Svalbard


Svalbard
Svalbard
Hauptstadt Longyearbyen
Staatsform Territorium Norwegens
Fläche 61.022 km²
Einwohnerzahl 2921 (2007)
Währung Norwegische Krone
Zeitzone Mitteleuropäische Zeit (UTC +1)
Kfz-Kennzeichen ZN Gelb auf schwarzem Grund
Internet-TLD .no (wie Norwegen) eigentlich .sj, wird aber nicht verwendet
Vorwahl +47
Karte von Svalbard

Svalbard ist eine von Norwegen verwaltete Inselgruppe im Nordatlantik und Arktischen Ozean. Im deutschen Sprachgebrauch hat es sich eingebürgert, die gesamte Inselgruppe nach der Hauptinsel Spitzbergen zu bezeichnen.

Die Besiedlung Svalbards erfolgte in erster Linie ab etwa 1900 wegen reicher Kohlevorkommen. In neuerer Zeit gilt Svalbard als „größtes Labor der Welt“ für Arktisforschung, zu dem auch ein Startplatz für Forschungsraketen gehört (SvalRak). Die Inselgruppe ist gemäß dem Spitzbergen-Vertrag eine demilitarisierte Zone.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Svalbard (Erde)
DEC
Svalbard
Svalbard
Die Lage der Inselgruppe Svalbard auf der Weltkarte

Die Inseln liegen nördlich des Polarkreises zwischen 74 und 81 Grad nördlicher Breite sowie zwischen 10 und 35 Grad östlicher Länge. Die größten Inseln sind Spitzbergen (norwegisch Spitsbergen), Nordostland (Nordaustlandet), Barentsøya, Edgeøya und Prinz-Karl-Vorland (Prins Karls Forland). Aber auch kleinere Inseln, wie beispielsweise die südlicher gelegene Bäreninsel (Bjørnøya) und Hopen, das König-Karl-Land im Osten oder aber die im äußersten Nordosten Svalbards gelegene Insel Kvitøya zählen dazu.

Die höchste Erhebung der Insel Spitzbergen ist der Newtontoppen, dessen Höhe meist mit 1717 Meter angegeben wird.

Die Küsten der Inseln sind, ähnlich wie die Westküste von Norwegen, stark zerklüftet und von Fjorden durchsetzt. Das Boot ist ein wichtiges Verkehrsmittel, besonders im Sommer, wenn die sumpfige Tundra nicht auf dem Landweg durchquert werden kann. Mehr als 60 Prozent der Landfläche von Svalbard ist von Gletschern bedeckt.

Küste der Insel Prinz-Karl-Vorland

Die Inselgruppe ist tektonischen Aktivitäten ausgesetzt, die gelegentlich zu kleineren Erdbeben führen. Am 21. Februar 2008 ereignete sich das bisher stärkste Beben, in dessen Epizentrum etwa 140 Kilometer südöstlich von Longyearbyen die Stärke 6,2 auf der Richterskala gemessen wurde.[1] Dieses Erdbeben war zugleich das stärkste in ganz Norwegen seit Beginn der Aufzeichnungen (ca. 100 Jahre).

In den vergangenen 600 Millionen Jahren driftete die Inselgruppe Svalbard aus der Südpolregion rund 15.000 Kilometer in die Nordpolarregion.[2]

Klima

Klimadiagramm von Svalbard

Das Klima um Svalbard ist arktisch. Es ist das ganze Jahr kühl bei zwar regelmäßigen, aber geringen Niederschlägen. Die Küstenregionen sind im Sommer nur für etwa sechs Wochen schneefrei, die Fjorde frieren im Winter nur zeitweise zu. Bei kühlen Sommern sind die Winter trotz der nördlichen Lage sehr mild, da der Westspitzbergenstrom, ein Ausläufer des Golfstromes, entlang der Westküste relativ warmes Wasser ins Nordpolarmeer transportiert. Er ist der Hauptgrund dafür, dass die Inselgruppe überhaupt bewohnbar ist.

