Taiwanese

Taiwanese
Übersichtskarte Taiwans
Satellitenfoto Taiwans

Taiwan (chin. 臺灣 / 台湾, Táiwān, W.-G. T’ai-wan, Zhuyin ㄊㄞˊ ㄨㄢ) ist eine Insel vor dem chinesischen Festland im West-Pazifik, getrennt durch die Taiwan-Straße. Die Hauptstadt ist Taipeh. Taiwan wurde 1945 nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Niederlage der Japaner in die Republik China eingegliedert. Es bildet seit 1949 den Hauptteil der Republik, nachdem sich die Truppen Chiang Kai-Sheks nach dem verlorenen Bürgerkrieg gegen die Rote Armee Mao Zedongs auf die Insel zurückgezogen hatten. Gleichzeitig wird Taiwan von der Volksrepublik China beansprucht, wurde jedoch nie von ihr kontrolliert. Dies schlägt sich im Taiwan-Konflikt nieder. Administrativ ist die Insel bei beiden Staaten als Teil der Provinz Taiwan zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Name

Bekannt ist die Insel auch unter dem vor allem früher im Westen verwendeten Namen Formosa, der ihr von portugiesischen Seefahren verliehen wurde (nach „Ilha formosa“, Portugiesisch für „schöne Insel“). In China ist bereits seit dem 16. Jahrhundert der Name „Taiwan“ gebräuchlich, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Lehnwort aus einer Ureinwohnersprache handelt. Der Name bezeichnete ursprünglich sowohl die gesamte Insel wie die damalige Hauptstadt (das heutige Tainan) im Süden der Insel. Die Gründung der Stadt geht auf die Niederländische Ostindien-Kompanie zurück, die 1623 das Fort Zeelandia sowie eine weitere Festung im Herzen des heutigen Tainan errichtete.

Unter Taiwan wird außerdem ein (de facto) souveräner chinesischer Staat verstanden, der sich offiziell Republik China (chin. 中華民國 / 中华民国, Zhōnghuá Mínguó, W.-G. Chung-hua Min-kuo) nennt, der im Westen früher manchmal auch als National-China bezeichnet wurde. International wird die unabhängige Insel nur von wenigen Regierungen de jure als Staat anerkannt.

Geographie

Die Insel Taiwan erstreckt sich über eine Fläche von 35.801 km² (zum Vergleich: die Fläche Baden-Württembergs beträgt 35.752 km²). Die Insel ist 394 km lang, die maximale Breite beträgt 144 km. Sie wird im Westen durch die an der engsten Stelle 130 km breite Taiwan-Straße vom chinesischen Festland getrennt, im Süden trennt die Straße von Luzon Taiwan von den Philippinen. Östlich begrenzt das Philippinenbecken Taiwan. Im Nordosten schließt sich Taiwan an die zu Japan gehörende Inselkette der Ryūkyū-Inseln an, die das flache Ostchinesische Meer vom übrigen Pazifik abgrenzt.

Charakteristisch für Taiwan ist die auf der Landkarte einer Süßkartoffel ähnelnde Form, aufgrund derer sich die Min Nan Ureinwohner auch als „Kinder der Süßkartoffel“[1] bezeichnen. Eine andere Interpretation der Form ist die Vorstellung von einem „Wal im Meer“.

Taiwan wird ähnlich wie Japan häufig von Erdbeben heimgesucht, was besondere Sicherheitsstandards bei Gebäuden und Infrastruktur erfordert.

Klima

Der Fluss Siouguluan

Hauptartikel: Klima in China

Der Wendekreis des Krebses, der die Klimagrenze zwischen Tropen und Subtropen markiert, durchläuft die Insel genau an ihrer höchsten Erhebung, dem Yu Shan mit 3.952 Meter Höhe. Im nördlichen Teil herrscht entsprechend ein subtropisches Klima, der Süden ist unter Berücksichtigung des klimatischen Einflusses der jeweiligen Höhenlage vorherrschend tropisch. Aufgrund der hohen Gebirge findet sich in den Höhenlagen auch im südlichen Teil ein – vorwiegend von tageszeitlichen Schwankungen geprägtes – gemäßigtes Klima. Im Winter weht ein kräftiger Monsun aus Nordosten, im Sommer ein starker Monsun aus Südwest, der starke Regenfälle mit sich bringt. Von Mai bis Oktober wird die Insel häufig von Taifunen heimgesucht. Im Winter kommt es in den Höhenlagen – vor allem über 3.000 Meter – zu vereinzelten Schneefällen. Einer der bekanntesten Orte hierfür ist der an einer 3.275 Meter hohen Passstraße im Landkreis Nantou gelegene Hehuanshan, was übersetzt „Berg der harmonischen Freude“ bedeutet. Die Durchschnittstemperaturen betragen im Februar 12 °C und im Juli 25 °C.

Geomorphologie

Höhenrelief Taiwans

Die Insel besteht zu rund zwei Dritteln aus Gebirge, das sich als Kette von Norden nach Süden über die östliche Hälfte der Insel erstreckt. Den Westen der Insel bildet eine flache, von Tälern der im Gebirge entspringenden Flüsse durchzogene fruchtbare, heute stark besiedelte Ebene. Nach Osten steigt diese Ebene bis zur zentralen Gebirgskette an, die über 200 Gipfel mit mehr als 3.000 Meter Höhe aufweist. In ihrer Mitte liegt der Yu Shan (übersetzt Jadeberg), die mit 3.952 m ü. d. M. höchste Erhebung der Insel. Die im Vergleich zu den Alpen meist schmalen Täler sind von steil ansteigenden Hängen flankiert und wurden teils bis auf über 2.000 Meter Höhe durch Terrassierung besonders für Tee- und Obstanbau landwirtschaftlich nutzbar gemacht.

Entlang des mittleren Teils der Ostküste erstreckt sich das schmale bis zu 1.682 m hohe Küstengebirge, welches durch den stark erdbebengefährdeten Huatung-Graben vom zentralen Gebirgszug getrennt ist und steil zum Meer hin abfällt. Weiter nördlich reicht das Zentralgebirge direkt bis an den Pazifik. An diesem Teil der Ostküste liegt die Tarokoschlucht, ein bis zu 600 Meter tief in Marmorfelsen eingeschnittenes Flusstal, welches zu den größten Natursehenswürdigkeiten Taiwans zählt. Der an der Westseite des Zentralgebirges im geografischen Zentrum der Insel auf 762 m ü. d. M. gelegene Sonne-Mond-See ist das größte Binnengewässer Taiwans und wird durch seine Höhenlage als Speicherkraftwerk zur Erzeugung hydroelektrischer Energie genutzt.

