Treuchtlingen


Treuchtlingen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Treuchtlingen
Treuchtlingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Treuchtlingen hervorgehoben
48.95527777777810.909444444444412
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Weißenburg-Gunzenhausen
Höhe: 412 m ü. NN
Fläche: 103 km²
Einwohner:

12.778 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91757
Vorwahl: 09142
Kfz-Kennzeichen: WUG
Gemeindeschlüssel: 09 5 77 173
Stadtgliederung: 54 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 31
91757 Treuchtlingen
Webpräsenz: www.treuchtlingen.de
Bürgermeister: Werner Baum jun. (SPD)
Lage der Stadt Treuchtlingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Gunzenhausen Absberg Alesheim Muhr am See Bergen (Mittelfranken) Burgsalach Dittenheim Ettenstatt Haundorf Heidenheim (Mittelfranken) Höttingen Langenaltheim Markt Berolzheim Meinheim Nennslingen Pappenheim Pfofeld Polsingen Solnhofen Theilenhofen Treuchtlingen Weißenburg in Bayern Westheim (Mittelfranken) Raitenbuch Pleinfeld Gnotzheim Ellingen Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Ansbach Landkreis EichstättKarte
Über dieses Bild

Treuchtlingen ist eine Stadt im südlichen Teil des mittelfränkischen Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in Bayern.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Staatlich anerkannter Erholungsort mit Heilquellen-Kurbetrieb (Altmühltherme) im Naturpark Altmühltal.

Nachbargemeinden

Markt_Berolzheim Weißenburg_in_Bayern
Hechlingen Nachbargemeinden Pappenheim
Verwaltungsgemeinschaft_Wemding Langenaltheim Solnhofen

Stadtgliederung

Die politische Gemeinde Treuchtlingen hat 54 amtlich benannte Ortsteile[2]:

