Terezín

Terezín
Terezín
Wappen von Terezín
Terezín (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Litoměřice
Fläche: 398 ha
Geographische Lage: 50° 31′ N, 14° 9′ O50.51111111111114.150555555556150Koordinaten: 50° 30′ 40″ N, 14° 9′ 2″ O
Höhe: 150 m n.m.
Einwohner: 3.064 (1. Jan. 2011) [1]
Postleitzahl: 411 55
Kfz-Kennzeichen: U
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Růžena Čechová (amtierend) (Stand: 2007)
Adresse: Náměstí ČSA 179
411 55 Terezín
Gemeindenummer: 565717
Website: www.terezin.cz

Terezín (deutsch Theresienstadt) ist eine im 18. Jahrhundert als Festung errichtete Stadt mit 3037 Einwohnern (Stand 2010) im Okres Litoměřice (Bezirk Leitmeritz) in der Ústecký kraj in Tschechien. Die ehemalige Garnisonsstadt wurde durch das Konzentrationslager Theresienstadt bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

Die Stadt liegt 150 m ü.M. in Nordböhmen, am Ufer der Ohře (Eger), die wenige Kilometer entfernt in die Labe (Elbe) mündet.

Flüsse und Städte in Nordböhmen – Terezín rot markiert

Ortsteile

Zur Stadt Terezín gehören die Ortschaften České Kopisty (Böhmisch Kopist), Nové Kopisty (Deutsch Kopist) und Počaply (Potschapl).

Verkehr

Terezín liegt etwa 10 km von der Autobahn D8 entfernt, die an der Stadt im Westen vorbeiführt. Sie ist über die Abfahrten 45 Lovosice und 35 Doksany erreichbar.

Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind in 3 km Bohušovice nad Ohří an der Bahnstrecke Praha–Děčín und in 5 km Litoměřice an der Bahnstrecke Kolín–Děčín[Anm. 1]

Der Elberadweg führt durch die Stadt.

Geschichte

Hauptplan von Theresienstadt (1790)

Während der Regierungszeit Kaiser Josephs II. wurde Theresienstadt ab 1780 als eine Festung erbaut. Sie sollte die nordwestlichen Zugänge Böhmens gegenüber militärischen Angriffen aus Preußen schützen. Dazu sichert sie gemeinsam mit Litoměřice die Flussübergänge über Elbe und Eger. Die Stadt wurde nach Maria Theresia benannt, der Mutter von Joseph II.

Entstehung 1780–1790

Der amtliche Erlass zum Bau der Festung erfolgte am 10. Januar 1780. Zehn Monate später wurde am 10. Oktober 1780 der Grundstein bei dem auf der Hauptachse liegenden Kavalier 4 gesetzt. Das erste Gebäude, das entstand, war die „Geniekaserne“ für die örtliche Bauleitung. Sie organisierte in den folgenden Jahren den Bau der Festungsanlage und der Stadt, die streng symmetrisch angelegt ist, mit geraden Straßen, die einander im rechten Winkel schneiden. Dem Bau der neuen Stadt mussten die Dörfer Drabschitz und Deutsch Kopist weichen, sie wurden in den folgenden Monaten umgesiedelt.

Zwischen 1781 und 1785 erfolgte der Ausbau des inneren Festungswalls. In den nächsten fünf Jahren wurden die Kasernen, das Zeughaus, das Krankenhaus und das Proviantlager fertiggestellt. Am 9. Dezember 1782 erhielt Theresienstadt das Stadtrecht als „freie Königsstadt“. Der Ausbau weiterer militärischer Bestandteile des Walles erfolgte in den folgenden Jahren, Kavalier 4 wurde im Jahr 1784 fertiggestellt, der Äußere Festungswall 1786, das Bewässerungssystem der Festung 1790. Neben militärischen Gebäuden entstanden die erste Zivilhäuser 1783 am südlichen Ende der Langen Straße.

Im Juni 1790, nicht ganze zehn Jahre nach der Grundsteinlegung, wurde die Festung in Anwesenheit von General Graf Klement Pellegrini für „kriegsfähig“ erklärt. Den Kern des Festungssystems bildet seitdem die Hauptfestung mit der Stadt in der Mitte (kurz „Garnisonsstadt“ oder Große Festung) und dem auf die andere Flussseite vorgeschobenen „Fort B“ („Mala Pevnost“/„Kleine Festung“; dem Brückenkopf). Dazwischen befindet sich eine befestigte Fläche, die sich zwischen der Alten und der Neuen Eger erstreckt. Die Gesamtfläche der Verschanzung beträgt 67 ha. Dazu kommen noch einmal mehr als 158 ha als Fläche von vier künstlichen, mit Wasser der Eger überflutbaren Becken.