Geologie

Taiwan liegt an der Westkante des Pazifischen Feuerrings, wo die philippinische tektonische Platte mit der Landmasse Eurasiens zusammenstößt. Die dabei entstehenden permanenten Reibungen sind die Ursache von steilen Bergen, Erdbeben und Vulkanen. Die Vulkane sind alle bis heute erloschen, jedoch sind die Magmaherde immer noch aktiv und die Ursache von zahlreichen Heißen Quellen. Zwei kleine im Südosten vorgelagerte Inseln – die Orchideeninsel und die Grüne Insel – waren ursprünglich Vulkane.

Eine Hauptstörungszone, genauer eine Hauptbruchlinie, verläuft geradewegs der Ostküste entlang gen Süden, was die Ursache für regelmäßige Erschütterungen ist. Jährlich finden mehrere Erdbeben statt von geringen Stärken (2 – 3) bis zu 8 auf der Richterskala. Die Stärke 8 wurde seit 1995 nicht mehr erreicht, als ein nächtliches Erdbeben eine Schule zerstörte, in der sich keine Schüler befanden. Größere Schäden in weiten Teilen der Insel richtete jedoch ein Erdbeben der Stärke 7,6 am 20. September 1999 an, welches über 1.500 Todesopfer forderte. Die Gefahr, dass Erdbeben dieser Stärke wieder auftreten, besteht weiterhin, besonders an der Ostküste.

Flora

Wegen des teils tropischen, teils subtropischen Klimas war Taiwan bis vor einigen Jahrhunderten eine fast reine Waldinsel. Allerdings sind die Waldbestände verstärkt während der japanischen Herrschaft, insbesondere während des Zweiten Weltkrieges, dezimiert worden, da Holz für militärische Zwecke gebraucht wurde. Daneben wurde in dieser Zeit das Holz für den Bau von Schreinen und den zugehörigen Brandopfern gebraucht. Heute bestehen mit den wiederaufgeforsteten Gebieten etwa 55 Prozent Taiwans aus Wäldern und Kulturwald. Viele ursprünglich endemische Arten sind verschleppt worden. In den Bergen bestehen sie meist aus Zypressen (besonders Scheinzypressen), Machandeln, Tannen, Kiefern, Fichten, Bambus, Azaleen sowie Laubbäumen. Der Campherbaum wurde durch exzessive wirtschaftliche Abholzung fast ausgerottet, da Kampfer in der Vergangenheit Taiwans Hauptexportgut war.

Fauna

Taiwans Fauna wurde in der jüngsten Vergangenheit schwer beeinträchtigt. Die Industrie hat an der Westküste die Feuchtgebiete stark geschädigt, welche einst eine große Anzahl an Vögeln beherbergten.

Die Abholzung hat sich auf die Fauna nachteilig ausgewirkt. An der Ostküste wurden Teile der Wälder rekultiviert, was die Anzahl der Tiere dort wieder steigen lässt. Säugetiere wie der Taiwanische Schwarzbär (Ursus thibetanus formosus), der Sambar, der chinesische Muntjak (Muntiacus reevesi), der Sikahirsch und die formosianische Gorale werden geschützt, aber diese in der freien Wildbahn anzutreffen, gelingt nur sehr selten. Vögeln wird bei der Wiederaufforstung eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt, daher gibt es diese in einer großen Artenvielfalt, besonders auf den Penghu Inseln. Einige davon sind die Hühnerfasane (besonders die Art Lophura swinhoii), die zu den Rabenvögeln gehörende Formosa-Schweifkitta (engl. Artikel), der Weißschwanz-Tropikvogel, der Schneereiher, der Löffler und der Bindenfregattvogel.

Die Amphibienfauna ist mit 41 Spezies recht artenreich; auch mehrere stark gefährdete Arten befinden sich darunter. Sogar der größte Lurch der Welt, der Chinesische Riesensalamander, soll in Taiwan noch vorkommen – allerdings ist diese Art insgesamt akut vom Aussterben bedroht. Im Einzelnen gehören fünf Schwanzlurch- und 36 Froschlurcharten zur Tierwelt (drei Vertreter der Familie Winkelzahnmolche, einer der Riesensalamander, einer der Echten Salamander, drei Krötenarten, ein Laubfrosch, vier Engmaulfrösche, 16 Echte Frösche und zwölf Arten der Ruderfrösche). Die Aga-Kröte ist keine ursprünglich einheimische Art, sondern wurde vom Menschen eingeführt.[2]

Umweltverschmutzung

Wegen der hohen Bevölkerungsdichte leiden viele Regionen Taiwans an den Folgen schwerer Umweltverschmutzung. Am schlimmsten sind die Areale um Taipeh und Tainan bis Kaohsiung betroffen. In der Vergangenheit wurde diese Verschmutzung besonders durch Autos, Motorroller und Fabriken verursacht, als noch Blei ohne Bedenken benutzt wurde. Dies änderte sich nach der Gründung einer Umweltbehörde, die schon messbare Effekte in der Luftqualität erreicht hat.

Die Bodenverschmutzung ist besonders durch die neuere Schwerindustrie bedingt. Die steigende Anzahl an Giften im Boden ist eine stetig wachsende Herausforderung und schadet unmittelbar der Wirtschaft, da der agrikulturelle Export einen recht hohen Anteil hat. Auch die Wasserverschmutzung ist ein großes Problem, da zirka 90 Prozent der Abwässer ungeklärt in Flüsse und das Meer geleitet werden. Nach Schätzungen würde die Reinigung der Flüsse mehrere Milliarden US-Dollar kosten.

Ressourcen

Windräder an der Westküste bei Taichung

Die Kampferölgewinnung und Rohzuckerproduktion waren die wichtigsten Cash Crops seit dem 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Exportanteil dieser beider Branchen sank jedoch nicht nur, weil die Ressourcen hierfür langsam zur Neige gingen, sondern auch wegen der geringeren Nachfrage auf dem internationalen Markt.

Heutzutage machen Produkte aus der Agrikultur den Hauptteil der Exportprodukte aus. Binnenländische Produkte wie Früchte (Bananen, Guaven, Litschi und Javaäpfel), Reis, Fisch und Tee werden hauptsächlich exportiert. (Taiwaner bezeichnen Taiwan oft als „Fruchtexportland Nr. 1“, was jedoch bisher nicht verifiziert werden konnte.) Der Exporthandel musste jedoch seit 2001 zurückgehende Gewinne verzeichnen, nachdem die Republik China der Welthandelsorganisation beitrat.

Wegen der exzessiven Ausbeutung während Taiwans jüngster Geschichte sind mineralische Ressourcen wie Kohle, Gold und Marmor sehr rar, weswegen die Republik Einlagen an Kohle, Gas und Öl einrichtete. Die verbliebenen Waldbestände wurden unter Naturschutz gestellt und durch Aufforstung erweitert.