Im Sommer, der Anfang Juni sonnig beginnt und im September mit Nebel, Regen und Schnee endet, liegen die Temperaturen zwischen −2 °C und +17 °C. Im Winter ist es zwischen −25 °C und +5 °C kalt, und es gibt häufig Schneefall und Nebel. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei −4,5 °C.

Mitteltemperaturen auf Svalbard
Monat Jan. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez.
Grad Celsius –11,5 –11,6 –10,2 –7,3 −2,8 +1,9 +5,7 +5,0 +0,8 −4,4 −8,3 −10,3


Svalbard liegt weit nördlich des Polarkreises. In Longyearbyen dauert die Polarnacht vom 26. Oktober bis zum 16. Februar. Von Mitte November bis Ende Januar bleibt die Sonne mehr als sechs Grad unter dem Horizont, es tritt also nicht einmal eine Dämmerung ein. Im Sommer geht die Sonne vom 20. April bis zum 26. August nicht unter. Die jährlichen Sonnenstunden betragen 1150 Stunden, wobei die meisten auf die Zeit zwischen Mai und Juli fallen.

Fauna

Für ganz Svalbard gültiges Eisbären-Warnschild

An größeren Landsäugetieren kommen nur das Spitzbergen-Ren, der Eisbär und der Polarfuchs vor. Der Eisbär, dessen Population im Gebiet der Inselgruppe auf rund 3000 Tiere geschätzt wird, ist eigentlich ein maritimes Tier, da er sich hauptsächlich auf dem umliegenden Meereis aufhält. Er wandert mit der Packeisgrenze der Küste entlang, da sich dort seine bevorzugte Beute, die Robben, findet. Trotzdem muss auf der ganzen Insel jederzeit mit dem Auftauchen des Beutegreifers gerechnet werden. Es ist daher verboten, sich außerhalb von Siedlungen ohne geeignete Waffe oder ohne bewaffneten Führer aufzuhalten. Seit 1973 stehen die Eisbären auf Svalbard ganzjährig unter Schutz.

Die hier lebende Unterart der Rentiere, das Spitzbergen-Ren, ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis. Es kommt nur auf Svalbard vor. Der Polarfuchs ist das kleinste der verbreiteten Säugetiere. Wegen seines weißen Fells wurde er früher intensiv mit Fallen bejagt.

Andere Landsäugetiere sind sehr selten oder fehlen. Die Feldmaus wurde um Longyearbyen schon gesichtet, wurde aber wahrscheinlich durch Schiffe eingeschleppt.

Dickschnabellummen (Uria lomvia) an den Vogelklippen von Stappen auf der Bäreninsel

Die Zahl der Meeressäuger war vor dem Beginn des groß angelegten Walfangs bedeutend höher. Lange Zeit waren große Fangflotten unterwegs, die erst Grönlandwale und Nordkaper und später auch verschiedene Furchenwale bejagten. Narwale gab es schon immer nur wenige in diesem Gebiet, und die Anzahl der Weißwale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Das gleiche gilt im verstärkten Maß für Walrosse, die vollständig von den westlichen Küsten vertrieben wurden. Andere Robben, die auf Svalbard vorkommen, sind die Sattelrobbe, die Ringelrobbe, die Bartrobbe und vereinzelt auch die Klappmütze.

