Welsh Marches


Welsh Marches

Die Welsh Marches sind eine Landschaft entlang der Grenze zwischen England und Wales. Der Begriff kam im Mittelalter auf, als das Königreich England sich nach Wales ausbreitete und kann mit Walisische Marken übersetzt werden.

Heute bezeichnet man – inoffiziell – mit Welsh Marches die Countys entlang der Grenze zu Wales, vor allem auf englischer Seite. Es handelt sich dabei um Cheshire, Shropshire, Herefordshire (in England) und Monmouthshire (in Wales). Die westliche Hälfte von Gloucestershire (England) als auch Flintshire und Wrexham (Wales) werden manchmal hinzugerechnet.

Geschichte

In der europäischen Geschichte sind Marken Grenzregionen (siehe Grenzmark) zwischen Machtzentren. In der englischen Geschichte beziehen sich die Welsh Marches auf das Grenzland zwischen England und Wales, die Scottish Marches auf das Grenzland zwischen England und Schottland. Das Gebiet wurde von den Marcher Lords verwaltet, von denen einige den Titel Earl of March (Markgraf) trugen, den es sowohl in England als auch in Schottland gab.

Die Welsh Marches liegen zwischen den walisischen Bergen und den Flusstälern Englands. Die Römer bauten Forts in Chester (castra), Gloucester und Caerleon, eine Kette von Marktflecken mit Garnisonen definierten das Grenzland, so wie Offas Deich die von König Offa von Mercia Ende des 8. Jahrhunderts errichtete Grenze: In den Welsh Marches befindet sich Großbritanniens größte Konzentration von Motten.

Nach der normannischen Eroberung Englands begann Wilhelm der Eroberer mit der Unterwerfung der Waliser, ein Prozess, der ein Jahrhundert andauerte und nicht permanent vorangetrieben wurde. Seit dieser Zeit bildete die Bevölkerung der Mark eine Grenzgesellschaft in jedem Sinne, ein Stempel, der der Region bis zur Industriellen Revolution aufgedrückt war.

Die anglonormannischen Herrschaften des Gebiets unterschieden sich in vielerlei Hinsicht von den üblichen englischen Herrschaften: sie waren geografisch kompakter, unabhängiger in der Rechtsprechung, und hatten besondere Privilegien. Königliche Erlasse galten in der Mark nicht: Die Marcher Lords regierten mit eigenem Recht - sicut regale, wie ein König, stellte Gilbert, Earl of Gloucester, fest (Nelson 1966), während in England die Inhaber von Lehen dem König direkt rechenschaftspflichtig waren. Die Marcher Lords durften Burgen bauen, ein ansonsten vom König eifersüchtig gehütetes Privileg, sie konnten Gesetze administrieren, Kriege führen, Märkte zulassen, sowie eigene Kanzleien mit eigenen Archiven unterhalten, die allerdings vollständig verloren gegangen sind. Sie hatten ihre eigenen Stellvertreter oder Sheriffs, waren Richter in allen Rechtssachen mit Ausnahme Hochverrats, prägten allerdings selbst keine Münzen. Ihr einziges Risiko war – neben einem Aufstand gegen den König – ihr Ableben ohne legitime Erben mit dem Rückfall des Titels an die Krone.

Der Feudalismus, der sich in England niemals vollständig durchsetzte, fasste in der Mark Fuß. Die traditionelle Sicht ist, dass die normannische Monarchie dies unterstützte, eine neuere Sicht ist, dass dieses Recht im 11. Jahrhundert allgemeines Recht war, das nach der normannischen Invasion unterdrückt wurde und lediglich in der Mark überlebt hat. Menschen wurden angesiedelt, als sei das Land verlassen, Ritter bekamen eigenes Land mit feudalen Pflichten ihrem normannischen Lord gegenüber. Auch die Städte wurden bevölkert, sie bekamen Marktrecht unter dem Schutz einer normannischen Burg. Bauern gingen in großer Zahl nach Wales, König Heinrich I. holte sie aus der Bretagne, aus Flandern, der Normandie und aus England, um sie in Südwales anzusiedeln.

Die Monarchie der Plantagenet zielte auf eine zentralisierte Bürokratie und Rechtsgewalt, mit der lokale Besonderheiten eliminiert wurden – in der Waliser Mark setzten diese Entwicklungen sich nicht durch. Proteste des Grenzadels haben sich in den königlichen Akten erhalten und werfen ein bezeichnendes Licht auf die Natur und den Umfang ihrer Privilegien.

Auf lokaler Eben war der lokale Herr wesentlich stärker von der arbeits- und wehrfähigen Bevölkerung abhängiger als im übrigen England, so dass diese dadurch auch in der Lage war, von ihm sorgfältig festgelegte Freiheiten zu erlangen.

Die Marcher Lords hingegen wurden von den englischen Königen zunehmend einerseits durch die Vergabe von Land und Herrschaften in England, wo die Kontrolle strikter war, andererseits durch dynastische Allianzen mit den großen Familien gebunden. Wie Hugh le Despenser entdeckte, war es leichter, eine eigene Position aufzubauen, je mehr Land man in den Marken besaß: er tauschte Landgüter in England gegen solche in der Waliser Mark, und als der letzte männliche Erbe der Braose-Familie starb, gelang es ihm, deren Land um Swansea zu bekommen.

Eduard I hatte Wales 1283 offiziell erobert. Dennoch regierten die Marcher Lords noch 200 Jahre später, zur Zeit Heinrichs VIII., die zwei Drittel von Wales, die nicht zum Fürstentum Wales gehörten. Erst 1535 bis 1542 wurde dies mit den Gesetzen zur Eingliederung von Wales abgeschafft.

Weblinks

Quelle

  • Lynn H. Nelson: The Normans in South Wales, 1070-1171 (Austin and London: University of Texas Press, 1966) [1]

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