Innerer Ausbau

Garnisonskirche

Einen militärischen Angriff auf Theresienstadt hat es nie gegeben. So konnten in den folgenden Jahrzehnten auch zivile Einrichtungen entstehen. Zwischen 1805 und 1810 wurde die Garnisonskirche erbaut, das einzige Gebäude, das die Bastion überragt und dessen Turmspitze von außerhalb des Walles zu sehen ist. Eine eigenständige kirchliche Verwaltung entstand allerdings erst seit 1842. Schon dreißig Jahre früher, 1812 hatte die Stadt das Recht auf vier Jahrmärkte und des Wochenmarktrechtes erhalten. 1830 löste der erste eigene Magistrat die Verwaltung durch Leitmeritz ab. Das neue Rathaus am Marktplatz wurde acht Jahre später errichtet. Am 5. Dezember 1846 erhielt Theresienstadt Wappen und Siegel einer Königsstadt.

Einen obligatorischen Tschechisch-Unterricht an der deutschen Allgemeinschule forderte zum ersten Mal 1861 der Stadtrat. Zwischen 1877 und 1879 entstand die neue Schule. 1895 begann der Unterrichts in einer tschechischen Einklassenschule – Ausdruck der Bevölkerungsentwicklung der Stadt – erstmals stellten die Tschechen eine Mehrheit.

Aufhebung des Status einer Festung

1882 erfolgte der Erlass über die Aufhebung des Festungsstatus der Stadt, der sechs Jahre später wirksam wurde. In der Stadt verblieb eine kleine Garnison, für die elf Kasernen zur Verfügung standen.

In den folgenden Jahren wurden die beiden Stadttore – das Leitmeritzer und das Bohusovicer Tor – geschleift. Weitere zivile Bauten entstanden: das Vereinshaus (heute Kulturhaus) zwischen 1889 und 1890 und das neue Postgebäude 1910.

Militärgefängnis

Tor der Kleinen Festung

Die Kleine Festung war von der Anlage her als Wachtposten für die Brücke über die Eger und das Stauwehr des Festungsflutungssystems vorgesehen. Schon kurze Zeit nach ihrer Fertigstellung diente sie als „Festungs-Stockhaus“, als Militärzuchthaus, und schon bald wurden dort auch politische Gefangene eingesperrt. Im Zusammenhang mit dem griechischen Freiheitskampf kam Alexander Ypsilantis, einer der Führer der Griechen, in den Theresienstädter Kerker. Im Jahre 1865 starb in der Kleinen Festung Anna Rosicka, die Vorkämpferin für das Recht des polnischen Volkes in Galizien und von 1878 bis 1883 wurde Hadji Loja gefangen gehalten, einer der Führer des bosnischen Aufstandes aus dem Jahr 1878.

Die berühmtesten Gefangenen in der Kleinen Festung nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren die Attentäter von Sarajevo: Gavrilo Princip, Nedeljko Čabrinović und Trifun „Trifko“ Grabež. Während des Krieges waren in der Kleinen Festung neben den prominenten Häftlingen rund 2500 Gefangene in Gewahrsam. Von 1914 bis 1915 wurden dort „vorsorglich“ mehr als „1000 sog. Russofile interniert – Ruthenen aus Galizien, der Bukowina und aus Karpato/Russland verdächtigt der Sympathie für das feindliche Rußland“.[2] Ebenfalls in Theresienstadt eingesperrt wurden gegen Ende des Krieges etwa 560 Teilnehmer der Soldaten-Meuterei des 7. Schützenregiments von Rumburk.

Tschechoslowakische Garnisonsstadt

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Terezín, wie Theresienstadt nun offiziell hieß, Garnisonsstadt für die neue tschechoslowakische Armee.

1920 bis 1930 entstand der Bau des Wasserwerkes, der Sokol-Turnhalle und eines neuen Krankenhauses außerhalb der Festungsmauern.

