Zivilbeschäftigter

Zivilbeschäftigter

Zivilbeschäftigte sind arbeitsvertraglich beschäftigte Arbeiter und Angestellte, die in militärischen oder paramilitärischen Einrichtungen (z. B. Kasernen, Truppenübungsplätzen, Waffendepots, Militärflugplätzen, Militärkrankenhäusern, Kantinen, Besoldungsstellen, Gefangenenlagern) bzw. Betrieben (Waffenfabriken, Rüstungsbetrieben, Ausrüstungswerkstätten, Kampfmittelräumdienste) tätig sind, ohne dass sie selbst Angehörige des Militärs oder der paramilitärischen Organisation sind. Zivilbeschäftigte sind entweder direkt bei der Einrichtung, dem Betrieb bzw. der betreibenden Organisation angestellt oder sie sind über Werksverträge, die ihr ziviler Arbeitgeber mit dem Militär bzw. der paramilitärischen Organisation abgeschlossen hat, für Arbeiten in die militärische Einrichtung bzw. den Betrieb ausgeliehen.

Zivilbeschäftigte bei der Bundeswehr und bei den in Deutschland stationierten NATO-Streitkräften

In militärischen Einrichtungen in Deutschland werden heute insbesondere viele Arbeiten zur Instandhaltung, Bewachung und Versorgung von nicht militärischem Personal erledigt. Hierbei handelt es sich in der Regel um Arbeiter und Angestellte, die im Rahmen der einschlägigen Tarifverträge des öffentlichen Dienstes beschäftigt sind. Aufgrund zwischenstaatlicher Verträge über Truppenstationierung (NATO-Truppenstatut) gilt für die Zivilbeschäftigten bei den ausländischen Stationierungsstreitkräften das Deutsche Arbeitsrecht (einschl. modifiziertes BPersVG). Die jeweilige Beschäftigungsdienststelle wird jedoch ausschließlich von den ausländischen Streitkräften als Arbeitgeber betrieben. Die Zahlung der Gehälter erfolgt ebenfalls aus Heimatmitteln der Entsendestaaten. Die Tätigkeit dieser Arbeitnehmer ist keine Tätigkeit im deutschen öffentlichen Dienst. Tarifvertrag: TVAL II (Tarifvertrag für die Arbeitnehmer bei den Stationierungsstreitkräften).

Zivilbeschäftigte bei der SS und der Wehrmacht während der NS-Zeit

Dies waren in der Regel Deutsche, die im Rahmen eines zivilen Arbeitsverhältnisses während der NS-Zeit in Lagern erwerbstätig waren. In solchen Lagern (in der Regel KZ) war im übrigen überwiegend entweder militärisches (oder militärähnliches, wie z. B. SS-)Personal eingesetzt. Sie hatten mit einem privaten Unternehmen einen Arbeitsvertrag zu üblichen Bedingungen (Lohntarife, Kündigungsrecht, Überstundenregelungen, Aufwandsentschädigungen für Dienstreisen, Heimfahrten zu Feiertagen usw.). Ein Beispiel sind Techniker, die in erheblichem Maß für spezielle Arbeiten in den KZ eingesetzt wurden, z. B. in sensiblen Bereichen, in denen die SS keine Gefangenen arbeiten lassen wollte (z. B. Bau, Installation, Wartung der Gaskammern). Siehe als Beispiel J. A. Topf und Söhne, Lieferant von Krematorien und Gaskammer-Zubehör. Beteiligt waren Monteure, Ingenieure und Prokuristen, die zeitweise (kürzere oder längere Zeit, u. U. bis zu mehreren Monaten) im KZ arbeiteten, aber außerhalb wohnten. Das Wort „zivil“ dient in diesem Fall dazu, diese Leute von den übrigen hier beruflich Tätigen zu unterscheiden, die im Rahmen eines militärischen o. ä. Dienstes arbeiteten und sich nach dem Krieg in der Regel auf einen „Diensteid“ o. ä. zur Schuldabwehr zu berufen pflegten.