Die Vogelwelt ist arm an Arten, lediglich 30 brüten auf den Inseln. Am häufigsten sind die Alkenvögel, die in riesigen Kolonien brüten. Dazu gehören die Dickschnabellumme, die Gryllteiste, der Krabbentaucher (ca. 1 Million Brutpaare), der Papageientaucher und die Trottellumme. Außerdem kommen verschiedene Möwenarten vor (Dreizehenmöwe, Eismöwe, Elfenbeinmöwe u. a.), alle vier europäischen Raubmöwen, der Eissturmvogel, verschiedene Limikolen (am häufigsten der Meerstrandläufer), die Küstenseeschwalbe, Thorshühnchen, und der Sterntaucher. An Entenvögeln brüten die Kurzschnabelgans, die Ringelgans, die Weißwangengans die Eiderente und selten die Prachteiderente auf Svalbard. Im Landesinneren kommt das Alpenschneehuhn vor, die einzige Vogelart, die auch den Winter hier verbringt. Als einzige Singvogelart besiedelt die Schneeammer die Inselgruppe.

In Süßwasseransammlungen leben unzählige kleine Krebstiere, wobei die Art Lepidurus (Apus) glacialis, die an Kaulquappen erinnert, besonders ins Auge fällt.

Flora

Blühende Tundrenvegetation auf Svalbard: Arktische Glockenheide (Cassiope tetragona)

Die Pflanzenwelt ist typisch für die hiesige Tundrenvegetation. Die meisten der hier vorkommenden 130 Blütenpflanzen findet man auch im skandinavischen Gebirge und auf Nowaja Semlja. Es gibt Steinbrecharten, Fingerkraut, Weiße Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie Gräser, Löwenzahn und Wollgras. Es gibt mehrere Weidenarten, von denen jedoch nur die Polarweide (Salix Polaris) häufig ist. Darüber hinaus ist die seltene Zwergbirke (Betula nana) der einzige „Baum“, der jedoch wie auch sämtliche Weidenarten nur am Boden kriecht und noch nicht einmal als Busch bezeichnet werden kann.

Moose bilden an vielen Stellen zusammenhängende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausmaße erreichen. Den reichsten Bewuchs findet man entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht. Das umliegende Meer ist reich an Algen, die auch im Polarwinter unter der Eisdecke leben. Besonders auffällig sind Braunalgen, die bis zu drei Meter lang werden können. In Süßwassertümpeln leben Kieselalgen und Armleuchteralgen (Charophyceae). Schneealgen leben auf dem Schnee und färben ihn grün oder rot. Diese Färbung tritt vor allem im Sommer in der Nähe von Vogelkolonien auf, da der Kot der Tiere Stickstoff liefert.

An den Küsten wird eine große Menge von Treibholz angespült, das vorwiegend aus Nadelgehölzen, die von den sibirischen Strömen ins Nordpolarmeer transportiert wurden, besteht.

Bevölkerung

(Norwegischer) Hauptort von Svalbard ist Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen mit ca. 1.800 Einwohnern. Dort befindet sich auch die Universität UNIS. Des Weiteren gibt es die russisch-ukrainische Siedlung Barentsburg mit rund 900 Einwohnern. Ny-Ålesund ist ein norwegisch-internationales Forschungszentrum, in dem zwischen 40 und 100 Forscher tätig sind (abhängig von der Jahreszeit). In Svea arbeiten bis zu 200 Grubenarbeiter, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. Eine polnische Forschungsstation am Hornsund zählt acht Bewohner. Die russische Kohlegrube in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt, die Siedlung selbst (zu Spitzenzeiten bis zu 1000 Einwohner) wurde im Jahr 2000 aufgegeben. Ebenfalls aufgegeben wurde die ehemalige sowjetische Siedlung Grumant. Insgesamt hat Svalbard heute etwa 2700 bis 2800 ständige Einwohner.

Geschichte

Frühe Geschichte

Svalbard-Karte von 1758

Schon 1194 wurde in norwegischen Schriften Svalbardi fundinn („die kalte Küste gefunden“) erwähnt. Es wird vermutet, dass damit Svalbard gemeint war, es könnte jedoch auch Jan Mayen oder Grönland gewesen sein. Als eigentlicher Entdecker gilt Willem Barents, der am 25. Juni 1596 die Inselgruppe sichtete. Nach ihm sind der Ort Barentsburg und die Barentssee benannt. Er selbst benannte das Land nach den spitzen Bergen an der Westküste. Spitzbergen ist heute der Name der größten Insel Svalbards. Barents fand enorme Mengen an Walen und Walrossen vor. In der Folgezeit wurden daher zahlreiche Fangexpeditionen durchgeführt, die zu einer sehr schnellen Dezimierung der Wal- und Walrossbestände führten. Diese haben sich bis heute nicht nennenswert erholt.