Im Oktober 1938 kamen erste Flüchtlinge in die Stadt, die aus dem nach dem Münchner Abkommen ins Deutsche Reich eingegliederten Sudetenland geflohen waren.

Konzentrationslager der Nationalsozialisten

Hauptartikel: KZ Theresienstadt
Plan von Theresienstadt – 1940–1945

Tiefgreifende Folgen für die Geschichte der Stadt hatte die Besetzung der Tschechoslowakei durch Deutschland. Im Juni 1940 begannen die deutschen Besatzer damit, aus Theresienstadt ein Konzentrationslager zu machen.

In der Kleinen Festung richteten sie am 10. Juni 1940 ein Gefängnis der Gestapo ein, in dem bis 1945 etwa 32.000 tschechische Oppositionelle, Mitglieder des Widerstandes gegen die Besatzung und Kriegsgefangene eingesperrt wurden.

Ein Jahr später, im November 1941, entstand in der Garnisonsstadt ein Sammel- und Durchgangslager für die jüdische Bevölkerung Böhmens und Mährens, das Ghetto Theresienstadt. Am 16. Februar 1942 wurde die städtische Gemeinde aufgelöst, die einheimische Bevölkerung musste die Stadt verlassen und in den folgenden Jahren kamen neben einheimischen Juden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in das von den Nationalsozialisten so genannte „Altersghetto“. Zeitweilig diente Theresienstadt der NS-Propaganda als „Vorzeigeghetto“, um die internationale Öffentlichkeit über die mit der „Endlösung der Judenfrage“ verbundenen Ziele zu täuschen.

In einer Beschreibung erinnert sich ein Überlebender des KZ, wie sich Theresienstadt in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts darbot: „Die Häuserblocks sind alle von gleicher Größe, ebenso die Kasernen, und selbst die Grundrisse zeigen die gleiche Anzahl von Toren, Höfen, Rundgängen und Stiegenhäusern. Die Kasernen sind düstere alte Gebäude mit sehr primitiven sanitären Einrichtungen. Die große Mehrzahl der Wohnhäuser sind ebenfalls alte, einstöckige Bauten mit engen dunklen Hinterhöfen, ohne Gärten und Sonnenlicht.“[3]

Am 5. Mai 1945 zog die SS aus Theresienstadt ab. Drei Tage später befreite die Rote Armee die Gefangenen. Mehr als 140.000 Häftlinge hatten bis zum Mai 1945 im Theresienstädter Lager gelebt. 38.000 von ihnen starben dort, fast 90.000 wurden in Vernichtungslager in Osteuropa weitertransportiert.

Internierungslager für Deutsche, 1945–1948

Hauptartikel: Internierungslager der Kleinen Festung Theresienstadt

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Kleinen Festung das tschechische „Internierungslager der Kleinen Festung Theresienstadt“ eingerichtet. In diesem Lager wurde bis 1948 mehr als 3.500 Personen, zumeist deutschsprachige Böhmen, inhaftiert, die aus der Tschechoslowakei vertrieben werden sollten. Über 500 Internierte überlebten das Lager nicht, sie starben an den Folgen mangelnder Ernährung und unhygienischer Zustände oder nach der Anwendung von Gewalt durch das Aufsichtspersonal.

1946, die Rückkehr der tschechischen Bewohner

Die ersten tschechischen Bewohner kehrten im Juni 1946 in ihre Stadt, das heißt damals vor allem in die Gebäude der vormaligen Garnison auf dem westlichen Egerufer zurück.

Vor den Toren der Kleinen Festung entstand im September 1945 der Nationalfriedhof, auf dem die sterblichen Überreste von etwa 10.000 Verstorbenen liegen.

Gedenkstätten und Museen

Gräber in Theresienstadt

1947 wurde die „Gedenkstätte des Völkerleids“ – heute „Gedenkstätte Theresienstadt“ – in der Kleinen Festung gegründet. Eine erste denkmalpflegerische Bestandsaufnahme fand allerdings erst 1967 statt. 1972 wurde der jüdische und russische Friedhof fertiggestellt, 1974 ein Gedenkplatz an der Eger errichtet.

