Till Nikolaus von Heiseler

Till Nikolaus von Heiseler

Till Nikolaus von Heiseler (* 1962 in Braunschweig) ist ein deutscher Autor, Regisseur und Performer.

Till Nikolaus von Heiseler wird als erster Sohn des Privatgelehrten, Dichters und Übersetzers Johannes Henrich von Heiseler und seiner Frau Ingrid geboren. Er ist der Enkel des Schriftstellers Bernt von Heiseler und Urenkel der Schriftstellers Henry von Heiseler. Kurz vor der Einschulung siedelt er in die Arbeiterstadt Wolfsburg über. Seinen ersten Text veröffentlicht er bereits im Alter von acht Jahren in der Wochenzeitung DIE ZEIT[1]

Ab 1990 entwickelt er Freie Produktionen sowohl in Basel als auch in Berlin (Tacheles)[2]. Zwischen 1991 und 1993 inszeniert er am Kleist-Theater Frankfurt/Oder seine eigenen Stücke.[3], aber auch Hörspiele am Saarländischen Rundfunk und im Deutschlandradio. Wichtige Partner sind die Komponisten Conrado del Rosario, Helmut Oehring und die Schauspielerin und Performerin Michaela Caspar. 1994 bricht er überraschend mit dem Theater und beendet seine Arbeit als Dramatiker und Theaterregisseur, um sich mit offeneren künstlerischen Formen und vor allem Performance und „Unsichtbarer Literatur“ zu beschäftigen.

Ab Mitte der 90er Jahre wird er Teil einer literarischen Gruppierung, die eine „Unsichtbare Literatur“ vertritt. Diese schließt insbesondere an den Moskauer Konzeptualismus, das Unsichtbare Theater von Augusto Boal und die „Literatur der Hinterzimmer“ an. Literarische Werke werden hier bewusst nur in einem kleinen Kreis gelesen, weitergegeben und diskutiert. Darüber hinaus werden literarische Formen gewählt, die nicht sofort als Literatur zu erkennen sind (Briefe an Behörden, Klo-Sprüche, Performances).

Zusammen mit Michaela Caspar entwickelt Heiseler die Performances Ein sehr kurzes Stück für Bankdirektoren [4][5][6][7][8], 21. August 1997 und das Projekt Neue Länder - Neue Identitäten (eine fiktive Infobox der Bundesregierung).[9] Ab 2001 beginnt er sich mit Video zu beschäftigen und entwickelt im Kollektiv der Neuen Methodiker e.V. neue Methoden der Produktion und Distribution von Bewegtbildmedien (Video). Diese Methoden sind dem Unsichtbaren Theater und der Performance verpflichtete Techniken und arbeiten in der Regel mit der Vermischung von Fiktion und Realität. Oft wird mittels performativer Methoden eine Realität hergestellt, die dann mit Handkameras dokumentiert wird.

Heiseler ist Autodidakt und lehrte an folgenden Universitäten: Freie Universität Berlin, Technische Universität Berlin, Humboldt Universität Berlin, Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Seine Methoden der Wissensinszenierung und der Wissensmoderation für Forschung und Lehre basieren auf medientheoretischen Überlegungen und auf inszenatorischem und theatralem Praxiswissen. 2007 beginnt er gemeinsam mit Jan-Peter E.R. Sonntag im Tesla Berlin mit einer Salonreihe zum Thema „Narrationen im elektronischen Zeitalter“[10], die er nun gemeinsam mit der transmediale weiterführt. Sein 2008 veröffentlichtes Buch Medientheater, Kadmos Berlin (mit Wolfgang Ernst, Dirk Baecker u.a.) thematisiert die Entwicklung neuer Theorieformate und ist gleichzeitig selbst ein Experiment. Till Nikolaus von Heiseler ist Gründer des Kollektivs der NEUEN METHODIKER e.V (2001) und Mitbegründer des Possible World e.V (zusammen mit Michaela Caspar). Zur Zeit beschäftigte er sich neben seinen künstlerischen Projekten vor allem mit Medientheorie und Wissensinszenierung. Er ist Vater der Zwillinge Anton und Emilia von Heiseler (*1994) und lebt als künstlerischer Leiter des Formatlabors in Berlin.

Monografien (Auswahl)

  • 1983 Schwarze Rosen (Lyrik), Göttingen
  • 1991 Der Tag mit der Frau mit den Blumen u.a. Theaterstücke, edition sisyphos, Berlin ISBN 3927885118.
  • 2008 Medientheater - Inszenierte Medientheorie (Theorie), Kulturverlag Kadmos, Berlin, ISBN 3865990487, ISBN 978-3865990488.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Nr. 45, Freitag, den 6. November 1970, S. 70, Rubrik "Bis 20"
  2. Der moderne Mann - allein unter Frauen, BZ 30. Juni 1994, S. 46 (ganzseitig)
  3. Die Bauchschläferin, Rhein-Zeitung (DPA), 13.Mai 1992, S.12
  4. Theater ist überall, die tageszeitung, 10. April 1997, S. 27.
  5. Kunst im Geldraum Neues Deutschland 10. April 1997
  6. Der Kopf voll Vogelgeschwittscher, Potsdamer Stadtkurier, Dienstag, 30. Dezember 1997
  7. Kniefall vor Bankautomat unerwünscht, die tageszeitungHamburg
  8. Polizeieinsatz beendet Performance, Die Welt, 19. August 1997
  9. Provokantes Kunsterlebnis als gesellschaftliche Kritik in der Potsdamer Innenstadt, Der Potsdamer, 7. Januar 1998
  10. http://www.tesla-berlin.de/page316.html

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