Die Wasserqualität ist durchschnittlich gut, jedoch empfiehlt die Regierung Wasser aus dem Wasserhahn abzukochen. Der Kalkgehalt liegt bei durchschnittlichen 10°dH.[3]

Die Elektrizität wird zu 55 Prozent durch Kohle, zu 18 Prozent nuklear, zu 17 Prozent aus Erdgas und zu je 5 Prozent aus Öl und erneuerbaren Ressourcen erzeugt. Öl und Gas für Transportmittel und zur Stromgewinnung müssen importiert werden, was die Wirtschaft Taiwans von konjunkturellen Schwankungen auf dem Energiemarkt abhängig macht. Aufgrund dessen beschloss das Exekutiv-Yuan, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromgewinnung von 5 Prozent auf 10 Prozent bis zum Jahr 2010 zu erhöhen. Mittlerweile wurden schon einige Windkraftwerke von deutschen und amerikanischen Firmen installiert, auch die Solarenergie wird immer interessanter für taiwanesische Firmen, zumal die Technologie der erneuerbaren Energien ein mögliches Exportprodukt für die Insel ist.

Die Regierung Taiwans will in der nahen Zukunft eine verbindliche Politik zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes von Taiwan festlegen. Nach ersten Angaben des stellvertretenden Premierministers Qiu Yiren soll dabei bis zum Jahr 2025 das Niveau des CO2 Ausstosses von 2000 erreicht werden. 221 Millionen Tonnen CO2 wurden von Taiwan im Jahr 2000 ausgestoßen, bereits im Jahr 2005 hat sich dieser Ausstoss um 25% auf 276 Millionen Tonnen vergrößert.[4]

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Taiwans

Die ersten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit (etwa um 4000 v. Chr.), eine weitere Siedlungswelle vom chinesischen Festland her lässt sich für zirka 2500 v. Chr. nachweisen. Diese Periode war durch Ackerbau und eine Megalithkultur mit aufgerichteten Großsteinen gekennzeichnet, und durch Gräber aus Steinkisten.

Noch während der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends unserer Zeitrechnung boten die indigenen Kulturen auf dem chinesischen Festland und den diesem vorgelagerten Inseln ein kulturell und linguistisch ähnliches Bild. Bis zum 17. Jahrhundert gab es jedoch kaum kulturelle Verbindungen zwischen Taiwan und China. Die indigenen Völker Taiwans pflegten Handelsbeziehungen sowohl mit China wie auch in Richtung Süden, z. B. mit den Philippinen.

Während der Sui-Dynastie soll es im Jahr 608 erstmals eine chinesische Expedition nach Taiwan gegeben haben. In der Anfang des 18. Jahrhunderts erschienenen ersten chinesischen Darstellung Taiwans (台湾府志/台灣府志 Taiwan Fuzhi – Schilderung des Distrikts Taiwan) ist als erste Expedition eine Reise des Admirals Zheng He im 15. Jahrhundert erwähnt, die jedoch ebenfalls nicht zweifelsfrei belegt ist.

1583 erreichten die Portugiesen als erste Europäer die Insel und nannten sie Formosa. 1624 besetzten niederländische Seefahrer und die Niederländische Ostindien-Kompanie den Süden der Insel und 1626 gründeten Spanier Niederlassungen bei Keelung und Tanshui.

Die erste größere chinesische Einwanderungswelle geht auf die niederländischen Kolonisatoren zurück, die ab 1624 Siedler anwarben. Um 1641 war etwa ein Drittel der Insel unter niederländischer Verwaltung. Die niederländische Kolonialverwaltung begann zudem mit der christlichen Missionierung der Ureinwohner und richtete die ersten öffentlichen Schulen ein. Das von den Niederländern eingeführte lateinische Alphabet hielt sich bis ins frühe 18. Jahrhundert.

Die niederländischen Kolonialherren wurden durch Koxinga (Zheng Cheng-Kung) vertrieben, einem Kriegsherrn, Piraten, Kaufmann chinesisch-japanischer Abstammung und Ming-Loyalisten. 1683 annektierten die neuen Herrscher in Peking, die von den siegreichen Mandschu gegründete Qing-Dynastie (1644–1911), die Insel.

Briefmarke der Republik Formosa, 1895

Hauptartikel: Taiwan unter japanischer Herrschaft

Im Frieden von Shimonoseki musste China nach dem verlorenen chinesisch-japanischen Krieg von 1894/95 Formosa und die Pescadoren an Japan abtreten, wodurch Taiwan dem japanischen Kaiserreich bis 1945 als Provinz angegliedert wurde.

Die japanische Kolonialverwaltung brachte in jahrzehntelangen blutigen Auseinandersetzungen die Bergvölker unter ihre Kontrolle und richtete Schulen und Polizeistationen in den Dörfern ein. Die bis dahin übliche Kopfjagd wurde unterbunden, und es wurde versucht, den Shintoismus als Staatsreligion und -ideologie einzuführen.

1945 wurde Taiwan nach der japanischen Niederlage gemäß den alliierten Kriegszielen (Kairoer Erklärung) in die damalige Republik China unter Führung von Chiang Kai-shek eingegliedert, während auf dem chinesischen Festland der Bürgerkrieg zwischen der regierenden Kuomintang (KMT) und den chinesischen Kommunisten wieder aufflackerte. Die Truppen der Republik wurden von den Taiwanern zunächst begeistert begrüßt, doch kam es wegen allgegenwärtiger Korruption, galoppierender Inflation und wirtschaftlichen Niedergangs rasch zu Spannungen zwischen Taiwanern und der von der Kuomintang-Regierung eingesetzten Verwaltung, die sich beim Zwischenfall vom 28. Februar 1947 in einem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand entluden. 1949 floh die Kuomintang-Regierung (KMT) unter Chiang Kai-shek nach ihrer Niederlage im chinesischen Bürgerkrieg auf die Insel.

Die Kuomintang regierte die Insel über vier Jahrzehnte als autoritären Einparteienstaat. 1987 hob die KMT das Kriegsrecht auf, die erste Oppositionspartei, die Demokratische Fortschrittspartei (DFP) wurde gegründet. Der lange aus Schulen, Behörden und Rundfunk verbannte taiwanische Dialekt erlebte eine Renaissance.

2000 wurde mit Chen Shui-bian erstmals ein Politiker der DFP (Demokratische Fortschrittspartei) Präsident. Er wurde 2004 knapp wiedergewählt und verfolgte außenpolitisch auch weiterhin eine strikte Politik einer nationalstaatlichen Eigenständigkeit.

Die Präsidentschaftswahlen am 22. März 2008 brachten nach zwei Amtszeiten von Chen Shui-bian einen Regierungswechsel. Zum neuen Präsidenten gewählt wurde der Kandidat der Kuomintang (KMT) Ma Ying-jeou.

Gesellschaft

Bevölkerung

Bunun-Tänzerin in traditioneller Kleidung vor einer Aufführung in Lona

Heute leben in Taiwan knapp 23 Mio. Menschen. Die Bevölkerung setzt sich zu 84 Prozent aus „Taiwanern“ (70 Prozent Hoklos, 15 Prozent Hakkas) und zu 14 Prozent aus „Festland-Chinesen“ zusammen. Alle drei Gruppen bestehen ethnisch überwiegend aus Han-Chinesen. Circa 2 Prozent der Bevölkerung gehören zu den Ureinwohner-Völkern.

