Säulen des Herakles


Säulen des Herakles
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Als Säulen des Herakles (altgriechisch αἱ Ἡράκλειοι στῆλαι hai Herakleioi stēlai) bezeichnete man im Altertum den Felsen von Gibraltar (lat. Calpe) im Süden der Iberischen Halbinsel und den Berg Dschebel Musa in Marokko, westlich der spanischen Exklave Ceuta.[1] Andere Quellen bezeichnen Abyle (lat. mons Abila) unmittelbar beim spanischen Ceuta in Nordafrika, welcher heute als Monte Hacho bekannt ist, als die südliche Säule des Herakles. Die Phönizier, welche die Meerenge auf ihren Entdeckungsfahrten um 1100 v. Chr. erreichten, bezeichneten die beiden das Mittelmeer begrenzenden Vorgebirge nach ihrem Sonnengott als Säulen des Melkart (Baal von Tyros). Der Name des Gottes wurde später von den Griechen per Interpretatio Graeca, dem griechischen Herakles gleichgesetzt. Sie formulierten weiterhin, diese Meerenge würde das Ende der Welt bilden und wäre einst von Herakles gesetzt worden. So sind es jene Säulen, die den Himmel tragen, also Atlas. Diesen suchte Herakles auf, um die Äpfel der Hesperiden zu erhalten. Weil er dafür kurz dem Atlas dessen Last abnahm, nannte man diese Säulen des Herakles.

Im Widerspruch zu dieser frühzeitlichen Auffassung steht allerdings die Erwähnung dieser Säulen in der Germania des Tacitus, der diese im Gebiet der Friesen vermutete.[2] Auch nach der Bibliotheke des Apollodor befanden sich diese Säulen im Land der Hyperboreer, mithin im Norden, so dass sie ebenso gut in der Nordsee bei Helgoland gelegen haben könnten.

Platon siedelt sein mythisches Inselreich Atlantis jenseits der Säulen des Herakles an, da für die alten Griechen hier der bekannte Teil der Welt endete.

Inhaltsverzeichnis

Wappen von Spanien und Cádiz

Wappen von Cádiz

Siehe auch: Wappen Spaniens

Die Säulen des Herakles scheinen in Wappen Spaniens, Andalusiens und der Stadt Cádiz auf. Wenn sie neben dem eigentlichen Wappen stehen, werden sie in der Heraldik zu den Prachtstücken gezählt. Im Wappenschild sind Säulen eine gemeine Figur. Die Bekrönung der Säulen im spanischen Wappen sind verschieden: heraldisch rechts die Krone von Karl III., links die spanische Königskrone. In den Wappen der ersten und zweiten Spanischen Republik blieben die Säulen unbekrönt.

Dollarzeichen

Potosi Real.jpg
Hauptartikel: Dollar und Spanischer Real

Die Herkunft des Währungssymbol für den Dollar, das Dollarzeichen „$“, lässt sich nicht eindeutig belegen. Eine Theorie besagt, dass es auf den Spanischen Real zurückgeht, als dessen Bestandteil das Spanische Wappen aufgeprägt war und so als stilisiertes Symbol für die Säulen des Herakles gesehen werden kann. Der Ursprung des Real-Zeichens, geht auf Ferdinand II. von Aragón zurück, der 1492 mit der Eroberung Granadas die Mauren aus Spanien vertrieb, weswegen er seinem Wappen, die beiden Säulen des Herakles zufügte mit der Devisenon plus ultra“ (lat. für „nicht mehr weiter“) mit der Bedeutung „bis hierhin und nicht weiter“, was sich auf die islamischen Mauren bezog, die auf afrikanischer Seite bis zur Straße von Gibraltar siedeln durften, aber nicht darüber hinaus. Als dann Christoph Kolumbus im gleichen Jahr 1492, die neue Welt entdeckte, wurde die Devise in „plus ultra“ (lat. für „und weiter“) umgeändert. Beide Säulen werden dabei von jeweils einem S-förmigen Band umschlängelt, auf dem jeweils ein Wort „plus“ und „ultra“ der Devise steht. Die beiden Striche wären so als Säulen und das „S“ als stilisiertes Spruchband zu lesen.[3]

Tabula Peutingeriana

Die Säulen des Herkules auf der Peutinger-Tafel

Auf der Tabula Peutingeriana befinden sich die Säulen des Herakles („columne ercole“) auf einer Insel auf der atlantischen Seite der Straße von Gibraltar. Vermutlich handelt es sich dabei um die abstrahierte Darstellung des Herkulestempels von Cádiz, der 1146 von den Almoraviden zerstört wurde, auf der heutigen Isla de Sancti Petri. Die Insel ist zwischen Cádiz (Caditana) und Baelo Claudia (Belone) sowie zwischen Tanger (Tingi) und Tabernis eingezeichnet.

Geistes- und Kunstgeschichte

Titelblatt von Bacons Instauratio Magna

Das Motiv der Säulen des Herakles fand in unterschiedlichen Zusammenhängen weite Verbreitung. Der Renaissancephilosoph Francis Bacon nutzte es z. B. in seiner „Instauratio magna“ als Symbol für das bewusste Durchbrechen der Wissensgrenzen von Antike und Mittelalter. („Viele werden hindurchfahren und die Erkenntnisse der Wissenschaft werden sich vermehren“ lautet die Unterschrift der Titelgraphik.)

Siehe auch

 Commons: Pillars of Hercules monument, Gibraltar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder vor Ort

Literatur

Belege

  1. Der Erstbeleg findet sich bei dem griechischen Dichter Pindar, der in seinem Dritten olympischen Gesang über einen Sieg des Theron von Akragas im Wagenrennen bei den olympischen Spielen des Jahres 476 v. Chr. schreibt: εἰ δ᾽ ἀριστεύει μὲν ὕδωρ, κτεάνων δὲ χρυσὸς αἰδοιέστατος, νῦν δὲ πρὸς ἐσχατιὰν Θήρων ἀρεταῖσιν ἱκάνων ἅπτεται οἴκοθεν Ἡρακλέος σταλᾶν. τὸ πόρσω δ᾽ ἔστι σοφοῖς ἄβατον κἀσόφοις. οὔ νιν διώξω: κεινὸς εἴην. - Doch so wahr als Wasser das Beste, das Gold vor allen Gütern ehrenwert: Also berührt nun Theron, gelangt an die Grenzen, Herakles' Säulen durch Tugenden seines Geschlechts. Ein höheres Ziel ist Weisen und Narren versagt. Ich verfolge es nicht, ich wäre wahrlich eitel.
  2. Cornelius Tacitus, Germany and its Tribes, 34 Alfred John Church, William Jackson Brodribb, Ed
  3. Arthur Nussbaum: A history of the dollar. New York : Columbia University Press, 1957.

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