Universität Bochum


Universität Bochum
Ruhr-Universität Bochum
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Gründung 1962
Trägerschaft staatlich
Ort Bochum
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Leitung Elmar Weiler
Studenten 32.723 (WS 2008/09)[1]
Mitarbeiter 4.804 (2008)[1]
davon Professoren 439 (inkl. Juniorprofessoren und Medizin)[1]
Jahresetat 344 Mio. € (2006)[1]
Website www.ruhr-uni-bochum.de

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) in Bochum ist mit über 32.000 Studierenden eine der zehn größten Universitäten in Deutschland.

Die Ruhr-Universität gehört zu den forschungsstärksten Universitäten in Deutschland und befand sich 2007 in der Endrunde der vom Bund geführten Exzellenzinitiative.

Bundesweit belegt sie den zweiten Platz in der Liste der DFG-Sonderforschungsbereiche. Im aktuellen DFG-Ranking unter den 40 deutschen Hochschulen mit dem höchsten Bewilligungsvolumen für Forschungsvorhaben der Jahre 2002 bis 2004 erreichte sie Rang drei in den Lebenswissenschaften, den neunten Platz in den Ingenieurwissenschaften und Platz 12 in den Naturwissenschaften. Im gesamten Vergleich erzielte die RUB den 15. Platz.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Das Audimax

Die Gründung der RUB im Jahr 1962 (Aufnahme des Lehrbetriebs 1965) war die erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik. Die Universität wurde außerhalb der Stadt (auf der grünen Wiese) als Campus-Universität im Bochumer Stadtteil Querenburg angelegt: Bis auf wenige Außenstellen sind alle Fakultäten auf dem Universitätsgelände untergebracht. Die Universität, die für die Studierenden erbaute Wohnstadt „Hustadt“ und das beide versorgende Einkaufszentrum „Uni-Center“ dominieren bis heute den Stadtteil Querenburg.

Die Studierenden der Medizin absolvieren ihre praktische Ausbildung nicht zentral in einem eigenen Klinikum, sondern werden auf verschiedene Krankenhäuser in Bochum und Umgebung verteilt (Bochumer Modell). Im Zuge dieses Konzepts wurde am St. Josef Hospital 2005 ein Hörsaal für die praktische Ausbildung gebaut.

Von jeher ist die RUB eine Reformuniversität. In der Einführung gestufter Studiengänge nach Vorgabe der Bologna-Erklärung nimmt sie eine Vorreiterrolle in Deutschland ein.

Geschichte

Vorgeschichte

Die Geschichte der Universität in Bochum beginnt bereits 1948 in der ersten Wahlperiode des Landtages mit der fraktionsübergreifenden Forderung nach einer zweiten technischen Hochschule in Westfalen. Favorit für den Standort war allerdings die Stadt Dortmund. Im Kulturausschuss wurden am 20. Dezember 1960 – und damit erst knapp zwölf Jahre später – die Mittel für den Kauf eines entsprechenden Geländes in Westfalen genehmigt. Nach weiteren, teilweise erbittert geführten Diskussionen setzte sich der Standort Bochum-Querenburg mit 102 zu 87 Stimmen gegenüber Dortmund im Landtag durch.

Planung

Zur schnellen Realisierung wurde nach weiterer Vorplanung der wissenschaftlichen Schwerpunkte 1962 ein Ideenwettbewerb ausgelobt, zu dem bekannte Architekten wie Gropius und Mies van der Rohe direkt eingeladen wurden, bei dem aber auch alle anderen in der BRD niedergelassenen Architekten zugelassen waren. Aus den 85 eingereichten Entwürfen setzte sich der Entwurf des Büros Hentrich, Petschnigg & Partner aus Düsseldorf durch.

Bau

Begonnen wurde der Bau der Universität offiziell am 2. Januar 1964 mit den Erdarbeiten für die Gebäude IA, IB und IC der Ingenieurwissenschaften. Durch die Verwendung eines einheitlichen Rastermaßes für die Struktur der Gebäude konnten Betonfertigteile direkt auf der Baustelle in industriellen Gußverfahren hergestellt werden, was dazu führte, dass die Ingenieurwissenschaften bereits am 30. Juni 1965 den Betrieb aufnehmen konnten, während die Bauarbeiten für die Gebäude der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Medizin noch bis August 1969 andauerten. Der zentrale Forumsbereich mit Bibliothek, Verwaltung, Audimax und Mensa wurde erst 1971 begonnen und am 1. August 1974 abgeschlossen.[2]