Die Bevölkerungsdichte Taiwans ist mit 633 Einwohnern pro Quadratkilometer die zweithöchste aller Flächenstaaten weltweit (nach Bangladesch). Da überdies weite Teile der gebirgigen Insel fast unbewohnt sind, sind die Hauptsiedlungsgebiete in der westlichen Ebene mit den Metropolen Taichung, Tainan und der südlichen Hafenstadt Kaoshiung – der zweitgrößten Stadt des Landes – sowie im Norden um die Hauptstadt Taipeh extrem dicht besiedelt. Entsprechend hoch ist dort die Verstädterung.

Abstammung und Immigration

Der Großteil der Bevölkerung ist chinesischer Abstammung, die in mehreren Immigrationswellen vom Festland einwanderte. Die einheimische Bevölkerung in den Ebenen wurde assimiliert, nur in den unzugänglichen Bergregionen konnten die indigenen Völker ihre Eigenständigkeit bis ins frühe 20. Jahrhundert bewahren. Heute werden von der Regierung der Republik China 13 Ureinwohner-Völker offiziell anerkannt, weitere streben nach Anerkennung (Gesamtzahl 2004: 400.000). Ihre Kulturen sind seit Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend untergegangen, beziehungsweise von der chinesischstämmigen Bevölkerungsmehrheit assimiliert worden. Seit Mitte der neunziger Jahre gibt es Bestrebungen, zumindest die Sprachen der Ureinwohner zu bewahren.

Als Holländer und Spanier im 17. Jahrhundert mit der Kolonisation begannen, lebte bereits eine geringe Zahl chinesischer Siedler auf der Insel, die Bevölkerungsmehrheit stellten jedoch austronesische indigene Völker dar (circa 250.000). Ende des 17. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert begann eine massive Zuwanderung von Han-Chinesen aus der chinesischen Provinz Fujian.

Im Jahr 1919 wurde die Bevölkerung auf ungefähr 3 Millionen Han-Chinesen, 100.000 Japaner und 120.000 Angehörige indigener Völker geschätzt. Mit der Kuomintang kamen 1949 etwa 1,5 Mio. Flüchtlinge aus allen Teilen Festlandchinas nach Taiwan, die mit ihren Nachkommen heute ungefähr 14% der Bevölkerung stellen.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts hat sich das Verhältnis von Han-Chinesen zu Angehörigen indigener Völker auf fast 80:1 verschoben; heute leben auf Taiwan über 22 Millionen Han-Chinesen und 400.000 Austronesier.

Ureinwohner-Kultur

Am Sonne-Mond-See können alte Bräuche, Tänze und Riten der Ureinwohner von Besuchern in zwei nachgebauten Dörfern in einem Völkerkunde-Freilichtmuseum als Touristenprogramm erlebt werden.

Sprachen

Die offizielle Sprache der Republik China ist Hochchinesisch. Daneben spricht die Mehrheit der Bevölkerung Taiwanisch. Eine weitere bedeutende Sprachgruppe mit vielen Sprechern stellen die Hakka-Dialekte dar. Mit den festlandchinesischen Flüchtlingen sind 1949 darüber hinaus beinahe alle chinesischen Dialekte nach Taiwan gekommen. In der U-Bahn (MRT) in Taipeh werden die Stationen auf Hochchinesisch, Taiwanisch, Hakka und Englisch angesagt. Anders als auf dem Festland werden weiter die traditionellen chinesischen Schriftzeichen verwendet. Die Lateinische Schrift, die von Missionaren eingeführt wurde, diente in einigen Fällen zur Verschriftung der Sprachen der Ureinwohner.

Die Sprachen der Ureinwohner Taiwans gehören der austronesischen Sprachfamilie an. Folgende Völker der Ureinwohner sind als ethnische Minderheiten anerkannt: Ami, Atayal, Bunun, Kavalan, Paiwan, Puyuma, Rukai, Saisiyat, Sakizaya, Tao, Thao, Tsou und Truku (siehe Indigene Völker Taiwans). Heutzutage gehören nur etwa 2% der Bevölkerung diesen Volksgruppen an, noch weniger sprechen die Ureinwohnersprachen.

Um den Status dieser Sprachen zu verbessern, wurden die Ureinwohnersprachen neben Hochchinesisch, Taiwanisch und Hakka zu Nationalsprachen erklärt. Auch ein eigener Fernsehkanal für die Ureinwohner, auf dem Beiträge in verschiedenen Ureinwohnersprachen gesendet werden, wurde eingerichtet.

Konfuzius Tempel in Tainan. Die vier Zeichen am Eingangsbrett besagen „Erste Schule in ganz Taiwan“

Religion

Die Religionen mit den meisten Anhängern (93 Prozent) sind der Buddhismus, der Konfuzianismus und der Taoismus, welche sich durch Elemente der anderen beiden Religionen bereichern, sodass die Trennlinie zwischen ihnen schwer zu ziehen ist. Die Ureinwohner haben in den vergangenen Jahrzehnten größtenteils den christlichen Glauben angenommen (3,9 Prozent der Gesamtbevölkerung), der Katholiken, Protestanten, neuapostolische Christen und Mormonen einschließt. Erste Missionierungsversuche gab es bereits im 17. Jahrhundert durch Niederländer und Spanier. Nur 0,2 Prozent sind Muslime.

Literatur

Hauptartikel: Chinesische Literatur

Die drei bekanntesten frühchinesischen Werke sind Die Räuber vom Liang-Schan-Moor (水滸傳 / 水浒传, Shuǐhǔ Zhuàn „Wasserufergeschichte“), Der Traum der roten Kammer (chin. 石頭記 / 石头记, Shítóu Jì) und Die Reise nach Westen (chin. 吳承恩 / 吴承恩, Wú Chéngēn). Ein weiterer Klassiker ist Jin Ping Mei (chin. 金瓶梅, Jīn Píng Méi), die Geschichte über einen wohlhabenden Chinesen und seinen fünf Ehefrauen. (Das Buch ist in der Volksrepublik verboten, aber auf Taiwan noch erhältlich.) I Ging (chin. 易經 / 易经, Yì Jīng, W.-G. I Ching) wurde geschrieben, um die Zukunft zu bestimmen, wird jedoch von alten Chinesen als „Buch der Weisheit“ gehandhabt.

