Tabakzusatzstoff


Tabakzusatzstoff

Tabakzusatzstoffe werden häufig bei der Herstellung von Tabakerzeugnissen eingesetzt, um Wirkung, Haltbarkeit und Abbrennverhalten zu verändern sowie das Abhängigkeitspotenzial zu erhöhen. Tabak kann mehr als 10% Zusatzstoffe enthalten. Die Verordnung über Tabakerzeugnisse legt in Deutschland fest, welche Tabakzusatzstoffe für die einzelnen Darreichungsformen verwendet werden dürfen. Es gibt jedoch auch Tabakprodukte, die ohne Zusatzstoffe hergestellt werden[1]. Eine Untersuchung im Jahr 2007 ergab, dass die meisten US-Amerikaner nicht wissen, was außer Nikotin und Teer in einer Zigarette enthalten ist. [2] Eine der Forderungen, bzw der von den unterzeichnenden Staaten eingegangenen Verpflichtungen, des WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, besteht in der Offenlegung der Inhaltsstoffe des Zigarettentabaks, sowie von deren Emissionen (Im Zigarettenrauch sind andere Stoffe als in der unverbrannten Zigarette. Durch die Verbrennung entstehen neue -zum Teil noch gefährlichere- Molekülverbindungen).

Inhaltsverzeichnis

Abhängigkeitsverstärker

Hauptartikel: Nikotinabhängigkeit

Bereits in den 70er Jahren wurde gezielt auf die abhängigkeitsverstärkende Wirkung von Zusatzstoffen und bestimmte Anbaumethoden gesetzt. Durch häufig über hundert synthetische und natürliche Stoffe, wie Ammoniumsalze, Harnstoff, Soda und ähnliche Zusätze, wird das Nikotin im Zigarettenrauch schneller und in größerer Menge freigesetzt und bei der Inhalation stärker absorbiert. Es ist nachgewiesen, dass eine wesentlich schnellere und stärkere Nikotinaufnahme das Suchtpotenzial erhöht. Auch leichte Zigaretten führen auf diese Weise zu einer hohen Abhängigkeitsrate. Dem Filter und dem Zigarettenpapier werden zudem alkalische Stoffe beigemengt.[3][4][5]

Des Weiteren werden nahezu allen Zigaretten Stoffe beigegeben, die den Tabak verträglicher machen sollen. Diese Zusätze werden vor allem im Hinblick auf neue und junge Konsumenten eingesetzt und sollen einen Einstieg in den regelmäßigen Zigarettenkonsum begünstigen. Menthol ist meist unterhalb der geschmacklich wahrnehmbaren Menge von 0,03% beigemischt und fördert die Aufnahme des Nikotins in der Lunge, weil der Rauch milder wird und sich die Atemfrequenz erhöht. Einen ähnlichen Effekt hat die Zugabe von Zucker.[6][7]

Aus der Ärztewoche: Durch Zusatzstoffe wie Ammoniak, Harnstoff oder Soda kann der pH-Wert des Rauchs basischer gemacht werden, was das Nikotin aus seinen Salzen löst und die Bioverfügbarkeit dramatisch erhöht. „Freies Nikotin wird in der Mundhöhle und in den Atemwegen schneller resorbiert als das in Partikeln gebundene Nikotinsalz“, so Pötschke–Langer, „was zu dem erwünschten raschen Anfluten, dem Nikotinflash führt. Zwischen dem pH-Wert des Rauchs und dem Verkaufserfolg einer Zigarettenmarke bestehen eindeutige Zusammenhänge. Je schneller das Nikotin anflutet, desto besser verkauft sich das Produkt.“ [8]

Seit bei der Zigarettenmarke Marlboro Ammoniak zugesetzt wurde, stieg in den 1960er Jahren der Verkauf massiv an, so dass andere Hersteller nachzogen und ihre Tabakprodukte ebenfalls manipulierten. Aus internen Papieren von R.J. Reynolds geht hervor, dass bereits in den 70er Jahren gezielt auf die abhängigkeitsverstärkende Wirkung von Zusatzstoffen und bestimmten Anbaumethoden gesetzt wurde. Auch dem Filter und dem Zigarettenpapier werden alkalische Stoffe beigemengt. [9]

