Walter-Ulbricht-Stadion


Walter-Ulbricht-Stadion
Stadion der Weltjugend
Das Stadion zur Eröffnung der Weltfestspiele 1951
Daten
Ort GermanyGermany Berlin, Deutschland
Architekt Selman Selmanagic, Reinhard Lingner
Eröffnung 20. Mai 1950
Kapazität 70.000 (später 50.000) Plätze
Oberfläche Rasen
Sanierungen 1951, 1973
Abriss 1992
Veranstaltungen

Das Stadion der Weltjugend war eine Sportstätte im Ost-Berliner Stadtbezirk Mitte. Das 1950 noch als Walter-Ulbricht-Stadion eröffnete Stadion war mit einer Zuschauerkapazität von zunächst 70.000 (später 50.000) eines der größten Leichtathletik- und Fußballstadien der DDR. Es wurde 1992 im Zuge der Bewerbung Berlins für die Olympischen Sommerspiele 2000 abgerissen.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Ausstattung

Das Stadion befand sich im westlichen Teil des damaligen Stadtbezirks Mitte (welcher heute zusammen mit den ehemaligen Bezirken Tiergarten und Wedding den „neuen“ Bezirk Mitte bildet) auf dem früheren Gelände des Polizeistadions. Es grenzte im Osten an die Chausseestraße, im Süden an die Habersaathstraße (bis 1951 Kesselstraße) sowie im Norden und Westen an Wohngebiete entlang der Scharnhorst- bzw. Boyenstraße.

Neben dem Hauptstadion befanden sich auf dem Gelände weitere Fußballfelder, neun Tennis- und zwei Werferplätze, eine Schwerathletikanlage sowie ein Funktionsbau mit Sanitär-, Verwaltungs- und Gaststättenräumen. Mit einer Gesamtfläche von 131.000 Quadratmetern war das Areal die größte Sportstätte der Hauptstadt der DDR. [1]

Geschichte

Bevor das Gelände für sportliche Veranstaltungen genutzt wurde, erfüllte es vorrangig militärische Zwecke. So legte man hier um das Jahr 1820 zunächst einen Exerzierplatz an, bevor in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Garde-Füsilier-Kaserne gebaut wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs übernahme die Berliner Polizei das Gelände und errichtete darauf 1929 das Polizeistadion. Dieses wurde aber während des Zweiten Weltkriegs zerstört.[2]

Das Stadion 1951

Anstelle des alten Polizeistadions wurde nach der Beseitigung der Ruinen der ehemaligen Kaserne 1950 nach Plänen der Architekten Reinhard Lingner und Selman Selmanagić anlässlich des ersten Deutschlandtreffens der Jugend ein neues Stadion errichtet. Bereits nach 120 Tagen Bauzeit wurde es am 20. Mai 1950 durch den damaligen Generalsekretär des Zentralkomitees der SED Walter Ulbricht eröffnet. Diesem verdankt die Arena auch ihren ersten Namen Walter-Ulbricht-Stadion. Im Volksmund erhielt das Stadion später aufgrund der Barttracht Ulbrichts die Bezeichnung „Zickenwiese“.

Bereits ein Jahr später bauten die Architekten das Stadion für die III. Weltfestspiele erneut um. Dabei wurde ein großer Teil des zeitgleich demontierten Berliner Stadtschlosses als Auffüllschutt für die Tribünen verwandt. Das Areal war aber auch Symbol der DDR-Regierung und wurde deshalb bei dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 von tausenden Demonstranten besetzt. Sie beschädigten oder zerstörten Schriftzüge und Embleme sowie Bänke, Mauern und Fensterscheiben.[3]

Der Geisterbahnhof Walter-Ulbricht-Stadion.

Für die X. Weltfestspiele 1973 wurde das Stadion nach Plänen von Jörg Piesel und Rolf Tümmler erneut umgebaut, wodurch sich die Zuschauerzahl auf 50.000 (davon 20.000 Sitzplätze) reduzierte. Nach dem Erich Honecker 1971 das Amt des Generalsekretärs von Ulbricht übernommen hatte, wurde dessen Name sukzessive aus der DDR-Geschichtsschreibung entfernt. Daher erhielt die Sportstätte nun den Namen Stadion der Weltjugend. Kurios dabei war, dass der damit einhergehende Namenswechsel der benachbarten U-Bahnstation nur für die West-Berliner Bevölkerung sichtbar wurde, da es sich bei dem Bahnhof (dem heutigen U-Bahnhof Schwartzkopffstraße) um einen Geisterbahnhof handelte, der zwar von der West-Berliner U-Bahnlinie 6 durchfahren, nicht jedoch als Halt genutzt werden durfte. [4]

Mitte 1992 begann der Abriss des leicht maroden Bauwerks, da an dieser Stelle eine 15.000 Zuschauer fassende Sport-Arena für die geplanten Olympischen Spiele 2000 in Berlin entstehen sollte. Die Kosten für den Abriss (es wurden mehr als 27.000 Kubikmeter Schutt entfernt) beliefen sich dabei auf 32 Millionen Mark. Da nicht Berlin sondern Sydney den Zuschlag erhielt, wurde die Arena nicht gebaut und das Areal lag seit 1993 brach. [5] Es wurde seitdem für verschiedene Zwecke (u. a. als Anlage für Golf, Beachvolleyball und Mountainbiker) genutzt, bis im Oktober 2006 mit dem Bau der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes begonnen wurde.

