Unlust

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Lust ist eine intensiv angenehme Weise des Erlebens, die sich auf unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung zeigen kann, zum Beispiel beim Speisen, Wandern oder bei schöpferischer Tätigkeit, vor allem aber als Bestandteil des sexuellen Erlebens.

Inhaltsverzeichnis

Bewusstsein und Lust

Die Anziehungsqualität der Lust zeigt sich darin, dass sie in direkter Erfahrung von jedermann gewollt wird – vgl. Wollust –, dabei aber nicht wahllos erreicht werden kann, sondern bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt, die u. a. von Freuds Theorie des Lustprinzips erörtert werden. Lust wird von gesunden Wesen nur partiell und dann auch nur unter der Voraussetzung abgelehnt, dass ihnen Gründe bewusst werden, die schwere Nachteile zur Folge hätten, würde nicht auf die Befriedigung des jeweils aktuellen Bedürfnisses verzichtet.

Selbstevidenz der Lust und Unlust

Philosophisch gesehen ist Lust bei den meisten Denkern "in-sich-selbst-wertvoll". Daher spielt sie eine bedeutende Rolle in den verschiedenen Trieb- und Bedürfnislehren (s. a. Motivation, einschließlich deren Theorien über den Vorgang der Bewertung von Erfahrungen und/oder 'nur' Gedanken. Bereits in der antiken Philosophie wurde der Lust (und Vermeidung von Unlust) ein hoher Stellenwert beigemessen (siehe u. a. Platon, Symposion, und Epikurs Garten). Das Angenehmsein der Lust zeigt sich unmittelbar, anschaulich und emotionell nachvollziehbar auch ohne jegliches Verständnis ihrer Ziele. ( - Man isst nicht eigentlich zwecks Anhebung des Zuckerpegels, sondern aus Lust; nicht die Fortpflanzung ist ein Grundbedürfnis, sondern die in der Begattung empfundene Lust.) Lustgefühle sind im weiteren Sinne eine 'sich selbst generierende' Erlebnisweise und die körperlichen grundverschieden von denen der ästhetischen Sinneswahrnehmung und denen der sich unmittelbar im Geiste entwickelnden Gedanken, Vorstellungen und logischen Empfindungen. Das Gefühl der körperlich erlebten Lust kann sich aber mit allen denkbaren Arten sowohl der Wahrnehmung als auch der rein gedanklichen Logik verbinden und zu deren "Gefühlseinfärbung" führen. Fehlt die Fähigkeit zu diesen variablen Einfärbungen, die dem Erleben der Lust Gestalt geben, ist dies ein Anzeichen für die Erkrankung an Depression.

Dem Gegenteil von Lust - der Unlust - entsprechen dieselben Charakteristika in entgegengesetzter Erlebnisqualität: Unlust wird für sich selbst gesehen als negativ erfahren und daher gemieden. Darüber hinaus hat Unlust, wie alle von ihr bedingten negativen Gefühle (Schmerz, Trauer, Angst usw.), eine wichtige Funktion innerhalb unserer Motivationen: ihr sind stets Hinweise auf körperliche, seelische oder anderweitige Probleme immanent.

Tiefenpsychologische Theorie von Freud

In der Psychologie ist „Lust“ („Libido“) die Bezeichnung für eine subjektiv angenehme Empfindung. In der Psychoanalyse Sigmund Freuds wird alle berechtigte Lust auf eine einzige Urkraft zurückgeführt, die Libido, die eine(n) universale(n), biologische(n) Energie/ Trieb darstelle, deren Verwirklichung grundsätzlich Lust verschaffe und der für das instinktive, angeborene Streben nach Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger Meidung von Unlust immanent sei (s. Lustprinzip). Die Bedürfnisse versuchte Freud, da als Mediziner von der Biologie kommend, auf diesem und dem Wege der Traumdeutung allein in der Natur und ihren Gesetzen zu verankern und ihrer jeweiligen Funktion sowie Bestimmung nach zu unterscheiden. So stehe die lustvolle Neugierbefriedigung grundsätzlich im Dienste der Selbst- und Umwelterkenntnis und ihrer 2 Aspekte: Suche nach Lebensbedrohlichem zwecks dessen Meidung, und Suche nach den Quellen der Befriedung jeglichen Grundbedürfnis', wie u. a. des Dranges nach Energie/Ernährung und angenehmem Klima.

Eine große Rolle spielt in Sigmund Freuds Lehre die "Sexualität", die nach seiner Interpretation der Darwinschen Evolutionstheorie im Dienste der weiblichen Vermehrung ('Materie-Synthese') und der durch männlichen Wettkampf umgesetzten Verwirklichung des natürlichen Zuchtwahlgeseztes steht, bei dem "positive" und "negative Mutanten" geschieden und nur erstere für die Vermehrung zugelassen werden, die mindermutierten Artgenossen verdrängend ('Materie-Analyse'). Metapsychologisch ist entsprechend Freuds Theorie, die monistische Urtriebkraft der Libido beginne in dem Augenblick ihrer Materialisation, sich nach zwei scheinverschiedenen, weil in Wirklichkeit symbiotisch ergänzenden Aspekten zu unterscheiden, die er - seiner Vorliebe für die antiken Naturphilosophen Tribut zollend - nach zwei griechischen Gottheiten benannte:

  • den "Eros" ( als Anziehung von Gegensätzen: Synthese; Leben; Begehren; Schöpfung; Innen; Verbinden; 'Weiblich') und
  • den „Thanatos(als Abstoßung von Gleichen: Analyse; Tod; Ablehnung; Vernichtung; Außen; Trennen; 'Männlich'). (Vgl. auch "Die Ánima & Der Ánimus" in C.G. Jungs Archetypen-Lehre.)

