Unterer Schalker Teich

Unterer Schalker Teich
Unterer Schalker Teich

Der Untere Schalker Teich, auch einfach Schalker Teich genannt, ist eine kleine Talsperre, die im Zusammenhang mit dem Oberharzer Wasserregal in der Nähe von Schulenberg im Oberharz entstanden ist. Mit einer Dammhöhe von 11,28 Metern staut er eine Wassermenge von 151.000 Kubikmetern. Er gehört zu den Oberharzer Teichen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Teich wurde in den Jahren 1729 bis 1733 zur Wasserversorgung der unterhalb gelegenen Gruben und Pochwerke, zu denen das Wasser teilweise mit Wassergräben zugeleitet wurde, angelegt.

Heute führen am Unteren Schalker Teich mehrere Wanderwege, insbesondere zur Schalke, nach Festenburg und nach Mittelschulenberg entlang.

Namensgebung

Seinen Namen hat der Schalker Teich von dem gleichnamigen Bach Schalke, der hier aufgestaut wird. Dieser wiederum hat seinen Namen von dem gleichnamigen Berg Schalke, an dem dieser Bach entspringt. Auch das dazugehörige Tal wird Schalketal genannt.

Dammbruch am 26. Dezember 1733

Zeichnung des gebrochenen Dammes nach dem Schadensfall

Der Damm brach am 2. Weihnachtstag 1733. Der dadurch ausgelösten Flutwelle fielen in der unterhalb gelegenen Ortschaft Schulenberg 7 Menschen zum Opfer, darüber hinaus 12 Kühe und ein Pferd. Des Weiteren ist ein erheblicher Sachschaden entstanden.[1] Da seitens des Bergamtes sofort eine Untersuchung veranlasst wurde, die in den Protokollen[2] gut dokumentiert ist, können der Ablauf dieses Dammbruches und seine Ursachen heute noch gut nachvollzogen werden:[3]

Der Untere Schalker Teich wurde in den Jahren 1729 bis 1733 völlig neu errichtet, und zwar als ein Teich der neuen Bauart, das heißt mit einer Kerndichtung in der Dammmitte. Im Jahre 1733 hatte er seine endgültige Höhe erreicht. Er befand sich zum Unglückszeitpunkt quasi noch im Probestau.

Bereits 14 Tage vor dem Bruch wurden vom zuständigen Grabensteiger Risse in der Dammkrone festgestellt, nämlich Risse längs des Dammes zwischen der Rasensodendichtung und der wasserseitigen Dammschüttung. In der Woche vor Weihnachten wurden auch lokale Setzungen in der wasserseitigen Dammschüttung von mehreren Zentimetern festgestellt und immer wieder neue und größere Risse in Längsrichtung des Dammes zwischen Dichtung und wasserseitiger Dammschüttung. Diese Risse und Setzungen wurden vom Personal immer wieder aufgefüllt und ausgeglichen, zuletzt am Unglückstage waren 20 Mann vor Ort damit beschäftigt, die permanent neu auftretenden Setzungen und Risse zu verfüllen. Gegen Abend ist der Damm dann mit einem lauten Krachen vor Augen und Ohren von Grabensteiger und Arbeitern gebrochen.

Die Unglücksursache lässt sich heute gut nachvollziehen: Bis 1714 baute man die Oberharzer Staudämme mit einer Dichtung an der wasserseitigen Böschung (Alte Bauart). Der Untere Schalker Teich gehörte zu den ersten Teichen der „neuen“ Bauart, hatte seine Dichtung jetzt in der Dammmitte. Diese Bauart hatte gegenüber der „alten“ Bauart einen entscheidenden Nachteil: Da im Dammkörper als Widerlager gegen den Wasserdruck nur der Bereich hinter der Dichtung zur Verfügung steht, ist der Stützkörper erheblich geschrumpft.

Bei einem Teichdamm von etwa 10 m Stauhöhe drückt das angestaute Wasser mit einer Kraft von 50 Tonnen auf jeden laufenden Meter Damm. Der Druck wirkt auf die Stelle, wo die Dichtung sitzt. Diese horizontale Kraft versucht, den Damm wegzuschieben. Nun kommt es darauf an, dass der Damm hinter der Dichtung genügend „Fleisch“ hat, um dieser Kraft des Wassers Widerstand zu bieten. Dies ist eine Frage des Gewichts und damit auch der Menge des aufgeschütteten Schüttmaterials hinter der Dichtung, sowie einer guten Verzahnung der Dammschüttung mit dem Untergrund.

Stand bei der alten Bauart nahezu der gesamte Dammkörper bis auf Dichtung und eines eventuellen Wellenschutzbelages als Widerlager gegen den Wasserdruck zur Verfügung, so ist es bei der neuen Bauart nur etwa die Hälfte der gesamten Dammschüttung. Damit hatte der Wasserdruck den Damm buchstäblich weggeschoben.[4]

Der Untere Schalker Teich ist dann im Jahre 1734 wieder neu geschüttet worden, wieder mit einer Kerndichtung, jedoch mit einem wesentlich breiteren Damm

Sonstiges

Es gab auch einen Mittleren und einen Oberen Schalker Teich. Beide Stauanlagen sind aber bereits im 19. Jahrhundert stillgelegt worden. Gründe der Stilllegung waren wohl einerseits technische Probleme (Undichtigkeiten), andererseits aber auch nachlassender Wasserbedarf der zu versorgenden Bergwerke. Die beeindruckenden Dammreste dieser beiden Teiche können noch einige hundert Meter oberhalb im Tal besichtigt werden. Auch sie bilden Bodendenkmale und gehören damit zu den passiven Anlagen des Oberharzer Wasserregals

Siehe auch

Literatur

  • Martin Schmidt: Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (= Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft. Heft 13). 3. ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.

Einzelnachweise

  1. Axel Wellner: Der Dammbruch des Schalker Teiches 1733. In: Der Anschläger, Mitteilungsblatt des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins. Oberharzer Geschichts- und Museumsverein, Clausthal-Zellerfeld Juni 1999.
  2. Niedersächsisches Bergarchiv, Clausthal-Zellerfeld, Akte Nr. 1165/24
  3. Martin Schmidt: Besondere Schadensfälle an den Oberharzer Teichdämmen. In: Leichtweiss-Institut für Wasserbau der Technischen Universität Braunschweig. Mitteilungen. Heft 103, 1989, ISSN 0343-1223, S. 383–421 (Auch Sonderabdruck).
  4. Justus Teicke: Der Dammbruch des Schalker Teiches aus technischer Sicht. In: Der Anschläger, Mitteilungsblatt des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins. Oberharzer Geschichts- und Museumsverein, Clausthal-Zellerfeld September 1999.
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