Wolfgang Böhm


Wolfgang Böhm

Wolfgang Böhm (* 19. Juli 1936 in Brünlos) ist ein deutscher Agrarwissenschaftler.

Als Hochschullehrer für Pflanzenbau an der Georg-August-Universität Göttingen ist er vor allem mit Arbeiten zur Wurzelökologie und zur Wissenschaftsgeschichte seines Fachgebietes hervorgetreten. Daneben hat er Anthologien bekannter Dichter herausgegeben und auch eigene Gedichte veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Wolfgang Böhm, Sohn eines erzgebirgischen Gemeindebeamten, erwarb 1953 an der Städtischen Knabenmittelschule Hannover die Mittlere Reife, absolvierte anschließend eine Lehre als Chemielaborant und arbeitete dann in einem Forschungslabor eines Chemie-Unternehmens in Seelze. Nach dem Erwerb der Hochschulreife begann er 1965 ein breit angelegtes Studium der Naturwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen mit dem Hauptfach Geographie. 1969 bestand er die Staatsexamensprüfung mit einer schriftlichen Arbeit über das Lebenswerk des Göttinger Geographen Hermann Wagner.

1970 begann Böhm ein Zweitstudium an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen. 1971 erhielt er eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. Unter der Ägide von Kord Baeumer promovierte er dort 1973 mit einer Arbeit über Probleme der Phosphatdüngung und des Wurzelwachstums bei Getreide. Die Wurzelökologie, vor allem jedoch die Untersuchungsmethoden des Wurzelwachstums landwirtschaftlicher Kulturpflanzen, standen in den folgenden Jahren im Mittelpunkt seiner Forschungstätigkeit in Göttingen. 1975, anlässlich eines Forschungsaufenthaltes an der Iowa State University in Ames (USA), entwickelte er den Plan, ein disziplinübergreifendes Methoden-Handbuch für Wurzeluntersuchungen zu erarbeiten. Dieses Vorhaben hat er innerhalb von vier Jahren umgesetzt: sein 1979 erstmals erschienenes Werk Methods of Studying Root Systems galt zwei jahrzehntelang als das maßgebende internationale Standardwerk auf dem Gebiet der Wurzelökologie.

Böhm, der 1980 habilitierte und 1985 zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde, war bis 1997 am Göttinger Lehrstuhl für Pflanzenbau tätig. Während der letzten fünfzehn Jahre seiner universitären Dienstzeit beschäftigte er sich überwiegend mit Fragen zur Wissenschaftsgeschichte des Pflanzenbaus. Die meisten Forschungsergebnisse hat er in der „Zeitschrift für Acker- und Pflanzenbau“, in „Berichte über Landwirtschaft“ und in der „Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie“ veröffentlicht. Von den Buchveröffentlichungen gehört sein Biographisches Handbuch zur Geschichte des Pflanzenbaus (1997) inzwischen zu den wichtigsten Werken auf dem Gebiet der Agrarbiographik. Böhm engagierte sich seit 1980 stark in der „Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften“. Von 1991 bis 2005 leitete er den „Arbeitskreis für Wissenschaftsgeschichte des Pflanzenbaus“ dieser Fachgesellschaft.

Als Freund klassischer Dichtkunst hat Böhm Lyrik-Anthologien herausgegeben, u. a. bibliophil gestaltete Bände mit Gedichten von Eduard Mörike, Joseph von Eichendorff und Johann Wolfgang von Goethe. Außerdem veröffentlichte er eigene humorvolle Verse über die gar so menschlichen Verhaltensweisen der kleinen und großen Akteure im akademischen Lehr- und Forschungsbetrieb.

Publikationen (Auswahl)

