Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben


Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben

Mit der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben (RGBl. 1938 I, S. 1580) vom 12. November 1938 wurde Juden der Betrieb von Einzelhandelsverkaufsstellen sowie die selbständige Führung eines Handwerksbetriebs mit Wirkung zum Jahresende 1938 untersagt. Auch durften Juden nicht mehr als Betriebsführer tätig sein und konnten als leitende Angestellte ohne Abfindung entlassen werden.

Kurze Zeit später, am 3. Dezember 1938, folgte die „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens“ (RGBl. 1938 I. S. 1709), die über die erforderlichen Ausführungsbestimmungen weit hinausging und Juden zum Verkauf ihrer Immobilien zwang sowie ihnen die Verfügung über ihre Ersparnisse entzog.

Die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“, die unmittelbar nach den Novemberpogromen erlassen wurde, stellt mit großer Wahrscheinlichkeit die verschärfte Fassung eines bereits Anfang November entstandenen Entwurfs dar.[1]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Juden gemäß der Definition der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz wurde ab 1. Januar 1939 der Betrieb von Einzelhandelsverkaufsstellen, Versandgeschäften und dergleichen verboten. Auch die Gewerbeausübung auf Märkten und Messen wurde untersagt. Verboten war auch der selbständige Betrieb eines Handwerks.

Juden durften nicht mehr „Betriebsführer“ sein. Eine zweite Durchführungsverordnung ließ Juden auch nicht mehr als „Stellvertretenden Betriebsführer“ zu.[2] Als leitende Angestellte konnte ihnen mit einer Frist von sechs Wochen ohne Abfindung gekündigt werden.

Die Mitgliedschaft eines Juden in einer Genossenschaft erlosch zum Stichtag.

Der Reichswirtschaftsminister wurde ermächtigt, die erforderlichen Ausführungsbestimmungen zu erlassen und Ausnahmeregelungen zu schaffen, soweit dies für eine Überführung in nichtjüdischen Besitz erforderlich war.

Geltung

Die Verordnung wurde am 12. November 1938 erlassen. Sie wurde bereits am 3. Dezember 1938 durch die „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens“ erheblich verändert und inhaltlich ausgeweitet. Förmlich aufgehoben wurde die Verordnung am 20. September 1945 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 betreffend die Aufhebung von NS-Recht.

Einzelnachweise

  1. Uwe Dietrich Adam: Judenpolitik im Dritten Reich. (unv. Nachdruck 1972) Düsseldorf 2003, ISBN 3-7700-4063-5, S. 148.
  2. Zweite VO zur Durchführung... RGBl I 1938, S. 1902 vom 14. Dezember 1938

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Geschichte der Juden in Hamm — Die Geschichte der Juden in Hamm beginnt bereits wenige Jahrzehnte nach Gründung der Stadt Hamm im Jahre 1226. Eine hebräische Martyrologie, niedergeschrieben im Jahre 1296, erwähnt zwei jüdische Flüchtlinge aus Hamm. 1327 gestattete Bischof… …   Deutsch Wikipedia

  • Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens — In der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens (RGBl. 1938 I. S. 1709) vom 3. Dezember 1938 wurde Juden auferlegt, ihre Gewerbebetriebe zu verkaufen oder abzuwickeln, ihren Grundbesitz zu veräußern und ihre Wertpapiere bei einer… …   Deutsch Wikipedia

  • Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden — Die Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden war eine Verordnung, die am 26. April 1938 (RGBl. I. S. 414f.) von Hermann Göring im Deutschen Reich erlassen wurde. Ihr folgte die „Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die… …   Deutsch Wikipedia

  • Württemberg zur Zeit des Nationalsozialismus — Württemberg Wappen Flagge (Details) …   Deutsch Wikipedia

  • Stab des Stellvertreters des Führers — Der Stab des Stellvertreters des Führers (Stab des StdF), 1941 umbenannt in Partei Kanzlei, war als zentrales Führungsorgan der NSDAP an allen wesentlichen Entscheidungen im Partei und im Staatsapparat beteiligt[1]. Die Dienststelle mit Sitz in… …   Deutsch Wikipedia

  • 12. November — Der 12. November ist der 316. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 317. in Schaltjahren), somit bleiben 49 Tage bis zum Jahresende. Historische Jahrestage Oktober · November · Dezember 1 2 …   Deutsch Wikipedia

  • Novemberpogrome 1938 — Die orthodoxe Synagoge Ohel Jakob in der Münchner Herzog Rudolf Straße nach dem Brandanschlag am 9. November 1938 Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch (Reichs )Kristallnacht oder Reichspogromnacht …   Deutsch Wikipedia

  • 9. November 1938 — Die brennende Synagoge in der Berliner Fasanenstraße am 9. November 1938 Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November auch Reichspogromnacht oder (Reichs ) Kristallnacht genannt – waren eine vom… …   Deutsch Wikipedia

  • Kristallnacht — Die brennende Synagoge in der Berliner Fasanenstraße am 9. November 1938 Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November auch Reichspogromnacht oder (Reichs ) Kristallnacht genannt – waren eine vom… …   Deutsch Wikipedia

  • November-Pogrome — Die brennende Synagoge in der Berliner Fasanenstraße am 9. November 1938 Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November auch Reichspogromnacht oder (Reichs ) Kristallnacht genannt – waren eine vom… …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.