Tiroler Kaiserjäger


Tiroler Kaiserjäger
Kaiser Franz Joseph I. in der Paradeadjustierung der Jägertruppe

Die Kaiserjäger (offizielle Bezeichnung der k.u.k. Militäradministratur: Tiroler Jäger-Regimenter, Kaiserjäger war lediglich eine zusätzliche Bezeichnung) waren vier Infanterieregimenter der k.u.k. Armee. Trotz dem landsmannschaftlichen Hinweis „Tirol“ rekrutierten sich die Angehörigen aus allen Teilen der Monarchie.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Als erste stehende Truppe Tirols muss man das 1703 aus Tirolern errichtete Tiroler Landbataillon ansehen. Dieses wurde 1745 durch das Tiroler Feld- und Landregiment ersetzt, welches den Rang und die Prärogativen eines kaiserlichen Regiments erhielt und unter der Stammnummer 46 geführt wurde. Durch die politischen Verhältnisse während der Napoleonischen Ära bedingt, stellte man 1801 das Regiment auf Dauer in das (damals noch) österreichische Venetien ab, wodurch es seinen ursprünglichen Namen verlor.

Als Nachfolger in Tirol errichtete man aus einem Tiroler Jägerkorps und dem Bataillon der Kurzschen Jäger das Tiroler Jäger-Regiment Nr. 64. Nachdem Tirol an Bayern gefallen war, wurde der Namen Tiroler Jäger zurückgezogen und in die Vakanz gestellt. Nach Rückkehr Tirols zu Österreich begann man unverzüglich mit der Neuaufstellung eines Tiroler Jägerkorps, das zunächst aus einem Bataillon bestand, später aber auf drei Bataillone erweitert wurde. Inhaber des Korps wurde Feldmarschallleutnant Franz Philipp Fenner von Fenneberg (1762-1824), wovon sich auch die zeitweilige Bezeichnung Fennerjäger ableitete.

Im Frühjahr 1815 ordnete Kaiser Franz I. die Errichtung eines Kaiser-Jäger-Regiments zu vier Bataillonen und 16 Kompanien an. Mit dem 16. Januar 1816 begann die Aufstellung dieses Regiments.

Die Soldaten dieses Regimentes in der Stärke von 5.000 rekrutierten sich durch die Konskription - bis zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 wurde die Stellung durch Los bestimmt -, weiterhin durch die Übernahme von 1.400 Mann aus dem ehemaligen Fennerjägerkorps und von 600 Tiroler Soldaten, welche nach Ende der Napoleonischen Kriege wieder in die Heimat zurückkehrten. Betrug die Dienstzeit anfangs 12 Jahre, verringerte sich diese später über 8 auf 6 Jahre, wobei die Bezahlung der Soldaten angemessen war.

33 Jahre lang blieb die Organisation des Regiments unverändert, bis im Jahre 1849 eine Umformierung in sechs Bataillone zu vier Kompanien und ein Bataillon zu sechs Kompanien vorgenommen wurde. 1859 wurde ein zusätzliches 8. Bataillon aufgestellt. Im Jahre 1863 erfolgte abermals eine Umstrukturierung, das Regiment hatte nunmehr sechs Bataillone zu je sechs Kompanien und ein Depotbataillon, aus dem im Mobilmachungsfall ein siebtes Bataillon entstehen sollte.

Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 bestand das Regiment aus sieben Bataillonen, sieben Reserve-Kompanien und einem Ergänzungs-Bataillonskader. Im Jahre 1880 wurde das Regiment durch Zuweisung von aufgelösten Feldjäger-Bataillonen auf einen Stand von zehn Bataillonen gebracht. Am 1. Mai1895 wurde das Personal durch Zuweisungen aus der Feldjägertruppe nochmals verstärkt und das Regiment in vier Jäger-Regimenter zu je vier Bataillonen aufgegliedert. Die neu aufgestellten Regimenter erhielten die Bezeichnung Kaiserliches und königliches 1., 2., 3., und 4. Tiroler-Jäger-Regiment "Kaiserjäger".

Regimentsinhaber war stets der Kaiser persönlich, die Zweitinhaber sowie die Kommandanten wurden durch ihn persönlich ernannt.

