Vallis Marineris


Vallis Marineris
Panoramaaufnahme der 4000 km langen Mariner-Täler
Topografische Karte der Region

Die Valles Marineris (lateinisch für Mariner-Täler) sind ein weitläufiges Grabenbruchsystem auf dem Mars, die sich längs des Äquators im Osten der vulkanischen Tharsis-Region erstrecken. Mit einer Länge von 4000 km, einer Breite bis zu 700 km und einer Tiefe bis zu 7 km ist es der größte Canyon im Sonnensystem.

Inhaltsverzeichnis


Valles Marineris auf dem Mars

Das Grabensystem erstreckt sich von seinem Ausläufen Noctis Labyrinthus auf der Tharsis-Aufwölbung im Westen bis zu den „chaotischen Gebieten“ von Eos Chasma im Osten (das griech. Wort Chasma bedeutet Erdspalte oder ein durch steile Felswände begrenztes, zerrissenes Canyon). Über weite Strecken verlaufen die Valles Marineris in Form dreier fast paralleler, bis zu 200 km breiter Cañons, von denen jedes den Grand Canyon (Arizona) um ein Vielfaches übertrifft.

Die Mariner-Täler sind ein gigantischer tektonischen Bruch, der nach allgemeiner Auffassung vor mehreren Milliarden Jahren gebildet wurde, als sich die Marskruste regional emporwölbte. Die Entstehung des Bruches fällt mit der Bildung des Tharsis-Hochlandes mit seinen drei mächtigen, 20 km hohen Schildvulkanen zusammen.

Die Valles Marineris erhielten ihren Namen zu Ehren der Sonde Mariner 9, auf deren fotografischen Aufnahmen sie entdeckt wurden. Doch schon 1877 wurden sie von Giovanni Schiaparelli ausgemacht und als leicht geknickter Verlauf dreier „Canali“ (Marskanäle) kartiert.

Vergleich der Valles Marineris mit dem größten Canyon der Erde. Die kleine Kerbe in der Mitte des Querschnitts des Mars-Grabensystems entspricht dem Grand Canyon in Arizona (USA). Zu beachten ist, dass der vertikale Maßstab viermal so groß gewählt wurde (Überhöhung), wie der horizontale.

Entwicklung

Im Laufe der Zeit gab es viele verschiedene Theorien über die Formationen wie Valles Marineris. Bevor starke Teleskope oder die Viking-Sonden genauere Beobachtungen ermöglichten, vermutete man u. a. von hypothetischen Marsbewohnern gebaute Kanäle zur Bewässerung ihres Planeten. Diese Spekulation wurde durch Entdeckungen, wie Schiaparellis „Canali“ (Marskanäle) oder andere geradlinige Darstellungen genährt. Zudem verleitete die Bezeichnung „Canali“ (ital. für Rinnen) zur falschen Übersetzung Kanal (oder auch engl. Channel oder Canal).

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vermutete man u. a. starke Erosionen durch Wasser, das aus dem Permafrost freigesetzt wurde. Allerdings ist flüssiges Wasser auf dem Mars extrem unwahrscheinlich, da die Temperatur auf dem Mars auch am Äquator selten 0 °C überschreitet und der Mars eine sehr dünne Atmosphäre besitzt (nur 0,75 % des Erdatmosphärendrucks). 1972 entwickelte McCauley die Hypothese, dass das Grabensystem durch absinkendes Magma unter der Oberfläche entstanden sein könnte. 1989 veröffentlichten Tanaka and Golombek eine Theorie zur Entstehung durch aufbrechende Verspannungen.

Die am weitesten akzeptierte Hypothese zur Zeit (2005) ist, dass das Grabensystem ähnlich dem irdischen Ostafrikanischen Grabenbruch durch Risse in der Kruste entstanden ist und durch Erosion und Einbrechen stark ausgeweitet wurde. Nick Hoffman vermutet als eine Quelle der Erosion die Entspannung in der Kohlenstoffdioxid-Schicht der Noctis Labyrinthus-Region. Sobald Kohlenstoffdioxid von dem festen in den flüssigen oder gasförmigen Zustand übergeht, kann es mit großer Geschwindigkeit in die Atmosphäre entweichen. Da die Valles Marineris als großes Bruchsystem verstanden werden, wird ihre Entstehung mit dem Entstehen der Tharsis-Region in Verbindung gebracht. Nach gängiger Auffassung wurde die Tharsis-Region in drei Schritten geformt. Die Anfangsphase wird in der späten Hesperianischen Periode vermutet als eine Kombination aus Vulkanismus und isostatischer Hebung. Nachdem die Hebung zu stark geworden war, konnte die Kruste das Gewicht nicht länger tragen und brach teilweise ein, wobei ein weitläufiges Grabensystem entstand. Als zweiter Schritt wird angenommen, dass der Vulkanismus sich verstärkte, wobei sich das Gebiet der vulkanischen Tätigkeiten verschob. In der Folge verstärkte sich auch das Ungleichgewicht, sodass die Kruste vollends zusammen brach und extreme Formationen wie Valles Marineris hervorbrachte. Im letzten Schritt soll sich der Vulkanismus durch Wegfallen eines Ausgleichs nochmals verstärkt haben, wobei die jüngeren Vulkane der Tharsis-Region entstanden sein sollen. Diese Vulkane haben Magma einer sehr geringen Viskosität und formen daher Schildvulkane, ähnlich den Schildvulkanen von Hawaii. Da auf dem Mars allerdings keine Plattentektonik stattfindet, wie auf der Erde, ändert sich die Position des Hotspots der Vulkane nicht, sodass diese größer und größer werden konnten. Dadurch bildeten sich einige der größten Vulkane des Sonnensystems, einschließlich des größten: Olympus Mons[1].

Siehe auch

Quellen

  1. Cattermole, 103–104

Weblinks


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