Universitätsallianz Metropole Ruhr

Im März 2007 wurde von den drei Universitäten Dortmund, Bochum sowie Duisburg-Essen die Universitätsallianz Metropole Ruhr gegründet. Diese soll die Kooperation der Lehr- und Forschungsaktivitäten der beteiligten Universitäten stärken und den Universitäten eine bessere Ausgangsposition als exzellentem Standort in der nationalen und internationalen Wissenschafts- und Studienlandschaft geben.[3]

Architektur

Gebäudekomplex "M"
Treppenhaus im Gebäude IC
Ansicht der "G-Gebäude"
Grundzertifikat

Der Campus liegt am Rand einer Anhöhe über dem Kemnader See. 13 Hauptgebäude gruppieren sich in vier symmetrischen Komplexen aus je drei bis vier Hochhäusern um die Mensa, das Audimax, die Universitätsbibliothek und dem Forum der Universität.

Das architektonische Konzept stammt von Helmut Hentrich (Architekturbüro Hentrich, Petschnigg & Partner). Er sieht die Universität als einen Hafen im Meer des Wissens. Die Gebäude selbst symbolisieren Schiffe, die an ihren Zugängen „angelegt“ haben, das Dach des Audimax erinnert an eine Muschel. Dazu passend wurde auch Anfang der 1990er Jahre die Station „Ruhr-Universität“ der Stadtbahnlinie U35 gestaltet, deren Dach Wellen darstellen soll.

Ursprünglich war die RUB noch deutlich größer geplant. Mehrere Gebäude wurden nicht gebaut, unter anderem das geplante Universitätsklinikum. Zwei der drei für die medizinische Fakultät vorgesehenen Gebäude (MB und MC) wurden zwar fertiggestellt, aber nie bezogen. Sie standen jahrelang leer, bis sie schließlich an private Unternehmen verpachtet wurden. Die daraus erzielten Einnahmen wurden für den Bau des Wohnheims „Europahaus“ verwendet.[4]

Im Audimax, das auch als Spielstätte der Bochumer Symphoniker dient, befindet sich eine der modernsten und größten Orgeln der berühmten Orgelmanufaktur Klais. Die Orgel aus dem Jahr 1998 verfügt über 6146 Pfeifen, zusammengefasst in 82 Register.

Die Architektur der Ruhr-Universität ist bis heute ein kontrovers diskutiertes Thema. Der fast alleinige Baustoff Beton erzeugt bei schlechtem Wetter einen tristen Gesamteindruck. Bei gutem Wetter dagegen kontrastiert der helle Beton mit dem blauen Himmel, so dass ein offener sonnendurchfluteter Gesamteindruck entsteht. Anfang der 1990er Jahre wurde die harte Betonarchitektur durch farblich abgesetzte Außenanstriche, Umgestaltungen der Hauptgebäude und durch die Anlage von Grünflächen abgemildert. Auch im Zuge der Exzellenzinitiative wird die Universität seit Anfang 2007 renoviert.

Trist und schlecht beleuchtet sind die großen mehrstöckigen Parkhäuser, die sich unter dem gesamten Zentralbereich des Campus herziehen. Wie anderswo auch, sollen Frauenparkplätze die geschlechtsspezifischen Risiken mindern.

Auf dem steil zur Ruhr hin abfallenden Hang befindet sich der Botanische Garten der Universität.

Der Campus soll in den nächsten Jahrzehnten grundlegend saniert werden. Die Hauptmensa wurde bereits zwischen 2003 und 2006 entkernt und grundlegend umgestaltet, für die Sanierung der Bürogebäude wird momentan in der I-Reihe ein neues Gebäude errichtet. Dieses wird nach Fertigstellung als Ausweichfläche dienen, um die anderen Gebäude nacheinander komplett sanieren zu können. Die Gesamtkosten werden mit knapp 1,2 Mrd. € veranschlagt.

Im Zuge der Sanierungen wurde und wird der Campus deutlich umgestaltet. Unter anderem werden nach und nach fast alle verbliebenen Grünflächen zwischen und neben den Gebäuden bebaut. Diese Gebäude werden z.T. kommerziell genutzt. Im Ausgleich dazu beginnt man allerdings, die Flachdächer zu begrünen.

