Umweltbildung


Umweltbildung

Umweltbildung ist ein in den 1970er Jahren aufgekommener Bildungsansatz, der einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen vermitteln soll. Wesentlich beteiligt waren die Umweltbewegungen dieser Zeit und sind bis heute die daraus entstandenen Organisationen und Institutionen. Heute gibt es Umweltbildungsakteure in allen Bildungssektoren von der frühkindlichen Bildung über Schule, berufliche und allgemeine (Weiter-)Bildung, Hochschule bis zum Informellen Lernen (http://www.umweltbildung.de/203.html). Ältere Begriffe wie "Umwelterziehung" (Eulefeld, http://wiki.zum.de/Umwelterziehung) oder "Ökologisches Lernen" (Bolscho, Seybold) werden heute nur noch selten gebraucht. Zwar gibt es verschiedene didaktische Ansätze (Eulefeld, Michelsen, de Haan), doch ist das Verhältnis zwischen Umweltbildung und "Bildung für nachhaltige Entwicklung" noch nicht abschließend geklärt.

Inhaltsverzeichnis

Praxis

In Deutschland gibt es bundesweit etwa 4.600 stationäre Umweltbildungeinrichtungen[1]. Diese werden ergänzt durch rund 20 Umweltmobile. Die Vielfalt institutioneller Formen ist kaum überschaubar, sie reicht von Waldkindergärten, Umweltschulen, Umwelt- und Ökologiestationen, Nationalpark-, Biosphärenreservat-, Naturpark-, Umwelt-, Naturschutz- und Schulbiologiezentren, Schulland- und Waldjugendheime, Jugendherbergen, Waldschulen, Schulbauernhöfe und Freilandlaboren bis zu Umweltakademien. Daneben arbeitet eine nicht erfasste, große Zahl freiberuflich tätiger UmweltpädagogInnen (z.B. Wattführer, Landschaftsführer, Naturerlebnispädagogen, Waldtheaterpädagogen usw.). Der Dachverband der Umweltbildungseinrichtungen und UmweltpädagogInnen in Deutschland ist die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU). Die ANU gibt seit 1991 den monatlichen Informationsdienst ökopädNEWS heraus, der aus allen Bildungssektoren mit Schwerpunkt Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung verbandsübergreifend berichtet. Ein umfangreiches Archiv im Internet mit rund 5.000 Beiträgen bietet einen guten Überblick und kann kostenlos genutzt werden. Dort findet sich auch eine Medienliste mit rund 45 Rundbriefen und anderen Medien aus dem deutschsprachigen Raum.

In Österreich arbeitet das FORUM Umweltbildung mit 15 Mitarbeitern in den beiden Geschäftsstellen in Wien und Salzburg. Das FORUM Umweltbildung ist eine Initiative des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Abt. II/3 Nachhaltige Entwicklung) und des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (Abt. V/11 Politische Bildung und Umweltbildung). Zur Anzahl der Einrichtungen in Österreich gibt es keine verlässlichen Daten. Eine Zusammenstellung von Einrichtungen bietet die Bildungslandkarte[2]. Im Bundesland Steiermark wurde bereits 1982 die erste österreichische Umweltbildungseinrichtung gegründet, die seit 2001 unter dem Namen Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark (UBZ)tätig ist.

In der Schweiz wurde 1994 die Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB) von Bund, Kantonen, Gemeinden und Organisationen der Bildung und des Umweltschutzes gegründet. Sie soll die Umweltbildung in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein fördern und ausbauen, sie in den vorhandenen Strukturen verankern sowie Initiativen der Umweltbildung unterstützen und koordinieren und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren, mit dem Ausland und mit verwandten Gebieten verstärken. Die Stiftung verfügt über eine umfangreiche Datenbank mit Angaben zu Institutionen und Angeboten in der Schweiz, einer Liste von Organisationen sowie einer Übersicht von Praxiseinsätzen im Natur- und Umweltschutz für Klassen, Gruppen und Einzelpersonen. Die Stiftung SUB ist Mitglied im internationalen Netzwerk zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Umweltbildung / ENSI, das 1986 unter dem Schirm des OECD Zentrums für Bildungsforschung und Innovation (CERI) gegründet wurde. Ein konkretes Beispiel aus der Schweiz ist die Aktion Spechtbaum, welche gegen Ende der 1990er Jahre die Pro Natura und den Schweizer Vogelschutz mit dem Verband Schweizer Förster zusammenführte. Schulklassen und Jugendgruppen wurden mit der Aktion dazu motiviert, im Wald nach sog. Höhlenbäumen zu suchen, die - zumeist vom Specht 'gezimmert' - Vögeln als Nistplätze dienen. Manche Förster boten dabei Hand dazu, diese gefundenen und entsprechend markierten Höhlenbäume im Sinne einer naturnahen Wald-Bewirtschaftung stehen zu lassen.[3]