  • Auernheim
  • Bonhof
  • Bergnershof
  • Bubenheim
  • Dickmühle
  • Dietfurt in Mittelfranken
  • Dornmühle
  • Eichhof
  • Eulenhof
  • Falbenthal
  • Freihardt
  • Fuchsmühle
  • Graben
  • Grönhart
  • Gstadt
  • Gundelsheim
  • Haag bei Treuchtlingen
  • Hagenau
  • Hagenhof
  • Heunischhof
  • Hürth
  • Kästleinsmühle
  • Kellerhaus
  • Kohlmühle
  • Lehnleinsmühle
  • Mattenmühle
  • Metzenhof
  • Möhren
  • Möhrenberg
  • Naßwiesen
  • Neufang
  • Neuheim
  • Oberheumödern
  • Papiermühle (obere)
  • Papiermühle (untere)
  • Rutzenhof
  • Sägmühle
  • Schambach
  • Schertnershof
  • Schlittenhart
  • Schmarrmühle
  • Schürmühle
  • Siebeneichhöfe
  • Spielhof
  • Steinbruch
  • Treuchtlingen
  • Unterheumödern
  • Weinbergshof
  • Wettelsheim
  • Wieshof
  • Windischhausen
  • Ziegelhütte
  • Ziegelmühle
  • Zollmühle
Auernheim
  • Auernheim
    liegt auf dem Hahnenkamm (634 m ü. NN) und hat ca. 700 Einwohner. Entstanden dürfte dieses ehemalige Freibauerndorf im 6. bis 8. Jahrhundert sein, die Ersterwähnung erfolgte allerdings erst 1057/75. Auernheim ist der höchstgelegene Ort Mittelfrankens. Die evangelisch-lutherische Kirche St. Georg auf dem Kirchberg – der eine Weitsicht zur Weißenburger Bucht, zur Altmühlalb, zum Ries und an Föhntagen bis zu den Alpen bietet – gilt als eine der schönsten Kirchen der Gegend. Sie weist u. a. außergewöhnliche bäuerlich-barocke Emporenmalereien mit Szenen aus dem Leben Jesu auf, die der Maler Johann Jakob Brenner 1680 geschaffen hat.
  • Bubenheim
    liegt unmittelbar an der Altmühl (420 bis 440 m ü. NN) und zieht sich um den Bubenheimer Berg, auf dem Gesteinsarten aus dem Riesauswurf (Meteoriteneinschlag vor fünfzehn Millionen Jahren) zu finden sind. Der Ort hat ca. 410 Einwohner. Er wird bereits im 8. Jahrhundert erwähnt, denn 792 besuchte Karl der Große Bubenheim anlässlich des Baus der Fossa Carolina. In der Nähe des Dorfes befindet sich ein Fluggelände.
  • Dietfurt i.MFr.
    hat ca. 450 Einwohner, bildet den Eingang zum Altmühltal und liegt 400 m ü. NN. Der Ort wird bereits 802 erstmals erwähnt, als Reginsind – die Tochter eines fränkischen Adeligen – ihre Besitzungen dem Kloster St. Gallen übergibt. Im Mittelalter zählten zu den wichtigsten Grundherren u. a. die Marschälle von Pappenheim.
  • Falbenthal
    liegt 520 m ü. NN und wird erstmals 1250 als Walwental im Besitz des Klosters Wülzburg erwähnt. Da sich die Ortsbezeichnung als Flurname („Siedlung ifdasm fahlen Tal“) erklären lässt, dürfte die Gründung nicht vor dem 12. Jahrhundert erfolgt sein. Mit dem Kloster Wülzburg gelangte der Ort Ende des 14. Jahrhunderts auch in die Hände der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. 1608 belehnten diese Hans von Buchholz zu Helfenberg mit Falbenthal. 1642 wurde das Gut vom Obristen Johann von Leubelfing erworben. Heute dient das einstige Gutsschloss nur noch als Wohngebäude.
  • Graben
    Das kleine (ca. 200 Einwohner), 410 m ü. NN gelegene Dorf trägt seinen Namen vom Karlsgraben (Fossa Carolina), von dem hier noch heute Erdwälle und Bodenaushebungen zeugen. Dazu ist in der Hüttinger Scheune eine Karlsgrabenausstellung untergebracht, die den Bau vor über 1200 Jahren anschaulich rekonstruiert. Sehenswert ist auch die evangelisch-lutherische Kirche St. Kunigund, die u. a. gut erhaltene spätgotische Fresken birgt. Das Dorf liegt am Fuße des Nagelberges, auf dessen Plateau sich ein so genannter Hexentanzplatz befindet.
  • Grönhart
    liegt 425 m ü. NN und befindet sich auf einer Schwemmsandhöhe, wovon der Ort auch seinen Namen (Siedlung am sandigen Wald) herleitet. Da es sich auch dabei um einen Flurnamen handelt, dürfte der Ortes wohl erst im 11. oder 12. Jahrhundert entstanden sein. Urkundlich wird er erstmals 1251 genannt wird. Das ortsansässige Rittergeschlecht starb wohl im 13. Jahrhundert aus. In den darauffolgenden Jahrhunderten sind das Kloster Wülzburg, die Wiriche von Treuchtlingen und die Marschälle von Pappenheim hier begütert. In unmittelbarer Nähe des Dorfes befindet sich die europäische Wasserscheide. Hier wurde 1984 ein Brunnen aufgestellt, der sein Wasser in zwei Rinnsale entlässt. Der eine fließt über die Altmühl der Donau zu, der andere über die Rezat dem Main und Rhein entgegen.