Auch sehr bekannt ist das Buch „Die Kunst des Kriegs“ (chin. 孫子兵法 / 孙子兵法, Sūnzǐ Bīngfǎ, engl. The Art of War), welches von Mao Zedong, jedoch nicht von Chiang Kaishek gelesen wurde.[5] Erst zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand eine autonome, taiwanesische Literatur. Das erste Buch, welches auch im Westen Aufmerksamkeit erregte war „Der hässliche Chinese“ (chin. 醜陋的中國人 / 丑陋的中国人, Chǒulòude Zhōngguórén, engl. The Ugly Chinaman) von Bo Yang, welches gegen die Regierung der Kuomintang unter dem Kriegsrecht geschrieben war. Kein weiterer Autor erreichte die gleiche Popularität wie Bo Yang im Westen, da die meisten Bücher nicht ins Englische übersetzt werden. Ein weiteres Buch, dass auch im Westen erhältlich ist, ist „Eine Familie in Taiwan“ (A Family in Taiwan), welches von dem Alltag eines 12-jährigen Mädchen und ihrer Familie handelt. „Chinesische Geschichten von Taiwan“ (Chinese Strories from Taiwan) wurde von Joseph Lau und Timothy Ross 1976 herausgegeben und wird heute noch gedruckt.

Siehe auch: Liste taiwanischer Schriftsteller

Theater

Der wesentliche Unterschied zwischen Chinesischem Theater und Westlichem Theater ist die Relevanz der Musik, die einen weitaus größeren Teil einnimmt und im Westen mehr der Oper zugeordnet wird. Die Chinesische Oper (chin. 戲曲 / 戏曲, Xìqǔ) ist sehr nah mit der Taiwanesischen Oper verwandt und integraler Teil dieser. Die Diaologe werden in Mandarin oder Taiwanesisch gehalten. Die Akteure kleiden sich in farbenprächtige Gewänder mit großen Masken. Einige Opern bieten eine englische Transkription auf einem Bildschirm nahe der Bühne an, jedoch werden die Opern im Original gehalten. Thematisch handelt es sich meist um Volkslegenden und Mythen auf deren Grundlage soziale, politische und spirituelle Aspekte dargestellt werden, früher oft auch mit großem Aktualitätsgehalt. Die Chinesische Oper datiert bis in die Tang-Dynastie zurück, als Kaiser Xuanzong (712–755) den Birnengarten (líyuán; 梨园) gründete, die erste berühmte Operntruppe in China, die hauptsächlich zu des Kaisers eigenem Amusement aufzutreten pflegte. Auf sie geht die heute noch für Schauspieler gebräuchliche Bezeichnung „Schüler des Birnengartens“ (梨园子弟) zurück.

Kino

Die Geschichte des chinesischsprachigen Films verläuft in drei unterschiedlichen Entwicklungslinien: dem Film in China, dem Film in Hongkong und dem Film in Taiwan. Der Film in Taiwan bildet neben dem vom Unterhaltungskino dominierten Film in Hongkong und dem staatlichen Reglementierungen unterworfenen Film in China eine eigenständige Filmkultur.

Taiwans bekanntester Regisseur ist Ang Lee der zuletzt Gefahr und Begierde drehte, welches als offizieller taiwanesischer Beitrag für die Nominierung um den besten nichtenglischsprachigen Film bei der Oscar-Verleihung 2008 ausgewählt wurde. Weitere Werke sind unter anderem Das Hochzeitsbankett und Eat Drink Man Woman. Der rote Faden durch viele Filme ist der Bruch zwischen Kindern und Eltern oder Taiwanern mit ihrer chinesischen Kultur. Die Schauspielerin Sylvia Chang spielte in Ang Lees Filmen sowie einigen Hong Kong-Produktionen mit. Ein weitere Regisseur ist Hou Hsiao-Hsien, ein auf dem Festland geborener Chinese, dessen Familie mit der Kuomintang nach Taiwan floh. Sein erstes medienwirksames Werk war „Eine Stadt der Traurigkeit“, welches sich mit dem Zwischenfall vom 28. Februar beschäftigt. Weitere Filme sind „Der Sandwichmann“ (The Sandwich Man), „Liebe, Wind, Staub“ (Dust in the Wind) und „Guter Mann, Gute Frau“ (Good Men, Good Women).

Musik

Musiker Taiwans waren lange Zeit in Asien sehr berühmt und viele wurden zu „Stars“. Ihre Musik ist mehr Softpop und balladenartig. Hardrock wird an sich als zu harsch und aufreibend empfunden, was das Rockgenre sehr klein bleiben lässt. Einige Popkünstler werden von der Rockmusik beeinflusst, lassen diese Tendenzen aber nur auf einigen Liedern eines Albums publizieren. Bis zur Aufhebung des Kriegsrechtes wurden taiwanesische Liedtexte in den Medien verboten. Aber nicht alle Künstler stammen aus Taiwan, viele von ihnen kommen vom Festland oder aus Hong Kong.

Heutzutage wird traditionelle taiwanesische Musik immer weiter durch moderne Popmusik verdrängt. Das Spielen von traditionellen Instrumenten wie zwei bis sechssaitge Geige (z.B. Yueqin), einige Flöten (Bawu, Dizi oder Xun), der Qin-Zitter, einer speziellen Zeremonietrompete (Nabal) oder Schlaginstrumente wie das Bianqing oder die sehr geläufigen Gongs sind immer mehr unpopulär. (siehe auch Chinesische Musik)

Teresa Teng gehört zu Taiwans berühmtesten Sängerinnen und begann ihre Karriere 1963 im Alter von 13 Jahren. Sie trat vor Soldaten an isolierten Grenzposten wie Kinmen oder Matsu auf. Daher wurde sie oft in Uniformen fotografiert und war für ihre harschen anti-kommunistischen Statements bekannt. Ihre Karriere wurde sehr von ihrem Vater unterstützt, einem hohen Militär. Interessanterweise hatte sie viele Fans in Hong Kong, Japan und Festlandchina. Mit der Aufhebung des Kriegsrechtes 1987 wurde es Taiwanern möglich, das Festland zu besuchen. Einige Musiker nutzten diese Chance und spielten vor Festland-Publikum, was Teresa Teng, damals 30, jedoch ablehnte. Ihre Konzerte in den 1980ern waren hauptsächlich für Waisen und Behinderte bestimmt, fanden aber nach wie vor auf Militärbasen statt. Nach ihrem Umzug nach Frankreich wurden diese Auftritte weniger. Sie war nicht verheiratet, hatte aber einen jüngeren, französischen Lebensgefährten. 1995 starb sie mit 42 Jahren an einem Asthmaanfall in Chiang Mai in Thailand. Sie wurde in Taiwan beerdigt und eine Statue wurde in der Nähe der „Autobahn 2“ errichtet, die zu einer Pilgerstätte für ihre Fans wurde. Neben der Statue spielt eine verdeckte Stereoanlage permanent Lieder von Teresa Teng.

Nicht nur von der chinesischen, auch von der Musik der Ureinwohner wurde der taiwanische Musikmarkt beeinflusst. Aus der Situation heraus, wirtschaftlich und kulturell langsam verdrängt zu werden, verkauften die Ureinwohner Kunst, Handwerk und Musik. Ihre Musik ist sehr mit ihren speziellen Tänzen verknüpft, welche sie eher in Touristenshows als auf persönlichen Festen aufführen.