Nachdem Henry Hudson 1607 die Inseln besuchte, war man an diesen als Jagdgelände interessiert. Als bekannt wurde, dass es in den umliegenden Gewässern viele Wale gab, kamen große Fangflotten nach Svalbard.

Anfänglich gab es oft Streitigkeiten zwischen den Schiffen der verschiedenen Länder. Daraufhin wurde 1619 entschieden, die Häfen zwischen den Nationen aufzuteilen. Britische Fangschiffe waren hauptsächlich zum Ende des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts westlich von Svalbard unterwegs. Im Jahre 1788 gab es zum Beispiel 255 britische Fangschiffe. Zwischen 1669 und 1778 reisten 14.167 holländische Schiffe zur Inselgruppe, die zusammen 57.590 Wale fingen. Der holländische Hauptort war Smeerenburg. Auch russische Jäger gab es auf Svalbard. Diese machten vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Jagd auf Weißwale, Eisbären, Polarfüchse, Walrosse und andere Robben.

Neuere Geschichte

Der Deutsche Karl Graf von Waldburg-Zeil unternahm 1870 in Begleitung des Forschers Theodor von Heuglin eine Forschungsreise nach Svalbard.

Longyearbyen, Sommer 2007

John Munroe Longyear gründete 1906 die erste Grubensiedlung und gab ihr den Namen Longyearbyen (etwa „Die Longyearstadt“). Max Raebel besuchte 1908 den Archipel und führte geologische, botanische, meteorologische und geographische Untersuchungen durch, er traf hier 1910 Ferdinand Graf von Zeppelin, der eine Polarexpedition mit dem Luftschiff plante. Roald Amundsen erreichte mit einem Luftschiff von Ny-Ålesund aus im Jahr 1926 vermutlich als erster den geografischen Nordpol der Erde.

1916 übernahm die norwegische Store Norske Spitsbergen Kulkompani die Grubenanlagen und Steinkohlevorkommen in und um Longyearbyen. 1920 wurde der Spitzbergen-Vertrag geschlossen. 1925 erlangte Norwegen die Souveränität über Svalbard. Die dramatische Suche und Rettungsaktion nach der von Umberto Nobile geführten Nordpol-Expedition mit dem Luftschiff Italia im Mai 1928 machte die Inselgruppe weltweit bekannt. 1935 trat auch die Sowjetunion dem Spitzbergen-Vertrag bei.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Svalbard im August 1941 durch die Alliierten evakuiert und die Infrastruktur von Longyearbyen und Barentsburg zerstört. Ab September 1941 operierten auf Svalbard Wettertrupps der Wehrmacht wie das Unternehmen Knospe, um Wetterbeobachtungen sowohl für den strategisch wichtigen Zugang zum russischen Nordmeer als auch für die Wettervorhersage in Mitteleuropa durchzuführen. Am 14. Mai 1942 landete eine norwegische Einheit und besetzte Longyearbyen wieder für den Rest des Krieges. Am 8. September 1943 zerstörte ein deutscher Gefechtsverband (Tirpitz, Scharnhorst sowie neun Zerstörer) mit dem Unternehmen Sizilien einige Siedlungen. Es gab Tote und Verletzte, die Stadt Longyearbyen wurde nahezu vollständig zerstört. Im weiteren Verlauf des zweiten Weltkriegs stationierte die Kriegsmarine und die Luftwaffe der Wehrmacht sowohl auf West-Spitzbergen als auch auf Nordostland mehrere Wettertrupps. Der letzte deutsche Wettertrupp, und damit die letzte Wehrmachtseinheit überhaupt, kapitulierte erst im September 1945 auf Nordostland.