  • Gundelsheim
    hat ca. 500 Einwohner und liegt im Möhrenbachtal (460 bis 480 m ü. NN). Der Ort wurde erstmals 1065 genannt und besitzt eine kleine Kirche mit barocker Ausstattung. Geologisch interessant ist der Marmorsteinbruch. Hier liegt Auswurfgestein des Rieses sichtbar auf dem Kalkstein, was seinerzeit US-amerikanische Astronauten veranlasste, während ihres geologischen Trainings im Nördlinger Ries im August 1970 Gundelsheim einen Besuch abzustatten. Verwendet wurde dieser Marmor beispielsweise im Berliner Flughafen Tempelhof.
  • Haag
    liegt 515 m ü. NN und wurde erstmals 1214 als Besitz des Marschalls von Pappenheim erwähnt. Da 1360 die Güter jedoch dem Kloster St. Walburg in Eichstätt gehören und die Marschälle lediglich das Vogteirecht ausüben, ist es wegen dieser Besitzverhältnisse wahrscheinlich, dass der Ort im 12. Jahrhundert vom Kloster St. Walburg gegründet wurde. Der Name bedeutet „bei der eingehegten Stelle“. Auf einem Geländevorsprung liegen die Überreste einer Burg, die 1263 von Ludwig dem Strengen zerstört worden sein soll.
  • Möhren
    liegt im Möhrenbachtal (455 m ü. NN) und hat ca. 580 Einwohner. Sehenswert sind das ehemalige Schloss der Pappenheimer Grafen und die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mit ihrer reichhaltigen Barockausstattung.
  • Oberheumödern
    liegt 500 m ü. NN. Urkundlich wird der Ort 1403 erwähnt, als Wirich und Jobst von Treuchtlingen ihn verpfänden. 1596 waren die Marschälle von Pappenheim-Treuchtlingen die Besitzer, von denen der Ort an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach überging. Sehenswert ist das Schulhaus von 1813, in dem bis 1932 unterrichtet wurde.
Schambach bei Treuchtlingen, Willibaldskirche
  • Schambach
    liegt nahe Treuchtlingen am Eingang des landschaftlich reizvollen Schambachtals (411 bis 520 m ü. NN) und hat ca. 700 Einwohner. Ausgrabungen ergaben, dass an diesem verkehrsgünstig gelegenen Ort von jeher Menschen gesiedelt haben. Urkundlich wird Scammaha zum ersten Mal 802 erwähnt. Die Kirche geht auf eine bereits im 8. Jahrhundert bestehende Willibaldskirche zurück. Ihr gedrungener Bau überragt kaum die Häuser des Ortskerns.
  • Schlittenhart
    wurde erstmals 1306 erwähnt, als Graf Ulrich von Truhendingen dem Ritter Konrad von Rechenberg den Ort Slitenhart verkaufte. Seit 1486 gehörte der Weiler zum Kloster Heidenheim und mit diesem später den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach.
  • Unterheumödern
    Der wohl im 12. Jahrhundert entstandene Ort wird 1286 erstmals erwähnt, als das Kloster Wülzburg Ulrich von Mittelburg Einkünfte aus den Gütern Möhrenberg, Wolfhausen und haemedern, die es zuvor von diesem erhalten hatte, zubilligt. Später gehörte es u. a. dem Deutschen Orden in Ellingen, danach Wirich und Ulrich von Treuchtlingen. Im 15. Jahrhundert wurde der Weiler an das Kloster St. Klara in Nürnberg verpfändet. 1596 gehörten dem Marschall von Pappenheim-Treuchtlingen zwei Höfe und ein Haus zu Vndterheumödern, später den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Heute sind im Ort nur noch zwei Vollerwerbsbetriebe ansässig.
  • Wettelsheim
    liegt am Fuße der Hahnenkammberge Patrich und Vierstein (450 m ü. NN) und hat ca. 1500 Einwohner. Der Ort ist wohl bereits im 5./6. Jahrhundert entstanden. Ältestes Gotteshaus im Ort ist die Martinskirche am Fuße des Patrichberges. Sie wurde im 13. Jahrhundert dem Kloster Wülzburg zugeteilt. Bei der Renovierung von 1958 traten Fresken aus der Zeit um 1058 zu Tage. Sehenswert ist der Schreinaltar von 1515.
  • Windischhausen
    ist in das reizvolle östliche Rohrbachtal eingebettet (480 m ü. NN) und hat ca. 150 Einwohner. Urkundlich wird es erstmals 1057 erwähnt, als die erste Kirche geweiht wurde. Im Laufe der Zeit waren hier die Grafen von Treuchtlingen, das Kloster Wülzburg, Kloster Rebdorf und Heidenheim begütert. Die Herkunft des Ortsnamens leitet sich vermutlich von der Volksgruppe der Slawen (windisch = slawisch) ab.