Eine weitere Sängerin wurde ebenfalls sehr berühmt: Sherry Chang (chin. 張惠妹 / 张惠妹, Zhāng Huì-mèi), besser bekannt als A-mei. Sie sang anfangs oft mit ihrer jüngeren Schwester Saya und ihre Cousine Raya im Trio Amei-mei (chin. 阿妹妹, Āmèi-mèi „Ameis jüngere Schwester“).

Auch Rockmusik erfreut sich einer gewissen Beliebtheit. Die Band Power Station besteht aus zwei Brüdern des Paiwan-Stamms (siehe auch Gaoshan). Ihre Musik erinnert an die Hippie-Musik der westlichen 1960er, wie auch ihr Outfit: schulterlange Haare, Bluejeans, T-Shirts, Ohrringe und viel Schmuck. Beide spielen Gitarre und ihre Lieder handeln, ganz im Gegensatz zu denen der Teresa Teng und der A-mei von melancholischen Themen. Dies ist eher eine Ausnahme taiwanischen Musikgeschmackes, wo Stars mehr nach gut aussehenden College-Schülern aussehen, und ihre Lieder mehr vom glücklich-romantischen Leben handeln. Der melancholische Stil der Band kann auf das vergleichsweise schwere Schüler- und Studentenleben der beiden zurückgeführt werden. Einer von ihnen (Yen Chih-lin) baute sein Haus mit eigenen Händen und verdingte sich lange als schlecht bezahlter Augenoptikergehilfe, bevor er Musiker wurde. Sein Bruder You Chiu-hsing war ein Bauarbeiter, und begann seine Musikerkarriere, als seine Mutter ihm eine Gitarre schenkte. Der Zufall griff manchem unter die Arme. Power Station und Amei wurden beide von einem Label entdeckt, als sie in einem Pub spielten.

Auch die klassische (abendländische) Musik wird in Taiwan sehr geschätzt und an vielen Universitäten unterrichtet. Führende Institution ist heute die National Taiwan University of the Arts, die international viele Kooperationen mit anderen Universitäten eingegangen ist. Zwei Komponisten haben das klassische Musikleben der letzten Jahrzehnte in Taiwan entschieden beeinflusst: Chen Mao-Shuen (* 1936) und Ma Shuei-Long (* 1939). Als Kompositionsprofessor und Leiter der Musikabteilung der Shida University in Taipei erstellte Chen Mao-Shuen umfangreiche Lehrbücher für Harmonielehre, Tonsatz, Gehörbildung und Rhythmus, die den Grundstein für eine taiwanesische Schule bilden, wobei sich sein Lehrmaterial an europäische Schulmodelle orientieren. Auch heute noch werden seine musiktheoretischen Lehrbücher an den meisten Musikinstitutionen verwendet. Darüber hinaus verfasste er viele Kompositionen sowohl als Kunstmusik als auch als pädagogische Lehrstücke wie etwa die Klaviersonatinen. Das Komponieren für pädagogische Zwecke stellt eine Anknüpfung an abendländische Traditionen dar, die heute in Europa allmählich verloren geht. Für internationales Aufsehen sorgte der Komponist Ma Shuei-Long mit seinem Werk „Bamboo Flute Concerto“. Das Konzert stellt eine gelungene Verschmelzung von westlichen und fernöstlichen Stilelementen dar. 1983 wurde dieses Werk mit der Aufführung unter der Mstislav Rostropovich zum internationalen Erfolg.

Fotografie

Hauptartikel: Taiwanische Fotografie

Die Fotografie ist tief mit der Geschichte Taiwans verwurzelt. Die frühe Fotografie wird in zwei Perioden unterteilt: Pre-Japanische von 1858 bis 1895 und die Zeit der japanischen Einflüsse von 1895 bis 1945, als die Okkupation durch die Japaner auf Taiwan endete. Viele Werke der vor-japanischen Zeit stammen von Händlern und ausländischen Missionaren. Chang Tsai (張才 / 张才), Deng Nan-guang (鄧南光 / 邓南光) und Lee Ming-diao (李鳴鵰 / 李鸣雕) sind gemeinsam bekannt als die „Drei Fechter“ (Three Swordsmen) und einige der bekanntesten taiwanesischen Fotografen, die von 1930 bis 1950 aktiv waren. Die moderne Fotografie ist sehr von der nationalistischen Regierung gezeichnet, welche 1945 Besitz von Taiwan ergriff.

Einflüsse

Bahnhof in Hsinchu, der während der japanischen Okkupation errichtet wurde.

Japanisierung: Während der japanischen Okkupation wurden Schwerpunkte in der Erziehung und Wirtschaft gesetzt, die die Gesellschaft stark beeinflussten. Der wirtschaftliche Aufschwung und die Erziehung in japanischer Sprache und Kultur trugen dazu bei, dass sich viele Taiwaner als Japaner fühlten, was sich schon in ihrem japanischen Pass manifestierte. Die Japaner brachten auch als erste den jetzt sehr beliebten Sport Baseball nach Taiwan. Es gab sowohl in Grundschulen als auch in öffentlichen Schulen Baseballteams, deren Entwicklung ihren Höhepunkt im Kagi Nourin Baseball-Team (Landwirtschafts- und Forstschule) fand, als die Mannschaft den zweiten Platz im japanischen Koushien Daisai (Nationale Baseballspiele der weiterführenden Schulen) belegte. Auch heute ist Japanisch die zweitbeliebteste Sprache und viele Taiwaner der Großeltern-Generation sprechen immer noch Japanisch besser als Mandarin.[6]

Auch im Alltag sind Japans Einflüsse erkennbar, wo oft ganze Häuser oder wenigstens Zimmereinrichtungen im japanischen Stil gebaut sind. Auch werden japanische Produkte gerne als qualitativ besser eingeschätzt und japanische Waschmaschinen sind wesentlich öfter als westliche anzutreffen (optisch ist beispielsweise die Öffnung oben und nicht vorne).