Sämtliche Überbleibsel menschlicher Kultur aus der Zeit vor 1946 sind denkmalgeschützt und dürfen nicht verändert werden; das gilt insbesondere für die hölzernen Überreste von Grubenbahnen und Hütten.

Geschichte der Kartografie von Svalbard

Topografische Karte Svalbards

Der älteste bezeugte Name der Inselgruppe ist der altnordische Name „Svalbard“, das „Kalte Küste“ bedeutet. Diese Bezeichnung ist seit mindestens 1194 bezeugt. Willem Barents benannte bei seiner Entdeckung das Land nach seinen spitzen Bergen Spitzbergen, dazu legte er acht weitere Namen für Teile der Inseln fest. Barents Entdeckung war der Startpunkt für die sogenannte „Walfangperiode“ auf Svalbard, die etwa von 1600 – 1710 dauerte. Diese Periode war vorwiegend durch dänische und englische Aktivitäten geprägt. Giles & Rep veröffentlichten im Jahr 1710 die erste Karte Svalbards, auf der die Küstenlinien vollständig verzeichnet wurde. Vorläufig diente Svalbards Küste vorwiegend als Ausgangspunkt für den Walfang, womit auch diese für die Kartografie zentral war. Die Karte enthielt auch schon eine ganze Reihe von Ortsnamen, die jedoch sehr willkürlich gewählt waren. Die Namen attributierten zu allem Möglichen:

  • Landschaftsformen
  • Landmarken für die Navigation, Häfen
  • Pflanzen
  • Tiere
  • Personen
  • Länder und Gebiete aus den Heimatländern der Jäger
  • Religion, Heilige

Viele dieser Namen waren in den jeweiligen Sprachen der Walfänger verfasst, was später zu absichtlichen oder unabsichtlichen Übersetzungen in andere Sprachen (vorwiegend ins Norwegische) führte. Dabei entstanden Fehler oder Missverständnisse, so dass die abgeleiteten Namen eine neue Bedeutung erhielten.

Nachdem der Walfang nach 1710 praktisch zum Erliegen gekommen war, da der Grönlandwal praktisch ausgerottet worden war, blieb Svalbard bis 1858 weitgehend unbewohnt. Bis auf einige russische Jäger, die auf den Inseln Füchse, Rentiere, Walrösser, Robben und Eisbären jagten, war das Interesse der Menschen an der Inselgruppe gering. Aus dieser Zeit sind entsprechend keine neuen Flurnamen überliefert. Einige englische, französische oder schwedische Expeditionen fielen in diese Zeit, ihre Nachwirkung war jedoch ebenfalls sehr gering.

Das Jahr 1858 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Entdeckungsgeschichte Svalbards. Ab diesem Datum finden nun fast dauernd Expeditionen zur Inselgruppe statt, mit rein naturwissenschaftlichem Hintergrund. Fast alle europäischen Länder organisieren solche Expeditionen oder beteiligen sich daran, darunter Norwegen, Schweden, Deutschland, England, die Schweiz, Österreich, Monaco und Schottland.

Adolf Erik Nordskiöld

Die dabei neu entstandenen Karten enthalten auch neue Namen, diese sind jedoch zwischen den verschiedenen Kartografen nicht einheitlich und häufig durch Übersetzungsfehler entstellt. Der erste, der versuchte, diese Ungereimtheiten zu bereinigen, war Adolf Erik Nordenskiöld. Seine wichtigste Karte von Svalbard wurde 1875 publiziert. Als Dank für Unterstützung oder Beteiligung an der Expedition beginnt er, neue Namen aus den Personennamen dieser Unterstützer zu bilden, was nach ihm sehr verbreitet wird.