Dialektgeographie

Treuchtlingen liegt in einem Gebiet, in dem sich fränkische und bairische Dialektmerkmale mischen. Westlich von Treuchtlingen begegnen die fränkischen und bairischen Mundarten zudem dem Schwäbischen. Die Bezeichnung "Dreistammesecke" ist jedoch nicht haltbar, da die Dialekte, anders als es ihre Bezeichnung suggeriert, nicht von etwaigen eigenen Sprachen der Franken, Schwaben und Bayern herrühren. Westlich von Treuchtlingen trafen sich "allmählich in die Wälder hineinrodende Verkehrsgemeinschaften", deren sprachliche Eigenheiten waren im Prinzip erst nach der sogenannten Völkerwanderung, in Mittelalter und Frühneuzeit entstanden.[3]

Geschichte

Die Ortschaft zählt zu den ältesten Siedlungen im Treuchtlinger Raum. Kelten, Römer und Franken haben ihre kulturellen Spuren hinterlassen. Unter karolingischer Herrschaft entstand 793 nördlich der Stadtmitte im Ortsteil Graben der Karlsgraben als erster Wasserweg zwischen Rhein / Main und Donau. Die Stadt selbst wurde zum ersten Mal im Jahre 899 (als Drutelinga) urkundlich erwähnt. 1044 wurde der Ort als Heiratsgut von Agnes mit Kaiser Heinrich III. erwähnt. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die erste Burg errichtet, auch Obere Veste genannt. Die erhaltene Burgruine wird seit Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts durch die Fördergemeinschaft Burg Treuchtlingen e. V. betreut. Um das Jahr 1400 wurde Treuchtlingen zum Markt erhoben, 1495 durch einen Großbrand weitgehend zerstört. Nach dem Tod Gottfried Heinrichs Graf zu Pappenheim in der Schlacht bei Lützen 1632 und dem Erlöschen der Treuchtlinger Linie (1647) fiel Treuchtlingen an die Markgrafen von Ansbach, nach der Mediatisierung 1809 wurde es Teil des Königreichs Bayern. Durch den Bau der ersten Bahnstrecke Treuchtlingen–Gunzenhausen im Jahre 1869 wurde Treuchtlingen zur Eisenbahnstadt. 1898 erhielt Treuchtlingen das Stadtrecht.

Wrackteile einer Dampflokomotive, die beim zweiten Bombenangriff zerstört wurde

Am 23. Februar 1945 erfolgte gegen 11:00 Uhr ein Luftangriff auf den Bahnhof Treuchtlingen (Operation Clarion), in dem gerade der Fronturlauberzug SF 2046 anhielt. Die Reisenden des Zuges flüchteten in die Bahnsteigunterführung, die einen Volltreffer erhielt. In der Bahnsteigunterführung starben 300 Menschen, insgesamt wurden im Bahnhof und der Umgebung fast 600 Menschen getötet und weitere 900 verletzt. Die meisten der Bombenopfer sind in der Gedenkstätte der Kriegsgräberfürsorge auf dem Nagelberg beigesetzt. In der Unterführung, die seit einem Bahnhofsumbau 2004 die Gleise jedoch an anderer Stelle untertunnelt, erinnert eine Marmortafel an die Opfer. Bei einem zweiten Angriff am 11. April wurden keine Menschen getötet, aber unter anderem eine Dampflokomotive vom Typ Bayerische G 3/4 H zerstört. Ein Teil des Wracks wurde im Verlauf des Umbaus gefunden und befindet sich mittlerweile im Bayerischen Eisenbahnmuseum in Nördlingen.

