Beale-Chiffren

Beale-Chiffren

Die Beale-Chiffre ist die wohl bekannteste verschlüsselte Botschaft der Welt. Sie beschreibt einen Goldschatz, welchen ein gewisser Thomas J. Beale in den Jahren 1820/22 versteckt haben soll. Die zweite Seite der Beale-Chiffre konnte mittels der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung entschlüsselt werden. Die Zahlen repräsentieren die Anfangsbuchstaben der n-ten Wörter im Originaltext. Die erste und dritte Chiffre konnten bis heute nicht entschlüsselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Cover der Beale Papers

1885 wurde eine Schrift (The Beale Papers) veröffentlicht (siehe Abbildung), nach der ein Hotelbesitzer in Lynchburg (Virginia/USA) namens Robert Morriss von Beale bei dessen Abreise nach seinem zweiten Aufenthalt im Hotel 1822 eine verschlossene Kiste mit „Papieren von großem Wert“ anvertraut bekam, die er sorgfältig aufbewahren sollte. Einige Monate später erhielt Morriss einen Brief von Beale aus St. Louis, in dem er angewiesen wurde, die Kiste für zehn Jahre aufzubewahren und, wenn niemand deren Rückgabe verlangen würde, die Kiste zu öffnen und die enthaltenen Papiere mithilfe des Schlüssels, den er dann im Juni 1832 erhalten sollte, zu entschlüsseln.

Beale kehrte nie mehr ins Hotel zurück und Morriss erhielt auch den versprochenen Schlüssel nicht. Er wartete jedoch noch bis 1845, bis er das Schloss der Kiste aufbrach, in der sich die drei Blätter mit den Chiffren sowie eine Notiz befanden. Die Notiz erzählte davon, wie Beale und einige andere Männer eine große Menge Gold gefunden und versteckt hätten. Morriss ging davon aus, dass die Männer tot seien, und fühlte sich verpflichtet, den Schatz nun an die Angehörigen der Männer zu verteilen, die in der dritten Chiffre aufgeführt sein sollen. Die zweite Chiffre beschreibt, was der Schatz ist, und die erste den Ort des Verstecks. Ohne den Schlüssel konnte Morriss die drei Chiffren jedoch nicht entschlüsseln, also versuchte er auf eigene Faust die Chiffren zu knacken, woran er schließlich scheiterte. Vor seinem Tod, im Jahre 1862, vertraute er sich einem Freund an, dessen Identität jedoch nicht bekannt ist. Dieser schaffte es schließlich nach vielen Jahren die zweite Chiffre zu entschlüsseln, scheiterte jedoch ebenfalls an den anderen und beschloss deshalb 1885, die ganze Geschichte zu veröffentlichen.

Es ist allerdings nicht klar, ob es sich bei den Beale-Chiffren nicht um einen Streich handelt. Der Verfasser der Schrift, angeblich Morriss' Freund, könnte die ganze Geschichte auch nur erfunden haben.

Die Chiffre

Seite 1 Seite 2 Seite 3

Die zweite Beale-Chiffre (entschlüsselt)

I HAVE DEPOSITED IN THE COUNTY OF BEDFORD ABOUT FOUR MILES FROM BUFORDS IN AN EXCAVATION OR VAULT SIX FEET BELOW THE SURFACE OF THE GROUND THE FOLLOWING ARTICLES BELONGING JOINTLY TO THE PARTIES WHOSE NAMES ARE GIVEN IN NUMBER THREE HEREWITH. THE FIRST DEPOSIT CONSISTED OF TEN HUNDRED AND FOURTEEN POUNDS (1014 lbs.) OF GOLD AND THIRTY EIGHT HUNDRED AND TWELVE POUNDS (3812 lbs.) OF SILVER, DEPOSITED NOV. EIGHTEEN NINETEEN.(NOV.1819) THE SECOND WAS MADE DEC. EIGHTEEN TWENTY-ONE (DEC 1821) AND CONSISTED OF NINETEEN HUNDRED AND SEVEN POUNDS OF GOLD AND TWELVE HUNDRED AND EIGHTY EIGHT OF SILVER; ALSO JEWELS OBTAINED IN ST. LOUIS IN EXCHANGE TO SAVE TRANSPORTATION, AND VALUED AT THIRTEEN THOUSAND DOLLARS. THE ABOVE IS SECURELY PACKED IN IRON POTS WITH IRON COVERS. THE VAULT IS ROUGHLY LINED WITH STONE, AND THE VESSELS REST ON SOLID STONE, AND ARE COVERED WITH OTHERS. PAPER NUMBER ONE DESCRIBES THE EXACT LOCALITY OF THE VAULT, SO THAT NO DIFFICULTY WILL BE HAD IN FINDING IT.

Deutsche Übersetzung der zweiten Beale-Chiffre

Ich habe in Bedford County, etwa vier Meilen von Buford, in einer Aushöhlung zwei Meter unter der Erdoberfläche, die folgenden Gegenstände deponiert, die jenen Personen gehören, welche in Nummer drei genannt sind: Das erste Depot besteht aus 1.014 Pfund Gold und 3.812 Pfund Silber, eingelagert im November 1819. Das zweite Depot wurde im Dezember 1821 angelegt und besteht aus 1.907 Pfund Gold und 1.280 Pfund Silber; zudem Juwelen, erworben in St. Louis im Tausch für Silber, um den Transport zu erleichtern, und auf 13.000 Dollar geschätzt. Obiges ist sicher in eisernen Gefäßen mit Eisendeckeln verpackt. Der Hohlraum ist grob mit Steinen umfasst und die Gefäße ruhen auf hartem Gestein und sind mit solchen bedeckt. Papier Nummer eins beschreibt die genaue Lage des Hohlraums, sodass es nicht schwierig sein dürfte, ihn zu finden.

Alles nur ein Scherz?

Vieles spricht dafür. Amerikanische Entschlüsselungsexperten überprüften die Übersetzung der zweiten Seite und fanden einige Fehler in der Codierung des Textes. Dabei wurde von einer fehlerhaft abgeschriebenen Unabhängigkeitserklärung die somit falsche Codierung des Textes der zweiten Seite ausgelöst.

Der Unbekannte, der die zweite Seite angeblich entschlüsselte, benutzte ebenso diese falsche Unabhängigkeitserklärung. Zudem ist es unwahrscheinlich, ausgerechnet mit der zweiten Seite der Übersetzung zu beginnen, da die Zahlenmenge der ersten Seite und der dritten Seite viel geringer ist, als die der zweiten. Das ist wiederum ein Grund anzunehmen, dass dies bloß ein recht gut gemachter Scherz ist, weil laut Übersetzung der zweiten Seite die Namen und Adressen der 30 beteiligten Männer in der sehr kurzen dritten Seite verschlüsselt sein sollen.

Siehe auch

Literatur

  • Singh, Simon: Geheime Botschaften. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, 6. Auflage 2005, ISBN 3-423-33071-6 (Ein Kapitel, S. 104 ff., befasst sich mit den Beale-Chiffren.)
  • Schmeh, Klaus: Codeknacker gegen Codemacher. W3L Verlag, Bochum, 2. Auflage 2007, (Ein Kapitel, S. 67 ff., befasst sich mit den Beale-Chiffren.)

Weblinks


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