Vladimir Mayakovsky

Vladimir Mayakovsky

Wladimir Wladimirowitsch Majakowski (russisch Владимир Владимирович Маяковский, wiss. Transliteration Vladimir Vladimirovič Majakovskij; * 7.jul./ 19. Juli 1893greg. in Bagdadi, bei Kutaissi, Georgien; † 14. April 1930 in Moskau) war ein russischer Dichter. Er war ein führender Vertreter des russischen Futurismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Das Majakowskidenkmal des Bildhauers A. Kibalnikow an der Twerskaja in Moskau, im Hintergrund das Hotel Peking

Majakowski ist das dritte Kind und einziger Sohn eines Försters im georgischen Bagdadi; sowohl Vater als auch Mutter stammen von Kosaken ab. Bereits mit 14 Jahren nimmt er in Kutaissi, wo er vier Jahre das Gymnasium besucht, an Demonstrationen teil. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters durch eine Blutinfektion 1906, zieht die Familie nach Moskau, wo Majakowski dort das Gymnasium Nr. 5. besucht. Dort entwickelt der Junge eine Leidenschaft für marxistische Literatur, beteiligt sich an Aktionen der Bolschewiki und tritt der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Bolschewiken) bei. 1908 wird er aus dem Gymnasium ausgeschlossen, weil seine Mutter das Schulgeld nicht mehr aufbringen konnte. Dreimal verhaftet man Majakowski in den Jahren 1908/09 aufgrund seiner revolutionären „Aufsässigkeit“, er entgeht strengeren Strafen wie einer Deportation nur aufgrund seiner Minderjährigkeit. In der Einsamkeit der Butyrka-Haft (ein berüchtigtes Durchgangsgefängnis) schreibt er 1909 seine ersten Gedichte, die allerdings von Aufsehern konfisziert werden.

Nach der Entlassung aus der Haft arbeitet Majakowski weiterhin in der revolutionären Bewegung und nach dem Entschluss sich intensiv der Malerei zu widmen, beginnt er 1911 ein Studium an der Moskauer Kunstfachschule. An der Hochschule trifft er auf David Burljuk, der sein dichterisches Talent erkannte. Er schließt sich der futuristischen Gruppe Gileja (Гилея) um seinen Mitschüler David Burljuk und Welimir Chlebnikow an und veröffentlicht im Dezember 1912 seine ersten Gedichte Nacht (Ночь) und Morgen (Утро) innerhalb des futuristischen Almanachs Eine Ohrfeige für den öffentlichen Geschmack (Пощечина общественному вкусу). Zusammen mit Burljuk schließt man Majakowski wegen der politischen Aktivitäten 1914 aus der Kunstakademie aus.

Zusammen mit David Burljuk, Welimir Chlebnikow und ein paar weiteren Studenten unterzeichnete er futuristische Manifeste, die sich gegen alte Kunst und die klassischen Traditionen aussprachen. Ihr Ziel war es, eine neue Literatur und dichterische Sprache zu schaffen.

Die Lyrik Majakowskis wird zunehmend sprachlich aggressiv gegen das bestehende System; schon 1913 schreibt er die Tragödie Wladimir Majakowski und das Poem Wölkchen in Hosen (Облако в штанах). Seine Themen sind Liebe, Revolution, Religion und Kunst:

Euer Traum

im Hirn ist verweichlicht bereits,
wie ein fetter Lakai auf dem speckigen Sofa, bis ich
ihn erst einmal mit dem blutigen Fetzen des Herzens gereizt
und mich sattgelacht, arrogant und bissig.

In meiner Seele fand sich von grauen Haaren kein Schimmer,
keine Greisenzärtlichkeit fand sich!
Da schreit' ich: Es donnert die kraftvolle Stimme.
Und ich bin schön
und bin zweiundzwanzig

Вашу мысль
мечтающую на размягченном мозгу,
как выжиревший лакей на засаленной кушетке,
буду дразнить об окровавленный сердца лоскут:
досыта изъиздеваюсь, нахальный и едкий.

У меня в душе ни одного седого волоса,
и старческой нежности нет в ней!
Мир огромив мощью голоса,
иду - красивый,
двадцатидвухлетний.

(aus dem Prolog von Wölkchen in Hosen, Übersetzung von Alexander Nitzberg)

Seine Sprache ist eine Sprache der Straße, und er entzaubert die Illusion einer idealistischen und romantischen Poesie mit seinen intensiven, provokanten Tönen. Seine Liebe zu Lilja Brik, der Ehefrau seines Verlegers Ossip Brik, und die unkonventionelle Dreierbeziehung prägen seine Arbeit ebenso wie die Kriegs- und Revolutionszeit.

Agitprop-Plakatentwurf von Majakowski

Während des Ersten Weltkrieges wird er zunächst als Freiwilliger zurückgewiesen, arbeitet dann von 1915 bis 1917 in einer Petrograder Fahrschule. Bei Ausbruch der Revolution rezitiert er in Flottentheatern vor Matrosen Gedichte wie Linker Marsch. Den Matrosen (Левый марш (Матросам), 1918). Er zieht wieder nach Moskau, textet und entwirft satirisch-agitierende Plakate für die Russische Nachrichtenagentur ROSTA und gibt 1919 seine erste Gedichtsammlung Gesammelte Werke 1909-1919 (Все сочиненное Владимиром Маяковским) heraus. Seine Popularität in der jungen Sowjetunion wächst. Er ist Mitglied in der Linken Künstlerfront (1922-1928) und nennt seine Arbeit kommunistischen Futurismus (комфут). Dennoch ist er bei weitem nicht unumstritten: Sein Drama Mysterium Buffo (Мистерия Буфф), in dem er eine „heroisch-episch-satirische Darstellung unserer Epoche“ geben wollte, galt beim bürgerlichen Publikum wegen der enthaltenen Messias-Figur als gotteslästerlich, das proletarische Publikum hingegen hatte Probleme mit der modernen futuristischen Struktur des Stückes.