Zur Herkunft des Ortsnamens

Nach einer älteren These steckt im Ortsnamen Treuchtlingen der Personenname Truhtilo. Die Grundschüler durften daher früher das Verslein lernen: „Von Truhtilo dem Alemannen (oder auch Alamannen) hat Treuchtlingen seinen Namen.“ Die Sage berichtet, dass nach dem Limes-Durchbruch der Alamannen um 233 n.Chr. sich alamannische Gruppen an einer Furt der Altmühl niedergelassen haben. Daraus wurde später „Das Dorf des Truhtilo“, Truhtiolingen und schließlich Treuchtlingen.

Dieser Personenname ist aber nirgends belegt. Nach Joachim Grzega ist vielmehr davon auszugehen, dass die ursprüngliche unbekannte Namensform schon früh an das Wort *truht ‘Bündnis’ und später an das Wort triu ‘treu’ angelehnt worden ist (derartige Formen von Volksetymologie finden sich auch bei anderen Ortsnamen)[4].

Religionen und Konfessionen

Die jüdische Gemeinde

Jüdischer Friedhof in Treuchtlingen, 2011

In Treuchtlingen lebten Juden vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert (1939). Eine erste Erwähnung erfolgt im Zusammenhang mit der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49, von der auch die hiesigen Juden betroffen waren. Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand in Treuchtlingen eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Bayern. Die Zahl der jüdischen Einwohner erreichte 1837 mit 282 Personen (17,7 % von insgesamt 1.590 Einwohnern) einen Höhepunkt. Um 1925 wurden noch 115 Gemeindeglieder gezählt. Mehrere jüdische Vereine prägten das Gemeindeleben. Den jüdischen Familien gehörten zahlreiche Handels- und Gewerbebetriebe mit einer erheblichen wirtschaftlichen Bedeutung für die Stadt. Durch die zunehmende Entrechtung nach 1933 und zahlreiche gewaltsame und entwürdigende Aktionen gegen die Juden der Stadt verzogen immer mehr in andere Städte oder wanderten aus Deutschland aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die 1730 erbaute und 1819 neu gebaute Synagoge niedergebrannt. Bis Ende Dezember 1938 verließen mit zwei Ausnahmen alle jüdischen Einwohner die Stadt. Zehn konnten noch auswandern, 62 verzogen innerhalb von Deutschland. Viele von ihnen wurden nach den Deportationen ermordet. Heute erinnert fast nur noch der jüdische Friedhof an die jahrhundertelange jüdische Geschichte in der Stadt, vor allem der seit 1990 dort aufgestellte Gedenkstein, der an die jüdischen Opfer der Shoa aus dem Ort erinnert[5]. Seit 2009 erinnert eine Gedenkstele neben dem ehemaligen "Judenstadel", der heutigen Stadtbibliothek, an alle jüdischen Familien, die einst in Treuchtlingen lebten.

Politik

Stadtrat

Rathaus in Treuchtlingen, 2011

Die 24 Sitze des Stadtrates verteilen sich wie folgt:

CSU SPD FDP FW Treuchtlinger Bürgerliste Gesamt
2002 10 9 1 2 2 24 Sitze
2008 10 9 3 2 24 Sitze

Bürgermeister nach 1945

  • Friedrich Korn, 1946–1956
  • Hans Döbler, 1956–1984
  • Wolfgang Herrmann, 1984–2008
  • Werner Baum jun., ab 1. Mai 2008, nachdem er sich bei den Kommunalwahlen 2008 in einer Stichwahl mit 3102 zu 3000 Stimmen gegen Herrmann durchsetzen konnte.