Gliederung

Kaiserjäger in Paradeadjustierung

Aufgestellt wurden die vier Regimenter 1895 wie folgt:

  • Das 1. Regiment mit Stab / II. / III. und IV. Bataillon in Innsbruck, das I. Bataillon in Bregenz
  • Das 2. Regiment mit Stab / I. / II. und IV. Bataillon in Wien, das III. Bataillon in Brixen
  • Das 3. Regiment mit Stab / III. und IV. Bataillon in Trient, I. Bataillon in Riva und II. Bataillon in Rovereto
  • Das 4. Regiment mit Stab / II. / III. und IV. Bataillon in Lienz, das I. Bataillon in Hall i. Tirol

Bedingt durch das, in Österreich-Ungarn übliche häufige Wechseln der Garnisonen, lagen die Einheiten (offizielles Kürzel: TJR = Tiroler Jäger Regiment) 1914 in den folgenden Städten der drei Tiroler Landesteile (Süd- Nord- Welschtirol/Trentino) in Garnison:

  • 2.Regiment
  • Kommandant: Oberst Alexander Brosch von Aarenau
    Stab / I. / II. Bataillon in Bozen
    III. Bataillon in Meran
    IV. Bataillon in Brixen
  • 3.Regiment
  • Kommandant: Oberst Heinrich Vonbank
    Stab / II. / III. Bataillon in Rovereto (Rofreit)
    I. Bataillon in Riva del Garda
    IV. Bataillon in Trient
  • 4.Regiment
  • Kommandant: Oberst Ernst Dietrich
    Stab / III. Bataillon in Trient
    I. Bataillon in Mezzolombardo (Welschmetz)
    II. Bataillon in Mezzocorona (Kronmetz)
    IV. Bataillon in Hall in Tirol

Kampfeinsätze

Orden eines Kaiserjägers
Detail: Gefallenenendenkmal 1866

Leistungen der Kaiserjäger sind die Erstürmung des Casina Fersada am 23. Februar 1849, der Sturm auf das Dorf Pregasina am 16. Juni 1848, das Nachtgefecht in Volta am 26. Juni 1848, die Eroberung einer französischen Kanone am 4. Juni 1859 in Magenta, die Erstürmung von Oliosi am 24. Juni 1866, der Sturm auf die Insurgentenstellung im Kremenac am 21. Oktober 1878 während der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina.

Außer an unmittelbar militärischen Kampfeinsätzen waren die Kaiserjäger auch am Ausbau von militärisch wie auch zivil nutzbarer Infrastruktur beteiligt: Von Levico Terme im Val Sugana aus legten die Kaiserjäger in den 70er- und 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts den Kaiserjägersteig an, der auf die Hochebene von Lusern und der Sieben Gemeinden führt und an der Malga Monterovere (1255 m) endet.

Die auf dem Bild ersichtlichen Orden und handschriftlichen Vermerke eines Zugsführers der Kaiserjäger zeugen von den Einsätzen während des Ersten Weltkrieges:
Dieser Kaiserjäger (später Hochgebirgs - Kompanie Nr. 30) kämpfte:

Dafür wurde er mit den folgenden Orden ausgezeichnet:

  • Die silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse
  • die silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse
  • die bronzene Tapferkeitsmedaille
  • das Karl-Truppenkreuz
  • die Verwundetenmedaille für 1malige Verwundung (am 20. September 1918 am Zigolon - Adamello-Presanella)
  • die Ehrenmedaille des Landes Tirol an seine Verteidiger
Kaiserjägerfriedhof in Hijce/Ukraine nahe Rawa Ruska

Die Kaiserjäger waren keine Gebirgstruppe, sondern reguläre Infanterie. Das gut ausgebildetes Friedenspersonal wurde während des Feldzuges in Galizien regelrecht aufgeopfert und konnte nicht mehr im gleichen Umfang ersetzt werden. In der Schlacht von Gorlice-Tarnow verlor das 2. Regiment fast 80 % an Gefallenen, Verwundeten, Vermissten - am 2. und 3. Mai 1915 allein 26 Offiziere, sowie über 600 Unteroffiziere und Mannschaften. Das 4. Regiment verlor an diesen beiden Tagen 1300 Mann.

Im Herbst 1915 wurden die Kaiserjäger und Landesschützen an die Hochgebirgs- und Isonzofront verlegt, um die sich hier verzweifelnd gegen die italienischen Angriffe wehrenden Standschützen und geringen regulären Kräfte zu unterstützen und die Front zu stabilisieren.

Ein hoher Prozentsatz (ca 40%) der Kaiserjäger bestanden aus Trientinern (sog. Welschtirolern). Der Rest setzte sich aus Tirolern und Angehörigen der restlichen Monarchie zusammen. Trotz der vielen italienischsprachigen Jäger, kam es bei den Kämpfen gegen das Königreich Italien zu so gut wie keinerlei Desertationen, obwohl man in Italien regelrecht davon ausgegangen war, daß die "Brüder aus den unerlösten Gebieten (Irredenta) freudig streben in den Schoß der Mutter Italia" (Gabriele d'Annunzio). Umso größer war die Enttäuschung als die Männer des Trentino keinerlei Neigungen zeigten die Front zu wechseln, da sie nicht erlöst werden wollten. Ganz im Gegenteil kursierte bereits im Jahre 1916 bei den Fanti (Infanteristen) und Alpini das geflügelte Wort: "Dio ci liberi degli Irredenti!" (Gott befreie uns vor den Unerlösten)[1] .

