Wirtschaftskrise von 1837


Wirtschaftskrise von 1837
Cartoon in dem US-Präsident Jackson die Schuld für die Wirtschaftskrise gegeben wird, und in dem die Folgen der Krise gezeigt wurden

Die Wirtschaftskrise von 1837 war eine der schwersten Wirtschaftskrisen in der Geschichte der USA. Sie hatte ihre Ursache in einem spekulativen Fieber. Die Blase zerbarst am 10. Mai 1837 in New York, als jede Bank die Konvertibilität von Papiergeld in Gold und Silber einstellte. Auf die Krise folgten fünf Jahre wirtschaftlicher Depression, die dauerhafte Zahlungsunfähigkeit vieler Banken und rekordhafte Arbeitslosigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Der Krise war ein Wirtschaftsboom vorausgegangen, der auf der Indianer-Umsiedlung basierte. Die Gebiete, die nach dem Indian Removal Act von 1830 von den Indianern geräumt werden mussten, wurden von der amerikanischen Bundesregierung an Siedler verkauft. Hierbei wurden so große Überschüsse erzielt, dass der Bundeshaushalt der Jahre 1835 bis 1837 nicht nur einen Überschuss aufwies sondern die Vereinigten Staaten zum ersten und bis heute einzigen Mal in ihrer Geschichte schuldenfrei wurden.

Die einzelnen Bundesstaaten der Union reagierten auf diese Entwicklung mit einer expansiven Ausgabenpolitik. Sie investierten massiv in Infrastrukturmaßnahmen wie Verkehrswege und nahmen an, dass sich diese Investitionen über zunehmende Grundsteuern lohnen würden. Gleichzeitig kam es zu einer Gründungswelle von Banken. Diese wurden (insbesondere in den Südstaaten) vielfach auch durch die Bundesstaaten mit Kapital ausgestattet. Beides wurde durch eine massive Ausweitung der Staatsverschuldung durch Ausgabe von Staatsanleihen finanziert.

Zwischen 1834 und 1836 verfünfachte sich der Verkauf öffentlichen Landes. Eine Vielzahl von Spekulanten erwarben große Flächen auf Kredit. Die Banken finanzierten dies über Hypotheken und gaben im Gegenzug Papiergeld aus.

Die Krise

1837 platzte die Spekulationsblase und die bisher größe Wirtschaftskrise der Vereinigten Staaten begann. Einer der Auslöser der Krise war die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Andrew Jackson. Er mißtraute dem ungedeckten Papiergeld und regelte daher im „Specie Circular“ (Währungsrundschreiben), dass Käufe von Indianerland nur in Gold und Silber und nicht in Banknoten zulässig seien. Auch der Entzug staatlicher Gelder aus der Second Bank of the United States trug zur Verunsicherung bei. Martin Van Buren, den Jackson als sein Nachfolger erwählt hatte, und der die Wahlen von 1836 danach gewann, wurde deshalb für die Krise verantwortlich gemacht. Seine Weigerung, staatliche Maßnahmen zur Rettung der Wirtschaft zu ergreifen, trug nach Ansicht von Kritikern auch dazu bei, die Schäden und Dauer der Krise zu erhöhen.

Entscheidender war jedoch der Verfall der Immobilienpreise. Die Ausweitung des Flächenangebots in den Indianergebieten führte zu einer Erweiterung des Angebots, das Platzen der Blase zu einer Reduzierung der Nachfrage. In der Folge brachen die Landpreise ein, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte verfielen, die Hypotheken konnten nicht mehr bedient werden und die Grundsteuereinnahmen brachen zusammen.

Mit dem Platzen der Blase brachen auch die Kapitalimporte, insbesondere aus dem Vereinigten Königreich zusammen.

Folgen

Innerhalb von zwei Monaten zählten die Bankversagen allein in New York Verluste im Wert von fast $100.000.000.

„Out of eight hundred and fifty banks, three hundred and forty-three closed entirely, sixty-two failed partially ,and the system of State banks received a shock from which it never fully recovered.“

„Von 850 Banken in den USA, schlossen 343 für immer ihre Türen, 62 versagten teilweise und das System der Staatsbanken erhielt einen Schock, von dem es nie völlig genesen konnte.“

– The financial panic of 1837[1]

Die Inkonvertibilitätsphase

Im Gegensatz zu den anderen Eisenbahnkrisen des 19. Jahrhunderts wuchs sich die Krise von 1837 schnell zu einer Finanzkrise aus. Zur Vermeidung von Bank Runs sahen sich die amerikanischen Banken gezwungen, ihre Verpflichtung zum Umtausch der ausgegebenen Banknoten in Gold oder Silber auszusetzen. Vom 10. Mai 1837 bis zum 17. März 1842 war ein Umtausch der Banknoten in das gesetzliche Zahlungsmittel nicht möglich.

In der Folge brachen eine Vielzahl von Banken zusammen. Dies führte zu einer massiven Reduzierung der Kreditvergabe und damit zu einer Verschärfung der Krise. Erst 1843 war die Krise überwunden.

Die Staatschuldenkrise

In der Folge der Krise kam es zu einer Staatsschuldenkrise. Die Bundesstaaten beklagten massive Einkommensverluste durch den Zusammenbruch des Grundsteueraufkommens und büßten den Gegenwert der Bankenbeteiligungen ein.

1840 war die Staatsverschuldung der Bundesstaaten daher teilweise massiv angestiegen. Spitzenreiter war der Staat Florida, dessen Schuldenstandsquote 77 % ausmachte. Florida und Mississippi stellten den Schuldendienst ganz ein, andere Staaten wie Arkansas, Louisiana und Michigan teilweise. Fast die Hälfte der Bundesstaaten kamen ihren vertraglichen Pflichten nicht nach. Konsequenterweise fielen die Kurse der Staatsanleihen deutlich.

Die Diskussion über die Rettung der Bundesstaaten

Eine Besonderheit der Situation nach der Krise von 1837 war die Tatsache, dass ein nahezu schuldenfreier Bundesstaat einer nennenswerten Zahl von überschuldeten Mitgliedsstaaten gegenüberstand. 1841 hatten die USA ca. 5 Mio. USD Schulden, die Bundesstaaten aber über 200 Mio USD. Am 29. Dezember 1842 wurde daher ein Sonderausschuss des Repräsentantenhauses beschlossen, der über Lösungen der Krise beraten sollte. Am 2. März 1843 kam der Ausschuss zu der Empfehlung, dass die Schulden der Bundesstaaten durch die Bundesregierung übernommen werden sollten. Hierfür fand sich weder in einer der beiden großen Parteien noch im Parlament eine Mehrheit.

An dieser Entscheidung konnte auch der Druck der europäischen Gläubigerbanken nichts ändern. Bereits 1840 hatte Barings die Bundesregierung aufgefordert, die Haftung für die Schulden der Einzelstaaten zu übernehmen. Dieser Forderung schlossen sich 1841 die großen europäischen Banken an. Rothschild, Gurney und Hope weigerten sich, weiter an der Vermarktung der föderalen Staatsanleihen mitzuwirken, wenn eine Schuldenübernahme nicht vorgenommen würde.

Nachdem eine Schuldenübernahme des Bundes nicht erfolgte, wurden in den jeweiligen Bundesstaaten Umschuldungsabkommen getroffen und die (reduzierten) Zahlungen wieder aufgenommen, so in Pennsylvania 1845, Illinois 1846, Indiana 1847 und Maryland 1848.

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. The financial panic of 1837 (englisch). Publicbookshelf.com. Abgerufen am 13. Juli 2010.

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