Im universalharmonisch "fließenden" Ringen dieser zwei komplementären Aspekte derselben Ur-Energie "Libido", sah Freud - wie Heraklit und Epikur vor ihm - nichts Destruktives, vielmehr umgekehrt die konstruktive, daseinskämpferische Ursache jedes der wahrnehmbaren Symbole, den 'Vater' aller Dinge, "Arten" und der unserem Denken immanenten Gegensätze, so auch der Dualismen 'Weiblich-Männlich', Mutation-Auslese, Welle-Teilchen usw.

Ungeklärt bis zum Ende seines Lebens, blieb die Herkunft des in der Tat destruktiven, sadomasochistischen "Narzissmus"-Syndroms, an dem ausschließlich der Mensch leidet, das Freud versuchsweise als biologischen "Trieb" definierte, nämlich so genannt "TodesTRIEB", für den er jedoch in der gesamten belebten Natur keine Entsprechung entdecken konnte. "Trieb" ist also eine irreführende Bezeichnung des Syndroms "Narzissmus"; hypothetisch sollte es weder dem naturwissenschaftlich verankerten Fachgebiet der biologisch-'körperlichen' Psychologie zugerechnet werden, noch der erkenntnistheoretisch-'geistigen' Metapsychologie als Naturwissenschaft, sondern, die wissenschaftliche Beschreibung des Narzissmus gehört in die "Pathologie"-Abteilung von Freuds Lehre. Dieses Abteil befasst sich also nicht mit den psychisch vollintakten, einwandfrei naturverbundenen Lebewesen und den lebenswichtigen Funktionen ihres Erkenntnisapparates, sondern mit unserer am Narzissmus und vielerlei Ersatzbedürfnissen leidenden patriarchalischen Gesellschaft - den Neurosen und allen denkbaren Entartungen. Diesen Sachverhalt vermochte Freud beim damaligen Stand der Wissenschaft nicht zu klären. Jedoch stellt auch eines seiner gesellschaftskritischsten Werke: Das Unbehagen in der Kultur - einen Aspekt des Phänomens "Lust" dar, und zwar einen unmissverständlich negativen. 'Rein geistig' betrachtet jedoch sei es ein Genuss, sie zu lesen.

Lust als Perversion

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Eine vom Gesunden gänzlich abweichende Form von Lust findet sich bei den sogenannten "Ersatzbedürfnissen" - z. B. den fälschlich so genannten "Lustmorden". Sie stehen zwar im Zusammenhang mit der Attraktion erotischer Begierden. Zum Mord kommt es jedoch nicht etwa aus Lust, sondern infolge ihrer Pervertierung, in die der Mörder innerlich gerät, weil sein gesund angeborenes Lustempfinden während frühester Kindheit psychisch schwer traumatisiert wurde - als Frauenmörder und Vergewaltiger wahrscheinlich von der Mutter. (Siehe hierzu Alfred Hitchcocks Film Psycho) . Auch hier kann freilich die Bewusstwerdung nachteiliger Konsequenzen solcher Taten zur vollbewussten Bezähmung oder einstweiliger Verschiebung führen. Nämliches bei anderen Ersatzbedürfnissen, deren Folgen außerhalb der unmittelbaren attraktiven Erfahrung liegen - z. B. nach Heroinkonsum, wenn der Konsument die erlebten Lustgefühle, die an die umfassend wohlige Totalgeborgenheit innerhalb des Mutterleibes erinnern, abwägt gegen die Gesundheitsschäden durch den Konsum. Anderes Extrem-Beispiel: ein 'genussvoll' geplanter Atomkrieg wird nicht ausgeführt, weil er den Weltuntergang herbeiführen kann. (Vgl. Stanley Kubricks Film Dr. Strangelove. Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben).

In den Künsten

In den Künsten - zumal, wo es um die Liebe geht - ist die Lust so vielfach gegenwärtig, dass sich eine Aufzählung von Werken hier erübrigen dürfte.

Literatur

  • Freud, Sigmund: Das Ich und das ES (Metapsychologische Abhandlung zum Eros [synthetisierendes ES] und Tanatos [analysierendes ICH])
  • Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur (Auseinandersetzung im Bereich der Psychopatologie, mit unserer Gesellschaft )
  • Kanitscheider, Bernulf, Dessau, Bettina: Von Lust und Freude. Gedanken zu einer hedonistischen Lebensorientierung, Inselverlag

Siehe auch

Emotion, Gefühl, Motivation, Libido, Hedonismus, Glück, Wollust, Flow, Freude, Jouissance, Wert

Weblinks


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