Partnerschaften

Treuchtlingen unterhält Partnerschaften mit dem italienischen Ponsacco (seit 2003) und mit dem ungarischen Bonyhád (seit 2011).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Obere Veste
  • Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert. Im ehemaligen Stadtschloss in Treuchtlingen wurde am 29. Mai 1594 der spätere Marschall des Dreißigjährigen Krieges, Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim geboren. Er fiel in der Schlacht von Lützen 1632. Auf ihn wird das Zitat aus dem Drama Wallensteins Tod von Friedrich von Schiller gemünzt: „Daran erkenn´ ich meine Pappenheimer“. Im Stadtpark von Treuchtlingen steht eine Replik eines Marterkreuzes, das der Graf am früheren westlichen Zugang zum damaligen Marktflecken errichten ließ.
  • Die Burgruine Obere Veste, Burg Treuchtlingen, aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde von der Fördergemeinschaft Burg Treuchtlingen e. V. seit 1974 in zahlreichen Aktionen saniert. Die bei Ausgrabungen freigelegten Fundstücke sind im Heimatmuseum zu besichtigen. Die Burgruine ist frei begehbar, an Wochenenden, zu denen die Burgstube geöffnet ist, kann auch der Bergfried erklommen werden. Von dort hat man einen guten Überblick über die Stadt.
  • Das Heimatmuseum ist eine ehemalige Posamenten-Fabrik und gegenüber dem ehemaligen Schloss untergebracht. Hier sind eine Dauerausstellung über die Burgruine Treuchtlingen sowie interessante Fundstücke von Ausgrabungen zurück bis in die keltische Geschichte zu sehen.
  • die Lambertuskapelle
  • Markgrafen-Kirche. Nach dem Tod des letzten Pappenheimers Gottfried Heinrich fiel der Markt Treuchtlingen an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, später Brandenburg-Ansbach-Bayreuth, die der Reformation anhingen. 1757 ließ der Markgraf von Ansbach die protestantische Kirche nahe der Altmühl errichten. Das Gotteshaus wurde 1998–2002 renoviert.
  • Kriegsgräberstätte am Nagelberg. Hier sind die rund 300 Toten des Bombenangriffes auf den Bahnhof von Treuchtlingen am 23. Februar 1945 sowie rund 3500 andere gefallene Soldaten und zivile Opfer des Zweiten Weltkrieges bestattet.
  • Jüdischer Friedhof. Der 1773 angelegte und heute geschlossene Friedhof erinnert an die jüdische Gemeinde, die in Treuchtlingen über Jahrhunderte bestand und zu den bedeutendsten der Region zählte. Von Außen einzusehen sind das erhaltene Taharahaus, einige der teils aufwendig gestalteten Grabsteine sowie ein Mahnmal des einheimischen Künstlers Franz Peter Burger, das an die jüdischen Opfer der Gewaltherrschaft 1933 bis 1945 erinnert.
  • Villa Rustica. Am südöstlichen Hang des Nagelbergs, in unmittelbarer Nähe des Weinberghofes, befinden sich die Überreste eines Gutshofes aus römischer Zeit.

Veranstaltungen

  • Burgfest

Am dritten Wochenende im Juni findet alljährlich auf dem Platz unterhalb der Burgruine das Burgfest statt. Zu besonderen Anlässen, 1998 (100 Jahre Stadterhebung - 1000 Jahre Treuchtlingen), 2000 (25 Jahre Burgverein), präsentiert sich das Burgfest in historischem Gewand. Am 23. und 24. Juni 2007 fand ein Historisches Burgfest statt; Anlass war das 30. Burgfest.

  • Treuchtlinger Volksfest

Beginn ist jeweils am zweiten Freitag im Juli. Das Fest dauert zehn Tage. Veranstaltungsort ist der Festplatz.