Amerikanisierung: Die Amerikanisierung (und Re-Sinisierung) Taiwans begann nach der Flucht der Kuomintang nach Taiwan 1949. Durch die unterstützende Politik Amerikas, näherten sich diese Länder bis 1970 stark an. Amerikanische Autos wurden importiert, Kultgetränke wie Coca Cola und Miller-Bier traten auf und Englisch fand immer mehr Einzug in der Werbung und vor allem in der Wirtschaft. Da Englisch die Lingua Franca ist, lernten die Taiwaner Amerikanisches Englisch immer früher in der Schule und die Anzahl Englisch lehrender Grundschulen stieg drastisch. Ein beliebtes Prinzip dieser Grundschulen ist z.B., eine taiwanische Lehrerin ist für das Grundwissen und ein Englisch-Muttersprachler (Amerikaner, Engländer, Südafrikaner oder z.B. Australier) für den reinen Englischunterricht zuständig. Auch ist die Amerikanisierung im Baseball erkennbar. Zwar wurde er anfangs von den Japaner auf die Insel gebracht und war mit Japan verbunden, ist jedoch mehr und mehr Amerika gerichtet. Ein herausragendes Beispiel ist der Kinder- und Nationalheld Wang Chien-ming, der bei den New York Yankees spielt.[7]

Tourismus

Taiwan versucht, in zehn Jahren das zu schaffen, wofür andere Länder 100 Jahre gebraucht haben: Die Einrichtung einer Reihe von Nationalparks auf der Insel, in denen ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz, Erholung und wissenschaftlicher Forschung herrscht. Erst als die Bevölkerungsdichte bereits sehr hoch war, begann die Regierung der Republik China mit der Einrichtung von Nationalparks. Die Regierung verfolgt ein ehrgeiziges Programm, in dessen Rahmen sie 8,4 Prozent der Landfläche unter Naturschutz stellte. Das Nationalparksprogramm begann 1984, als an der Südspitze der Insel der Kenting Nationalpark gegründet wurde. 1985 und 1986 folgten die Nationalparks Yushan in Zentraltaiwan, Yangmingshan im Norden und Taroko im Osten der Insel. 1992 kam dann in Nordmitteltaiwan der Sheiba Nationalpark hinzu.

Taiwans größtes Campinggebiet wurde Ende 1991 im Nationalen Landschaftsschutzgebiets der Nordostküste, dort, wo der Shuanghsi-Fluss ins Meer mündet, eröffnet. Im Lungmen-Park entlang des Flussufers kann man unter anderem Wassersport treiben, Rad fahren und zelten.

Wulai ist eine Enklave der Ureinwohner Taiwans, in der es möglich ist die überlieferten Tänze und Feste des Atayal-Stammes zu erleben und den Anblick des Wasserfalls genießen können, der in Kaskaden durch die üppige Vegetation zu Tal schäumt.

Taroko-Schlucht

Die tiefeingeschnittene Taroko-Schlucht entstand durch einen Fluss, der sich durch die Marmor- und Granitberge hindurch gearbeitet hat. Eine Straße, die in das Gestein gehauen wurde, schlängelt sich durch mehrere hundert Meter hohe, steil aufragende, bewaldete Berge, während viele Meter weiter unten der Fluss an Marmorfelsen vorbeifließt. Hier und da klammern sich Pavillons, Pagoden oder Tempel an die in Nebel gehüllten Berghänge, an anderen Stellen schießen Wasserfälle aus Gesteinsspalten heraus und stürzen steile Felswände hinab.

Steinzeitfunde im Dorf Peinan

Im Dorf Peinan, fünf Kilometer nordwestlich von Taitung, bargen Arbeiter 1980 mehrere Sarkophage aus der Erde. Dieser Fund war der Anfang für ein acht Jahre währendes Projekt, das zum Erhalt der Peinan-Kultur beitragen sollte. Die Peinan waren ein Volk von Bauern und Jägern, die dort vor mehr als 5.000 Jahren lebten.

Die Töpferwaren, steinernen Utensilien, Jadegegenstände, Särge und Skelette, die an der Ausgrabungsstätte gefunden wurden, werden heute im Kulturzentrum des Landkreises Taitung aufbewahrt. Das Nationalmuseum für Prähistorische Kultur Taiwans bei Peinan stellt in einem Freilichtmuseum größere und in einem Innenbereich kleinere Stücke aus.

Heiße Quellen

Jahrhundertelang kamen betagte Ureinwohner im Winter in das Tal am Unterlauf des Chihpen nahe Taitung im südlichen Teil der Ostküste, um in den Sand am Flussufer flache Löcher zu graben, die sich alsbald mit heißem Wasser füllten, das dort aus der Erde sprudelt. Die alten Leute legten sich dann in diese improvisierten Badewannen, um Schmerzen zu lindern.

Chinesische Einwanderer entdeckten bereits vor langer Zeit die Vorzüge des Tals, welches heute ringsum von Papaya-, Bananen- und Betelnussplantagen umgeben ist und erschlossen das Erholungsgebiet der Thermalquellen von Chihpen. Sehenswürdigkeiten sind der „Weißjade-Wasserfall“, der Chingchueh-Tempel, in dem ein Bronze- und ein Jadebuddha zu sehen sind.

Daneben gibt es in fast allen Gebirgsregionen Taiwans weitere heiße Quellen, unter anderem im Yangmingshan-Nationalpark und in der Tarokoschlucht.

Nationalparks

Kenting-Nationalpark

Der Kenting-Nationalpark bedeckt die Südspitze Taiwans und damit auch den einzigen tropischen Küstenstreifen der Insel. An drei Seiten ist der Park von Wasser umgeben: Im Osten vom Pazifik, im Süden vom Bashi-kanal und im Westen von der Taiwanstraße. Die Fläche des Parks umfasst über 177 km² Land und 149 km² Ozean. Besonders bekannt ist der Kenting-Nationalpark für seine Korallenriffe, natürliche Monsunwälder und tropische Regenwälder.

Yangmingshan-Nationalpark

Die vielen heißen Quellen und Gasfonten am Berg Yangming belegen Taiwans vulkanischen Ursprung, und sie sind Teil des Yangmingshan Nationalparks nördlich der Hauptstadt Taipei. Von Februar bis April blühen hier Azaleen und Kirschblumen. Während dieser Zeit ist der Park ein besonders beliebtes Ausflugsziel. Bereichert wird das Farbenspiel durch die zahlreichen Vogel- und Schmetterlingsarten.

Sheiba-Nationalparks

Im Südosten der Stadt Hsinchu erheben sich im zentralen Bergmassiv zwei mächtige Gipfel, der Hsuhberg und der Tapachienberg. Sie sind das Herz des Sheiba Nationalparks. Der größte Teil des Parks ist nicht bebaut. Die Bergflüsse sind sauber, und große Flächen sind vom Urwald bedeckt. Wie der Yushan-Nationalpark und der Taroko-Nationalpark dient auch Sheiba Taiwans vierbeinigen Säugetieren und zweibeinigen Rucksackträgern als Zufluchtsort.

Museen

Auf Taiwan gibt es mehr als 400 Museen vom weltweit bekannten „Nationalen Palastmuseum“ bis hin zu kleinen Lokalmuseen. Die meisten von ihnen wurden innerhalb der letzten 30 Jahre aufgrund des „Taiwan-Wunders“ gegründet. Die „Chinese Association of Museums“ (Chinesischer Museumsverein) hat mehr als 18 verschieden Themen der Museen festgestellt, welche bildende Kunst, moderne und zeitgenössische Kunst, Geschichte, Archäologie, Anthropologie, Naturwissenschaften, Technik, Kunsthandwerk, Industrie, Gedenkhallen, Theater, Literatur, Musik und mehr einschließen.