Die Stadt, in der das Lager eingerichtet worden war, diente in der gesamten Phase der kommunistischen Herrschaft – und auch noch darüber hinaus bis 1996 – wieder als Garnisonsstadt für die Armee. Erst mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft und mit dem Abzug der Armee konnten Pläne entwickelt werden, die eine ausschließlich zivile Nutzung Theresienstadts bedeuteten. Heute nun erinnern zahlreiche Gedenkstätten auch in der Stadt selbst an die Vergangenheit des Ortes.

In den vergangenen Jahren ist der Strom der Besucher aus der ganzen Welt ständig gestiegen. Die meisten von ihnen besuchen die Kleine Festung. Kamen 2003 dorthin 194.588 Menschen, so waren es 2005 schon 248.136. In der Garnisonsstadt stieg die Zahl von 115.022 im Jahr 2003 auf 172.484 im Jahr 2005.

Die Kleine Festung – „Gedenkstätte Theresienstadt“

Verwaltungshof der Kleinen Festung

In der „Gedenkstätte Theresienstadt“ blieben zahlreiche Einrichtungen aus der Zeit des Nationalsozialismus erhalten und können heute in der Kleinen Festung besichtigt werden. Dazu gehört der Verwaltungshof mit Geschäftszimmern, Wachstube, dem Büro des Gefängnisvorstehers und der Kleiderkammer. Ein Tor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ verbindet den Verwaltungshof mit Hof I. Er ist in die Blöcke A und B unterteilt, in denen sich 17 Gemeinschafts- und 20 Einzelzellen befinden. Ein Hinrichtungsplatz mit Galgen liegt vor der Festungsmauer, ebenfalls die Massengräber. Eine weitere Hinrichtungsstelle befindet sich im östlichen Teil der Kleinen Festung, im Bereich des erst 1943 angelegten Hofes IV. Zwei Gemeinschaftszellen, die zu diesem Hof gehörten, werden heute zu Ausstellungszwecken benutzt. Das gilt ebenfalls für das Gebäude, in dem die SS-Garnison untergebracht war. Besucher können darüber hinaus im Kinosaal die erhaltenen Szenen des Filmes Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet ansehen.

In einem Teil der Festungsmauer, die die Kleine Festung umschließt, ist ein separates Museum untergebracht. Darin ist die mehr als 200-jährige Geschichte Theresienstadts in Exponaten zu besichtigen.

Eine Ausstellung in einem Zellentrakt des Hofes IV erinnert an die Nutzung der Kleinen Festung als Internierungslager für Deutsche von 1945 bis 1948.

Ghetto-Museum

ehemalige Schule – heute das Ghetto-Museum

Das Ghetto-Museum befindet sich in der ehemaligen Schule der Stadt. Während der deutschen Besatzung diente das Gebäude als Knabenheim. Das Museum wurde am 17. Oktober 1991 eröffnet, 50 Jahre nachdem die ersten Häftlinge aus Prag nach Theresienstadt gebracht worden waren.

Die Ausstellungen erstrecken sich über zwei Etagen und dokumentieren das Leben der Häftlinge im Lager. Außerdem wird die Rolle von Theresienstadt im System des nationalsozialistischen Systems der „Endlösung der Judenfrage“ dargestellt. Im Erdgeschoss kann der Besucher in einer Galerie Bilder von Häftlingen, darunter vielen Kindern betrachten. In einem Kinosaal werden regelmäßig Filme vorgeführt.

Magdeburger Kaserne

„Magdeburger-Kaserne“

Die Magdeburger Kaserne war Sitz des Ältestenrates und der „jüdischen Selbstverwaltung“. Heute ist dort eine Abteilung des „Ghetto-Museums“ untergebracht, die sich den künstlerischen Aktivitäten der Lagerbewohner widmet.

Ein Ausstellungsraum vermittelt den Besuchern die Vielfalt der musikalischen Aktivitäten im Ghetto. Zu sehen sind die Biografien von Musikern, Auszüge ihrer Arbeiten und Plakate, die Veranstaltungen in Theresienstadt ankündigen. Auf dem Dachboden der Kaserne befindet sich eine Rekonstruktion eines Theatersaales. Drei Säle stellen Bilder von Künstlern aus, die in Theresienstadt gefangen waren. Außerdem gibt es Exponate zum Thema „Dichtung und Literatur im Ghetto“.

Im Haus befinden sich des Weiteren eine Internationale Begegnungsstätte und der Sitz der Gedenkstätte Theresienstadt.