Nutzung

Das Stadion 1955 als Etappe der VIII. Internationalen Friedensfahrt.

Das Stadion wurde als Austragungsort für diverse Leichtathletik-Wettkämpfe, politische Großveranstaltungen oder Fußballspiele genutzt. Außerdem war es ab 1952 auch ein Etappenziel bzw. Startpunkt der Internationalen Friedensfahrt. Bereits 1950 wurde hier das Finale des FDGB-Pokals ausgetragen. Zwischen 1975 und 1989 fand dieses dann regelmäßig im Stadion der Weltjugend statt. Außerdem nutzte die DDR-Nationalmannschaft die Arena für 13 offizielle Länderspiele. [6] Das inoffizielle Duell zwischen der ostdeutschen Nationalelf und dem sowjetischen Spitzenverein Dynamo Moskau zur Eröffnung der Weltjugendfestspiele am 5. August 1951 verzeichnete dabei die Rekordzuschauerzahl von 70.000 Schlachtenbummlern.

Bis 1961 bestritt der SC Dynamo Berlin (aus dem 1966 der BFC Dynamo hervorging) im Ulbricht-Stadion seine Heimspiele. Der bis 1971 in Berlin ansässige FC Vorwärts Berlin wich für einige Europapokalpartien ebenfalls hierhin aus. Ab 1976 wurden auch alle Oberliga-Derbys zwischen dem BFC Dynamo und seinem Ortsrivalen 1. FC Union Berlin im Weltjugend-Stadion ausgetragen. Der 1. FC Union musste zudem 1981 einige Heimspiele lang nach Mitte ausweichen, da am heimischen Stadion An der Alten Försterei Umbauarbeiten stattfanden.

Das Stadion diente darüber hinaus als Spielstätte für einige besondere deutsch-deutsche Duelle. So war es am 25. Dezember 1951 Veranstaltungsort für das erste von zwei sogenannten „Aussöhnungsduellen“ zwischen dem West- und Ost-Berliner Fußballverband. Dabei gewann die Ost-Berliner Stadtauswahl vor 55.000 Zuschauern mit 3:2 über die Stadtauswahl West-Berlins. Nach dem Rückspiel am 26. Dezember 1954 im West-Berliner Poststadion (beide Mannschaften trennten sich 3:3-Unentschieden) kam es am 11. Mai 1955 vor 70.000 Zuschauern auf der „Zickenwiese“ sogar zum Spiel einer Gesamtberliner Stadtauswahl gegen eine Mannschaft aus Prag, welches 1:0 gewonnen wurde. Zu einem weiteren Match der Auswahl (diesmal im Berliner Olympiastadion) kam es aufgrund politischer Spannungen jedoch nicht mehr. [7]

Eine weitere politisch brisante Begegnung fand am 16. September 1959 im Stadion statt, als die DDR-Nationalmannschaft gegen die westdeutsche Amateur-Auswahl antrat. Diese Begegnung war notwendig geworden, da das Internationale Olympische Komitee die Entsendung einer gesamtdeutschen Mannschaft forderte, die DDR jedoch keine gemischte Mannschaft entsenden wollte. Daher sollte in einer Hin- und Rückspielrunde der Teilnehmer aus beiden Staaten ermittelt werden. Das Hinspiel im Walter-Ulbricht-Stadion als auch das Rückspiel im Düsseldorfer Rheinstadion fand vor leeren Rängen und fast vollständig von der Öffentlichkeit abgeschottet statt. Beide Spiele wurden durch die BRD-Auswahl gewonnen (2:0 in Berlin und 2:1 in Düsseldorf). [8]

Literatur

  • Joachim Schulz, Werner Gräbner: Architekturführer DDR, Berlin, Hauptstadt der DDR, VEB Verlag für Bauwesen Berlin, 1974; Seite 68

Einzelnachweise

  1. „Ein paar Nummern kleiner; Bezirk will Sport, Freizeit und Wohnen an der Chausseestraße Mitte“, Artikel in der Berliner Zeitung vom 11. August 1994.
  2. Chausseestraße - Zentrale des BND; Geschichte. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Abgerufen am 15. Januar 2009.
  3. Mathias Klappenbach: „Randale auf der Zickenwiese“, Artikel im Tagesspiegel vom 15. Juni 2003
  4. „Transit durch den Osten“, Artikel auf www.berliner-untergrundbahn.de
  5. „Ein paar Nummern kleiner; Vom Exerzierplatz zum Brachland Mitte“, Artikel in der Berliner Zeitung vom 11. August 1994.
  6. „HISTORIE“, Artikel in der Berliner Zeitung vom 2. März 1996.
  7. René Wiese: „Als der Westen mit dem Osten den Doppelpass probte“, Artikel im Tagesspiegel vom 3. August 2006.
  8. „Fußball-Geheimspiele zwischen Deutschland Ost und West“, Artikel auf www3.ndr.de.

Weblinks

52.53388888888913.3766666666677Koordinaten: 52° 32′ 2″ N, 13° 22′ 36″ O


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