Die meisten Museen sind in Taipei, Taichung und Kaohsiung angesiedelt, obwohl die Republik China verschiedene Bestrebungen hatte, um Museen in anderen Städten oder Landkreisen zu eröffnen wie in Tainan, Taitung und Pingtung. Alle gehören dem „Social Education Act“ (Soziale Erziehungs Verein) an, welcher sie als soziale und kulturelle Institution definiert und sind vom Kulturministerium abhängig.

Das Nationale Palastmuseum

Taipeis faszinierendes Nationales Palastmuseum beherbergt die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunstwerke von unschätzbarem Wert, die die 5.000 jährige Geschichte Chinas umspannt. Die meisten der 620.000 Objekte waren Teil der kaiserlichen Sammlung, mit der in der frühen Sung-Zeit vor über 1.000 Jahren begonnen wurde. Nur die besten Stücke aus der kaiserlichen Sammlung werden hier bewahrt. Selbst so ist dieser Schatz noch bei weitem zu umfangreich, um auf einmal ausgestellt werden zu können. Viele der besonders geschätzten Stücke werden permanent gezeigt. Der Großteil der Sammlung von Jade, Porzellanwaren, Gemälden und Bronzen wird jedoch regelmäßig ausgetauscht.

Es ist das einzige Museum, dass nicht dem „Social Education Act“ (Soziale Erziehungs Verein) unterstellt ist, sondern dessen Direktor Mitglied der Regierung und berichtet direkt dem Premierminister.

Das Nationale Geschichtsmuseum

Das Nationale Geschichtsmuseum an der Ecke des Botanischen Gartens gelegen, verfügt über eine einmalige Sammlung historischer Stücke von unsagbarem Wert.

Museum für Moderne Kunst

In den 24 Ausstellungsräumen des Museums für Moderne Kunst werden Werke der modernen Kunst vorgestellt. Eine Reihe privater Galerien, von denen viele im Taipeier Stadtviertel Dinghao dicht beieinander liegen, sind auf die unterschiedlichsten Malereien im chinesischen und westlichen Stil spezialisiert.

Chronologie der Museen

Quelle: „Museums of Taiwan“ des Kulturministeriums der Republik China[8]

1915 Unter der japanischen Herrschaft wurde das erste Museum, das „Nationale Geschichtsmuseum“ gegründet.

1953 Mit dem Verein „Social Education Act“ (Soziale Erziehungs Verein) wurden Museen als soziale Erziehungseinrichtung definiert und vom „Ministerium für Erziehung“ verwaltet.

1964 Eine antike Kollektion chinesischer Kaiser wurde der Öffentlichkeit zur Besichtigung bereitgestellt, als das „Nationale Geschichtsmuseum“ geöffnet wurde.

1977 Mit der 12. Kulturreform wurde entschieden, dass jede Stadt- und Landkreisregierung ein Kulturzentrum bauen solle. Dies konnten Büchereien, Museen oder Vortragashallen sein.

1990 Gründung der „Chinese Association of Museums“ (Chinesischer Museumsverein) mit Verbindungen zu nationalen und internationalen Museen.

1994 Öffnung des „Shung Ye Museums“, welches von den taiwanesischen Ureinwoher-Stiftung „Shung Ye Foundation“ initiiert worden ist.

2001 Die „Culture and Arts Reward Act“ (Kultur und Kunst Vergütungsstiftung) autorisiert die „National Culture and Arts Foundation“ (Nationale Kultur und Kunst Stiftung) – eine vom „Kulturministerium“ (Council for Cultural Affairs) verwaltete Stiftung, zur Vergabe von Fördermitteln.

2002 Das Kulturministerium gründet den „Local Cultural Centre Development Plan“ (Entwicklungsplan für lokale Kulturzentren) , welcher kleine Museen weiter fördern soll.

Bekannte Persönlichkeiten

Siehe auch

Literaturverzeichnis

  • Oskar Weggel: Geschichte Taiwans. Vom 17. Jahrhundert bis heute. Edition global, München, 2007. 338 S, ISBN 3922667082 Rezension von Urs Schoettli in der NZZ vom 22. Juni 2007 (1. A. Böhlau, 1991, ISBN 3-412-02891-6)
  • Davidson, James: The Island of Formosa. Past and Present. London and New York, 1903
  • Neukirchen, Mathias: Die Vertretung Chinas und der Status Taiwans im Völkerrecht, 428 Seiten, ISBN 3-8329-0459-X.
  • Shepherd, John Robert: Statecraft and Political Economy on the Taiwan Frontier, Stanford 1993, ISBN 0-8047-2066-5
  • Sommer, Katharina & Xie, Shu-Kai: Taiwanisch – Wort für Wort. Bielefeld 2004, ISBN 3-89416-348-8.
  • Weiss, Walter: Taiwan. Das andere China. München: Welsermühl, 1987 ISBN 3-85339-197-4
  • Storey, Robert: Taiwan. 4. Auflage, Verlag: lonely planet, Australien: Hawthorn, 1998, 420 Steine, ISBN 0-86442-634-8
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 1, 2. Auflage, 1994, ISBN 957-9019-52-5, Online Ausgabe
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 2, 2. Auflage, 1996, Online Ausgabe: Fotokopie/pdf
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 3, 2. Auflage, 1993, Online Ausgabe: Fotokopie
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 4, 2. Auflage, 1998, Online Ausgabe: Fotokopie
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 5, 2. Auflage, 2000, Online Ausgabe: Fotokopie
  • NTU: Flora of Taiwan Volume 6, 2. Auflage, 2003, Online Ausgabe: pdf

Einzelnachweise

  1. Chao, Kang & Johnson, Marshall (2000). Nationalist Social Sciences and the Fabrication of Subimperial Subjects in Taiwan, 1. Auflage, Band 8, 167 Seiten
  2. Amphibiaweb.org
  3. Water Quality, www.sinica.edu.tw/, Zugriff am 7. November 2007
  4. CO2-Emissionen sollen bis 2025 auf das Niveau von 2000 reduziert werden, Radio Taiwan International, 21. Dezember 2007
  5. Storey, Robert: Taiwan. 4. Auflage, Verlag: lonely planet, Australien: Hawthorn, 1998, 420 Steine, ISBN 0-86442-634-8: Seite 23, Absatz „Literature“
  6. Japanisch beliebteste 2. Fremdsprache, Radio Taiwan International, 30. Oktober 2007
  7. Taiwans Baseballstar Wang wurde unter den 100 einflussreichsten Personen der Welt in der Time, Radio Taiwan International, 4. Mai 2007 genannt.
  8. Museums of Taiwan: Chronological Landmarks, Letzter Zugriff am 19. Dezember 2007 (Englisch)

Weblinks

23.716666666667120.857Koordinaten: 24° N, 121° O


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