Teewurst

Teewurst
Angeschnittene feine Teewurst

Teewurst ist eine streichfähige Rohwurst mit würzigem, feinsäuerlichem Geschmack. Sie kommt als grobe oder feine Teewurst in den Handel. Zur Herkunft des Namens und der Rezepte gibt es derzeit unterschiedliche Ansichten.

Inhaltsverzeichnis

Herstellung

Zur Herstellung werden Schweinefleisch (teils auch Rindfleisch) und Speck in einem Verhältnis von etwa zwei zu eins grob oder fein im Fleischwolf gemahlen, mit Gewürzen vermischt, in Därme (heute meist spezielle, poröse Kunstdärme) gefüllt und oft über Buchenholz geräuchert. Anschließend muss die Wurst sieben bis zehn Tage durch Milchsäuregärung reifen, um ihren typischen Geschmack zu entwickeln. Teewurst hat einen vergleichsweise hohen Fettanteil von 30 bis 40 %, was sie besonders streichfähig macht.

Herkunft des Begriffs

Die Herkunft des Begriffes ist heutzutage nicht mehr nachvollziehbar; als Inhaltsstoff war nie Tee enthalten. Ein Erklärungsansatz bezieht sich auf das Unternehmen Rügenwalder Mühle. Danach liegt die Herkunft der Teewurst im pommerschen Rügenwalde (heute Darłowo in Polen). Dort wurde sie seit 1874 in der Fleischwarenfabrik von Georg Wilhelm Heinrich Schmidthals (1837–1927) hergestellt, dessen Frau, die Fleischermeisterstochter Karoline Ulrike Rudolph (1841–1925), das Rezept 1866 mit in die Ehe gebracht haben soll. Dort soll man sie eines Tages zum Nachmittagstee verspeist und festgestellt haben, dass sie dazu besonders gut passt.[1]

Zu den 30.000 Kunden der schnell expandierenden Firma, die auf 10.000 m² Fläche über ein eigenes Schlachthaus und eine eigene postalische Abfertigung verfügte, zählten auch der Kaiser, der Kronprinz und 15 andere deutsche Fürstenhöfe. Der Betrieb ging während der Inflationszeit in Konkurs. [2] Bis 1945 konnte sich in Rügenwalde eine Fleischwarenindustrie etablieren, deren bekanntestes Produkt die Teewurst war. 1927 wurde der Begriff „Rügenwalder Teewurst“ als geografische Herkunftsbezeichnung rechtlich geschützt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten aus Rügenwalde geflohene Wurstfabrikanten in der Bundesrepublik Deutschland neue Betriebe und nahmen die Produktion der traditionellen Teewurst wieder auf. Sie gründeten einen Verein ehemaliger Rügenwalder Fleischfabrikanten, der seit 1957 Inhaber der Wortmarke „Rügenwalder Teewurst“ ist. Nach einem Urteil des BGH dürfen heute nur Unternehmen, die ehemals in Rügenwalde angesiedelt waren, die Markenbezeichnung Rügenwalder Teewurst verwenden.[3] Firmen, die diese Abstammung nicht nachweisen können, dürfen nur „Teewurst“ oder „Teewurst nach Rügenwalder Art“ in den Handel bringen.

In der DDR wurde der Begriff als Gattungsname verwendet und war nicht geschützt.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Teewurst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Florian Langenscheidt: Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. Gabler Verlag, 2006, ISBN 3-8349-0436-8. S. 448
  2. Ut Schloag: Heimatblatt für Kreis und Stadt Schlawe. Heft 25, 1952
  3. Vgl. zum Beispiel Volker Jänich: Geistiges Eigentum – eine Komplementärerscheinung zum Sacheigentum? Mohr, Tübingen 2002, S. 164.

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