Ebenfalls als Kartograf von Svalbard war August Petermann in Erscheinung getreten. Nachdem er deutschen Besiedlungen in Afrika unterstützt hatte, leitete er zwei Arktisexpeditionen, zwischen 1868 und 1870 zunächst nach Spitzbergen, dann nach Ostgrönland. Er verwendete für seine Karten auch Namen von deutschen Entdeckern Afrikas. Seine Publikationen erschienen um 1870.

Nach der Jahrhundertwende finden verschiedene Fahrten statt, die vorwiegend oder ausschließlich die Kartografie zum Ziel haben. Zu den wichtigsten Unterstützern dieser Projekte gehörte Albert I. von Monaco, der im Jahr 1899 selbst nach Svalbard gereist war. 1906/1907 finanzierte er die Expedition von Gunnar Isachsen, der auch später noch mehrfach das Archipel bereiste. Auch Adolf Hoel leistete während seiner Reisen einen wesentlichen Beitrag zur Kartografie Svalbards.

Als weitere wichtige Kartografen Svalbards gelten Sir Martin Convay, der erstmals ausführliche Karten des Landesinneren zeichnete, was zur Einführung zahlreicher neuer Namen führte, sowie De Geer. Letzterer versuchte, möglichst konsistente Regeln für die Namensgebung der geografischen Punkte festzulegen. Zusammenhängende Namen sollten für zusammenhängende Gebiete verwendet werden (z. B. die Vornamen einer Königsfamilie), Namen in der einheimischen Sprache sollten bevorzugt werden, um falsche Übersetzungen zu vermeiden (falls nötig mit latinisierter Transkription). Auch vermied er bewusst lange, komplizierte Namen, da diese im täglichen Gebrauch abgekürzt und damit verfälscht wurden. Allzu allgemeine Namen sollten vollständig vermieden werden, wie etwa Tierarten für geografische Bezeichnungen (bereits verbreitete Namen wie Bjørnøya – Bäreninsel – blieben natürlich). Bei ihrer Kartografie beeinflussen sich De Geer und Isachsen gegenseitig, Isachsen verwendet jedoch bevorzugt französische Namen, De Geer englische. Dabei entstehen erneut durch Übersetzungsfehler bedingte, unlogische Namenskombinationen wie Mt Vortefjell (fjell ist das norwegische Wort für Berg) oder Glacier Verdebræ (bræ bedeutet Gletscher auf norwegisch).

Wappen des Sysselman
Die Nordsyssel, Schiff des Sysselmann in Ny Alesund

Die vollständigsten Karten dieser letzten wichtigen Entdeckerperiode werden um 1923 publiziert.

Politik

Svalbard wird direkt von einem Repräsentanten der norwegischen Regierung geleitet. Dieser trägt den Titel Sysselman und ist gleichzeitig Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber anderer offizieller Funktionen. Er soll auch die Rechte und Pflichten sicherstellen, die Norwegen laut Spitzbergen-Vertrag obliegen. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurde in mehreren politischen Vorstößen die Selbstverwaltung durch die Bevölkerung gestärkt. Im Oktober 2007 fanden auf Svalbard erstmals Wahlen für ein lokales Parlament statt.

Die Hoheitsrechte innerhalb der 200-Meilen-Zone werden von Norwegen beansprucht, was allerdings umstritten ist, auch weil in der Arktis Bodenschätze vermutet werden.

Infrastruktur

Svalbard ist durch den internationalen Flughafen in Longyearbyen mit Norwegen und anderen Ländern verbunden. Weiterhin kommen im Sommer verschiedene Forschungs- und Touristenschiffe in die Häfen. Außerhalb der Ortschaften gibt es so gut wie keine befestigten Wege. So erfolgen die Transporte mittels Flugzeug, Schiff und Motorschlitten. Der größte Arbeitgeber der Inselgruppe, die norwegische Bergbaugesellschaft Store Norske Spitsbergen Kulkompani, hat zwei eigene Flugzeuge, die für Transporte zwischen Sveagruva und Longyearbyen eingesetzt werden.

