Virtuose


Virtuose
Wilhelm Busch: Szene 12 und 13 aus Der Virtuos

Ein Virtuose ist jemand, der eine bestimmte Fähigkeit bis zur Perfektion oder mit Hilfe einer besonderen Technik beherrscht.

Das Wort, das heute in erster Linie für großartige Musiker und Sänger verwendet wird, gelangte vom Lateinischen (virtus = Tugend, Tüchtigkeit) über das Italienische (virtuoso = fähig) ins Deutsche. Es bezeichnet allgemein das besonders geschickte oder meisterliche Ausführen bestimmter Tätigkeiten, das jedoch meist mit einem gewissen Wagnis verbunden ist und damit die Bewunderung der Zuschauer hervorruft. Der Musikwissenschaftler Günter Oesterle beschreibt Virtuosität als "permanente Überbietung" des durch Nachahmung Erlernten[1]. Musik wird zumeist als virtuos bezeichnet, wenn sie hohe Anforderungen an die technischen Fähigkeiten des Spielers stellt, z.B. hohes Spieltempo, schwierige Akkorde, große Sprünge, volles Ausnutzen des Tonumfanges.

Niccolò Paganini war ein Virtuose auf der Geige, Franz Liszt und Frédéric Chopin am Klavier. Als heutige Virtuosen an der klassischen Gitarre seien beispielhaft Dominic Frasca oder die Musiker um Pepe Romero genannt. Bei der Viola da gamba ist es für viele der katalanische Gambist Jordi Savall. In der populären Musik wird ein hohes spiel- und gesangstechnisches Niveau vor allem im Jazz, Progressive Rock und im Hard Rock/Metal-Bereich geschätzt, siehe auch Shredding. Als Virtuosen dieser Musikrichtungen werden Musiker wie Charlie Parker (Sax., Jazz), Jordan Rudess (Keyb., Progressive Rock) oder z. B. Yngwie Malmsteen (guit., Hardrock/Heavy Metal) angesehen.

In der jüngeren Sprachentwicklung wurde die Bezeichnung von der Musik auf vielfältige andere Lebens- und Arbeitsbereiche übertragen: Man kann von „virtuosen Köchen“ ebenso sprechen wie von „Virtuosen an der Computertastatur“. Ein Virtuose hat seine Fähigkeiten bis zur Meisterschaft entwickelt und steht damit im Gegensatz zum bloßen Amateur.

Der Begriff „virtuos“ wird je nach Zusammenhang auch abwertend verwendet, um eine musikalische Aufführungspraxis zu beschreiben, bei der vor allem die technischen Fähigkeiten des Spielers zur Schau gestellt werden, die musikalische Qualität jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Literatur

  • Heinz von Loesch, Ulrich Mahlert, Peter Rummenhöller (Hrsg.): Musikalische Virtuosität. Schott, Mainz 2004, ISBN 3-7957-0505-3.
  • Hans-Georg von Arburg (Hrsg.): Virtuosität. Kult und Krise der Artistik in Literatur und Kunst der Moderne. Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 3-89244-863-9.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Virtuose – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Günter Oesterle: Imitation und Überbietung. Drei Versuche zum Verhältnis von Virtuosentum und Kunst. In: Hans-Georg von Arburg (Hrsg.): Virtuosität. Kult und Krise der Artistik in Literatur und Kunst der Moderne. Wallstein, Göttingen 2006, S. 47.

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  • virtuose — [ virtɥoz ] n. • 1640; it. virtuoso, de virtù « propriété, valeur » 1 ♦ Vx Personne extrêmement douée; « amateur des sciences et des beaux arts, qui en favorise le progrès » (ENCYCL.). Madame la Dauphine « est virtuose (elle sait trois ou quatre… …   Encyclopédie Universelle

  • Virtuose — Sm erw. fach. (18. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus it. virtuoso, eigentlich Tüchtiger , einer Substantivierung von it. virtuoso tüchtig , zu it. virtù f. Tüchtigkeit , aus l. virtūs ( ūtis) f., eigentlich Männlichkeit, Mannheit , zu l. vir Mann .… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Virtuose — Virtuose, im allgemeinen jeder, der es in seiner Kunst zu einer ungewöhnlichen Fertigkeit gebracht; insbes. der Tonkünstler, der als Sänger oder auf einem Instrument große Fertigkeit besitzt, so daß er mit Leichtigkeit alle technischen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Virtuose. — Virtuose.   In der populären Musik, besonders im Prozess ihrer kommerziellen Verwertung, spielt Virtuosität eine wichtige Rolle. So fehlte es im vergangenen Jahrhundert nicht an Bravour Polkas, Konzert Fantasien, Solovariationen u. a. für Blas… …   Universal-Lexikon

  • Virtuose — »jemand, der eine ‹künstlerische› Technik mit vollendeter Meisterschaft beherrscht«: Das Fremdwort wurde Anfang des 18. Jh.s aus gleichbedeutend it. virtuoso entlehnt. Dies ist die Substantivierung des it. Adjektivs virtuoso »tugendhaft, tüchtig …   Das Herkunftswörterbuch

  • virtuose — (vir tu ô z ) s. m. et f. 1°   Anciennement, ce qui est le sens italien, personne habile en quelque genre que ce soit. •   L abbé de Lannion.... dit que Mme la Dauphine.... est une virtuose ; elle sait trois ou quatre langues, SÉV. 28 févr. 1680 …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

  • VIRTUOSE — s. des deux genres Mot emprunté de l italien, qui signifie, Un homme ou une femme qui a des talents pour les beaux arts, et particulièrement pour la musique. C est un virtuose. C est une virtuose …   Dictionnaire de l'Academie Francaise, 7eme edition (1835)

  • VIRTUOSE — n. des deux genres Mot emprunté de l’italien. Celui, celle qui a des talents particuliers d’exécution, une remarquable habileté technique, spécialement pour la musique. C’est un virtuose, une virtuose …   Dictionnaire de l'Academie Francaise, 8eme edition (1935)

  • Virtuose — Un virtuose (de l italien virtuoso, du latin virtuosus, dérivé de virtus qui veut dire compétence, virilité, excellence) est un musicien possédant une maîtrise hors normes de son instrument ou de sa voix. Le virtuose est aussi parfois, voire… …   Wikipédia en Français

  • Virtuose — Vir|tu|o|se [vɪr tu̯o:zə], der; n, n, Vir|tu|o|sin [vɪr tu̯o:zɪn], die; , nen: Person, die [als Instrumentalsolist bzw. solistin] ihre Kunst technisch vollendet beherrscht: er ist ein Virtuose auf dem Klavier; sie ist eine Virtuosin auf der Geige …   Universal-Lexikon


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