Treffen in Torgau


Treffen in Torgau
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Torgau
Torgau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Torgau hervorgehoben
51.56027777777813.00555555555678Koordinaten: 51° 34′ N, 13° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Leipzig
Landkreis: Nordsachsen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Torgau
Höhe: 78 m ü. NN
Fläche: 90,33 km²
Einwohner: 20.241 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 224 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 04860, 04889
Vorwahlen: 03421, 034221
Kfz-Kennzeichen: TDO (früher TO, davor TG)
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 310
Adresse der Stadtverwaltung: Markt 1
04860, 04889 Torgau
Webpräsenz:
Oberbürgermeisterin: Andrea Staude (SPD)
Lage der Kreisstadt Torgau im Landkreis Nordsachsen
Karte
Großes Torgauer Wappen

Torgau ist eine Große Kreisstadt mit etwa 20.000 Einwohnern und Verwaltungssitz des Landkreises Nordsachsen in Sachsen. Mit zwei weiteren Gemeinden bildet Torgau die Verwaltungsgemeinschaft Torgau.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Stadtgliederung

Ortsteile sind Beckwitz, Bennewitz, Graditz, Klein Kranichau, Kranichau, Kunzwerda, Loßwig, Melpitz, Mehderitzsch, Repitz, Staupitz, Werdau, Weßnig.

Klima

Klimadiagramm von Torgau[2]

Die durchschnittlich Lufttemperatur in Torgau beträgt 8,7 °C, der jährliche Niederschlag 541 Millimeter.

Geschichte

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort unter dem Namen Torgove in einem Dokument aus dem Jahr 973. Wann der Ort eine Stadt wurde, ist nicht datiert. Zumindest aus dem Jahr 1267 findet sich eine Notiz, die von der Stadt Torgau spricht.

1344 erfolgte die Ersterwähnung der Bürgerwehr Die Geharnischten im Städtebund Torgau, Oschatz und Grimma, die in der Wurzener Fehde 1542 Berühmtheit erlangte.

1485 fand die Leipziger Teilung zwischen den Brüdern Ernst und Albert statt. Ernst machte Torgau zur Residenz seines Machtbereiches. 1529 verfasste Martin Luther aus dem nahen Wittenberg gemeinsam mit Jonas, Melanchthon und Bugenhagen die Torgauer Artikel. Doch schon 1547 war es vorbei mit der Residenzstadt: Der Kurfürst Johann Friedrich verlor gegen Kaiser Karl V., und sein Fürstentum wurde dem seines Vetters Moritz in Dresden zugeschlagen.

1552 reiste Luthers Witwe, Katharina von Bora, nach Torgau, um sich vor der in Wittenberg ausgebrochenen Pest in Sicherheit zu bringen. Bei einem Kutschenunfall brach sie sich jedoch das Becken und starb drei Wochen später, am 20. Dezember 1552, in Torgau.

In ihrem Sterbehaus befindet sich heute ein ihr gewidmetes Museum, und ihr Grabmal in der Kirche St. Marien ist eine der Torgauer Sehenswürdigkeiten.

Am 3. November 1760 fand mit der Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen die letzte große Schlacht des Siebenjährigen Krieges statt.

Im Jahr 1811 wurde auf Befehl Napoleons die Festung ausgebaut, was jedoch nicht seine Niederlage verhinderte. Torgau fiel nach dem Willen der Sieger und den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 an Preußen.

Zur Zeit des Nationalsozialismus, in den Jahren von 1943 bis 1945, war Torgau Sitz des Reichskriegsgerichts. Im Wehrmachtgefängnis Torgau auf Fort Zinna wurden über 1.000 Todesurteile verhängt und vollstreckt. Opfer der Hinrichtungen waren Wehrdienstverweigerer, Zeugen Jehovas, Widerstandskämpfer, amerikanische Kriegsgefangene u. a. Heute befindet sich hier ein von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten betreutes Museum.

Torgauer Rathaus

Torgau erlangte Ende des Zweiten Weltkrieges internationale Berühmtheit, als sich am 25. April 1945 sowjetische und amerikanische Truppen an der Elbe bei der Stadt trafen und am 26. April 1945 dieses Ereignis nochmals für die Kameras nachträglich auf der zerstörten Elbebrücke in Szene setzten. Der erste Kontakt der beiden Armeen während des Krieges in Europa fand bereits am 25. April 1945 in Strehla, 30 Kilometer entfernt von Torgau, an der Elbe statt. Heute erinnert der Elbe Day als Gedenktag an dieses symbolische Ereignis. Einer der damals am Treffen teilnehmenden US-Soldaten, Joe Polowsky, setzte sich später für die Anerkennung des 25. April als "Weltfriedenstag" ein. Gemäß seinem letzten Willen wurde er nach seinem Tod 1983 auf dem evangelischen Friedhof in Torgau begraben.

Von September 1945 bis Oktober 1948 betrieb der NKWD in Torgau die Speziallager Nr. 8 und Nr. 10. Sie waren im früheren Wehrmachtgefängnis Fort Zinna und der nahegelegenen Seydlitz-Kaserne untergebracht. Während Nr. 8 vor allem nationalsozialistisch Belastete internierte, diente Nr. 10 als Durchgangsstation für politische Häftlinge, die als potentielle Gefahr für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung angesehen wurden, und auch für Sowjetbürger, in sowjetische Internierungslager. In drei Jahren verstarben in Torgau etwa 1.500 Gefangene.[3] ( Speziallager Nr. 8 Torgau (Fort Zinna) und Speziallager Nr. 10 Torgau (Seydlitz-Kaserne) )

Zwischen 1964 und 1989 gab es in Torgau einen Geschlossenen Jugendwerkhof. [4]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Torgau, das zuvor dem ehemaligen preußischen Regierungsbezirk Merseburg angehörte, Teil des neu gegründeten Landes Sachsen-Anhalt. 1952 folgte dann im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR die Zuordnung zum Bezirk Leipzig. Als mit der Wiedervereinigung 1990 die Grenzen der neuen Bundesländer festgelegt wurden, wurde Torgau im Ergebnis einer Volksbefragung schließlich wieder sächsisch.

Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1994 wurden Graditz und Melpitz eingemeindet. Am 1. Januar 2009 erfolgte die Eingemeindung der zuvor selbstständigen Gemeinde Pflückuff, das Stadtfläche wurde dadurch von 42,08 km² auf 90,33 km² mehr als verdoppelt.

Einwohnerentwicklung

Denkmal anlässlich des Zusammenschlusses der Alliierten Truppen

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

  • 1831 - 6440
  • 1885 - 10.988 1
  • 1946 - 18.455 2
  • 1950 - 19.683 3
  • 1960 - 19.690
  • 1981 - 21.222
  • 1984 - 21.508
  • 1999 - 19.571
  • 2002 - 19.062
  • 2004 - 18.843
  • 2005 - 18.719
  • 2007 - 17.837
Datenquelle ab 1999: Statistisches Landesamt Sachsen

1 einschließlich Garnison (4. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 72, Pionier-Bataillon Nr. 3 und I. Abteilung/1. Thüringisches Feldartillerie-Regiment Nr. 19)
2 29. Oktober
3 31. August

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss Hartenfels

Nahe der Elbe steht Schloss Hartenfels, ein prachtvoller Renaissancebau, der Sitz der ernestinischen Wettiner war und u. a. die Dauerausstellung Torgau - Ein Fürstenhof der Renaissance beherbergt. Die Aufführung der ersten deutschsprachigen Oper fand ebenfalls im Schloss Hartenfels statt, nämlich der Oper „Daphne“ mit der Musik von Heinrich Schütz. Der Torgauer Marsch wurde nach Torgau benannt.

Von Mai bis Oktober 2004 fand in Torgau die 2. Sächsische Landesausstellung statt. Im Mittelpunkt stand die Reformationsgeschichte.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jährlich im August findet das Endless-Summer-Open-Air, ein zweitägiges Musik-Festival mit zwei Bühnen und Camping-Gelände, im Entenfang statt. Im Brückenkopf Torgau finden mehrmals pro Monat Rockkonzerte statt, organisiert werden diese vom sozial-jugendorientierten Verein IG Rock e.V. . Auch die Kulturbastion Torgau ist ein beliebter Anlaufpunkt für die Bürger der Stadt während des Wochenendes.

Gedenkstätten

  • Ein Gedenkstein aus dem Jahre 1948 auf dem Evangelischen Friedhof an der Torgauer Straße erinnert an 160 Männer, die im Zweiten Weltkrieg als Insassen des Wehrmachtgefängnisses Torgau Opfer der Wehrmachtsjustiz geworden sind.
  • Eine Grabstätte mit Gedenktafel auf dem gleichen Friedhof erinnert an den kommunistischen Kreistagsabgeordneten Alfred Holzweißig, der nach Verhaftung und Folterung 1935 in den Freitod ging. Eine Gedenktafel an seinem letzten Wohnhaus in der Holzweißigstraße 14 erinnert ebenfalls an ihn.
  • Der Sowjetische Ehrenfriedhof mit seinem Obelisken erinnert an die dort begrabenen Zwangsarbeiter(innen und ihre Kinder), an Kriegsgefangene, die Opfer von Zwangsarbeit wurden, sowie an getötete Rotarmisten.
  • Ein Denkmal auf einer Grünanlage am Friedrichplatz ist allen Opfern des Faschismus gewidmet.
  • Das Denkmal am Elbufer erinnert an die Begegnung von sowjetischen und US-amerikanischen Truppen im April 1945.
  • Ein Gedenkstein am Harnack-Ring erinnert an den führenden Kopf der Widerstandsorganisation Rote Kapelle Arvid Harnack, der in Berlin-Plötzensee ermordet wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die drei größten Arbeitgeber in Torgau sind der Autozulieferer Flachglas Torgau GmbH mit 550 Mitarbeitern, die Porzellanmanufaktur Villeroy & Boch und die Justizvollzugsanstalt Torgau.

Bildung

In Torgau befinden sich mehrere Grundschulen, die Katharina-von-Bora-Mittelschule und die Mittelschule Nordwest Torgau, das Johann-Walther-Gymnasium sowie das Berufsschulzentrum-Torgau.

Verkehr

Der Bahnhof Torgau liegt an der Eisenbahnstrecke Leipzig/Halle (Saale)Falkenberg/ElsterCottbus, die 1872 als Teilstrecke der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn mit der Elbebrücke bei Torgau eröffnet wurde und heute von Zügen der DB Regio befahren wird. In der Vergangenheit war Torgau auch Ausgangspunkt der Bahnstrecke Torgau-Belgern, die zwischen 1915 und 1995 die Kreisstadt Torgau mit der Stadt Belgern verband, sowie der Bahnstrecke Pretzsch–Torgau, die zwischen 1895 und 1997 von Torgau nach Pretzsch (Elbe) fahrplanmäßig mit Personenzügen befahren wurde.

Torgau liegt am Kreuzungspunkt dreier Bundesstraßen: der B 87, der B 182 und der B 183, von denen die B 87 und die B 183 die Elbe auf der Elbebrücke überqueren.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Quellen

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Bevölkerungsentwicklung
  2. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  3. Jan v.Flocken/Michael Klonovsky Stalins Lager in Deutschland, Ullstein 1991, ISBN 3-550-07488-3
  4. Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

Weblinks


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