Unter dem Dach der am 1. Januar 2005 begonnenen UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zeichnet sich eine gemeinsame Basis mit dem Ansatz "Globales Lernen" ab. Dort sollen Erziehungs- und Bildungsansätze gefördert werden, die sich am Leitgedanken der nachhaltigen Entwicklung orientieren.

Einige Pädagogen sprechen von einer relativen Erfolglosigkeit der herkömmlichen Umweltbildung und schlagen reformpädagogische und andere Ansätze vor.[4] Insbesondere erlebnispädagogische Ansätze sind im Kapitel Natur- und Umweltpädagogik beschrieben (siehe auch informelles Lernen).

Literatur

  • Gerhard Becker: Urbane Umweltbildung im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Theoretische Grundlagen und schulische Perspektiven. Ökologie und Erziehungswissenschaft Bd. 7, VS Verlag, 2001, ISBN 3810028347
  • Wolfgang Beer & Gerhard de Haan (Hg.): Ökopädagogik. Aufstehen gegen den Untergang der Natur. Beltz, Weinheim 1984, ISBN 340733303X
  • Martin Beyersdorf: Umweltbildung. Luchterhand Verlag, Neuwied 1998, ISBN 3472031506
  • Dietmar Bolscho & Hansjörg Seybold: Umweltbildung und ökologisches Lernen. Cornelsen-Scriptor, Berlin 1996, ISBN 3589210729
  • Richard Häusler: Erfundene Umwelt. Das Konstruktivismus-Buch für Öko- und andere Pädagogen. ÖKOM, 2004, ISBN 3936581738
  • Jugend Umwelt Projektwerkstatt (Hrsg.) (2001): NaturErlebnisMappe' im bunt bedruckten Ordner, auch für Anfänger geeignet, ISBN 978-3-86747-021-6
  • Jugend Umwelt Projektwerkstatt (Hrsg.) (2001): Die Junior Regenbogenkämpfermappe' Umweltbildung für Kinder, ISBN 978-3-86747-022-3
  • Regula Kyburz-Graber, Ueli Halder, Anton Hügli & Markus Ritter (2001): Umweltbildung im 20. Jahrhundert – Anfänge, Gegenwartsprobleme, Perspektiven. Münster: Waxmann, ISBN 3-89325-892-2
  • Eduard W. Kleber: Grundzüge ökologischer Pädagogik. Eine Einführung in ökologisch-pädagogisches Denken. Weinheim/München 1993, ISBN 3779910128
  • Herbert Österreicher: Praxis der Umweltbildung, in: Norbert Kühne (Hrsg.): Praxisbuch Sozialpädagogik, Band 7, Bildungsverlag EINS, Troisdorf 2009, ISBN 978-3-427-75415-2
  • Manuela Seifert, Regina Steiner & Johannes Tschapka: Zwischen Management und Mandala. Umweltbildung quer durch Europa. Hg.: Österreichische Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz, Wien 1999, ISBN 3-900717-40-0
  • Lars Wohlers: Informelle Umweltbildung am Beispiel der deutschen Nationalparke. Shaker, Aachen 2001
  • Jürgen Forkel-Schubert: Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband - Zwanzig Jahre ANU-Netzwerk (http://www.umweltbildung.de/5437.html)

Weblinks

Fußnoten

  1. Schätzung der Forschungsgruppe Umweltbildung der Freien Universität Berlin
  2. Österreichs Bildungslandkarte
  3. Broschüre Aktion Spechtbaum, 1998
  4. Göpfert, H.: Werkzeuge zur Rettung der Erde?, IMC/NABU 2004

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