Wegen möglicher Unruhen in der tschechischen Provinz, verlegte man das 2. TJR im Jahre 1916 mit Garnison (bzw. dem Ersatzbataillonskader) nach Beneschau in Böhmen.

Uniformierung

Major der Jägertruppe in Paradeadjustierung

Die Uniformierung war bei der Jägertruppe, abgesehen von kleineren Details gleich. Als Paradekopfbedeckung diente der Hut aus mattschwarzem, wasserdichtem Filz. Er bestand aus dem Stutz samt Krempe und war mit einer grünen Rundschnur, dem Jägeremblem und einem Federbusch aus schwarzen Hahnenfedern ausgestattet. Die Hutschnur war aus Schafwolle, hatte einen Schubknopf und an beiden Enden je eine mit grüner Wolle überzogene und an den Enden netzartig überflochtene Eichel. Die beiden Eicheln waren am Hutsturz hinten angebracht. Die Schnur für Offiziere war aus schwarz durchwirktem Goldgespinst.

Der Sturz wies die Form eines ovalen Kegels auf, mit einem oben mäßig gebauchten Boden. Die Krempe war hinten und vorn flach gelegt, an beiden Seiten jedoch aufwärts gestülpt. Der Rand der Krempe war mit schwarzem, lackiertem Kalbsleder eingefasst.

An der linken Seite des Sturzes gab es eine rückwärts geneigte Hülse aus Hutfilz zur Befestigung des Federbusches. Das Hutemblem – aus goldfarbenem Metall – bestand aus dem Jägerhorn. In der Windungslichte war bei den Kaiserjägern der Tiroler Adler aus versilbertem Pakfong angebracht. Das Emblem wurde über der Federhülse befestigt, sodass der Adler die gleiche schiefe Richtung zeigten wie die Buschhülse. Der Federbusch war in der Form eines Hahnenschweifs auf einem 1,5 mm starken Stück Eisendraht aufgebunden. Die Länge des Federbuschs betrug 29 cm. Der Busch wurde in die Hülse am Hut gesteckt, sodass die Federn nach hinten bogenförmig herabhingen.

Feldmarschmäßig wurde die Feldkappe der Infanterie verwendet.

Der Waffenrock der Jäger war – bei den Mannschaften und Offizieren – im Schnitt entsprechend der Infanterie. Der Mannschaftsrock aus hechtgrauem Tuch hatte Achselspangen, Achselwülste, Kragen und Ärmelaufschläge von grasgrüner Farbe. Die Knöpfe aller Jägerformationen waren gelb und mit der Bataillonsnummer versehen.

Die Bluse der Jäger hatte die gleiche Farbe wie der Waffenrock. Die Truppengattungszugehörigkeit wurde durch grasgrüne Parolis gekennzeichnet. Hinsichtlich der übrigen Ausrüstung gab es keinen Unterschied zur Linieninfanterie.

Oft werden die Kaiserjäger mit den Tiroler Kaiserschützen verwechselt, die der k.k. Landwehr angehörten, und ebenso Teil der regulären Streitkräfte Österreich-Ungarns waren. Die Verwechslung entsprang dem Dekret vom April 1917, in dem Kaiser Karl I. den Tiroler Landesschützen den Titel Kaiserschützen verlieh. (Die Landesschützen trugen eine andere Uniform.)

Im Sinne der Traditionspflege hat der im Jahr 2000 in die Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie zu Wiener Neustadt eingetretene Jahrgang sich den Namen Kaiserjäger gegeben. Im Jahr 2004 wurden die 82 Absolventen als Berufsoffiziere in das österreichische Bundesheer übernommen.

Literatur

  • Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Kaiserjäger – Ruhm und Ende. Leopold Stocker Verlag, Graz 1977
  • E. Wißhaupt: Die Tiroler Kaiserjäger im Weltkrieg 1914–1918 (ohne J.)
  • Generalmajor K. Freiherr von Lütgendorf: Die historische Entwicklung des Landesverteidigungswesens, der Kaiserjäger und Landesschützen, Wien 1914
  • Dr. Bernhard Wurzer: Tirols Heldenzeit, Innsbruck 1959

Einzelnachweise

  1. C.H. Baer „Die Kämpfe um Tirol und Kärnten“ (Die Parlamentsschlacht und die Winterkämpfe) S. 11 - Hoffman Verlag Stuttgart

Weblinks


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