Für die umfangreichen Forschungsprojekte auf Svalbard, vorwiegend die UNIS und die Satellitenstationen in der Umgebung von Longyearbyen, wurde ein 2GB/s Unterwasser-Kabel vom Festland aus gelegt, womit in allen größeren Siedlungen Svalbards schnelle Internetanschlüsse verfügbar sind.

Wirtschaft

Bergbau-Denkmal in der russischen Siedlung Barentsburg

Da Norwegen aufgrund des Svalbard-Vertrags von Sèvres vom 9. Februar 1920 keine Einkünfte aus Svalbard beziehen darf, bleiben die eingezogenen Steuern auf der Inselgruppe. Dies hat zur Folge, dass das Steuerniveau im Gegensatz zu anderen norwegischen Gebieten sehr niedrig ist. Die Einkommenssteuer liegt unter 20 %, und eine Umsatzsteuer existiert überhaupt nicht. Dies wird jedoch dadurch kompensiert, dass viele Produkte, insbesondere Frischwaren wie Gemüse und Obst, aufgrund der hohen Transportkosten deutlich teurer sind als auf dem Festland.

Ny-Ålesund im Sommer

Außerdem beinhaltet der Vertrag, dass die Inseln zwar zu Norwegen gehören, gleichzeitig aber haben alle Vertragsparteien das Recht, die Bodenschätze auszubeuten – diese Fragen waren mit der Entdeckung von Kohlevorkommen akut geworden. Von diesem Recht machen von den 39 Ländern, welche den am 30. Juni 1925 in Kraft getretenen Spitzbergenvertrag bisher unterzeichnet haben, heute nur Norwegen und Russland (Arktikugol) Gebrauch. Die Kohleförderung ist gemessen am Weltmarktpreis relativ teuer und damit nicht wirtschaftlich.

Heute arbeitet die Bevölkerung (hauptsächlich Norweger und Russen) der dünn besiedelten Insel in der Forschung, im Tourismus oder im Bergbau, vorwiegend in den Städten Longyearbyen, in Sveagruva und Barentsburg. Die drei Ortschaften sind untereinander nicht durch Straßen oder Wege verbunden.

Auf Spitzbergen befindet sich auch ein Raketenstartplatz (SvalRak). Außerdem existieren zahlreiche Satelliten-Bodenstationen, vor allem für polare Erdbeobachtungssatelliten. (SVALSAT und TUBSAT-Bodenstationen in Longyearbyen, BIRD-Bodenstation in Ny-Ålesund).

Pflanzensamenbank

Siehe Hauptartikel: Svalbard Global Seed Vault

Eingang zum SGSV

Am 26. Februar 2008 wurde eine Pflanzensamenbank offiziell eingeweiht, die von der norwegischen Regierung mit Unterstützung der EU, der Nordic Gene Bank und dem Global Crop Diversity Trust (GCDT) errichtet wurde.

Die Svalbard Global Seed Vault ist eine internationale Organisation, die es als ihre Aufgabe ansieht, weltweit Nutzpflanzen zu erhalten und die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Dabei soll auch dieser Samen-Bunker auf Spitzbergen dienen, der 120 Meter tief im Permafrost-Felsmassiv Spitzbergens liegt. Ziel der Pflanzensamenbank ist es, die wichtigsten Nutzpflanzenarten der Erde zu bewahren. Besonders die Sortenvielfalt von Pflanzen wie Reis, Weizen oder Gerste soll auf Spitzbergen vor genetischer Verunreinigung und vor Verlusten durch Atomkriege, Naturkatastrophen oder Pflanzenepidemien geschützt werden. Insgesamt sollen hier künftig 1,5 Millionen Pflanzensamenproben der weltweiten Nutzpflanzen lagern, die Kapazität reicht für 4,5 Millionen Samen. Alleine 70.000 Reissorten und 15.000 Bohnensorten werden bei −18 °C gespeichert. Die Samen kommen aus der ganzen Welt. 175 Länder planen, ihre Samenproben nach Spitzbergen zu schicken.[3]