  • Untersuchungen zur Phosphatdüngung und zum Wurzelwachstum von Getreide im Ackerbausystem ohne Bodenbearbeitung. Diss. agr. Göttingen 1973. U 73.6168
  • Methods of Studying Root Systems. (Ecological Studies Vol. 33), Springer-Verlag Berlin, Heidelberg und New York 1979. Nachdrucke 1983 und 1985. Ausgabe in polnischer Sprache, Warszawa 1985.
  • Göttinger Pflanzenbauwissenschaftler. Eine Bibliographie. Verlag I. Maier-Ruppert Regensburg 1988.
  • Einführung in die Wissenschaftsgeschichte des Pflanzenbaus. Triade-Verlag E. Claupein Göttingen 1990.
  • Ziele und Wege der Forschung im Pflanzenbau. Festschrift für Kord Baeumer zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von Wolfgang Böhm. Triade-Verlag E. Claupein Göttingen 1991
  • Ein Leben für die Pflanzenbauwissenschaft. Festschrift für Eduard von Boguslawski zum 90. Geburtstag am 30. Dezember 1995. Herausgegeben von Wolfgang Böhm und Martin Zoschke. Verlag Adelheid Böhm Göttingen 1995.
  • Ewald Wollny. Bahnbrecher für eine neue Sicht des Pflanzenbaus. Verlag Adelheid Böhm Göttingen 1996.
  • Beiträge zum Wissenschaftsverständnis des Pflanzenbaus. Ein bibliographischer Wegweiser. Verlag Adelheid Böhm Göttingen 1996.
  • Biographisches Handbuch zur Geschichte des Pflanzenbaus, K. G. Saur Verlag München 1997.
  • Dichtkunst und Landbau. Meisterwerke aus vergangener Zeit. Herausgegeben von Wolfgang Böhm. Auretim Verlag Göttingen 2003, 2. Auflage ebd. 2004.
  • Der Globalprofessor. Gedichte. Auretim Verlag Göttingen 2005.

Literatur

  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2007. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. 21. Ausgabe, K. G. Saur Verlag München 2007, Bd. I, S. 322.
  • Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2006/2007. 65. Jahrgang, K. G. Saur Verlag München und Leipzig 2007, Bd. I, S. 112–113.
  • Harry Knittel: Der Arbeitskreis Wissenschaftsgeschichte des Pflanzenbaus. In: Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften 1956–2006. Festschrift zum 50jährigen Jubiläum. Englram & Partner Hassloch 2007, S. 139–141 (mit Bild).

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wolfgang Boehm — (Böhm) (* 12. Mai 1928 in Danzig) ist ein deutscher Mathematiker. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Bedeutung 3 Ausgewählte Veröffentlichungen …   Deutsch Wikipedia

  • Böhm (Familienname) — Böhm oder Boehm ist ein deutscher Familienname. Herkunft und Bedeutung Der Name ist eine mundartliche Variante von Böhme (Bewohner von Böhmen). Varianten Böhme, Boehme, Böheim, Beheim, Behaim Bohm ist dagegen eine mundartliche Variante von Baum.… …   Deutsch Wikipedia

  • Wolfgang — ist ein alter deutscher, männlicher Vorname. Herkunft und Bedeutung Wolfgang setzt sich zusammen aus germanisch *wulfa, Wolf, und althochdeutsch gang, Gang, Gehen[1]. Jacob Grimm versteht den Wolf hier als magisches, heiliges Tier, das den Sieg… …   Deutsch Wikipedia

  • Wolfgang Weigl — (* 1978 in Marktoberdorf) ist ein deutscher Cutter und Filmemacher. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Wirken 2 Filmografie (Auswahl) 3 Auszeichnungen 4 …   Deutsch Wikipedia

  • Wolfgang Lesowsky — Autogramm Wolfgang Lesowsky (* 13. Oktober 1942 in …   Deutsch Wikipedia

  • Wolfgang Preiser — (* 20. Februar 1903 in Frankfurt am Main; † 31. Oktober 1997 ebenda) war ein deutscher Rechtswissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Leistungen 3 Werke …   Deutsch Wikipedia

  • Wolfgang Windgassen — est un ténor allemand, né le 26 juin 1914 à Annemasse (Haute Savoie) et mort le 8 septembre 1974 à Stuttgart. Son père, Fritz Windgassen (Hambourg 1883 Murnau 1963) était un ténor réputé ; sa mère, Vali von der Osten (1882–1923) était une… …   Wikipédia en Français

  • Wolfgang Windgassen — (June 26, 1914 – September 8, 1974) was a tenor internationally known for his performances in Wagner operas.Born in Annemasse, France, he was the son (and pupil) of a well known Heldentenor, Fritz Windgassen (who was also the teacher of Gottlob… …   Wikipedia

  • Wolfgang Ernst Pauli — Cet article fait partie de la série Mécanique quantique Postulats de la mécanique quantique Histoire de …   Wikipédia en Français

  • Wolfgang Windgassen — Wolfgang Windgassen, (Annemasse, Alta Saboya, Francia 26 de junio de 1914 Stuttgart, Alemania, 8 de septiembre de 1974) fue un tenor dramático alemán, conocido por sus representaciones en las óperas wagnerianas. Biografía Perteneciente a una… …   Wikipedia Español


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.