Mehrere Reisen ins Ausland - nach Lettland, Frankreich, Deutschland, auch in die USA - beeinflussen Arbeiten wie Wie arbeitet eine demokratische Republik (Как работает республика демократическая? - 1922) und Paris. Unterhaltungen mit dem Eiffelturm (Париж (Разговорчики с Эйфелевой башней), 1923) sowie Meine Entdeckung Amerikas (Мое открытие Америки, 1925). Parallel dazu reist er auch innerhalb der Sowjetunion viel und liest seine Gedichte vor den unterschiedlichsten Hörerschaften, wobei er nicht nur Verständnis und Anerkennung erfährt.

Auf seiner Vortragsreise in den USA lernt Majakowski Elli Jones kennen; eine Tochter, die aus dieser kurzen Beziehung hervorgeht, lernt er erst 1929 in Südfrankreich kennen; die Öffentlichkeit erfährt von dieser Beziehung nichts. In den späten 1920er Jahren gilt seine Liebe Tatjana Jakowlewa, der er u.a. Brief an Tatjana Jakowlewa (Письмо Татьяне Яковлевой, 1928) widmet.

Die Bedeutung Majakowskis beschränkt sich nicht auf die „sowjetische Poesie“ - eine Zeitlang gilt er als der sowjetische Vorzeigedichter schlechthin -, er verändert darüber hinaus das Gesamtbild des Dichters in der Gesellschaft. Sein Aktivismus als propagandistischer Agitator findet bei Zeitgenossen und auch engen Freunden wie Pasternak - der sich 1913 noch vor Begeisterung über den Dichter verströmte - wenig Verständnis und manchmal Missbilligung. Gegen Ende der Zwanziger kritisiert jedoch auch Majakowski die neueren Entwicklungen der sowjetischen Gesellschaft; sein satirisches Drama Die Wanze (Клоп, 1929) zeugt davon. Krankheit und Enttäuschung in gesellschaftlicher wie auch privater Hinsicht prägen seine letzten Monate.

Am 14. April 1930 schießt sich Majakowski mit einer Pistole ins Herz. In seinem Abschiedsbrief heißt es:

Wie man so sagt, der Fall ist erledigt; das Boot meiner Liebe am Alltag zerschlug. Bin quitt mit dem Leben. Gebt niemandem die Schuld, dass ich sterbe, und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht.

Der offiziellen „Beerdigungskommission“ stand der Geschäftsführer der sowjetischen Staatsverlage, Artemi Chalatow, vor, der ihn kurz zuvor noch der Zensur unterworfen hatte.

1940 wird der Geburtsort des Dichters in Georgien in Majakowski umbenannt; 1990 wieder rückbenannt.

Werke (Auswahl)

Wladimir Majakowski - Grabstein auf dem Moskauer Nowodewitschi-Friedhof
  • Nacht, Gedicht (Ночь, 1912)
  • Morgen, Gedicht (Утро, 1912)
  • Wladimir Majakowski, Tragödie (Владимир Маяковский, 1913)
  • Wolke in Hosen, Poem (Облако в штанах, 1915)
  • Die Wirbelsäulenflöte, Poem (Флейта-позвоночник, 1916)
  • Der Mensch, Poem (Человек, 1918)
  • Mysterium buffo, Drama (Мистерия Буфф, 1918/1921)
  • Linker Marsch. Den Matrosen (Левый марш (Матросам), 1918)
  • 150.000.000, Gedicht (1921)
  • Ich liebe, Poem (Люблю, 1922)
  • Wie arbeitet eine demokratische Republik (Как работает республика демократическая?, 1922)
  • Paris. Unterhaltungen mit dem Eiffelturm (Париж (Разговорчики с Эйфелевой башней), 1923)
  • Meine Entdeckung Amerikas (Мое открытие Америки, 1925)
  • Darüber, Poem (Про это, 1923)
  • Wladimir Iljitsch Lenin, Poem (Владимир Ильич Ленин, 1925)
  • Wie macht man Verse? (Как делать стихи?, 1926)
  • Gut und Schön, Poem (Хорошо!, 1927)
  • Brief an Tatjana Jakowlewa, Gedicht (Письмо Татьяне Яковлевой, 1928)
  • Die Wanze, Komödie (Клоп 1929)
  • Das Schwitzbad, Drama (Баня, 1930)

deutschsprachige Ausgabe:

  • Wladimir Majakowski: Werke in zehn Bänden. Übersetzt von Hugo Huppert, herausgegeben von Leonhard Kossuth. Verlag Volk und Welt, Berlin 1966-1973 (später bei Suhrkamp, Frankfurt am Main 1980)

Museum

Das Majakowskimuseum in Moskau

In Majakowskis Wohnhaus, in dem er von 1913 bis zu seinem Tod gelebt hat, wurde ein Museum eingerichtet. Es befindet sich direkt hinter der Lubjanka, dem Hauptgebäude des NKDW und des späteren KGB, in der Lubjanski Proesd 3/6.

Das Innere des Gebäudes wurde bis auf einen Raum, in dem Majakowski lebte und der mit einigen persönlichen Gegenständen ausgestattet ist, komplett entkernt und im futuristischen Stil umgebaut. Der Besucher bewegt sich über Rampen durch das Gebäude. Gezeigt werden u.a. ROSTA-Fenster, Zeitungsausschnitte, Fotografien, Bühnenbilder und Plakate.

Weblinks


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