Weitere Zusatzstoffe

Eine Vielzahl von Zusatzstoffen wird nach Angaben der Tabakhersteller zur Geschmacksverbesserung, zur Befeuchtigung, zum Konservieren, für bessere Verbrennung und zum Binden der Bestandteile eingesetzt[10]. Gefriergetrockneter mit Halogenkohlenwasserstoff und Ammoniumverbindungen gesättigter Tabak vergrößert das Volumen (puffed oder expanded tobacco, „Blähtabak“) und damit die Gesamtmenge, die sich aus dem unverarbeiteten Tabak herstellen lässt [11]. Demselben Zweck dient die Verarbeitung sogenannter homogenized sheet tobaccos (Folientabake), die unter Verwertung anderweitig nicht nutzbarer Reste und Pflanzenbestanteile entstehen. Durch Wiederanreicherung von daraus hergestelltem Rohstoffbrei mit Nikotin wird die Quantität des aus einer begrenzten Tabakmenge gewonnenen Zigarettenfüllstoffs vervielfacht.[11]

Zugelassene Stoffe und ihre Wirkung

  • Harnstoff und Soda verstärken Freisetzung und Aufnahme von Nikotin in der Lunge, da der Tabak basischer wird
  • Zucker und Glykol karamellisieren zusammen mit dem Ammoniak und erzeugen dadurch einen weichen Geschmack, Zucker wird gesundheitsgefährdend (kanzerogen) durch Veränderungen bei der Verbrennung. Da Glykol gemäß Tabakverordnung[12] in Deutschland nicht in Tabakprodukten verwendet werden darf, wird dies in deutschen Zigaretten nicht passieren.
  • Menthol und Gewürznelken vermindern das Reiz- und Schmerzempfinden der Lunge, so dass der Rauch tiefer und beschwerdefreier inhaliert werden kann.
  • Laut Tabakverordnung [13] sind nur bestimmte Verbindungen als Feuchthaltemittel zugelassen, im Einzelnen handelt es sich um Glycerin,Propylenglykol, Triäthylenglykol und 1,3-Butylenglykol.
  • Schellack als Klebemittel
  • Lakritze
  • Kaffee
  • Guarkernmehl
  • mit Säuren behandelte, dünnkochende Stärke
  • Konservierungsstoffe: Sorbinsäure (E 200), Natriumsorbat, Kaliumsorbat (E 202) und Calciumsorbat (E 203), Benzoesäure (E 210) und Natriumbenzoat (E 211) para-Hydroxybenzoesäure-Äthylester (E 214), para-Hydroxybenzoesäure-Propylester (E 216) und deren Natriumverbindungen (E 215 und E 217).

Ammoniumverbindungen wie Ammoniumchlorid sind in Deutschland für Kautabake zugelassen, nicht für Tabak zum Rauchen.

Quellenangaben

  1. Datenbank der Tabakzusatzstoffe für Zigaretten und andere Tabakerzeugnisse
  2. New National Survey Finds Most Americans Don't Know What's In a Cigarette, Campaign for Tobacco-Free Kids, 28. März 2007
  3. Kinderaerzte-Lippe.de Kinderärzte Lippe
  4. Lebensmittelüberwachung Baden-Württemberg
  5. http://www.aerztewoche.at/viewArticleDetails.do?articleId=5707 aerztewoche.de
  6. tabakkontrolle.de
  7. Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
  8. http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/a-h/allgemeinmedizin/?full=8128 Archiv auf Springermedizin.at
  9. www.sgpp-schweiz.ch
  10. British American Tobacco: The facts about tobacco ingredients. (Zusatzstoffe nach Angaben von British American Tobacco)
  11. a b NOVA: Anatomy of a Cigarette.
  12. Tabakverordnung in der Fassung vom 28.06.10
  13. Tabakverordnung in der Fassung vom 28.06.10

Weblinks


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