Tourismus

Alte Eisenbahn in Ny-Ålesund

Svalbard lebt vom Tourismus, die Hauptsaison ist im Sommer zwischen Anfang Juni und Mitte August, während der Mitternachtssonne. Er findet hauptsächlich um Longyearbyen statt oder auf Schiffen, die die Inselgruppe umrunden und dabei auch Landgänge anbieten. Da auf den Inseln Eisbären leben, ist es nicht erlaubt, die Ortschaften unbewaffnet zu verlassen. Camps sollten mit einem Bärenzaun geschützt sein. Für Wanderungen braucht man außerhalb des sogenannten Area 10 eine Genehmigung des Sysselmannes – im Area 10 (Longyearbyen, Barentsburg, Kap Linne, Sveagruva) und rund um Pyramiden und Ny Ålesund können Touren ohne Genehmigung unternommen werden - sollten jedoch zur eigenen Sicherheit an- aber auch wieder abgemeldet werden. Ausrüstung und Bewaffnung sind erforderlich. Eine Anmeldung für genehmigungspflichtige Expeditionen sollte so frühzeitig wie möglich beim Sysselman erfolgen. Eine Versicherung für SAR ist erforderlich − hierbei sind hohe Versicherungsprämien zu entrichten und entsprechende Ausrüstungsstandards zu beachten.

Kultur

Für Svalbard existieren eine eigene norwegische Wochenzeitung, die Svalbardposten, und ein lokaler Fernsehkanal, Longyearbyen TV.

Einzelnachweise

  1. Artikel auf Spiegel online
  2. Artikel auf Spiegel online
  3. Siehe den Bericht auf http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/17/0,3672,7162769,00.html

Literatur

  • Rolf Stange: Spitzbergen – Svalbard. Wissenswertes rund um eine arktische Inselgruppe. Eigenverlag, Rostock 2008.
  • Rolf Stange: Steine und Eis. Ein geographischer Reisebegleiter für Spitzbergen und Ostgrönland (68°–74°N). 2. Auflage. Eigenverlag, Rostock 2005.
  • Ward J. M. Hagemeijer, Michael J. Blair (Hrsg.): The EBCC Atlas of European Breeding Birds. Poyser, London 1997, ISBN 0-85661-091-7.
  • Fridtjof Mehlum: Birds and Mammals of Svalbard. Norsk Polarinstitutt, Oslo 1990, ISBN 82-90307-67-5.
  • Ulrich Schildberg: Kohle im Eis – Bergbau auf Spitzbergen. In: Glückauf. Heft 7/8, 2007, S. 352–355.
  • Andreas Umbreit: Spitzbergen mit Franz-Joseph-Land und Jan Mayen. 8. Auflage. Stein, Welver 2007, ISBN 3-89392-282-2.
  • Horst-Günter Wagner: Klimatologische Beobachtungen in Südostspitzbergen 1960 Steiner, Wiesbaden 1960.
  • DAV-Sektion Regensburg (Hrsg.): Spitzbergen-Expedition 1999. Deutscher Alpen-Verein, Regensburg 1999.
  • Jan Ole Unger: Die nördlichste Feuerwehr der Welt in BRANDSchutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung 1/2001, W. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, S. 52 ff.
  • Christian Kempf: A Journey to Svalbard Polar Territory Eigenverlag, Orléans 1999
  • Norsk Polarinstitutt; The Place-Names of Svalbard; Oslo; 1942, Ausgabe 2001; ISBN 82-90307-82-9

Weblinks

78.90518.0130555555567Koordinaten: 78° 54′ N, 18° 1′ O


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