Fakultäten

Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

Ingenieurwissenschaften

Naturwissenschaften

Medizin

Fächerübergreifende Einrichtungen

Gruppen, Kultur

Überregional bekannt sind verschiedene studentische Initiativen der Ruhr-Universität:

  • Der „Studienkreis Film“ wurde 1966 von Studierenden der Ruhr-Universität gegründet. Als gemeinnütziger Verein haben sich seine Mitglieder der Auseinandersetzung mit dem Medium Film verschrieben. Der SKF bereichert mit Filmvorführungen, Vorträgen und Publikationen das kulturelle Leben auf dem Campus in Bochum.
  • Seit 1967 gibt der allgemeine Studierendenausschuss die „bsz“, die Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung heraus. Diese ist damit die älteste kontinuierlich erscheinende Studierendenzeitung Deutschlands.
  • Das studentische Theaterfestival megaFON findet seit 2002 jährlich im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität statt und lädt seit 2006 studentische Theatergruppen aus ganz Europa ein.
  • 1997 startete mit CT das radio das erste Campusradio Nordrhein-Westfalens, das rund um die Uhr und auf einer eigenen Frequenz sendet.

Botanischer Garten

Chinesische Bau- und Gartenkunst im Botanischen Garten der RUB

Die Universität unterhält einen Botanischen Garten, der als Ausflugsziel weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist.

Studierendenvertretung

Die Interessen der Studierenden werden durch einen Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) vertreten, der vom Studierendenparlament gewählt wird. Die Zusammensetzung des Parlaments mit 35 Sitzen wird in jährlichen Wahlen festgelegt, die Wahlbeteiligung betrug im Jahr 2008 17,66 %. Der AStA vergibt unter anderem Mittel an die Fachschaftsräte.

Im Dezember 2007 geriet der von Jusos, RCDS und Liberalen geführte AStA der Ruhr-Universität Bochum in den Blickpunkt der Presse, weil er aufgrund einer fehlgeplanten Musikveranstaltung mit prominenten Bands hohe Verluste erwirtschaftete. [5]

Studiengebühren

Am 18. September 2006 verabschiedete der Senat der Ruhr-Universität eine Satzung, in der die Erhebung von Studiengebühren geregelt ist. Gemäß dieser Gebührensatzung haben die Studierenden der Ruhr-Universität ab dem Sommersemester 2007 Studiengebühren in Höhe von 500,-- Euro pro Semester zu zahlen. Diese wurden für das Wintersemester 2008/2009 und das Sommersemester 2009 gesenkt und betragen nun 480,-- Euro pro Semester [6]. Die Gebührenordnung sieht einige Ausnahmen z.B. für studierende Eltern, Spitzensportler oder einkommensschwache Studierende vor.[7]

Persönlichkeiten

Rektoren

Professoren

Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (Bochum)

Prominente Studenten

Siehe auch

Literatur

  • Hans Stallmann: Euphorische Jahre. Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum. Klartext-Verlag, Essen 2004, ISBN 3-89861-318-6.
  • Wilhelm Bleek, Wolfhard Weber: Schöne neue Hochschulwelt. Idee und Wirklichkeit der Ruhr-Universität Bochum. Klartext-Verlag, Essen 2003, ISBN 3-89861-202-3.
  • Alexandra von Cube: "Die Ruhr-Universität Bochum" Eine Kunsthistorische Untersuchung, Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0002-7

Weblinks

Belege

  1. a b c d Ruhr-Universität Bochum. Kurzübersicht: Zahlen und Fakten. Ruhr-Universität Bochum. Abgerufen am 22. Dezember 2008.
  2. Alexandra von Cube: Die Ruhr-Universität Bochum Eine kunsthistorische Untersuchung, Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1992
  3. http://www.uni-dortmund.de/uni/Uni/Profil/Universit__tsallianz_Metropole_Ruhr/index.html Universitätsallianz Metropole Ruhr
  4. Gebäude der Ruhr-Universität: MC (heute UTC, kein Uni-Gebäude)
  5. Dirk Graalmann: Teurer Mensa-Pop. In Süddeutsche Zeitung, 17. Dezember 2007 (online)
  6. Studienbeiträge an der Ruhr-Universität Bochum
  7. vgl. Satzung über die Erhebung von Studienbeiträgen und Hochschulabgaben der Ruhr-Universität Bochum vom 22. September 2006

51.44397.26157222222227Koordinaten: 51° 26′ 38″ N, 7° 15′ 42″ O


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