Vereine

  • ESV Treuchtlingen; VfL Treuchtlingen (Breitensport)
  • Alpenverein Sektion Treuchtlingen
  • Burgförderverein Treuchtlingen e. V.
  • Club 80 e. V. (Kultur, Kabarett, Musik)
  • Kaninchenzuchtverein B512
  • Karnevalsgesellschaft Treuchtlingen
  • eber-hart e.V. (Musik , Jugendtreff in Stadt und Ortsteilen)
  • Schachclub ´74 Treuchtlingen
  • DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) Treuchtlingen
  • Modell-Eisenbahn-Club Treuchtlingen 01 220 e. V.
  • Förderverein der DPSG
  • Kegelverein Alte Franken
  • RV Treuchtlingen
  • Briefmarkensammler - Verein Treuchtlingen e.V.
  • Historischer Uniformen Verein e.V.
  • Treuchtlinger Automobil Club e.V. im ADAC
  • Naturfreunde Deutschlands Ortsgruppe Treuchtlingen

Parks

Die Stadt liegt inmitten des Naturparks Altmühltal und beherbergt einen Kurpark, in dem Skulpturen und Plastiken zu sehen sind.

Fotogalerie

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Treuchtlingen liegt an der Bundesstraße 2.

Bahnhof Treuchtlingen (2005)

Der Bahnhof Treuchtlingen ist einer der wichtigsten Eisenbahnknoten in Bayern; es kreuzen die Strecken Würzburg—Treuchtlingen—IngolstadtMünchen (Altmühlbahn) und Nürnberg—Treuchtlingen—Augsburg. Mit der Eröffnung der ICE-Neubaustrecke Nürnberg–Ingolstadt hat er im Fernverkehr an Bedeutung verloren, bildet jedoch immer noch ein Nadelöhr für den überregionalen Güterverkehr. Der Bahnhof gehört dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg an. Er wurde in den letzten Jahren umfassend modernisiert und wird aktuell von Regionalzügen im BayernTakt wie auch von einzelnen InterCity- und InterCityExpress-Zügen angesteuert (Stand Juli 2011). Im lokalen Güterverkehr hat der Bahnhof seine ursprüngliche Bedeutung verloren, er dient seit Jahren nur noch zur Abstellung von Ganzzügen, hauptsächlich Autotransport- und Kesselwagen, die bei Bedarf aus Ingolstadt (Audiwerke und Raffinerien) abgerufen werden. In Treuchtlingen wird derzeit nur noch unregelmäßig Schotter verladen.

Der Flughafen Nürnberg ist ca. 75 Kilometer entfernt; außerdem gibt es einen Landeplatz in Treuchtlingen-Bubenheim.

Bildung und Forschung

Die Senefelder Schule in Treuchtlingen ist eine staatliche kooperative Gesamtschule

  • mit Mittelschule, Realschule und Gymnasium
  • mit einem Lehrerkollegium
  • mit einer Schulleitung und
  • mit enger Zusammenarbeit gerade auch zwischen den Schulzügen;

sie beherbergt rund 1300 Schüler aus dem gesamten Landkreis Weißenburg - Gunzenhausen.

Im Oktober 2010 hat zu dem die Fachhochschule für angewandtes Management den Betrieb aufgenommen. Erster Studiengang ist Sportmanagement.

Ansässige Unternehmen

  • Altmühltaler Mineralbrunnen, Mineralwasser-Abfüller
  • VC Limonadenfabrik Pledl
  • Stark. Lackiererei, Zulieferer der Automobilindustrie
  • Treuchtlinger Marmorwerke, Ortsteil Haag. Steinbruch
  • Alfmeier Präzision AG, Zulieferer der Automobilindustrie
  • KB-Kunststoffbeschichtung, Oberflächenbeschichtung und Formenbau
  • Franken-Schotter, Ortsteile Dietfurt und Möhren. Steinbruch
  • Jura Marmorwerk Teich, Ortsteil Gundelsheim. Steinbruch
  • Hans Hirschmann KG Bauunternehmung GmbH & Co, Straßen-, Kanal- und Hochbau
  • Krauss Maffei, Hersteller für Kunststoffmaschinen