Die Totenkammern

Saal neben den Totenkammern in einer Kasematte der Befestigungsanlage

Im Lager konnten die Häftlinge zumeist die religiösen Rituale bei den Bestattungen einhalten. So wurden bis zum August 1942 die Toten in einzelnen Gräbern bestattet. Danach wurden Massengräber für jeweils 35 Verstorbene ausgehoben. Die Kammern, in denen die Toten aufgebahrt wurden, befinden sich innerhalb der Wälle am südöstlichen Stadtrand am Weg zum Friedhof. Zwei Kammern sind hier zu sehen. Der Transport zum Friedhof erfolgte mit einem Wagen, der heute in einer der Kammern ausgestellt ist. Neben den Totenkammern gibt es einen größeren Saal, in dem Gottesdienste stattfanden.

Das Kolumbarium

Kolumbarium im Mauerwerk der Befestigungsanlage
Gedenkstätte an der Eger – hier ließen die Nazis im November 1944 die Asche von mehr als zwanzigtausend jüdischen Opfern in den Fluss werfen

Bis Herbst 1942 wurden die Toten in Massengräbern vor den Schanzen der Stadt bestattet. Ende 1942 ließ die Leitung des KZ Theresienstadt von der Teplicer Firma Ignis Hüttenbau A.G. das Krematorium errichten, um die Verstorbenen dort zu verbrennen. In der Nähe der Totenkammern wurden dafür Räume zur Aufbewahrung der Asche eingerichtet. Hier wurden Tausende von Büchsen gelagert. Nach der Einäscherung der Verstorbenen wurde die Asche eingesammelt und statt in den üblichen Aschenkrügen in einfachen Büchsen aus Papier oder Blech verwahrt, die mit den Namen und den Registrationsnummern der Verstorbenen versehen waren.

Nationalfriedhof und jüdischer Friedhof

Vor den Toren der Kleinen Festung entstand im September 1945 der Nationalfriedhof, auf dem die sterblichen Überreste von etwa 10.000 Verstorbenen liegen. Der Nationalfriedhof (Národní Hřbitov) liegt an der Allee, die zum Haupteingang der Kleinen Festung führt. Ab September 1945 bis 1958 wurden hierher exhumierte Opfer des KZ-Theresienstadt überführt und beigesetzt. 3000 namentlich bezeichnete Einzelgräber und eine Reihe von Massengräbern mit weiteren etwa 7000 Leichen werden von einem großen Holzkreuz überragt. Schon 1945 war ein großes Holzkreuz auf dem Nationalfriedhof errichtet worden, das 1948 unter kommunistischem Regime, als christliches Symbol der Dominanz, abgebaut worden war. Aufgrund einer Initiative des Bischofs von Litoměřice ist Mitte der 1990er Jahre wieder ein großes zentrales Holzkreuz aufgestellt worden.

Diese christliche, das Areal dominierende Symbolik führte zu Protesten von Juden. In Folge dessen wurde Mitte der 1990er Jahre auch ein kleinerer Davidstern in der Nähe der Massengräber aufgestellt.

Die etwa 3000 Grabplatten weisen auf überwiegend jüdische Menschen hin, die nach der Befreiung an den Folgen von Mangelernährung, schlechter Lager- und Hygieneverhältnissen und einer Flecktyphusepidemie gestorben sind. Die Todesdaten sind mit einem vorgestellten Kreuz auf den Grabsteinen gemeißelt. Zwischen den Grabplatten sind Rosensträucher gepflanzt worden und auf den Grabsteinen liegen kleine Steine und Kiesel, keine Blumen.[4][5]

Auf dem außerhalb der Stadt gelegenen jüdischen Friedhof beim Krematorium sind in Massen- und Einzelgräbern an die 12.000 Tote des Konzentrationslagers bestattet worden.

Entwicklung der Einwohnerzahl

In der Stadt lebten bis 1941 etwa 3.500 Einwohner. Dazu kam noch einmal dieselbe Zahl von Soldaten. Gravierend änderte sich die Einwohnerzahl während der deutschen Besatzung. Die tschechischen Bewohner mussten die Stadt verlassen. Ebenfalls abgezogen wurden Soldaten der Wehrmacht, die bis Ende 1941 in den Kasernen untergebracht worden waren. An ihrer Stelle kamen Lagerhäftlinge, wobei die Höchstzahl im September 1942 mit 58.500 erreicht wurde [6].