Es gab auch ausländische Zivilbeschäftigte aus der Umgebung der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagerlager, z. B in Polen, die dort freiwillig, als normale Arbeitnehmer im Schichtbetrieb arbeiteten, also ohne selbst SS-Angehörige oder Häftlinge gewesen zu sein. Ebenso gab es in den von der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges besetzten Ländern Männer und Frauen, die für die deutschen Truppen bzw. für die SS gegen Entgelt reguläre Arbeiten verrichteten. Insbesondere nach Niederschlagung des nationalsozialistischen Regimes galten sie in ihrer Heimat meist als Kollaborateure.

Weblinks

  • [1] Die Architekten Walter Dejaco und Fritz Ertl, Planer von Gaskammern und Krematorien, wurden von der Wiener Justiz nicht belangt. (siehe auch: [2])

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Zivilbeschäftigter — Zi|vil|be|schäf|tig|ter <vgl. ↑ Beschäftigter: jmd., der beruflich bei den Streitkräften beschäftigt, aber nicht Mitglied der Streitkräfte ist …   Universal-Lexikon

  • 6941st Guard Battalion — Wappen 6941st Gd Bn. Wahlspruch: On Guard! Das 6941st Guard Battalion in Berlin war eine von den US Streitkräften während der Besatzung Berlins durch die alliierten Streitkräfte, nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges,… …   Deutsch Wikipedia

  • Blösche — Foto mit Blösche (rechts mit MP) Josef Blösche (* 5. Februar 1912 in Friedland; † 29. Juli 1969 in Leipzig, hingerichtet) war als SS Unterscharführer u. a. an der Liquidierung des Warschauer Ghettos und an der Bekämpfung des …   Deutsch Wikipedia

  • Comayagua (Honduras) — 14.46 87.65594Koordinaten: 14° 28′ N, 87° 39′ W …   Deutsch Wikipedia

  • Helmut Eschwege — (* 10. Juli 1913 in Hannover; † 19. Oktober 1992 in Dresden) war ein jüdischer Historiker und Dokumentarist in Deutschland. Ihm gelang in den 1930er Jahren die Emigration und die Einwanderung nach Palästina. Nach dem Ende der… …   Deutsch Wikipedia

  • Hermann Brockmann — (* 12. Juni 1892 in Paderborn; † 30. September 1953 in Bad Lippspringe) war ein sozialdemokratischer Politiker. Brockmann machte nach der Volksschule eine Lehre als Schlosser und arbeitete bei der Deutschen Reichsbahn. Seit 1919 war er Mitglied… …   Deutsch Wikipedia

  • Josef Blösche — Foto mit Blösche (rechts mit MP) Josef Blösche (* 5. Februar 1912 in Friedland in Böhmen; † 29. Juli 1969 in Leipzig, hingerichtet) war als SS Unterscharführer unter anderem an der Liquidierung des Warschauer Ghettos und an der Bekämpfung des… …   Deutsch Wikipedia

  • Speziallager — Das „Gelbe Elend“ in Bautzen (Blick von Südosten; links die Kirche, rechts der Ostflügel) Speziallager waren Lager, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 von der sowjetischen Militäradministration in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)… …   Deutsch Wikipedia

  • bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg — Gründung 11. April 1972 Sitz Berlin (Hauptsitz) und Brandenburg 36 Standorte Personen Klaus Dieter Teufel; Dr. Andreas Forner Schwerpunkt Förde …   Deutsch Wikipedia

  • Georg Reiss — (* 20. Oktober 1885 in Elbing; † 12. August 1943) war ein deutscher Zivilbeschäftigter des Heeres. Leben Reiss besuchte das Gymnasium in Elbing und studierte Rechtswissenschaft an der Albertus Universität. Im Wintersemester 1905/06 wurde er… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”