Medien

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Friedrich Grahl (1846–1907), Erster Bürgermeister der Stadt
  • Elkan Naumburg (1835–1924), Stipendiat der Stadt. Baute in den USA das Bankhaus E. Naumburg & Co. an der Wall Street auf. Gründete einen Kindergarten in Treuchtlingen und spendete regelmäßig hohe Summen.
  • Heinrich Aurnhammer (1856–1926), Fabrikant und Stifter eines Altersheims.
  • Johann Lindner (1873–1952), Heimatforscher
  • Johann Ott (1879–1968)
  • Julius Kelber (1900–?), Pfarrer, Initiator der Gründung des „Vereins für Innere Mission Pappenheim und Weißenburg mit dem Sitz in Treuchtlingen“, Träger des Bundesverdienstkreuzes[6]
  • Josef Lidl (1911–1999), Heimatforscher, Mitbegründer des Heimatmuseums

Söhne und Töchter der Stadt

  • Gottfried Heinrich zu Pappenheim (1594–1632), während des Dreißigjährigen Krieges Befehlshaber eines Reiterregimentes in Diensten der Liga und des habsburgischen Kaisers.
  • Georg Burckhardt (1539–1607), geboren in Wettelsheim, Professor für Rhetorik und Logik an der Universität Tübingen
  • Albert Stöckl (1823–1895), geboren in Möhren, Professor und Reichstagsabgeordneter (Zentrum)
  • Ludwig Fels (* 1946), Schriftsteller

Sonstiges

Im Jahr 2001 stellte die Stadtverwaltung Treuchtlingen mit Heinz-Markus Gräsing als IT-Leiter als bundesweit erste Stadt ihre Infrastruktur auf freie Software um. Zu diesem Zeitpunkt fiel der Umstieg zum Teil noch sehr schwer, da die IT-Branche darauf nicht vorbereitet war. Drei Jahre später feierte man am 24. November 2004 mit den beteiligten Firmen das dreijährige Bestehen der neuen Infrastruktur unter dem Titel 1000 Tage Tux. Zu diesem Zeitpunkt gestand der Bürgermeister als einer der größten Kritiker der Stadt erstmals ein, dass er den Schritt wieder tun und ab sofort die Migration unterstützen würde. Aus den Migrationsbemühungen der Stadt Treuchtlingen und der daraus entstandenen Plattform Open-Government entwickelten sich viele Kooperationen, mit denen weitere Stadtverwaltungen bei diesem Schritt unterstützt werden konnten.

Literatur

  • Daniel Burger/Birgit Friedel: Burgen und Schlösser in Mittelfranken; ars vivendi verlag: Cadolzburg 2003; S. 125–128; ISBN 3-89716-379-9.
  • Werner Somplatzki: Kirchen in Altmühlfranken; (Reihe Gelbe Taschenbuch-Führer); wek-Verlag: Treuchtlingen 1990; ISBN 978-3-924828-34-9; hier: S. 70–73 u. 76–85.
  • Walter E. Keller: Treuchtlingen; (Reihe Gelbe Taschenbuch-Führer); wek-Verlag: Treuchtlingen/Berlin 2006; ISBN 978-3-934145-31-3.
  • Walter E. Keller (Hrsg.): Das Dorf Schambach; wek-Verlag: Treuchtlingen 2002; ISBN 978-3-934145-15-3.
  • Gotthard Kießling: Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. (Denkmäler in Bayern, V 70/1); München 2000; ISBN 3-87490-581-0.
  • Jörg und Rolf Frank; Eisenbahnkreuz Treuchtlingen; BUFE Verlag München;
  • Arthur Rosenbauer; "Vergessene Geheimnisse, wiederentdeckt....."; wek-Verlag: Treuchtlingen/Berlin 2010; ISBN 978-3-934145-81-8

Weblinks

 Commons: Treuchtlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?val=1522&attr=OBJ&modus=automat&tempus=20111025/225346&hodie=20111025/225350
  3. König/Renn, Kleiner Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben, Augsburg 2007, S. 25 und 30.
  4. Joachim Grzega: „Zur Geschichte des Ortsnamens Treuchtlingen in Mittelfranken“, Jahrbuch für fränkische Landesforschung 66 (2001): 1–8.
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 195
  6. Notizen des Diakonischen Werkes über Pfarrer Kelber



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