critique - Gerhard Scheit: Scheinland (PDF)
  129. Peter Wiesinger, in: Nation und Sprache, de Gruyter, Berlin, S. 548f.
  130. Wendelin Schmidt-Dengler, in: Franz Römer(Hrsg.): 1000 Jahre Österreich – Wege zu einer österreichischen Identität, Universität Wien, 1996. S. 68ff.
  131. Spiegel-Lexikon: Österreichische Literatur
  132. Nagl-Zeidler-Castle zit. nach: Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967. S. 16f.
  133. Ernst Joseph Görlich: Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967, S. 32.
  134. Encyclopædia Britannica - Austrians
  135. Taschenatlas Völker und Sprachen, Klett. S. 53.
  136. CIA World Factbook
  137. Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
  138. Schuman-Stiftung
  139. Franz A. J. Szabo: Austrian Immigration to Canada. S. 41f.; Alfred Connor Browman: Zones of Strain: A Memoir of the Early Cold War. S. 73; Ilija Sutalo: Croatians in Austria. S. 21; Donald G. Daviau, Herbert Arlt: Geschichte der österreichischen Literatur. S. 318; Deirdre N. McCloskey: The Bourgeois Virtues – ethnics for an age of commerce. S. 190; Bruce M. Mitchell, Robert E. Salsbury: Multicultural Education – An international guide to research, policies and programs. S. 19.
  140. Heinz-Gerhard Zimpel, Ulrich Pietrusky: Wörterbuch der Weltbevölkerung S. 405.
  141. Institut für Höhere Studien
  142. Der Slowenische Staatspräsident
  143. BBC world europe
  144. a b diepresse.com: In Kürze
  145. a b c diepresse.com: Die Frage nach dem Ursprung der Völker ist falsch gestellt
  146. Neue Zürcher Zeitung, Zürich, Nr. 63, 15./16. März 2008, S. 1/2, Wege aus bewegter Geschichte.
  147. Spiegel - Der schlaue kleine Bruder

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