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten die meisten tschechischen Bewohner wieder zurück und im Jahr 1970 hatte Terezín 2797 Einwohner. Eine rückläufige Entwicklung begann 1990. Nachdem in den folgenden Jahren die Armee die Kasernen räumte, verließen auch Einwohner die Stadt, so dass Terezín 1994 unter 2000 Einwohner zählte [7]. Dieser Verlust konnte bis 2004 mehr als ausgeglichen werden.

Bildung und Kultur

1955 stellten die Bürger von Terezín in Eigenleistung eine neue Turnhalle und einen Sportplatz fertig. 1973 wurde eine neue Grundschule mit Turnhalle und Schwimmbad errichtet. Wenig später entstand in unmittelbarer Nachbarschaft ein neuer Kindergarten. Weiterführende Schulen gibt es im Ort nicht.

Zu den jährlich wiederkehrenden Festen in der Stadt gehört das Hus-Fest. Es gibt einen Sängerchor, der den Namen des tschechischen Komponisten Smetana trägt und im „Garnisonshaus“ finden das ganze Jahr über Kulturveranstaltungen statt.

Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften bestehen mit den Städten Dębno in Polen und Strausberg in Deutschland.

Politik

Nach den Kommunalwahlen im Jahr 1990 wurde das erste Mal nach mehr als 40 Jahren in einer demokratischen Wahl ein Nichtkommunist, Dr. Jan Horníček, zum Bürgermeister gewählt. Unter der aus den freien Wahlen hervorgegangenen Stadtverwaltung waren 12 Nichtkommunisten und 3 Kommunisten.

Die zukünftige Entwicklung

Die verlassene und sanierungsbedürftige „Bodenbach-Kaserne“ (2006)
„Bodenbach-Kaserne“ – Tor zur Postgasse

Seit dem Beginn der zivilen Nutzung der Stadt in den 1990er-Jahren haben Bewohner der Stadt, Politiker, Stadtplaner und Historiker Ideen zur zukünftigen Entwicklung von Terezin entwickelt. Neue Möglichkeiten und Entwicklungswege für die Stadt deutete erstmals die Konferenz „Theresienstadt nach dem Jahr 2000“ an, die im November 1997 abgehalten wurde. Die Teilnehmer sahen die Zukunft der Stadt am besten aufgehoben, wenn sie sich auf den Touristenverkehr hin orientiert. Außerdem sollte sie sich zu einem Kultur- und Begegnungszentrum wandeln und anstreben, eine Universität einzurichten.

Als vordringliche Aufgabe zur Erreichung dieser Ziele ging und geht es darum, die verlassenen Kasernen zu sanieren und sie zu Studentenwohnheimen und die ehemaligen Mannschaftsräume zu Hörsälen, einer Bibliothek und Mensa umzubauen. Dazu sind finanzielle Zuwendungen von 260 Millionen Euro nötig. Die Europäische Union, die in den vergangenen Jahren durchaus für dieses Projekt Unterstützung signalisiert hat, verlangt allerdings, dass ein Viertel des Gesamtbetrags von tschechischer Seite eingebracht wird.

Ein Rückschlag für dieses Projekt brachte das Elbehochwasser 2002. Zwischen dem 15. und 18. August überflutete das Wasser von Elbe und Eger auch Terezín. Über anderthalb Meter hoch standen die Fluten in den Straßen. Wohnungen, Geschäfte und Büros, die sich im Erdgeschoss befinden, wurden stark beschädigt. Unabsehbare Gefahr drohte den Festungsanlagen, bei denen erste Einbrüche zu verzeichnen waren.

Nach dem Ende der Flut wurde mit Geldern der Fluthilfe unverzüglich die Instandsetzung der umfangreichen Festungsanlagen in Gang gesetzt, vor allem die Schäden am Wasser-, Kanal- und Abflusssystem beseitigt. Unterstützung für die Ziele seitens des tschechischen Staates sind in einem Beschluss aus dem Jahr 2002 zu sehen, Terezín über die Einrichtung einer Universität zu einer Stadt der Wissenschaft und der Kunst zu machen. Im Februar 2006 hat die tschechische Regierung nun eine finanzielle Unterstützung für Terezin in Höhe von 7,5 Milliarden Kronen (rund 260 Millionen Euro) beschlossen, wobei die Mittel sowohl aus heimischen als auch aus europäischen Quellen kommen sollen.

Zur Unterstützung der projektierten Entwicklung von Terezin ist seit einigen Jahren in Vorbereitung, die Stadt zur Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes anzumelden.

Theresienstadt verbundene Personen

  • Marquis Johann Gabriel von Chasteler, * 22. Januar 1763 auf dem Schloss Mulbais im Hennegau (Mons b.Ath); † 7. Mai 1825 in Venedig, österreichischer General, war Gouverneur und Kommandant in Theresienstadt
  • Anton Ohorn, * 22. Juli 1846 in Theresienstadt; † 30. Juni 1924 in Chemnitz, Lehrer, Dichter und Schriftsteller
  • Julius Fučík, * 8. Juli 1872 in Prag; † 15. September 1916 ebenda, tschechischer Komponist und Kapellmeister, einige Jahre in Theresienstadt tätig
  • Maria Müller, * 29. Januar 1898 in Theresienstadt; † 15. März 1958 in Bayreuth, deutsch/tschechische Sopranistin
  • Helmut Zborowski, * 21. August 1905 in Theresienstadt; † 16. November 1969, österreichischer Flugzeugkonstrukteur

Literatur

  • Táňa Kulišová, Olga Jeřábková (Übers.): Kleine Festung Theresienstadt. 2. Auflage. Dokumente, Band 143. Naše Vojsko, Prag 1966. [8]
  • Rudolf Iltis et al. (Red.), Walter Hacker (Übers.): Theresienstadt. Europa-Verlag, Wien 1968. [9]
  • Hana Drori, Jehuda Huppert: Theresienstadt – ein Wegweiser (…). Vitalis, Prag 1999, ISBN 80-7253-000-3.
  • Vladimir Kupka: Festung Theresienstadt. In: Schriftenreihe Festungsforschung, Band 14, Frankfurt/M. 2000, ZDB-ID 787111-9.
  • Uta Fischer: Theresienstadt/Terezin – Eine vergessene Stadt in Böhmen. Zum Stand der Konversion. In: Jahrbuch Stadterneuerung 2002, Uwe Altrock, Ronald Kunze, Ursula von Petz, Dirk Schubert (Hg.), Berlin 2002, ZDB-ID 1097921-9.
  • Jitka Kejřová (Hrsg.): Theresienstadt, Leitmeritz – Stätten des Leidens und des Heldenmutes. Památník Terezín 2003, ISBN 80-86758-11-7.
  • Astrid Debold-Kritter: Forschung und Lehre zu Terezin – Theresienstadt in Tschechien. In: Jahrbuch Stadterneuerung 2002, Uwe Altrock, Ronald Kunze, Ursula von Petz, Dirk Schubert (Hg.), Berlin 2002, ZDB-ID 1097921-9.
  • Astrid Debold-Kritter/ Gabriele Fliesbach (Hrsg.): Theresienstadt – Terezin – Vergegenwärtigung von Stadtgeschichte, Berlin 2004. [10]
  • Ernst Heimes: Mirjam Ghettokind. Schauspiel über das Ghetto Theresienstadt und die Kinderoper 'Brundibár. Frankfurt a.M.: Brandes und Apsel, 2011. ISBN 978-3-86099-712-3.

Weblinks

 Commons: Terezín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2011 (XLS, 1,3 MB)
  2. Kejřová: Theresienstadt, S. 6.
  3. Josef Polak: Das Lager. In: Iltis et al.: Theresienstadt, S. 25.
  4. Nationalfriedhof (Národní Hřbitov)
  5. Kejřová: Theresienstadt.
  6. Iltis et al.: Theresienstadt, S. 29.
  7. Jan Horníček: Terezín heute von 1991 bis 1994
  8. Permalink Deutsche Nationalbibliothek.
  9. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  10. Permalink Deutsche Nationalbibliothek.

Anmerkungen

  1. 1889 wandte sich die Österreichisch-ungarische Staatseisenbahngesellschaft an das k.k. Handelsministerium um Erteilung einer Konzession für Bau und Betrieb einer Localbahn Theresienstadt–BauschowitzEisendörfel, für die bereits 1883 eine Trassenrevision vorgenommen worden war. – Siehe: Staatseisenbahn-Gesellschaft. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt (Nr. 8983/1889), 28. August 1889, S. 9, oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp

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